Natürlich soll die als Frage formulierte Überschrift provozieren 😉 Bei mir setzt sich immer mehr der Eindruck fest, dass der überwiegende Anteil der Finanzblogger maximal 40, männlich und unselbständig beschäftigt ist. Auch ich bin hier wohl keine Ausnahme. Mir sind zwar einige löbliche Ausnahmen aus meiner Leserschaft bekannt, zu denen ich bereits Kontakt hatte. Ich wage aber zu bezweifeln, dass dies mehr als 10% der Interessierten zum Thema personal finance sind. Es würde mich sehr freuen, wenn ich mit meinem Eindruck völlig falsch liege – also bitte um Widerspruch in den Kommentaren!

Dieser Artikel soll die Frage aufgreifen, ob es eine Ursache dafür gibt, dass die Beschäftigung mit Finanzthemen besonders eine junge Zielgruppe anspricht. Dabei wird auch der Aspekt beleuchtet, dass gerade ältere Menschen durch ihr Finanzleben zusehends herausgefordert werden. Schließlich werden Auswege aus diesem Spannungsverhältnis aus jungen finanzaffinen und alten, eher finanzfernen Personengruppen gesucht.

Ist doch super, dass sich so viele Junge um das Thema finanzielle Freiheit kümmern!

Als stets positiv denkender Mensch möchte ich eingangs die Situation begrüßen, dass sich viele junge Menschen um ihre finanzielle Freiheit Gedanken machen. Als positive Leuchttürme sein hier Dominik von finanziell-frei-mit-30.de (hier der Link zum Interview), Thomas von sparkojote.ch (hier der Link zum Interview) oder auch Florian von finanzleiter.com (auch hier der Link zum Interview) genannt. Das ist insofern großartig, denn wer früh beginnt kann einige wichtige Abzweigungen nehmen, um den Weg in Richtung finanzielle Freiheit erfolgreich zu gehen, konkret:

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So weit so gut, diese positive Perspektive hat auch eine deutliche Kehrseite der Medaille. Wer nämlich in seinem Lebensalter schon fortgeschritten ist, braucht es erst gar nicht versuchen. Die Zeit zum Aufbau von Kapital und Businesses könnte ja schon zu kurz sein. Es daher gar nicht erst versuchen, also ohne Versuch aufgeben. Auch der Gedanke „Hätte ich damit nur mit 20 begonnen!“ mag unbequem sein. Das wäre aus meiner Sicht eine sehr traurige Position! Kontrolle über seine finanzielle Position zu erlangen ist nämlich in jeder erdenklichen Lebenslage sinnvoll. Mit dem Sparen kann man auch später im Leben beginnen, natürlich ist die Anpassung eines bereits gehobenen Lebensstandards vielleicht weniger gemütlich. Der Stein des Zinseszinses kann jederzeit ins Rollen gebracht werden. Und so weiter. Also alles keine endgültigen Ausreden, um nicht dennoch auf den Weg zur finanziellen Freiheit aufzubrechen.

Lebensalter und Management der eigenen Finanzen vertragen sich aber leider nicht

Jetzt kommen die bitteren Nachrichten. Jüngst las ich einen Artikel im Economist, der sich mit dem Finanzleben älterer Menschen beschäftigt. Zusammenfassung ist, dass es ab ca. 50 Lebesjahren mit der Fähigkeit des Menschen sinnvolle finanzielle Entscheidungen zu treffen rapide bergab geht. Finanzen sind ein besonders komplexer Lebensbereich, da sowohl Wissen und Judgement gefragt sind. Daher fällt es Menschen mit zunehmendem Lebensalter immer schwerer, ihre Finanzen verantwortungsvoll zu mangen. Auch nimmt die Gefahr, finanziellen Betrügereien auf den Leim zu gehen, mit zunehmendem Alter dramatisch zu – und dabei wird es noch deutliche Dunkelziffer geben. Schließlich sind dabei noch gar nicht besonders schlimme Fälle von Demenz, physischen Behinderungen usw. angesprochen.

Diese mögliche Erklärung wird wahrscheinlich noch durch eine geringere Online-Affinität älterer Menschen verschärft. Dadurch wird es noch unwahrscheinlicher, dass das Pull-Medium Online, Blogs & Co. von älteren Zielgruppen genutzt werden. Es unterbleibt daher eine weitergehende, unabhängige Information zu Finanzthemen aus dem Internet.

Mögliche Auswege aus dem Schlamassel

Da ich diese Situation äußerst unbefriedigend finde – gerade vor dem Hintergrund einer zunehmend alternden Bevölkerung in Europa – möchte ich einige gegensteuernde Gedanken aufzeigen. Diese Gedanken gehen davon aus, dass jeder insb. auch jüngere Finanzblogger hier etwas tun kann, um hier seinen Beitrag zu leisten.

