Sparst Du noch, oder investierst Du schon?

Sparst Du noch, oder investierst Du schon?

Als ich begann diesen Blog zu schreiben, habe ich mir vorgenommen a) die Kontrolle bei finanziellen Angelegenheiten, b) Ansätze zum Sparen, c) die Entwicklung passiver Einkommensströme und d) Finanzinvestitionen zum Vermögensaufbau zu beleuchten. Bisher habe ich einiges zur Kontrolle über die finanziellen Angelegenheiten und über Ansätze zum Sparen geschrieben. Doch jetzt ist es Zeit für die Frage: „Sparst Du noch, oder investierst Du schon?“

Begriffsbestimmung

Auf einigen Blogs zu personal finance Themen war mir aufgefallen, dass es zu einem Verwaschen der Begriffe sparen und veranlagen kommt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da auch der allgemeine Sprachgebrauch nicht scharf unterscheidet. Gemein hin hört man Aussagen wie „Sparen zahlt sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld gar nicht mehr aus“ oder man spricht von „Sparprodukten der Banken und Versicherungen“; besonders verwirrend ist auch der Begriff des „Sparplans“.

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Richtigerweise würde man die oben genannten Statements wie folgt umformulieren: „Investieren (auf Festgeldkonten oder in Staatsanleihen) zahlt sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld gar nicht mehr aus“ oder „Investment- oder Anlage-Produkte von Banken und Versicherungen“; der besagte „Sparplan“ wäre wohl besser als „Investitionsplan“ benamst.

Eine sinnvolle Veranschaulichung der genannten Begriffe ist, in einem Kreislauf mit drei unterschiedlichen Aktivitäten zu denken:

geld-verdienen-sparen-investierenDer Startpunkt des Kreislaufs ist das Geldverdienen. Dies wird in den allermeisten Fällen die hauptberufliche, selbständige oder unselbständige Tätigkeit sein. Es handelt sich also um eine aktive Einkommensquelle, bei welcher Zeit gegen Geld getauscht wird (mehr dazu in diesem Artikel). Der erste Schritt des Kreislaufs können allerdings auch passive Einkommensquellen sein.

Der nächste Schritt ist das Sparen oder in anderen Worten das Nicht-Ausgeben des verdienten Geldes. Die positive Differenz zwischen verdientem Geld und Ausgaben wird oft in Prozent des verdienten Geldes als Sparquote bezeichnet. Das Sparen an sich führt aber noch zu keinem weiteren Effekt, als dass es zum Ansparen eines Geldberges kommt.

Genau deshalb folgt der dritte Schritt, Investieren. Hier wird das gesparte Geld, ggf. nach dem Dotieren des Notfallfonds, gezielt investiert. Durch diese Investition in Finanzanlagen aller Art, werden passive Einkommensquellen geschaffen. Das bedeutet, dass die Finanzanlagen zu regelmäßigen Zahlungsströmen (Ausschüttungen, Dividenden, Zinsen) führen, die dann wieder auf den ersten Schritt des Kreislaufs einzahlen.

Durch das regelmäßige und systematische Wiederholen des Kreislaufs kann es zu einer schrittweisen Substitution der aktiven Einkommensquellen durch passive Einkommensquellen im Schritt 1 des Kreislaufs kommen. Sobald durch passive Einkommensquellen sämtliche Ausgaben abgedeckt werden können, kann von finanzieller Freiheit ausgegangen werden!

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Warum ist es sinnvoll zwischen Sparen und Investieren klar zu unterscheiden?

Die Unterscheidung zwischen Sparen und Investieren ist insbesondere deshalb sinnvoll und wichtig, weil sehr unterschiedliche Stoßrichtungen bzw. Ziele verfolgt werden. Beim Sparen wird einfach von den (aktiven oder passiven) Einkünften weniger ausgegeben. Investieren andererseits hat hingegen zum Ziel Vermögen aufzubauen und passive Einkommensquellen zu schaffen.

Im Ergebnis bedeutet das auch, dass eine sparsame Person nicht notwendigerweise auch eine vermögende oder gar finanziell freie Person werden wird. Erst das konsequente Aufbauen der passiven Einkommensquellen aus Finanzanlagen, wird dazu führen, dass ein ansehnliches Vermögen angesammelt wird bzw. finanzielle Freiheit aus diesem Vermögen erreichbar wird.

