15% und mehr an jährlichem Ertrag pro Jahr versprechen manche der p2p Plattformen. Dass diese Kennzahl irreführend sein kann, hatte ich schon an anderer Stelle angemerkt. Handelt es sich doch um Brutto-Erträge vor Steuern. D.h. dass aus dieser zugegebenermaßen schönen Rendite zuerst einmal die Kosten für Kreditausfälle bestritten werden müssen und schließlich auch noch Steuern bezahlt werden müssen. Genau dem letzten Aspekt wird sich dieser Artikel widmen!

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist…“

 Dieses Zitat stammt mutmaßlich von Jesus, wie das Matthäus Evangelium berichtet (Mat 22,21). Jesus wird dabei mit der Fangfrage konfrontiert, ob es erlaubt sei dem Kaiser Steuern zu zahlen. Ein prüfender Blick auf die Steuermünze zeigt, dass darauf der Kaiser abgebildet ist, was Jesus dann zum Zitat „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ veranlasst. So ist es auch heute noch zweitausend Jahre später noch – am Zahlen von Steuern führt kein Weg vorbei. Dass auf Amerikanischen Banknoten „In God We Trust“ steht und die Euro-Banknoten von der EZB signiert werden und nicht von Kaiser Mario Draghi, mag hier jetzt mal hintan gestellt werden 😉

Tatsache ist, dass das Begleichen der Steuern bei Erträgen aus p2p Plattformen komplexer und arbeitsaufwändiger sein kann, als man denken mag. Es können folgende Hürden auftreten

  • Bestimmung der Höhe des zu versteuernden Ertrags – das mag überraschend klingen, doch treten in der Praxis sowohl durch die Fülle der Einzeltransaktionen und die verschiedenen Zahlungsströme Komplikationen auf. Auf Grund der oft mehreren Tausend Transaktionen in einem Kalenderjahr ist man völlig auf das Reporting der p2p Plattform angewiesen, das kann gut funktionieren, kann aber gerade im Fall des Zusammenbruchs der Plattform problematisch werden. Andererseits sind mehrere Zahlungsströme zu berücksichtigen, die einen zu versteuernden Ertrag darstellen, und zwar:
    • Zinsen
    • Late payment charges/fees
    • Aufgelder aus dem Verkauf von Krediten am Sekundärmarkt gegengerechnet gegen Verlust beim Verkauf von Krediten
    • Kreditausfälle und zwar wenn sie tatsächlich angefallen sind und der Kredit ausgebucht wurde. Manche Plattformen, z.B. Mintos weisen diese als „bad debt“ explizit aus.
    • „Risikovorsorgen“ für potenzielle zukünftige Ausfälle können aber nach meiner Einschätzung nicht gebildet bzw. steuerlich geltend gemacht werden. Das erspart einerseits eine weitere Verkomplizierung der Buchhaltung entspricht andererseits aber nicht der wirtschaftlichen Realität des Portfolios
    • Um diese gefühlt komplexe Buchhaltung praktikabel handhabbar zu machen, könnte man wenn man sich nicht auf die Reports der Plattform verlassen möchte, auch mit der Differenzmethode vorgehen. D.h. den Kontostand zum Jahresbeginn vom Kontostand zum Jahresende abziehen und die Differenz als zu versteuernden Betrag anführen. Ich werde diese Methode zumindest als Plausibilitäts-Check einsetzen.
  • Doppelbesteuerungsabkommen – Genau genommen, handelt es sich ja um Abkommen, die die Doppelbesteuerung vermeiden sollen. Konkret soll vermieden werden, dass der Ursprungsstaat z Quellensteuer einhebt und der Ertrag dann im Empfängerstaat nochmals besteuert wird. Ohne das auf alle Länderpaare geprüft zu haben, kann ich sagen, dass für die Länderpaare Lettland-Österreich (Mintos, Viventor), Estland-Österreich (Bondora) entsprechende Doppelbesteuerungsabkommen vorliegen und es so zu keiner Doppelbelastung kommt.
  • Ansässigkeitsbestätigung – manche Doppelbesteuerungsabkommen sehen vor, dass eine Ansässigkeitsbestätigung erbracht werden muss, um die Doppelbesteuerung zu vermeiden. Konkret muss das Wohnsitzfinanzamt bestätigen, dass man seinen Wohnsitz im Empfängerstaat hat und sein Einkommen ordnungsgemäß versteuert. Erst wenn diese Bestätigung vorliegt, wird ohne Quellensteuer ausbezahlt. Dass diese papierbasierte Prozedur schon mal eine Weile dauern kann, habe ich in meinem Artikel Illiquidität und administrative Hürden – Wie mühsam es sein kann von einer p2p Plattform wieder auszusteigen schon beschrieben.
  • Buchhaltung führen – Das klingt bürokratisch, ich sehe aber keine andere Möglichkeit als eine eigene Buchhaltung für die p2p Investments zu führen. Gerade wenn man auf mehreren p2p Plattformen investiert, was viele ja tun (z.B. Der Finanzfisch), führt daran wohl kein Weg vorbei. Damit bewahrheitet sich auch, dass selbst für eine passive Einkommensquelle auch in der Nutzungsphase etwas tun muss. Siehe dazu auch folgenden weiterführenden Artikel
  • Aufnahme in die Steuererklärung – Tja, als wichtigen bürokratischen Akt geht es nun darum die Erträge aus p2p Investments auch in die eigene Steuererklärung aufzunehmen. Dies ist deshalb erforderlich, da es keine automatische Abfuhr der Steuer gibt, wie bei Bankeinlagen oder Erträgen auf Wertpapiere auf einem inländischen Depot. Das Finanzamt weiß zwar grundsätzlich seit dem Ausstellen der Ansässigkeitsbestätigung über die Einkünfte aus den p2p Investments, aber nicht über die Höhe. Wenn nun in der Steuererklärung kein Ertrag ausgewiesen wird, sollte das Finanzamt eigentlich wegen Steuerhinterziehung aktiv werden…

