Bausparen ist, gleich nach dem Kaufen von Immobilien die beliebteste Sparform der Österreicher. Jahrelang war das Bausparen (gemeinsam mit dem Sparbuch) sogar die beliebteste Anlageform. Das ist zumindest das Ergebnis des Stimmungsbarometers zu Spar- und Anlageformen des Meinungsforschnugsinstituts GfK.

Ganz konträr zu dieser Einschätzung der Österreicher stellt dieser Artikel klar, dass die Investition in einen Bausparvertrag eine komplette Fehlinvestition ist und über einen Zeitraum von 6 Jahren kaufkraftindexiert 5% an Kapital verloren geht. Dennoch liegen bei den österreichischen Bausparkassen lt. Österreichischer Nationalbank in Summe € 20,4 Mrd. an Einlagen – das heißt also, dass in den nächsten sechs Jahren rd. € 1 Mrd. an Wert vernichtet wird. Erschreckend, oder? Daher werden in diesem Artikel Hypothesen überprüft, warum sich diese Spar-Möglichkeit dennoch und weiterhin größter Beliebtheit erfreut. Leser von meinefinanziellefreiheit.com werden diese Fehlinvestition nun aber jedenfalls umschiffen können!

Exkurs: Wie funktioniert Bausparen? Welche Unterschiede gibt es zwischen Deutschland und Österreich?

Das Grundprinzip des Bausparens ist in Deutschland und Österreich das gleiche: Durch regelmäßiges Sparen über die Ansparphase hinweg soll es breiten Bevölkerungsschichten ermöglicht werden, das Eigenkapital für den Bau/Kauf eines Eigenheims/einer Eigentumswohnung gesammelt werden. In der Kreditphase wird dann ein langfristiger Wohnbaukredit über 20+ Jahre getilgt. Der Gesetzgeber findet den Eigentumserwerb der Bevölkerung derart sinnvoll, dass er das Bausparmodell durch eine Förderung unterstützt – man kann sagen, der Staat leistet Hilfe zur Selbsthilfe.

Gleichzeitig entsteht auch ein stabiles wenngleich wenig spektakuläres Geschäftsmodell für die Bausparkassen. Sowohl die Passivseite (Einlagen aus der Ansparphase) als auch die Aktivseite (langfristige Bausparkredite) werden aus dem Modell bedient. Es kommt dabei zu überschaubaren Kreditrisiken, da die Kredite durch Hypotheken auf das selbst bewohnte Eigenheim und persönliche Haftungen sowie eine Ablebensversicherungen der Kreditnehmer gut besichert sind. Auch das Risiko aus Fristentransformation ist beschränkt, da die Passivseite der Bausparkassen-Bilanz durch lange Kapitalbindungen der Einlagen sehr stabil ist.

Das deutsche Bausparmodell unterscheidet sich vom österreichischen iW durch den Fördermechanismus. Während in Österreich eine vom Zinsniveau abhängige Prämie auf das Bausparkonto gutgeschrieben wird (derzeit überschaubare €18,- pro Jahr), erfolgt die Förderung in Deutschland über die Arbeitnehmersparzulage (maximal €470,- pro Jahr), die Wohnbauprämie (von €45,06 für Alleinstehende bzw. €90,11 für Verheiratete für das Jahr 2017) und ggf. noch die Riester-Förderung, wenn das Bausparen als Altersvorsorge iSd der sog. „Eigenheimrente“ abgeschlossen wird.

Warum ist nun Bausparen als Sparform derart beliebt?

Aus meiner Sicht kann die hartnäckige Beliebtheit des Bausparens an mehreren Faktoren liegen, nämlich:

  • Bausparer erhalten jährlich eine staatliche Förderung
  • Bausparen ist eine seit Kindesalter geübte Praxis
  • Bausparen wird durch Werbung und Abschlussgeschenke der Bausparkassen emotionalisiert

Eine staatliche Förderung erweckt in den unter der hohen Steuerlast ächzenden Bürgern Glücksgefühle. Es geht um das Einsacken einer quasi auf der Straße liegenden Prämie, die jedem zusteht, der nur einen Bausparvertrag abschließt – warum also diese Prämie links liegen lassen? So könnte man leicht denken! Gleichzeitig nutzen die Bausparkassen die Angst der Sparer, die Prämie zu verlieren auch bewusst aus. Zu gut erinnere ich mich an den Slogan einer Bausparkasse, der zum Vertragsabschluss im jeweiligen Kalenderjahr animieren sollte: „Am 32. Dezember ist es zu spät!“. Ganz nebenher sei aber erwähnt, dass die Bausparprämie derzeit verschwindend geringe 1,5% auf das angesparte Kapital einbringt. Gleichzeitig wird natürlich auf die Zinsen Kapitalertragssteuer fällig – wie weiter unten aufgeführt – ist die Kapitalertragssteuer höher, als die über die Ansparphase erzielte Prämie. Der Staat könnte also Bausparverträge von der Kapitalertragssteuer ausnehmen und keine Prämien zahlen – es würde dadurch sogar monetär ein höherer Fördereffekt erzielt werden. Die Bürokratie zur Administration von Kapitalertragssteuer und Bausparprämie könnte dann aber auch ersatzlos entfallen!