Ab wann ist es sinnvoll mit dem Investieren zu beginnen?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Um die Extrempositionen abzustecken könnte man am einen Ende des Spektrums vom Investieren ab den ersten gesparten €20,- sprechen. Am anderen Ende stehen die Anforderungen diverser Privatbanken mindestens ein verfügbares Vermögen von € 1 Mio. mitzubringen, um investieren zu dürfen.

Ich denke, die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen, allerdings wohl deutlich am unteren Ende 😉 Meine Empfehlung wäre, jedenfalls durch Sparen zuerst den Notfallfonds zu füllen, bevor investiert wird. Dies hat insbesondere den Zweck, auch bei einem finanziellen Engpass nicht in den oben beschriebenen Kreislauf eingreifen zu müssen. Sobald nämlich der Notfallfonds dotiert ist, kann zusätzlich Erspartes dann auch vollständig investiert werden und es nicht erforderlich, dass zusätzlich gespartes Geld auf Giro- oder Tagesgeldkonten brach liegt.

Beim nachfolgenden Investieren, sind aber keine großen Mindestbeträge erforderlich. Viele Sparpläne (=Investitionspläne!) in Fonds erlauben schon die Teilnahme ab €20 pro Monat. Auch sind bei den meisten Online-Brokern Mindestgebühren vernachlässigbar, weshalb auch Direktinvestitionen in Wertpapiere ab einigen Hundert Euro sinnvoll darstellbar sind.

Daher gilt in der Tat: Sparst Du noch oder investierst Du schon? Freue mich auf Ihre Reaktionen und Gedanken in den Kommentaren!

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Ihr Buchhalter hat unrecht: Ihr Haus/Ihre Eigentumswohnung und Ihr Auto sind Verbindlichkeiten!

Ihr Buchhalter hat unrecht: Ihr Haus/Ihre Eigentumswohnung und Ihr Auto sind Verbindlichkeiten!

Als ich begann diesen Blog zu schreiben, habe ich mir vorgenommen, ernsthafte Ansätze zu verfolgen und nicht ins Esoterische und Marktschreierische abzugleiten. (Siehe auch meinen Artikel: Ziel dieses Blogs: Wege zur finanziellen Freiheit aufzeigen). Warum daher jetzt die Feststellung, dass ein Haus/eine Eigentumswohnung oder ein Auto eine Verbindlichkeit sei?

Nach den Regeln der Buchhaltung ist eine Immobilie bzw. ein Auto ganz klar als Vermögensgegenstand in die Bilanz aufzunehmen. Typischerweise wird der Kaufpreis samt Kaufnebenkosten angesetzt und dann linear abgeschrieben. Die jährlichen Belastungen der Abschreibung sind in der Gewinn-und-Verlustrechnung ein Negativposten, auch wenn sie nicht cash-wirksam sind. Ganz ähnlich verhält es sich mit einem Auto. Die Finanzierung dieser Vermögensgegenstände kann ganz unterschiedlich abgebildet werden, entweder durch einen Kauf auf Kredit oder durch Eigenkapital. Nur diese Art der Mittelaufbringung ist auf der Passivseite der Bilanz verortet.

Auch der allgemeine Sprachgebrauch und die Meinung vieler unserer Mitmenschen geht ganz klar von Vermögensgegenständen aus: „Er ist ein reicher Mann, er hat ein großes Haus und ein neues Auto“ oder „Ihr wertvollster Vermögenstgegenstand ist ihre Eigentumswohnung“ oder „Seit er zu Geld gekommen ist, fährt er einen Porsche“ All diese Redewendungen kommen uns nur zu bekannt vor. Es wird sich gleich zeigen, dass sich dahinter teils sehr fehlerhafte Vorstellungen über Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten verstecken.

Die genannten vermeintlichen Vermögensgegenstände, also selbst bewohnte Immobilien (Eigenheim, Eigentumswohnung, etc.) sowie Autos, Boote, Fahrräder, Golfausrüstung, TV-Gerät,… zeichnen sich allesamt dadurch aus, dass sie auch nach dem Erwerb zu weiteren Kosten führen und keine Einkünfte generieren werden. Sie ziehen eine Reihe weiterer, zukünftiger Belastungen nach sich und wären daher tatsächlich als Verbindlichkeiten einzustufen. Warum ist das nun konkret so?

