„So denken Millionäre“ wurde vom Kanadischen Autor T. Harv Eker im Jahr 2005 veröffentlicht. Das Buch beschäftigt sich nicht mit der Frage, wie man reich oder finanziell frei wird, sondern erkundet, welche finanziellen Verhaltensmuster reiche Menschen haben. Im Hauptteil des Buches werden 17 Vermögensdateien beschrieben, die finanziell freie Menschen in ihrem Mindset verankert haben.

T. Harv Eker ist nicht nur Autor von „So denken Millionäre“, er sollte selbst auch Experte für den richtigen Mindset als Millionär sein. Er wurde wie im Buch beschrieben durch den Aufbau von Fitness-Studios reich, verlor das Vermögen allerdings schnell wieder. Auch wenn er das im Buch dann wieder nicht so klar sagt, dürfte er durch seine Seminare und Bücher erneut zu einem stattlichen Vermögen gekommen sein. Außerdem wird „So denken Millionäre“ zuweilen als Standardwerk für Reisende auf dem Weg zur finanziellen Freiheit genannt. Ich hatte daher beschlossen, dem Buch einen Vertrauensvorschluss zu geben und die genannten 17 Vermögensdateien gründlich zu studieren. Es wird sich zeigen, ob dieser Vertrauensvorschuss gerechtfertigt war oder ich enttäuscht wurde…

„So denken Millionäre“ kann zügig gelesen werden, die insgesamt ~250 Seiten, sind rasch durchgearbeitet. Der Aufbau in einen ersten, einleitenden Teil und dann die 17 Vermögensdateien im zweiten Teil, geben dem Buch eine Struktur, der leicht gefolgt werden kann. Das Buch ist sprachlich einfach gehalten und weist keine größere Komplexität auf, weshalb es auch auf Reisen bzw. vor dem Schlafengehen gelesen werden kann – das habe ich zumindest gemacht 😉 Auch bei diesem Werk glaube ich, dass es durch die deutsche Übersetzung verloren hat, weshalb ich bei nochmaliger Lektüre zur englischen Fassung greifen würde.

Entsprechend einfach lassen sich auch die Erkenntnisse aus „So denken Millionäre“ zusammenfassen.

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In Teil 1 des Buches werden einige ganz hilfreiche Theorien aufgezeigt, die beim Erreichen finanzieller Unabhängigkeit helfen können. So geht T. Harv Eker davon aus, dass wir unsere Einstellung zu Geld überwiegend in der Kindheit erworben haben uns von diesen finanziellen Verhaltensmustern zu tiefst geprägt sind. Diese Verhaltensmuster müssten und zuerst bewusst gemacht werden, bevor sie überwunden werden können und durch neue Vermögensdateien (dazu dann in Teil 2) überschrieben werden können. Es wird dabei von der logischen Kette Gedanken > Gefühle > Handlungen > Ergebnisse ausgegangen. Nur wer diese von historisch erlernten Verhaltensmustern geprägten Gedanken ändert, würde es auch schaffen die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. D.h. umgekehrt auch, dass nur das Ändern von Handlungen zu kurz greifen würde, da die Welt der Gedanken stets wieder überholen würde. Darüber hinaus propagiert T. Harv Eker Deklarationen (im Gegensatz zu Affirmationen), um finanzielle Belange zu bestätigen und erfolgreich in die Tat umzusetzen, z.B. „Mein Ziel ist Millionär zu werden!“

Teil 2 des Buches besteht wie gesagt aus 17 Vermögensdateien, die ich wie folgt, zu Teil vereinfacht, widergeben möchte:

Vermögens-datei Reiche Menschen… Arme Menschen…
#1 …gestalten ihr Leben selbst. …glauben, dass das Leben etwas sei, das ihnen zustößt.
#2 …befassen sich mit Geld, um zu gewinnen. …befassen sich mit Geld um nicht zu verlieren.
#3 …sind ganz und gar dem Reichtum verpflichtet. …möchten einfach nur reich sein.
#4 …denken im großen Maßstab. …denken im kleinen Maßstab.
#5 …konzentrieren sich auf Chancen und sind aktiv. …konzentrieren sich auf Hindernisse und sind inaktiv/träge.
#6 …bewundern andere reiche und erfolgreiche Menschen. …grollen reichen und erfolgreichen Menschen.
#7 …verkehren mit positiven, erfolgreichen Menschen. …grollen reichen und erfolgreichen Menschen.
#8 …sind bereit, für sich selbst und ihren Wert zu werben. …denken schlecht über Werbung und Verkauf.
#9 …beherrschen ihre Probleme. …werden von Ihren Problemen beherrscht.
#10 …sind ausgezeichnete Empfänger. …sind schlechte Empfänger.
#11 …wählen ihre Bezahlung basierend auf ihren Ergebnissen. …wählen ihre Bezahlung basierend auf Zeit.
#12 …denken „beides“. …denken „entweder/oder“.
#13 …konzentrieren sich auf ihr Nettogesamtvermögen. …konzentrieren sich auf ihr Arbeitseinkommen.
#14 …gehen gut mit ihrem Geld um und kontrollieren es. …gehen schlecht mit ihrem Geld um und werden daher vom Geld kontrolliert und beschränkt.
#15 …sorgen dafür, dass ihr Geld hart für sie arbeitet. …arbeiten hart für ihr Geld.
#16 …handeln trotz ihrer Furcht. …lassen zu, dass ihre Furcht sie aufhält.
#17 …lernen und wachsen ständig. …glauben, dass sie bereits alles wissen.


