Meine finanzielle Freiheit möchte seine wachsende Leser-Community am Weg zur finanziellen Freiheit unterstützen. Dabei gehe ich auf Grundlagen, Ansätze zum Sparen, aber insbesondere auch auf passive Einkommensquellen und Investmentmöglichkeiten ein. In jüngster Zeit gibt es sowohl Studien als auch jede Menge Buzz auf einschlägigen Finanzblogs über Peer-to-Peer-Lending (p2p Lending), z.B. veröffentlicht Der Finanzfisch monatlich die Ergebnisse seiner Investments auf p2p Plattformen.

Aber wie funktioniert nun p2p Lending?

Auf p2p Lending Plattformen kommt es vereinfachend gesprochen zu einem Matching von Kreditsuchenden mit Investoren. Meist wird Investoren die Möglichkeit geboten, auf einen Kredit (ggf. in kleinen Tranchen zur Risikodiversifikation) zu bieten und so den Kredit zu finanzieren. Investoren gelingt es so – insbesondere in Zeiten niedriger nomineller und negativer realer Zinsen – in eine zuvor nicht verfügbare Asset Klasse mit durchaus attraktiven Brutto-Erträgen zu investieren. Kreditnehmer haben die Möglichkeit ihren Finanzbedarf möglicherweise kostengünstiger und mit erfreulicher, einfacher und vollständig digitaler Custer Experience zu decken, ohne auf traditionelle Banken zurückgreifen zu müssen.

Dabei handelt es sich um ein fundamentales Abgehen vom klassischen Modell im Dreieck zwischen Bank, Einlagengeber und Kreditnehmer. Traditionell erfolgte der Ausgleich zwischen Sparern/Investoren einerseits und kreditsuchenden Privatpersonen bzw. Unternehmen andererseits über Banken. Dabei wird typischerweise von der Funktion der Banken als Finanzintermediäre zwischen Einlagengebern und Kreditnehmern gesprochen. Durch p2p Lending gelingt es, den Finanzintermediär auszuschalten und einen direkten Match zwischen Angebot (Einlagengeber/Investor) und Nachfrage (Kreditsuchender) herzustellen. Die im klassischen Modell vom Finanzintermediär vereinnahmte Marge zwischen Kredit und Einlage kann im p2p Modell zwischen p2p Lending Plattform, Einlagengeber/Investor und Kreditnehmer aufgeteilt werden.

Diese zuvor beschriebene Funktionsweise ist den verschiedenen Plattformen grundsätzlich gemeinsam, auch wenn es in der Detailausgestaltung unterschiedliche Modelle gibt. So arbeiten einige Plattformen insb. zu Vergabe („Origination“) dennoch mit Intermediären zusammen. Dabei wird von den Originatoren insb. der Vertrieb, die Risikoanalyse, die Vertragserstellung und die Abwicklung von Kreditauszahlung und Rückzahlung bzw. Inkasso übernommen. Z.B. arbeiten die Plattformen Mintos oder Viventor nach diesem Prinzip. Diese Modelle sind bei strenger Betrachtung nicht wirklich p2p, sondern nur auf Seite der Investoren wirklich von der Crowd bereitgestellt. Andererseits sind auch Modelle möglich, bei denen nur die Kreditvergabe über eine Kredit-Plattform erfolgt, während als Investoren noch immer eine Bank oder gar der Kapitalmarkt auftritt, z.B. geht das Zusammenarbeitsmodell zwischen On Deck Capital und J.P. Morgan Chase in diese Richtung. Die Geschäftsmodelle der p2p Lending Plattformen sind noch im Fluss und ich erwarte, dass es noch zu verschiedenen Mutationen des Grundmodells kommen wird, bevor sich ein dominantes Modell im Markt durchsetzt.

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Was Kreditnehmer an p2p Lending toll finden (sollten) und was nicht

Mehr Wettbewerb im Kreditmarkt sollte Kreditnehmer freuen! In der Tat kann es ja, wie schon oben beschrieben, zu einer Aufteilung der Marge, die traditionell von der Bank vereinnahmt wurde, zwischen Kreditnehmer und Investor kommen. Dies sollte im Ergebnis bedeuten, dass Kreditnehmer mit niedrigeren Zinsen rechnen können, als diese bei Banken der Fall ist. Kreditnehmer können in vielen Fällen sehr benutzerfreundlich gestaltete Plattformen nutzen, auf denen Sie, sehr diskret und unabhängig einer bestehenden Hauptbank-Beziehung z.B. einen Konsumkredit aufnehmen können. Schließlich ist es denkbar, dass die Hausbank nicht (mehr) bereit ist, Kredit oder weiteren Kredit zu gewähren, wären dies über die P2P Plattformen weiter möglich sein könnte.