Sobald die Eigentumswohnung erworben ist, wird sie zu weiteren Ausgaben animieren: Sie will schön eingerichtet werden – da es sich ja um eine Eigentumswohnung handelt wird man nicht mit einer Übergangslösung wie bei einer Mietwohnung zufrieden sein und schon mal die teurere Küche oder die maßgefertigten Einbaumöbel kaufen. Es folgen sowieso die laufenden Betriebskosten und die Kosten für Wartung, Instandhaltung und Verbesserung. Darüber hinaus, will die Wohnung samt des wertvollen Inhalts umfänglich versichert werden. Dabei sind noch nicht die Kosten für die Finanzierung der Wohnung berücksichtigt: Das Hypothekardarlehen erfordert für die nächsten 20 Jahre monatliche Zahlungen, zusätzlich stellt die finanzierende Bank noch Gebühren für Kontoführung in Rechnung und möchte regelmäßig ein Gutachten über den Wert der Wohnung. Es zeigt sich, dass der vermeintliche Vermögensgegenstand eine lange Liste an Ausgaben nach sich zieht – das rechtfertigt wohl die Klassifizierung als Verbindlichkeit!

Bei einem Auto verhält es sich nicht anders – im folgenden Beispiel gehe ich von einem Kauf auf Kredit aus. Auch hier folgt nach dem Kauf eine Reihe von Kosten, die für das Auto aufzuwenden sind. Ohne den erschreckenden Wertverlust durch die erste Nutzung (typischerweise wird der Wertverlust auf ~¼ des Kaufpreises geschätzt) näher zu beleuchten, werden Kosten für Zusatzausstattung (Dachbox, Kindersitze,…), Bereifung, Treibstoff, Maut, etc. während der gesamten Nutzungsdauer des Fahrzeugs anfallen.

Darüber hinaus schaffen die Investitionen in teurere vermeintliche Vermögensgegenstände = Verbindlichkeiten eine ungünstige Spirale, die auch höhere zukünftige Kosten nach sich ziehen. Das größere Haus verursacht höhere Betriebskosten, erfordert mehr Einrichtungsgegenstände, kostet mehr Grundsteuer, etc. Der Sportwagen braucht mehr Treibstoff, die Versicherung und Steuer ist höher, die neuen Reifen sind teuer, etc. als beim bescheidenen Kleinwagen. Daher kann vereinfachend aber doch linear gesagt werden, dass ein teureres vermeintliches Asset eine höhere Verbindlichkeit darstellt.

Jetzt werden Sie sich vielleicht fragen, was denn neben den genannten Verbindlichkeiten noch als Vermögensgegenstände zur Verfügung stellt. Ich würde hier eine alternative Definition propagieren, die jenseits der strengen Accounting-Definition nützlich ist: Vermögensgegenstände sind jene, die Ertrag für Sie erwirtschaften, also Quellen passiven Einkommen sind, insb. Anleihen und Aktien, vermietete Immobilien, etc. Ich verweise auch noch auf meinen Artikel zu passiven Einkommensquellen.

Wie hilft Ihnen das jetzt am Weg zur finanziellen Freiheit? Die strenge Prüfung ob es sich um eine Verpflichtung oder um einen tatsächlichen Vermögensgegenstand handelt, kann davor schützen finanzielle Entscheidungen zu treffen, die langfristige Verpflichtungen nach sich ziehen. Eine kritische Prüfung, ob z.B. vor dem Kauf des Hauses oder des neuen Autos eine signifikante zukünftige Belastung folgen wird, sollte nochmal zum Nachdenken anregen. Darüber hinaus wird dieser Denkansatz ihren Blick auf die tatsächlichen Vermögensgegenstände.

rich-dad-poor-dadDer Grundgedanke zu dieser Betrachtung von vermeintlichen Vermögensgegenständen als Verbindlichkeiten stammt aus dem Buch Rich Dad Poor Dad von Robert KiyosakiDas Buch enthält neben diesem sehr bereichernden Gedanken noch eine Reihe weiterer Ansätze, die ich demnächst in einer Buchbesprechung hier auf meinem Blog aufgreifen werde. Wenn ich Ihr Interesse geweckt habe, abonnieren Sie meinen Blog!

Bargeld oder elektronische Geldbörse?

Bargeld oder elektronische Geldbörse?