Beim Bausparen handelt es sich um ein uns seit frühester Kindheit antrainiertes Verhalten, das bereits mit dem Abschluss des ersten Bausparvertrages im Kleinkindalter tief in unseren Köpfen verwurzelt wird. Bis zu Volljährigkeit ist Platz für drei volle Ansparzyklen à 6 Jahren wodurch auch eine regelmäßige Diskussion im Familienverband – jedenfalls bei Auslaufen und Neuabschluss des geliebten Bausparers – sichergestellt ist. Wie schon T. Harv Eker in seinem Buch „So denken Millionäre“ ausführt, entstehen viele unserer Vermögensdateien durch die Erfahrungen in der Kindheit/über das Elternhaus. Interessant am Bauspar-Verhaltensmuster ist auch, dass das Bausparen für Kinder zwar weit verbreitet ist, aber wohl keine Absicht besteht, ein Bauvorhaben für einen Sechsjährigen zu starten, es sich also mit Sicherheit um ein reines Spar- bzw. Veranlagungsprodukt handelt.

Bausparen wird durch die aggressive Werbung der Bausparkassen und die Beigabe von nützlichen oder unnötigen 😉 Geschenken stark emotionalisiert. Welch gutes Gefühl der Abschluss eines Bausparvertrages doch mit sich bringen kann – i) Sparen vielleicht ja sogar kombiniert mit einem Neujahrsvorsatz bei Abschluss kurz vor dem Jahreswechsel, ii) die Aussicht auf das eigene Zuhause nach sechs Jahren, also spät genug um konkret daran denken zu müssen, und iii) natürlich der Erhalt des begehrten Geschenks (Rucksack, Kochschürze, Wellness-Urlaub,…) *Ironie aus* Natürlich sind wir alle Opfer unserer Emotionen, doch erscheinen mir diese im Vergleich zu anderen Veranlagungsprodukten beim Bausparen eine besonders große Rolle zu spielen.

Warum macht ein Investment in einen Bausparvertrag rational aber keinen Sinn?

Wir könnte man die rationale Beurteilung der Sinnhaftigkeit eines Bausparvertrages besser beurteilen, als durch einen Rechenvergleich. Ein Blick auf durchblicker.at gibt einen Überblick über die aktuellen Angebote der österreichischen Bausparkassen:

Auszug Durchblicker Bausparverträge.PNG

Der Vergleich zwischen den Anbietern zeigt eine nur sehr geringe Streuung in den Konditionen. Einer Sparleistung von €7.200,- steht eine Auszahlung nach sechs Jahren von €7.693,43 bis €7.675,82 gegenüber, im Durchschnitt also €7.681,47.

Interessant finde ich dabei die Zusammensetzung des Netto-Ertrags für einen hypothetischen Durchschnitts-Bausparvertrag (arithmetisches Mittel der Angebot der vier österreichischen Bausparkassen):

  • Zinsen + €551,45
  • Prämie + €108,-…das sind bloß €18 pro Jahr und somit in Summe (nicht jährlich!) 1,5% auf den investierten Betrag
  • Kapitalertragssteuer – €137,86 = 25% auf die Zinsen
  • Kontoführungsgebühr – €40,12 eigentlich ein schönes Zubrot für die Bausparkassen, wenn man bedenkt, dass durch die Kontoführungsgebühr 7% der ausbezahlten Zinsen wieder „zurückgeholt“ werden

Tja, wenn man dem Gesamtertrag von 6,7% über 6 Jahre, die Inflation von (angenommenen) 2% gegenüberstellt, bleibt es bei einem ernüchternden Minus von 5,3%, also 0,9%% p.a auf das eingesetzte Kapital. Um es ganz klar und deutlich zu sagen, wer in einen Bausparvertrag investiert, bindet sein Kapital für die Dauer von 6 Jahren und geht einen Verlust von 5,3% auf das gebundenes Kapital von €7.200,- ein. Es ergibt sich also ein realer Vermögensverlust von €379,-. Zumindest meine Emotionen wären spätestens mit dieser Erkenntnis klar: „Finger weg!“

Was habe ich selbst gemacht?

Auch meine Kindheitserinnerungen sind von einem Bausparvertrag für jedes Familienmitglied geprägt. Deutlich erinnere ich mich auch noch an das Auslaufen meines letzten Bausparvertrages – das wird wohl ca. 15 Jahre her sein. Es handelte sich um einen Bausparvertrag, der noch von meinen Eltern bei der mit der Hausbank verbandelten Bausparkasse abgeschlossen worden war. Ich wunderte mich damals sehr darüber, wie wenig Rendite das doch über sechs Jahre gebundene Kapital abgeworfen hatte. Daher konnte ich mich auch den Lockrufen des Bankberaters entziehen, der mir gleich den nächsten über sechs Jahre laufenden Bausparvertrag nahegelegt hatte. Seither habe ich die Finger von diesem Produkt gelassen.