Nun, wie fällt meine Bewertung des Buches aus? Wer sich das Standardwerk zur finanziellen Freiheit erwartet, der könnte enttäuscht werden. Es sind in die Vermögensdateien nur einige wenige hilfreiche Konzepte integriert, die auch durch Lektüre einschlägiger Blogs rasch erschlossen werden könnten. Gleichzeitig fand ich einige Gedankengänge (z.B. finanzielle Prägung/Verhaltensmuster in der Kindheit oder auch Gedanken > Gefühle > Handlungen > Ergebnisse) inspirierend. Auch sind viele der Vermögensdateien provokant formuliert, sodass sie mir Anlass zur Reflexion und zum Überdenken so mancher eingeschwungener Denkmuster gaben.

Wer aber andererseits ein Standardwerk zum richtigen Mindset im Umgang mit Geld sucht, der ist wohl goldrichtig. Viele der Vermögensdateien können direkt verwendet werden, um bestehende Verhaltensmuster aufzubrechen bzw. zu überschreiben. Manche der Vermögensdateien gehen mE sogar weiter als die finanziellen Belange, z.B. #12 „beides“ statt „entweder/oder“ lässt sich auch noch auf andere Lebensbereiche ausdehnen.

Beim Lesen stieß mir allerdings mehrmals negativ auf, dass in fast jedem Kurzkapitel ein Verweis auf die Seminare von T. Harv Eker platziert wird. So entsteht der Eindruck, dass das Buch lediglich als Marketingvehikel für die Seminare gedacht ist, ja man nur die halbe Wahrheit kennt, wenn man das Buch gelesen hat. Werbung mag im Einklang mit Vermögensdatei #8 ja nicht verwerflich sein; doch auch der einfältigste Leser wird nach einigen Verweisen verstanden haben, dass es ein weitergehendes Seminarangebot des Autors gibt – das sollte dann auch genügen!

Zusammenfassend gebe ich „So denken Millionäre“ drei von fünf Sternen. Da es sich um einen locker dahin geschriebenen Text handelt, ist das Buch leicht verdaulich und kann rasch gelesen werden. Eine wirkliche Mindset-Änderung in Bezug auf Geldangelegenheiten wird durch das bloße Lesen nicht erzielt werden; vielmehr müssen dafür – genau nach der im Buch beschriebenen Logik – Verhaltensmuster verstanden, aufgebrochen/überschrieben werden, um in Handlungen und Ergebnisse umgesetzt zu werden. Jedem der seinen Mindset entsprechen justieren und auf Reichtum trimmen möchte, würde ich die Lektüre empfehlen und sogar das aktive Reflektieren und Aufbrechen von Verhaltensmustern und Gedankengängen empfehlen. Dass es trotzdem „nur“ drei Sterne gab, liegt daran, dass ich mir stärkere Vertiefungen in den Vermögensdateien erhofft hätte und die Bewerbung der Seminare zu offensiv erschien.

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8 Gedanken zu “Wie denken eigentlich Millionäre? – Rezension von T. Harv Eker’s Buch „So denken Millionäre“

  1. Danke für die Rezension. Das klingt im Endeffekt wie ein Motivationsbuch.

    Mir ist bei einigen Büchern die exzessive Eigenwerbung auch schon sehr oft aufgefallen. Das wirkt weniger seriös.

    Die Vermögensdateien sind interessant, die Auflistung kann aber – wie du anmerkst – auch mit Blogs erschlossen werden. Mir stellt sich die Frage, was „arme Menschen“ sind. Einige der Vermögensdateien sind mir außerdem zu oberflächlich. „arbeiten hart für ihr Geld“..naja, das ist ein Widerspruch (wenn man z.B. die Liste ansieht), weil das die „reichen Menschen“ auch machen, oder?

    LG
    johannes

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    1. Hallo Johannes,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Sicher stilisiert das Buch den Unterschied zwischen „arm“ und „reich“, gerade durch die Vermögensdateien sehr stark. Ich persönlich würde aber sagen, dass „arm“ und „reich“ keine absoluten Begriffe sein müssen. Für den einen sind €1.000 im Monat bereits ausreichend und damit Reichtum, während einem anderen das Zehnfache noch nicht ausreichen wird. Im Buch werden die Begriffe „arm“ und „reich“ nicht definiert, sondern verwendet sie als idealtypische Gegenpole.
      Dass reiche Menschen auch hart arbeiten mag sein, muss aber nicht sein. Wenn man nämlich Reichtum als finanzielle Freiheit aus passiven Einkommensquellen (https://meinefinanziellefreiheit.com/passive-einkommensquellen/) interpretiert, dann muss wohl kaum harte Arbeit hinter dem Erwerb des Lebensunterhalts stehen.
      Viele Grüße,
      FF

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  2. Toller Artikel.
    Ja dem ganzen kann ich ungefähr zustimmen.
    Vermögende Menschen haben meist ihr Vermögen erreicht, in dem Sie sich Sachen getraut haben, die sich andere nicht getraut haben. Gründung eines Unternehmens so wie Entwicklung und Vermarktung eines eigenes Produktes.

    Und es ist klar, dass der Umgang mit Geld, bei höheren Einnahmen bzw. Besitz, anders ausfällt als bei jemanden der jeden Monat Cent für Cent umdrehen muss.

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    1. Hallo,
      Vielen DAnk für Deinen Kommentar – allerdings zwei Anmerkungen/Beobachtungen:
      1) Aus meiner Sicht, muss Vermögen nicht nur aus besonders „riskanten“ Aktivitäten wie der Gründung eines Unternehmens herrühren, es kann dies auch über langfristige und konsequente Geldanlage erfolgen
      2) Die Formulierung Cent für Cent umdrehen gab mir zu denken 😉 Ich würde nicht ausschließen, dass auch sehr vermögende Menschen jeden Cent umdrehen. Vielleicht sind sie genau deshalb vermögend und daher eigentlich nicht dazu gezwungen…
      Viele Grüße,
      FF

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