Ich habe schon eine Reihe von Artikeln zum Themakomplex Kontrolle über die eigenen Finanzen geschrieben, so zum Beispiel Kassasturz, Verschuldung und Überschuldung, Leitfaden Ausgabencheck und Ausgaben-Benchmarking oder zuletzt zum Notfallfonds. Mit diesem Artikel möchte ich einen weiteren Aspekt ansprechen, der insb. in angloamerikanischen personal finance Blogs viel diskutiert wird: Ist es besser Bargeld oder bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten zu verwenden?

Tenor vieler dieser Blogs (z.B. 7 Compelling Reasons to Use Cash Instead Of Credit) ist, dass Bargeld am besten geeignet sei, um die Kontrolle über ein gesetztes Budget und die eigenen Ausgaben zu behalten. Das absolute Ausgabelimit wäre, was noch an Bargeld vorhanden ist und so bestehe auch eine psychologische Unterstützung sparsam zu sein. Es könne das Abdriften in Konsumschulden vermieden werden und außerdem wäre Bargeld ja gänzlich anonym und Zahlungen nicht verfolgbar.

Zuerst würde ich vor einer direkten Übertragung der Funktionsweise der amerikanischen Kreditkarten auf die kontinentaleuropäischen Instrumente des bargeldlosen Zahlungsverkehrs warnen. Typischerweise bauen amerikanische Kreditkarten den Debit-Saldo auf, während eine monatliche Zahlung im Ermessen des Karteninhabers ist. Die typische kontinentaleuropäische Kreditkarte ist aber eher mit der amerikanischen charge card vergleichbar, da eine monatliche Rückzahlung des gesamten Rechnungsbetrags erforderlich ist. Der Aufbau von Konsumschulden auf der Kreditkarte wird daher faktisch gar nicht möglich sein. Allerdings kommen in letzter Zeit auch Kreditkarten nach Amerikanischem Vorbild auf den Markt, z.B. free.at Zudem laufen viele kontinentaleuropäische, bargeldlose Zahlungsmittel entweder gegen einen Guthabenstand auf einem separaten Konto beim jeweiligen Anbieter oder mittels EC/Bankomat-Karte ohnehin über das Girokonto.

Außerdem glaube ich, dass die weiteren (vermeintlichen) Vorteile von Bargeld teilweise gar nicht bestehen aber auch anderweitig erzielt werden können:

  • Kontrolle – die Kontrolle über die eigenen Ausgaben kann aus meiner Sicht besser über bargeldlose Zahlungsmittel hergestellt werden. Die Auflistung der Ausgaben in einer in Excel auswertbaren Tabelle erlaubt sowohl Kategorisierung als auch Kontrolle im Nachhinein. Darüber entsteht auch Transparenz über eine Vielzahl von Ausgaben, die bei der Verwendung von Bargeld verschwinden würden, z.B. wie viel wurde nun tatsächlich für Kaffee in der Kantine ausgegeben?
  • Budget – natürlich ist ein schwindender Bargeldbestand ein guter Indikator für das verbleibende Budget. Genau dieser Effekt kann aber über das Girokonto erzielt werden, wenn man zwei Tricks anwendet: i) nicht auf Dispo-Kredit/Überziehungsrahmen zurückgreift und ii) am Monatsanfang bereits den Sparbetrag zur Seite legt, wie in meinem Blogbeitrag zum automatisierten Sparen beschrieben. So kann die gewünschte Budgetkontrolle genauso leicht erzielt werden.
  • Absolutes Ausgabenlimit – wenn das gesamte Bargeld ausgegeben ist, ist klarerweise ein gewisses Ausgabenlimit erreicht. Ich frage mich aber, ob dieses Limit auch effektiv ist. Es kann nämlich zu Abhebungen vom Geldautomaten, Plünderungen des Notfallfonds oder des Sparschweins kommen. Dadurch wäre das absolute Ausgabenlimit sehr schnell überwunden. Einen ähnlich guten Effekt kann man durch die Festlegung eines Budgets für die Kreditkartenrechnung erzielen, dieses Budget kann allenfalls sogar hart in das seitens der Bank eingeräumte Kreditlimit übersetzt werden.

Das Argument der Anonymität ruft bei mir aber das größte Stirnrunzeln hervor. Für alle diejenigen, die illegalen Tätigkeiten von Geldwäsche bis Steuerhinterziehung nachgehen wollen, mag dies höchst relevant sein, hoffentlich aber nicht für die Leser meines Blogs. Der Wunsch die ein oder andere Zahlung anonym tätigen zu wollen – die Gründe möge jeder für sich selbst klären… – steht zu dem nicht im Widerspruch, rechtfertigt aber jedenfalls keinen Schwenk zu einem „cash only“-Zahlungsverhalten.