Die genannten fünf Punkte haben es durchaus in sich und können schon mal zu einigen Stunden Arbeitsanfall führen. Die Zwischenfrage, ob dieser Arbeitsanfall im Verhältnis zu den erzielten Erträgen steht, sei mir erlaubt 😉 Gerade der Vergleich mit Wertpapieren auf einem inländischen Wertpapierdepot, bei dem die Besteuerung vollständig automatisiert ist, gibt einen deutlichen Hinweis für Investoren, die alles möglichst einfach halten wollen. Die meisten p2p Plattformen scheinen auch sehr froh darüber zu sein, sich mit der Frage der Besteuerung der erwirtschafteten Erträge nicht befassen zu müssen, ich gebe folgende Zitate von den Websites wieder:

Lendico.at – Wie andere Einkünfte und Gewinne müssen Sie auch die Zinsen, die Sie mit Anlagen bei Lendico erzielen, versteuern. Unsere Partnerbank zahlt Ihnen jeden Monat alle Zinsen und Erträge Ihrer Anlagen auf Ihr Anleger-Bankkonto, welche Sie in Ihrer persönlichen Steuererklärung angeben müssen. Erträge aus Anlagen bei Lendico fallen unter Ihren Einkommenssteuertarif. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres schicken wir Ihnen eine vollständige Übersicht Ihrer Zinserträge des vorherigen Jahres. Bitte beachten Sie, dass Lendico keine Gewähr oder Haftung für die Gültigkeit dieser Angaben übernimmt.

Mintos – Die Einkünfte bei Mintos werden für jeden Anleger entsprechend der Gesetzgebung des Landes besteuert, in dem der Anleger steuerlich ansässig ist. Die Gesetze unterscheiden sich in den Staaten; für mehr Informationen wenden Sie sich an die Steuerbehörde oder einen Steuerexperten. Jeder Anleger findet ausführliche Informationen für die Steuererklärung in seinem Konto.

