Passive Einkommensquellen werden gemeinhin als der Schlüssel zum Erfolg für die finanzielle Freiheit genannt. Je besser, nachhaltiger und schneller es gelingt, passive Einkommensströme zu erschließen, umso eher kann auf aktives Einkommen verzichtet werden, so die Argumentation. Auf vielen auch deutschsprachigen Finanzblogs, wurden schon Teilaspekte zu passiven Einkommensquellen beleuchtet. Um einen umfassenden Überblick zum Thema passive Einkommensquellen zu erstellen, rufen jetzt Der Finanzfisch und Meine Finanzielle Freiheit eine Artikelserie ins Leben.

In den nächsten Tagen werden insgesamt sechs Artikel erscheinen, die sich mit dem Thema passive Einkommensquellen beschäftigen. Dabei wird abwechselnd ein Artikel auf Meine Finanzielle Freiheit und Finanzfisch erscheinen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des ersten Artikels und freuen uns, wenn Du die gesamte Serie verfolgst und Dich auch durch Kommentare einbringst.

Warum sind passive Einkommensquellen der heilige Gral der finanziellen Freiheit?

Wer finanzielle Freiheit anstrebt, möchte im Kern sämtliche Kosten des täglichen Lebens durch Einkommensquellen abdecken, die nicht an einem zeitbasierten Beruf hängen. Die Kosten des täglichen Lebens werden also nicht durch das Vielfache eines Stundenlohns verdient, sondern aus anderen Quellen bestritten.

Leicht mag man sich nun vorstellen, dass jede finanziell freie Person wie Dagobert Duck auf einem Geldberg von Millionen von Euro sitzt, also „stinkreich“ ist, und einfach von diesem Geld lebt. Finanzielle Freiheit ist aber nicht notwendigerweise mit „reich sein“ synonym. Bei zinsbasierten Einkommensquellen—mehr dazu gleich—ist das passive Einkommen zwar in der Tat vom eingesetzten Kapital und dem erzielten Zinssatz abhängig. Bei systembasierten Einkommensquellen—auch dazu gleich mehr—ist kein Einsatz von Geldvermögen erforderlich bzw. „Reich sein“ kann auch jeder für sich recht unterschiedlich definieren, denkbar wäre:

  • „Mehrere Millionen auf dem Bankkonto haben“—hier wäre wahrscheinlich reich sein mit finanziell frei sein synonym. Wenn es sich allerdings um ein Bankkonto mit 0%-Verzinsung handelt, zweifle ich an einer passiven Einkommensquelle
  • „Ein großes Haus, einen Porsche und einen Luxus-SUV haben, Urlaube auf private islands machen, nur in Gourmetrestaurants speisen, etc.“—das mag für manche reich sein bedeuten, es bestehen aber große Zweifel, dass es sich um finanzielle Freiheit handelt, siehe auch einen verwandten Artikel hierzu
  • „Sie hat viel Zeit für Aktivitäten mit Ihrer Familie, Ihren Freunden und für Karitatives“-einige (wenige) mögen das als wirklichen Reichtum bezeichnen, finanzielle Freiheit würde bei all dem natürlich sehr helfen, da genug Freiraum für die genannten Aktivitäten besteht
  • „Die beiden leben radikal minimalistisch/frugal, sie wohnen auf 30 Quadratmetern und fahren mit Flixbus auf Urlaub“—würde wohl kaum jemand unter reich sein verstehen, es könnte aber gut sein, dass die beiden finanziell frei sind oder mit großen Schritten darauf zugehen. Gern verweise ich auch auf unseren Bloggerkollegen Oliver von frugalisten.de, der plant mit seinem minimalistischen Stil bis 40 finanziell frei zu sein.

Leicht könnte allerdings der Eindruck entstehen, dass Menschen auf dem Weg zur finanziellen Freiheit einfach nur dem gehassten Beruf entfliehen wollen. Eine sehr traurige Gallup-Studie besagt, dass 84% der Deutschen die tägliche Arbeit nur als notwendiges Mittel zum Geld verdienen ansehen, sonstige Motivatoren für das Betreten des Hamsterrads gibt es offenbar nicht. Die Flucht aus dem Beruf mag also wohl für einige die Hauptmotivation sein, um finanziell frei zu werden.