Noch nicht überzeugt? Aus meiner Sicht ergeben sich aber aus der Nutzung bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten noch weitere Vorteile

  • Transparenz – Über die Kontenübersicht in meinem Online Banking habe ich laufende Übersicht über die aktuellen Kontostände auf Girokonto und Kreditkarte. Zudem habe ich so auch im Nachhinein vollständige Transparenz und Klarheit über die getätigten Ausgaben, ohne ein separates Kassabuch zu führen.
  • Analysemöglichkeiten – Die in Excel übergeleiteten Zahlungsverkehr-Informationen ermöglichen eine hervorragende Möglichkeiten zur Analyse z.B.: In welchen Ausgabengruppen fallen im Monatsverlauf/saisonal welche Zahlungen an? Gibt es Muster? Welche Ausgabengruppen sind im Benchmark-Vergleich hoch/niedrig?
  • Convenience – Bequemlichkeit soll nicht das Killerargument für elektronischen Zahlungsverkehr sein. Allerdings empfinde ich es als sehr unpraktisch einen Weg zum Geldautomaten unternehmen zu müssen, um eine Bar-Transaktion abschließen zu können. Die neuen, kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten sind in der Tat sehr praktisch und einfach handzuhaben.
  • Bonuspunkte – einige Kreditkartenanbieter gewähren den Karteninhabern für Ihre Zahlungen Bonuspunkte, Flugmeilen, odgl. Durch den Umstieg auf Cash kann dieser Vorteil nicht mehr genutzt werden. Die Motivation die daraus entstehen mag, nämlich dass höhere Ausgaben mehr Bonuspunkte bewirken, halte ich allerdings für zweifelhaft.
  • Zeitversatz – durch die verzögerte Zahlung (bis zu 6 Wochen später) kommt es zumindest theoretisch zu einem Zinsvorteil für den Nutzer von Kreditkarten. Dieser Effekt wird natürlich im derzeit vorherrschenden Niedrigzinsumfeld verschwindend gering sein, sofern nicht hochverzinste Schulden abgedeckt werden können.

Am Ende des Tages muss jeder für sich entscheiden, welchen Weg er selbst gehen möchte. Ein vollständiger Umstieg auf elektronischen Zahlungsverkehr ist nach meiner Erfahrung in Kontinentaleuropa auf Grund der fehlenden Akzeptanz, gerade bei Kleinbeträgen noch nicht möglich. Auch können persönliche Präferenzen und Verhaltensmuster (z.B. Kontrollbedürfnis über Bargeld) natürlich in die eine oder andere Richtung ausschlagen.

Für mich persönlich habe ich entschieden >80% meines Zahlungsverkehrs elektronisch und dabei primär über Kreditkarten durchzuführen. Einerseits verfolge ich eine Trennung von beruflichen und privaten Ausgaben über verschiedene Kreditkarten. Andererseits nutze ich die Auswertungen auf Konto und Kreditkartenabrechnung auch aktiv um meine Ausgaben zu budgetieren und zu kontrollieren. Zuletzt profitiere ich natürlich auch von den diversen Bonusprogrammen. Dabei beobachte ich allerdings, dass diese im Zeitverlauf weniger attraktiv werden, u.a. auch weil die von den Kreditkartenbetreibern eingehobenen Interchange Fees auf Grund europäischer Regularien absinken und die Kosten für die genannten Bonusprogramme angepasst werden.

Was ist Ihre Meinung? Kommen Sie ohne Bargeld aus? Oder fühlt sich für Sie ein Bündel Bargeld nach mehr Kontrolle an? Hinterlassen Sie gern einen Kommentar!

PS: Habe jüngst diesen Artikel in der Tageszeitung Die Presse gelesen – demnach sind die Österreicher noch immer Bargeld-Fans…

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Kontrolle über die eigenen Finanzen

Kassasturz, Verschuldung und Überschuldung

Leitfaden Ausgabencheck

Notfallfonds

 

Notfallfonds

Notfallfonds

Meine Leser wissen bereits, dass für mich finanzielle Freiheit eng mit persönlicher Freiheit verknüpft ist. Damit meine ich insbesondere auch die Freiheit von den Systemen der staatlichen Vorsorge und der politischen Willkür ihrer Veränderung. Wie ich im Blogbeitrag Warum überhaupt finanzielle Freiheit anstreben? beschrieben habe, soll finanzielle Freiheit auch Vorsorge vor unvorhersehbaren Schicksalsschlägen bedeuten.