  • Ein kursorischer Blick durch die diversen Finanzblogs zeigt, dass überwiegend eine junge Zielgruppe angesprochen wird. Es mangelt zuweilen also auch am Angebot entsprechender Beiträge und Ratgeber, wie vorzugehen wäre. Während das einigen wenigen Blogs – z.B. der-privatier.com eine Flut an Traffic bescheren sollte, könnte das mangelnde Bespielen der Zielgruppe 40+ für viele als Chance genutzt werden. Vielleicht gibt es ja auch so etwas wie angebotsinduzierte Nachfrage…
  • Mein zweiter Punkt ist ein Appell an die Push-Medien im Bereich Print und TV. Eine unvoreingenommene und aufgeschlossene Berichterstattung gerade zu personal finance Themen wäre wünschenswert. Gerne würde ich deutlich mehr wie z.B. Artikel des Finanzrockers in diversen Zeitschriften sehen. Die Blogger-Szene könnte hier durchaus auch eine aktive Rolle übernehmen.
  • Finanzen sind ein besonders heikles, weil vertrauensvolles Thema. „Über Geld spricht man nicht“ kann daher denke ich besonders gut im Familienverband überwunden werden. Gerade eine generationenübergreifende Finanzplanung könnte ja sehr vielversprechend sein. Man bedenke, dass viele kleine und größere Vermögen in den nächsten Jahren übergeben werden. Eine Fehlentscheidung z.B. große Geldbeträge auf Tagesgeldkonten zu parken könnte einen signifikanten Unterschied für die nächste Generation machen. U.a. deshalb könnten die Jungen ein Eigeninteresse haben, sich hier aktiv einzubringen. Wann hattet Ihr also das letzte Geldgespräch mit Euren Eltern, ohne dabei Bittsteller zu sein wollen?
  • Schließlich können auch Banken alternde Bevölkerungen als Potenzial sehen und jahrelang bestehende Kundenbeziehungen (und damit etabliertes Vertrauen) nützen. Typischerweise werden nur junge Kunden als besonders potenzialträchtig gesehen, gerade weil der Abschluss von Baufinanzierung, Versicherungsverträgen und Ansparmodellen besonders rentabel erscheinen. Gleichzeitig könnten Banken sich hier bewusst vorwärtsgerichtet aufstellen, ältere Bevölkerungsschichten ansprechen und gezielt Kundeninteraktion und Angebote zuschneiden. Dabei könnte es zu auch zu einer behutsamen Begleitung in Richtung digital banking gehen.

Mein Fazit ist daher zweigeteilt: Erstens, alle Jungen mögen ihren Weg zur finanziellen Freiheit mit unveränderter Radikalität fortsetzen. Alle Älteren, mögen sich den o.g. möglichen Ausreden widersetzen und einen positiven Startpunkt in Richtung verantwortungsbewusster Gestion der finanziellen Angelegenheiten setzen. Die soeben ausformulierten Ansätze können helfen, hier einen Kick-Start hinzulegen und eine Aufbruchsstimmung auch mit gehobenem Lebensalter zu erzielen. Wenn die vier genannten Punkte aufgegriffen werden, kann hier sicher positives Momentum geschaffen werden. Es kommt nämlich mE auf das positive Delta zum eingeschlagenen Pfad an und nicht nur auf etwaige angesparte, absolute Geldbeträge.

Bei diesem Artikel würde ich mich besonders auf Kommentare freuen. Einerseits von Älteren Lesern, die mir beweisen, dass meine Einschätzung falsch ist. Andererseits natürlich auch weiterführende Gedanken, wie das genannte Spannungsverhältnis zwischen finanzaffinen Jungen und finanzfernen Älteren zu überwinden ist. Vielen Dank!

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6 Gedanken zu “Sind alle Finanzblogger und ihre Leser unter 40?

  1. Ich bin 48 Jahre jung, Selbständig mit einem Handel- und Handwerksbetrieb und kümmere mich um finanzielle Freiheit bereits seit Beginn meiner Ausbildung, also über 30 Jahre. Nach meiner Rechnung ist es in etwa 7 Jahren so weit, dass ich für Geld nicht mehr selber arbeiten muss.
    Warum habe ich so lange gebraucht? Die „neuen Finanzwilden“ rechnen uns teilweise vor dass man es in 10-15 Jahren schaffen kann. Nun, damals war der Informationsfluss nicht so einfach wie heute, es gab weder Internet noch ETFs. Zweitens habe ich leider eine Scheidung hinter mir die mich sehr viel Geld gekostet hat und aufgrund der Kinder immer noch monatlich erhebliche Beträge kostet. Dazu kann ich mich nicht wirklich mit einem allzu frugalistischen Lebensstil anfreunden. Ich verstehe zwar das Konzept aber aus meiner Sicht habe ich nicht 20 Jahre lang 70 Stunden pro Woche gearbeitet und teilweise 4 Jahre lang ohne einen einzigen Urlaubstag durchgearbeitet um dann im Alter jeden Euro zweimal umdrehen zu müssen und eventuell nur noch von Reis und Bohnen in einem WG-Zimmer zu leben.
    Ein gewisser Standard muss für mich gegeben sein. Abgesehen davon will ich auch meinen Kindern eine gewisse finanzielle Sicherheit bieten, auch wenn diese nicht mehr bei mir leben. Noch dazu bin ich nach meiner Selbstwahrnehmung deutlich sicherheitsorientierter als viele andere. Ein Selbsttest der „4%-Regel“ kommt daher für mich nicht in Frage. Ich bin erst dann wirklich finanziell frei, wenn ich von den Dividendenzahlungen leben kann ohne Substanz aus dem Depot zu entnehmen.