Aus meiner Sicht ist es aber viel wichtiger, dass finanzielle Freiheit Wahlmöglichkeiten schafft und die Grundlage für bewusste Entscheidung in Bezug auf die eigenen Tätigkeiten ermöglicht. Der finanziell Freie kann daher weiter seinem Beruf (aktive Einkommensquelle) nachgehen, wenn er das möchte und Freude daran findet. Vielleicht wird er das allerdings mit weniger Stunden/Woche, also z.B. in Teilzeit tun. Die gewonnene finanzielle Freiheit kann natürlich auch dazu verwendet werden, um Zeit in den Aufbau weiterer, insb. systembasierter Einkommensquellen zu investieren. Darüber hinaus können Aktivitäten im karitativen oder sozialen Bereich verfolgt werden, die sehr viel nutzen stiften, auch wenn sie kein Einkommen generieren. Diese Wahlfreiheit ist in der Tat der größte Gewinn aus der finanziellen Freiheit.

Zwar bin ich selbst noch nicht finanziell frei, doch kann ich mir gut vorstellen, dass ich meinem Beruf auch bei Erreichen der finanziellen Freiheit weiter nachgehen werde. Ich habe an meiner beruflichen Tätigkeit viel Freude, insofern sehe ich nicht, warum ich diese von einem Tag auf den anderen aufgeben sollte. Für mich gilt also ganz genau nicht, dass finanzielle Freiheit mit dem Ende der beruflichen Tätigkeit zusammenfällt. Ich werde durch die finanzielle Freiheit allerdings die Möglichkeit gewinnen, völlig selbst zu entscheiden, wie lange ich meiner beruflichen Tätigkeit nachgehe. Zudem löse ich mich so von den Regelungen der staatlichen Pensionsvorsorge, wonach ich erst mit 65+ der aktiven beruflichen Tätigkeit den Rücken zu kehren könnte.

Wie unterscheiden sich nun passive von aktiven Einkommensquellen?

Aktive und passive Einkommensquellen unterscheiden sich durch die Treiber, welche die Erwirtschaftung des Einkommens begründen. Bei aktiven Einkommensquellen liegen die Treiber a) Zeiteinheit und b) Einkommen je Zeiteinheit hinter dem erzielten Einkommen, es gilt die Formel:

Einkommen = Zeiteinheit x Einkommen je Zeiteinheit

So erhält z.B. ein Angestellter für seine 40 wöchentlichen Arbeitsstunden ein Gehalt, oder die Nachbarstochter einen Eurobetrag je Stunde fürs Babysitten.

Passive Einkommensquellen, andererseits, lösen sich von dieser zeitabhängigen Logik und hängen an anderen Treibern der Einkommenserzielung. Bei zinsbasierten Einkommensquellen (Zinsen, Dividenden, Mieten), errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = eingesetztes Kapital x Rendite/Zinssatz

So erhält z.B. der Investor bei einem Investment von € 1000,- in eine Anleihe mit einer Rendite von 3% p.a. ein jährliches Einkommen von €30,- bzw. der Investor von € 1000,- in Aktien mit einer Dividendenrendite von 2% ein jährliches Einkommen von € 20,-. Der Investor in eine Eigentumswohnung, die zu einer Bruttorendite von 4% p.a. vermietet ist, erhält diesen Wert auf das eingesetzte Kapital (=Kaufpreis) für die Vorsorgewohnung. Alle diese Beispiele zeigen das Brutto-Einkommen vor Steuern oder sonstigen Kosten, z.B. für die Instandhaltung der Wohnung oder die Tilgung eines Kredits um den Ankauf der Wohnung zu finanzieren.

Darüber hinaus gibt es weitere passive Einkommensquellen, die sich aus Geschäfts-Systemen ergeben und ein Einkommen aus der Nutzung des Systems erzielen lassen. Bei systembasierten Einkommensquellen, errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = Anzahl Nutzer x Nutzungsgebühr je Nutzer

Systembasierte Einkommensquellen können sehr vielfältig sein, daher möge auch eine Reihe von Beispielen genannt werden. Der Autor eines Buches/E-Books erhält eine Tantieme für den Verkauf jedes Buches. Der Programmierer einer Software, erhält für den Verkauf jeder Lizenz eine jährliche oder auf die Gesamtnutzungsdauer ausgelegte Lizenzgebühr. Der Ersteller einer Website erhält für jeden Click auf die Bannerwerbung ein Entgelt von Google Adsense.

Welche passiven Einkommensquellen gibt es?