Auf einem anderen Blatt steht, dass zahlreiche Plattformen im Bereich der Konsumkredite aktiv sind. Gerade kurzlaufende und auf Jahressicht sehr hoch verzinste Kredite (Pay-Day-Loans) sind mE sehr kritisch zu betrachten. Insb. bereits finanziell angespannte Personen, können sich hier einer gefährlichen Zins-Spirale mit stetig steigender Belastung aussetzen. Ein Ausbrechen aus dieser Spirale kann zusehends schwer werden. Für Tipps in dieser Situation, verweise ich gerne auf folgenden Artikel.

Was Investoren an p2p Lending toll finden (sollten) und was nicht

Was für Kreditnehmer gilt, sollte auch für Investoren gelten: Mehr Auswahl, mehr Wettbewerb sollte ein besseres Ertrags-/Risiko-Verhältnis mit sich bringen, wenn man von einem effizienten Markt ausgeht. In der Tat bieten viele Plattformen Investment-Möglichkeiten mit Brutto-Zinssätzen von 10% und mehr p.a. an. Dies klingt im Vergleich mit Sparbuch bzw. Tagesgeldzinsen bei in aller Regel weniger als 1% p.a. wirklich verlockend.

Aber, aber! Die genannten Zinssätze von 10% p.a. und mehr sind tatsächlich Brutto-Zinssätze, also vor Risiko- und Bearbeitungskosten. Der direkte Vergleich mit Tagesgeld-Zinsen hinkt daher gewaltig. Insbesondere die Bepreisung des Ausfallrisikos wird Retail-Investoren ohne umfangreiche Berechnungen, die bankfachliches Know-How erfordern, schwer fallen. Auch kann die Bewirtschaftung es p2p Portfolios durchaus kompliziert sein – insb. im Fall, dass man aus Engagements aussteigen möchte.

Darüber hinaus ist über einen gesamten Wirtschaftszyklus noch nicht erwiesen, dass die p2p Plattformen in der Lage sind hinsichtlich des Managements von Ausfällen, Inkasso und Verwertung von Sicherheiten genauso stringent und erfolgreich vorgehen, wie Banken. Im Ergebnis kann es daher zu bedeutenden Wertberichtigungsbedarfen in p2p Portfolien kommen, die die Brutto-Rendite rasch auf eine magere Netto-Rendite zusammenschmelzen lassen.

Um den Vergleich zwischen Investments auf p2p Plattformen und Tagesgeldkonten aber fair zu gestalten, müssen außerdem weitere Begünstigungen der Bankeinlagen herausgestrichen werden, die das Bild verzerren: a) Bankeinlagen sind Gegenstand der Einlagensicherung und damit letztlich Gegenstand einer staatlich gewährleisteten Ausfallgarantie b) Zumindest in Österreich sind Bankeinlagen steuerlich begünstigt (25% KESt.) während p2p Kredite als Privatdarlehen dem allgemeinen Steuertarif (bis zu 55% ESt.) unterliegen.

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Warum Banken p2p Lending als Angriff und als Chance sehen können

In der Tat können Banken p2p Lending als Frontalangriff auf ihr Kredit- und Einlagengeschäft und damit auf den Kern des Geschäftsmodells sehen. Wenn nämlich die beiden Grundfunktionen Einlagen nehmen und Kredit vergeben verloren gehen, bleibt vereinfachend gesprochen nur das u.U. weniger margen-trächtige Anbieten von Zahlungsverkehr-Dienstleistungen. Während das traditionelle Banken-Geschäftsmodell bereits auf Grund des Niedrigzinsumfelds massiv unter Druck ist – so ist die Brutto-Zinsmarge zwischen Einlagen und Krediten ja deutlich gesunken – kann es bei starker Verberitung von p2p Lending zu einem deutlichen Verlust von Geschäft und Marktanteilen kommen.

Solange es allerdings noch zu keiner substanziellen Verbreitung von p2p Lending kommt, werden Banken nur zögerlich auf die Herausforderung reagieren. Dies halte ich für eine vertane Chance! Denn statt das traditionelle Modell zu verteidigen, hätten Banken die Chancen ihr Geschäftsmodell innovativ weiterzuentwickeln. Z.B. könnten Kredite Rendite-suchenden (Retail-) Investoren zum Investment angeboten werden. Investoren könnten so an die Hausbank als Plattform-Anbieter gebunden werden, während sich die Bank von Krediten mit möglicherweise hohem Risikogewicht trennen könnte. Auch hätten Banken die Möglichkeit, die sehr benutzerfreundlich gestalteten Plattformen für Aquisezwecke und zur Kreditvergabe nutzen (siehe die Kooperation zwischen On Deck Capital und J. P. Morgan Chase in den USA). So mancher, um Diskretion bemühter Kunde mag lieber über ein Online-Plattform der Bank einen Konsumkredit aufnehmen, als dies beim gut vernetzen Berater in der lokalen Sparkasse 😉