Wenn Sie jetzt entgegnen, dass genau zu diesem Zweck ja Arbeitslosenversicherung, Mindestsicherung, Hartz IV & Co. vorgesehen sind, würde ich entgegnen, dass ich mich auf diese Systeme eben nicht verlassen würde wollen. Einerseits sind sie meist an enge Kriterien gebunden, beanspruchen zuerst etwa vorhandenes Vermögen und sind in der Tat meist „zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“. Besonders das Kriterium, auf vorhandenes Vermögen zurück zu greifen, ist besonders kritisch – wenn Sie am Weg zur finanziellen Freiheit bereits Vermögen aufgebaut haben, würden die staatlichen Sicherungssysteme erst mal zugreifen, bevor sie helfen.

Welche Schicksalsschläge oder Notfälle sind gemeint?

Schicksalsschläge und Notfälle können in verschiedener Art und Ausprägung auftreten. Z.B. plötzlicher Jobverlust in Folge Insolvenz des Arbeitgebers, langer Krankenstand in Folge eines Sportunfalls, teure Getriebereparatur am eigenen Auto das zum Pendeln erforderlich ist, Sturmschaden am Dach des Eigenheims, etc. All diesen Ereignissen ist gemeinsam, dass sie a) unerwartet und nicht planbar sind, b) einen hohen negativen Einfluss auf unsere Finanzen haben und c) doch mit geringer Wahrscheinlichkeit eintreten.

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Was ist nun der Notfallfonds?

Meine Empfehlung ist, im Notfallfonds das Vier- bis Sechsfache ihrer monatlichen Ausgaben vorzuhalten. Die Anleitung zur Erhebung der monatlichen Ausgaben finden Sie in einem meiner vorherigen Blogbeiträge Mit solch einem Notfallfonds können Sie den schlimmsten Schicksalsschlägen sofort begegnen. Die sofortige Verfügbarkeit ist ein wesentlicher Aspekt, da sie auch reagieren und z.B. die Dachreparatur sofort durchführen können, auch wenn die Versicherung erst zwei Monate später zahlt.

Entgegen der an manch anderer Stelle vertretenen Meinung, gehe ich von den monatlichen Ausgaben und nicht vom Nettoeinkommen aus. Sinn und Zweck des Notfallfonds ist es nämlich die notwendigen Kostenabzudecken und nicht ggf. auch die übliche Sparquote aufrecht zu erhalten. Da der Notfallfonds stets verfügbar und risikoarm veranlagt sein sollte, sollte er dennoch möglichst klein gehalten sein, um nicht die Gesamtperformance Ihrer Vermögenswerte zu verwässern.

Woraus sollte er bestehen?

Das entscheidende am Notfallfonds ist die sofortige Verfügbarkeit, also Liquidität. Ich empfehle daher ausschließlich Bargeld oder Einlagen auf Spar-/Tagesgeldkonto für den Notfallfonds in Betracht zu ziehen. Diese Meinung teilen nicht alle Kollegen, einige gehen sogar so weit, und würden in Aktien investieren. Der Notfallfonds dient meiner Meinung nach der Absicherung und nicht der Erzielung von Rendite am Weg zur finanziellen Freiheit. So würde ich in diesem Fall auf Kapitalbindung unter allen Umständen verzichten wollen, bei Aktien besteht ja zudem ein deutliches Kursrisiko, wenn kurzfristig verkauft werden muss. Darüber hinaus soll der Notfallfonds ja auch ein Gefühl der Sicherheit geben, welches gerade bei volatilen Finanzinstrumenten nicht gegeben sein wird.

Gerne werden aber auch Gold und Silber als möglicher Notgroschen genannt. Diesem Gedanken schließe ich mich auch nicht an. Natürlich mag im Falle eines Krieges Gold als letztes verfügbares Zahlungsmittel sinnvoll sein, doch bei den oben genannten Notfällen werden Edelmetalle nicht wirklich helfen. Vielmehr wäre im Fall des Falles ein Rücktausch in Bargeld erforderlich, um die diversen unmittelbar erforderlichen Zahlungen zu leisten. Neben der Dauer und den Komplikationen des Tausches, bestehen deutliche Transaktionskosten (Agio/Disagio!), vom Kursrisiko gar nicht erst zu sprechen.