Es gibt eine Fülle von passiven Einkommensquellen, weshalb in der Folge nur die wichtigsten genannt werden; sicher gibt es auch noch weitere bzw. Varianten der genannten Einkommensquellen. Hier aber schon einmal folgende Übersicht:

  • Zinsbasierte passive Einkommensquellen
    • Bankeinlagen (Sparbuch, Online-Festgeld, etc.)
    • Anleihen
    • p2p Kredite
    • Aktien, insb. Dividendenaktien, die regelmäßige Cashflows generieren
    • Vermietete Immobilien
  • Systembasierte passive Einkommensquellen
    • Tantiemen für ein Buch, Musik, Fotos oder die Nutzung von Patenten
    • Lizenzgebühren für Software
    • Nischenseiten bzw. Blogs betreiben
    • Affiliate-Marketing

Gerne verweise ich auch noch auf eine umfangreiche Liste von 33 passiven Einkommensideen unseres Blogger-Kollegen Jan von smart-reich-werden.de. Welche passiven Einkommensquellen baust Du auf, um finanziell frei zu werden? Welche findest Du besonders erfolgversprechend? Sicher hilfst Du auch anderen Lesern, wenn Du in den Kommentaren noch weitere passive Einkommensquellen aufführst. Von welchen passiven Einkommensquellen bestreitest Du Deinen Lebensunterhalt, falls Du schon finanziell frei bist?

Der zweite Artikel in der Serie zu passiven Einkommensquellen erscheint am Montag, den 13. Februar auf Der Finanzfisch und wird sich der Frage widmen, ab wann ein Einkommen überhaupt passiv ist – also, stay tuned!

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17 Gedanken zu “Der heilige Gral der finanziellen Freiheit: Passive Einkommensquellen

  1. Moin,
    tolle Serie habt ihr auch da ausgedacht. Werde ich gespannt verfolgen!

    Neben dem Hamsterrad (27h/Woche) erziele ich Einkünfte aus Zinsen (Tages- und Festgeld, P2P-Kredite, Privatdarlehen), Dividenden, Mieten (Wohnungen, Zimmer, Auto/Transporter). Einiges davon ist nicht wirklich passiv. Aber das werdet ihr ja sicher in der Serie noch ansprechen. Für mich persönlich ist weniger die passiv/aktiv-Diskussion entscheidend, sondern einfach die verschiedenen Einkommensströme zu haben. Ich fühle mich dadurch abgesicherter und unabhängiger. Bricht eine Einkommensquelle weg, habe ich noch ein paar andere 😉

    Der Diversifikator
    Vincent

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    1. Hallo Vincent,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Sehr guter Gedanke, den Du hier aufführst, nämlich die Einkommensquellen zu diversifizieren!
      Zwei Rückfragen, die für viele Leser interessant sein könnten:
      1) Wie gehst Du bei Privatdarlehen vor? Wie nimmst Du die Risikoeinschätzung vor und welche Besicherungen suchst Du?
      2) Wie vermietest Du Autos bzw. einen Transporter?
      Freu mich von Dir zu hören!
      Viele Grüße,
      FF

      Gefällt 2 Personen

      1. Ahoi!
        1. Berufliche Situation prüfen, vorhandene Lebensversicherung abtreten lassen (z. B. auch wichtig für den Todesfall), Fahrzeugbrief einkassieren, Darlehensvertrag inkl. notarielles Schuldanerkenntnis, Bürgschaft ebenfalls notariell. Das sind alles Möglichkeiten, die ich je nach Betrag ausschöpfe.
        2. Über die Portale tamyca und Drivy. Der Mietpreis beinhaltet eine Extraversicherung, so dass meine eigen Kfz-Haftpflicht im Vermietungsfall keinerlei Rolle spielt.

        Wer Fragen zu den Themen hat, kann sich gerne bei mir melden.

        Gefällt 1 Person

  2. Vielen Dank für Deinen umfassenden Artikel. Sehr gut finde ich die Unterscheidung von aktivem und passivem Einkommen per Formel. 🙂
    Langfristig passive Einkommen auf Dauer benötigen auch ein wenig Pflege um finanziell frei zu bleiben. Eine Website will gepflegt werden genauso wie eine Immobilie oder bei Dividenden-Aktien, bei der ich meine Entscheidung auch ab und an überprüfen sollte.
    Passives Einkommen bedarf also auch aktiver Arbeit aber nicht täglich und nicht in dem Verhältnis wie bspw. ein Angestelltenverhältnis.

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    1. Hi,
      Ja, bei Kleinbeträgen kann man darüber nachdenken.
      Allerdings gebe ich gerade für die Situation, die Du beschreibst – nämlich Investment für Jugendliche, ws. durch die Eltern – zwei Punkte zu bedenken: 1) auf Grund des vermutlich sehr langen Anlangehorizonts bietet sich ein Investment ausschließlich in Aktien an. 2) Da hoffentlich laufend angespart wird, wird hoffentlich die von Dir genannte Schwelle von €10,000 bald überschritten. In diesem Fall müsste man dann umschichten oder ein zerklüftetes Portfolio in Kauf nehmen.
      Viele Grüße
      MFF

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