Abschließende Würdigung

Ich gehe davon aus, dass p2p Lending nicht nur eine kurzfristige Modeerscheinung im Fintech-Boom der letzten Jahre ist. Da im Unterschied zu so manch anderem Fintech ein klarer Nutzen für Kreditnehmer und Investoren geboten wird, liegen starke Gründe für eine weitere Ausbreitung von p2p Plattformen vor. Die größte Drohkulisse stellt p2p Lending für Banken dar – statt diese zu ignorieren, können auch Banken Elemente von p2p Lending nutzen um ihr Wertversprechen zu schärfen. Auf diesbezügliche Entwicklungen in naher Zukunft bin ich besonders gespannt.

Auch konzeptionell lässt sich erklären, warum p2p Lending einen Siegeszug vor sich haben sollte. Zur Finanzintermediation kommt es immer dann wenn Märkte unvollkommen sind. Durch verbesserten Zugang zu Information und Verfügbarkeit eines transparenten Marktplatzes, fällt das Erfordernis nach einem Intermediär weg. Diese strukturelle Verbesserung des Markets führt zu einer Erosion der von Finanzintermediären vereinnahmten Marge und Absinken der Attraktivität des Geschäftsabschlusses über Intermediäre.

Wie gewohnt freue ich mich über zahlreiche Kommentare und Anregungen. Da ich gerade eine Reihe von p2p Lending Plattformen teste, werde ich in nächster Zeit weitere Artikel zu diesem Thema verfassen. Wenn bestimmte Aspekte von p2p Lending für Euch von besonderem Interesse sind, gebt mir gern Bescheid!

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7 Gedanken zu “Kredite aus der Crowd – Einführung p2p Lending

  1. Ich denke auch, dass das ein nachhaltiger Trend wird. Aber ich sehe noch einen riesigen Aufholbedarf für die Banken in diesem Bereich. So richtig wollen sie sich noch nicht von ihrem geliebten Geschäftsmodell verabschieden.

    Aber gerade in diesem Markt hätte sie Chancen. Im deutschsprachigen Raum tut sich in letzter Zeit eher wenig. Auxmoney entwickelt sich nicht wirklich weiter und die Osteuropäischen Anbieter treten gerade ganz groß in den Markt ein. Vlt. nutzen die deutschen Banken ja doch noch ihre Chance!

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Bankenmärchen!

      Ich bin davon überzeugt, dass die traditionellen Banken p2p Lending nutzen könnten und davon im Sinne einer Anpassung des Geschäftsmodells profitieren könnten. Das bedeutet natürlich auch das angestammte Kerngeschäft ggf. neuen Dynamiken auszusetzen. Falls die Banken das nicht tun (Kodak…) werden es bestimmt andere tun.

      Bin sehr gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren entwickeln wird!

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  2. Meiner Meinung nach ist dieses Geschäftsmodell für Investoren gefährlicher als ein Investment in Aktien. Wer trägt das Ausfallrisiko?
    Wie flexibel ist mein dort investiertes Kapital?
    Mit welcher Kundschaft (Bonität) gehe ich ein Geschäft ein?
    Was bleibt an Rendite übrig?
    Da stellt sich mir die Frage ob das noch ein Investment oder eher ein Trade ist.

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    1. Lieber Malachit,
      Sehr berechtigte Fragen wirfst Du da auf – ich bin überrascht, dass Du eine der wenigen kritischen Stimmen bisher bist.
      Deine Punkte sind völlig valide:
      1) Ausfallrisiko trägt der Investor
      2) Liquiditätsrisiko trägt natürlich auch der Investor – ein etwa bestehender Sekundärmarkt ist nur eine Mitigation
      3) Rendite: Während die Bruttorenditen verlockend erscheinen, sind die Nettorenditen nach Risikokosten wohl nicht mehr so berauschend, wohl aber noch immer respektabel – so zumindest meine bisherigen Erfahrungen.
      Insgesamt habe ich <1% meines Portfolios in p2p Kredite veranlagt, v.a. auch um selbst aus eigener Hand Erfahrungen zu sammeln. Es wird sich zeigen, wie sich die Branche entwickelt – die Meinungen darüber gehen ja zT weit auseinander.
      Hast Du selbst auch p2p Investments getätig? Oder sind Deine Bedenken so deutlich ausgeprägt, dass Du die Finger davon lässt?
      Viele Grüße,
      FF

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