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    1. Hallo DocSchneider,

      Erstmal herzlichen Glückwunsch, dass Du auf Deinem Weg zur finanzellen Freiheit schon so weit vorangekommen bist.

      Ich glaube, dass Du einen sehr hohen Maßstab anlegst, wenn es um die finanzielle Freiheit geht. Einerseits sprichst Du von einem gewissen Standard – verstehe ich und glaube selbst auch, dass Frugalismus nicht jedermann’s Sache ist. Zudem bist Du mit der Erwartung, dass Du allein von Zinsen/Dividenden OHNE Kapitalverzehr leben möchtest, besonders konservativ. Wenn Du also mit spitzem Bleistift rechnen würdest, wärst Du vielleicht jetzt schon finanziell frei!

      Viel Erfolg weiterhin!

      Beste Grüße
      FF

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  2. Oehm, bin zwar deutlich über 40, fühl mich aber nicht als „Senior“. Auch die Leser meiner Website P2P-Kredite.com sind gemäß einer Umfrage von letzten August zu 39% über 40 Jahre alt (19% sogar über 50 Jahren).

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    1. Hallo Claus,
      Cool – Deine Statistik macht Hoffnung 🙂 Andererseits, ganze 61% sind unter 40…
      Was hältst Du aber von der Hypothese, dass viele wohl für die eigene Altersgruppe als Zielgruppe schreiben? Das könnte nämlich auch Deine Leserschaft entsprechend beeinflussen.
      Viele Grüße
      FF

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  3. Schön, dass du dir so viele Sorgen um uns Ältere machst. Ich weiß nicht, ob es nicht auch daran liegen könnte, dass sich vermeintlich nur Jüngere in den Blogs tummeln, weil ältere schon einen Weg für ihre Geldanlage gefunden haben. Wer 20 oder mehr Jahre sein Häuschen abzahlt, macht sich vermutlich weniger Gedanken, was er mit den überschüssigen Geldern tun soll.

    Es gibt übrigens ne ganze Reihe von Ü40-Bloggern. Den Privatier hast du ja schon erwähnt. Mir fallen spontan der Finanzwesir, Holger von Zendepot, Lars von Finanziell-Umdenken, Jürgen Nawatzki vom ETF-Blog, Alexander von RenteMitDividende, Mr. Plutusandme und die Klunkerchen-Damen Monika bzw. Gisela ein.
    Bei Tim Schäfer bin ich mir nicht sicher, würde es aber auch vermuten. (Ich bin nicht gut darin, Alter zu schätzen und ebenso froh, dass auch ich eher jünger geschätzt werde.)

    So ganz sicher bin ich mir übrigens auch nicht, dass die Leserschaft von Finanzblogs überwiegend aus der U40 Fraktion besteht. Es gibt viele Leser, die sich eher mit Kommentaren zurückhalten und man einer Antwort von „Mathias“ nicht notwendigerweise auf ein Alter schließen kann.

    Liebe Grüße von der Ü40-Fraktion
    Dummerchen

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    1. Hallo Dummerchen,
      Danke für Deinen Kommentar und sorry, dass das Freischalten so lange gedauert hat…;-)
      Du stellst eine interssante These auf, nämlich, dass viele der etablierteren Finanzblogs, von der Ü40 Fraktion betrieben werden. Wenn ich also noch vier Jahre mit dem Bloggen durchhalte, dann habe ich sowohl Ü40 als auch etablierter Blog geschafft – das wäre jetzt mal meine Schlussfolgerung!
      Darüber hinaus bin ich ziemlich sicher, dass das Kommentar-Verhalten der Ü40-Fraktion zurückhaltender ist, als jenes der digial natives in den 20ern. Dadurch man der von mir im Artikel beschriebene Eindruck verstärkt werden. Die Tatsache, dass viele Ü40er auf diesen Artikel hin Kommentare gepostet haben, zeigt mir aber, dass auch zurückhaltende Kommentierer aus der Reserve gelockt werden können – super!!
      Viele Grüße
      FF

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