Besonders negative Ereignisse, die allerdings mit sehr niedriger Wahrscheinlichkeit eintreten, werden gemeinhin durch eine Versicherung abgedeckt. Dies kann in der Tat sinnvoll sein, man denke nur an die Versicherung des Eigenheims oder eine Krankenversicherung. Einerseits wäre ich vorsichtig mich hier umfassenden Berufsunfähigkeitsversicherungen auszuliefern, die nicht billig sind und monatliche Kosten verursachen. Andererseits ist der Notfallfonds aber auch kein Ersatz für die ein oder andere erforderliche Versicherung.


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Wie baut man den Notfallfonds auf?

Meine Empfehlung beim Aufbau des Notfallfonds ist, eine klare Reihenfolge zu befolgen:

  1. Zuerst (Konsum-)Schulden abbauen, siehe auch mein Artikel zu diesem Thema 
  2. Notfallfonds aufzubauen
  3. Sparen, Investieren, Vermögen aufbauen

Diese Reihenfolge der Befüllung kann natürlich auch mit den Prinzipien des automatisierten Sparens verfolgt werden.

Das bedeutet auch, dass Sie auf ihr Erspartes bzw. Ihre Investments als Quelle von passivem Einkommen nicht mehr zugreifen müssen, selbst wenn ein Notfall eintritt. Genau für diesen Fall wurde ja vorher der Notfallfonds eingerichtet. Dies ist eine wichtige, auch psychologische Hürde: Die Quelle des passiven Einkommens in Form des Investmentportfolios muss auch im Notfall nicht angefasst werden.

Wie habe ich das für mich persönlich gelöst?

Mein Notfallfonds in Höhe des ca. Dreifachen der monatlichen Kosten meiner Familie besteht aus zwei Teilen: Erstens einer Euro-Bargeldreserve (ca. ein Drittel des Notfallfonds), auf welche ich nicht zugreife/nur im Notfall zugreifen würde. Zweitens ein Sparguthaben auf einem Tagesgeldkonto (ca. zwei Drittel des Notfallfonds). Bis dato hatte ich eigentlich keine bedeutsamen Fälle, in denen ich auf den Notfallfonds zugreifen musst. Ich hoffe, dass das auch so bleibt! Es ist aber ein gutes Gefühl um diese Reserve zu wissen.

Haben Sie einen Notfallfonds?  Wie setzen Sie diesen ein? Ich freue mich über Ihre Rückmeldung in Form von Kommentaren zu diesem Artikel oder E-Mails an meinefinanziellefreiheit@gmail.com. Lesen Sie außerdem mehr, wie Sie selbstverantwortlich die Kontrolle über Ihre finanziellen Angelegenheiten erhalten/behalten.

Gewohnheiten nutzen, um finanziell frei zu werden

Gewohnheiten nutzen, um finanziell frei zu werden

Um den Weg zur finanziellen Freiheit erfolgreich zu beschreiten, ist ein gutes Stück Selbstdisziplin erforderlich. Angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, um von besagtem Weg abzukommen – z.B. Konsumausgaben, größeres Auto, größere Wohnung, Ausnahmen vom regelmäßigen Sparen, etc. – ist wohl jede Unterstützung hilfreich. Jeder von uns ist allerdings unterschiedlich diszipliniert, weshalb es keine Patentrezepte geben kann. Vielmehr finde ich Strategien sinnvoll, die uns nicht jeden Tag aufs Neue fordern, sondern unsere Gewohnheiten nutzen, um ans Ziel zu kommen.

Wie soll das funktionieren?

Die Überwindung der eigenen Schwächen in punkto Selbstdisziplin kann aus meiner Sicht durch das Schaffen und konsequente Befolgen von Gewohnheiten erfolgen. Diese Gewohnheiten führen zu einer Automatisierung von Verhaltensweisen, die helfen, den ein oder anderen schwachen Moment zu überwinden.

Viele Unternehmen nützen unsere Gewohnheiten bzw. die Automatisierung bei Abonnements. Der Konsument vergisst auf das bestehende Abonnement, auch wenn die Leistung nicht mehr wirklich benötigt wird oder zumindest nicht erneut gekauft werden würde, wenn eine aktive Kaufentscheidung anstehen würde. Nicht umsonst werden diese Geschäftsmodelle von Investoren als besonders robust angesehen, da sie den Kundenstock quasi automatisch beibehalten ohne neuerliche Verkaufserfolge erzielen zu müssen. Genau diesen Effekt können Sie auch hinsichtlich Ihrer finanziellen Freiheit nutzen!