Was sind Eure Erfahrungen mit Bausparverträgen? Habt Ihr überhaupt je einen gehabt? Worauf führt ihr die Beliebtheit in der Bevölkerung zurück? Wie gewohnt freue ich mich auf rege Diskussion in den Kommentaren!

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9 Gedanken zu “Fehlinvestition Bausparvertrag – wie die Österreicher in 6 Jahren € 1 Mrd. vernichten

  1. Die rendite früher war ein nettes zubrot – ich habs immer zum amsparen fürs nächste auto verwendet und oute mich damit als ö. Allein das ich erst nach 6 jahren auf das geld zugreifen konnte hatte die begehrlichkeit es für was anderes auszugeben erheblich verringert und damit oute ich mich auch als landei – arbeiten ohne fahrbaren untersatz auf dem land unmöglich.

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    1. Danke für den Kommentar!
      Es gibt doch mehr Österreicher, die sich mit Fragen zur finanziellen Freiheit beschäftigen, als ich gedacht hatte – das freut mich!
      Der Aspekt, dass das Geld durch die Kapitalbindung 6 Jahre nicht angegriffen werden kann, ist möglicherweise ja sogar ein Vorteil. Im demnächst erscheinenden Artikel meines Kollgen Roland von Finanzgeflüster, nennt er das u.a. als einen positiven Aspekt.
      Viele Grüße
      FF

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  2. Bausparen hat sich früher in der Bundesrepublik durchaus gelohnt. Deshalb versuchen die Bausparkassen verzweifelt die Altkunden loszuwerden. Es sind durchaus noch Verträge mit über 3% üblich. Die Abschlußgebühren betrugen damals meist 1%. Zudem ist das veranlagte Kapital besichert. So viel Rendite gibt es nirgends. Vom Abschluß neuer Bausparverträge rate ich aber dringend ab, sie bringen keinerlei Rendite mehr.

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    1. Hi,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Da bist Du ja zur selben Schlussfolgerung gekommen, wie mein Artikel.
      Was meinst Du aber, wenn Du schreibst, dass das veranlagte Kapital besichert sei? Denkst Du da an die Einlagensicherung? Grundsätzlich handelt es sich ja um eine unbesicherte Forderung…oder?
      Viele Grüße
      FF

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  3. Hallo,
    als ehemaliger Bausparer kann ich verschiedene „Lieder“ singen:
    Ganz zu Anfang waren Grundschulden und Hypotheken teuer (>7%). Es gab keine Möglichkeit der Verkürzung (Sondertilgungen oder Streckungen). Bai den BSpV waren die Zinsen unterdurchschnittlich aber man hatte damit die Sicherheit der vereinbarten Zinsen in der Tilgungsphase. Ich fand das gut, habe es gemacht und es hat funktioniert.
    Dann fielen aber die Zinsen am Kapitalmarkt und die Banken wurden flexibler. Jährliche Sondertilgung und Tilgungsanpassung wurden möglich bzw. konnten verhandelt werden. Ich würde es als Gleichstand bezeichnen.
    Dann fielen die Zinsen ins fast „bodenlose“ und HURAAH es gab den BSpV mit einer hohen Zinsrate in der Ansparphase (man nahm die Zuteilung nicht an und sparte einfach weiter). Auch gemacht. Doch dann wurden die Kassen unangenehm. Erst freundliche Briefe mit Umschuldungsangeboten, dann Hinweise auf vertragswiedriges Verhalten. Wenn das nichts nutze und man weiter ansparte kam die Kündigungdandrohung. Wenn man weiterhin in der moralisch verwerflichen Einstellung weiter ansparte man sie dann – die Kündigung. Leider bekamen die Kassen dann Recht von der Rechtsprechung, obwohl man sich vertragskonform verhalten hat.
    Nun denn – es war dann vorbei – die schöne Zeit mit den besseren Zinsen.

    Heute : Nicht wieder – die Banken sind flexibeler geworden (in Grenzen, das Wort Vorfälligkeitsentschädigungist aus deren Wortschatz nicht verschwunden)

    Gruß vom Ex(Bausparer)

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    1. Hallo lieber Ex-Bausparer,
      Danke für Deinen Kommentar und sorry, dass ich so lange für die Freischaltung gebraucht habe – der Hinweis ging in meiner Mailbox unter.
      Du hast einen schönen historischen Abriss über das Verhalten der deutschen Bausparkassen und Banken beschrieben. Es zeigt sich darin auch, dass mangelnde Innovation und Anpassungsfähigkeit auf Seiten der Bausparkassen aus einem Vorteil einen Nachteil gegenüber den Banken entstehen ließ. Das mag jetzt unpopulär sein, aber es scheint, als wären die Banken innovativer gewesen als die Bausparkassen 😉
      Viele Grüße und bis bald
      MFF

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