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„Rituale sind die Haltegriffe der Seele“

Dieses Zitat habe ich vor längerer Zeit im Rahmen eines Coachings gehört und fand es sehr treffend. Denn jeder von uns hat es in der Hand, Rituale zu schaffen, die beim Erreichen Ihrer finanziellen Ziele unterstützen können. Praktisch also, wenn man die Haltegriffe selbst anbringen kann 😉

In einigen meiner vorherigen Blogbeiträge habe ich bereits einige solche Rituale oder besser gesagt automatisierte Verhaltensmuster beschrieben, die beim Sparen bzw. Beschreiten des Wegs zur finanziellen Freiheit unterstützen:

  • Automatisiertes Sparenregelmäßiges Sparen von anfangs 20% des Nettoeinkommens am Beginn des Monats und graduelle Erhöhung bei Gehaltserhöhungen
  • Kleingeldsparen – regelmäßiges Sparen von Münzen oder ggf. sogar von Geldscheinen mit bedeutenden, unerwarteten Effekten

Darüber hinaus möchte ich auf zehn „reiche Gewohnheiten“ eingehen, von denen ich jüngst in einem Buch gelesen habe.

Rich Habits

Das kurze Buch (nur 89 Seiten) Rich Habits – The Daily Success Habits of Wealthy Individuals von Thomas C. Corley  zeigt, eingebettet in eine einfache Rahmenhandlung, zehn Gewohnheiten auf, die typischerweise von reichen Menschen befolgt werden:

  1. Positive Gewohnheiten festlegen und jeden Tag befolgen – von einem gesunden Lebensstil, über fokussierte Arbeitsweisen bis hin zu weniger Fernsehkonsum
  2. Ziele für jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr und langfristig Ziele festlegen und sich jeden Tag darauf besinnen – diese Ziele sollen sowohl niedergeschrieben und oft betrachtet werden, als auch jeden Tag mittels einer To Do Liste abgearbeitet werden. Hierfür verwende ich die kostenlose Software todoist.com, die ich sehr empfehlen kann
  3. Jeden Tag in Selbstverbesserung investieren – Lernen und Bildung jeder Art, sei es durch die Lektüre von Fachzeitschriften oder sonstige Fortbildungsmaßnahmen
  4. Auf die Gesundheit achten – Zeit für Sport schaffen und auf gesunde Ernährung achten
  5. Lebenslange Beziehungen pflegen – zwischenmenschliche Beziehungen pflegen, Namen merken, Geburtstage und sonstige wichtige Ereignisse bedenken
  6. Einen gemäßigten Lebensstil führen – jeglichen Exzess vermeiden und ausgeglichen leben
  7. Aufgaben täglich erledigen, eine „Do It Now“-Mentalität verfolgen – den Satz „was du heute kannst besorgen, verschiebe ruhig auf morgen“ aus dem Gedächtnis streichen, wichtige Dinge sofort in Angriff nehmen
  8. Reich denken – positive Denkmuster verfolgen, diese immer wieder bekräftigen
  9. 10% des Brutto-Einkommens sparen – ich verfolge wie schon zuvor beschrieben einen aggressiveren Ansatz, nämlich anfänglich zumindest 20% des Netto-Einkommens zu sparen — siehe Blogbeiträge Automatisiertes Sparen und Wie man mit dem Sparen beginnt)
  10. Gedanken und Emotionen unter Kontrolle halten – insbesondere negative Gedanken (Neid, Zynismus, etc.) aus bestehenden Denkmustern entfernen, positive Gedanken fördern

Ich verfolgte bereits vor der Lektüre des Buches eine Reihe dieser Gewohnheiten und habe das Buch zum Anlass genommen, weitere Gewohnheiten zu etablieren. Insgesamt fand ich das Buch einen sehr guten Denkanstoß und eine gute Unterstützung am Weg in Richtung finanzielle Freiheit.

Welche Gewohnheiten helfen Ihnen am Weg zur finanziellen Freiheit? Wie finden Sie das Buch Rich Habits? Freue mich von Ihnen zu hören, sei es durch einen Kommentar oder über eine Nachricht unter meinefinanziellefreiheit@gmail.com!