Viventor – auf meine Anfrage an das Customer Serivce, da ich nach Schließung des Kontos eine Auswertung für steuerliche Zwecke suchte – At the moment we are not offering a report of your investments for tax purposes. However, you can create [it] with the data of [your] Account Statement…

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Steuerliche Situation für Deutschland

Die steuerliche Behandlung von p2p Erträge in Deutschland ist gut geklärt und durch Recherche im Internet schnell erschließbar. Einkünfte aus p2p Krediten (Zinsen, Veräußerungserlöse udgl.) sind Kapitaleinkünfte. Diese werden mit 25% Abgeltungssteuer zuzüglich 5,5% Solidaritätszuschlag (effektiv also 26,375%) besteuert. Zudem kann noch Kirchensteuer anfallen. Dadurch entsteht abgeltende Wirkung. Es werden die Bruttozinserträge angesetzt, Werbungskosten können nicht in Ansatz gebracht werden. Im Rahmen der Kapitaleinkünfte steht ein Sparer-Pauschalbetrag von € 801 (Einzelveranlagung) oder € 1602 (gemeinsame Veranlagung von Ehepaaren) zu. Die Einkünfte muss im Folgejahr nach dem Zufluss bis spätestens 31. Mai in der Steuererklärung erklärt werden.

Eine übersichtliche Darstellung über die steuerliche Situation in Deutschland fand ich auf www.passives-einkommen-mit-p2p.de. Zudem fand ich die auf Mintos publizierte Abhandlung in den FAQs: „Wie erkläre ich als Privatperson und in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtiger Einkommen aus Investitionen auf der Mintos-Plattform in meiner Steuererklärung?“ sehr hilfreich.

Steuerliche Situation für Österreich

Scheinbar gehen die Uhren auch in Sachen Besteuerung von p2p Erträgen in Österreich langsamer. Meine Internet-Recherche war nicht besonders ergiebig, ich fand nur zwei brauchbare Hinweise, nämlich auf www.trendingtopics.at und auf www.geldmarie.at.

Richtigerweise handelt es sich bei Einkünften aus p2p Krediten um Kapitaleinkünfte. Kernfrage ist allerdings ob der begünstigte Steuertarif gem. § 27a EStG. in Höhe von 27,5% oder der allgemeine Einkommenssteuertarif (und damit bis zu 55%) zur Anwendung kommt. Entscheidend für diese Frage ist § 27a Abs 2 Z 1 EStG, der „Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen, denen kein Bankgeschäft zu Grund liegt“ dem allgemeinen Einkommenssteuertarif zuweist. Beide zuvor genannten Quellen gehen davon aus, dass der allgemeine Einkommenssteuertarif zur Anwendung kommt.

Richtig ist, dass es sich bei p2p Krediten um Darlehen oder sonstige nicht verbriefte Forderungen handelt. Ob ein Bankgeschäft vorliegt, ist auf Grund des Auslandsbezuges wohl schwer nach dem österreichischen Bankwesensgesetz zu beurteilen. p2p Plattformen erbringen sowohl für Investoren als auch für Kreditnehmer die Funktionen gängiger Bankgeschäfte. Es wird also Kapital gegen Zinsen zur Verfügung gestellt. Dass bei p2p Plattformen eine direkte Verbindung von Investor und Kreditnehmer erfolgt bzw. diese vermittelt wird und nicht eine vollständige Intermediation zwischen beiden Parteien durch die Bank bzw. ihre Treasury-Abteilung erfolgt, ist mE unerheblich.

Damit kommt man auch für Österreich zu einem ähnlich Ergebnis, nämlich dass Einkünfte aus p2p Krediten mit einem Steuersatz von 27,5% besteuert werden müssen. Dies muss durch die Aufnahme der Erträge in die Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt bekanntgegeben werden.

Wieviel bleibt nun von den Brutto-Erträgen vor Steuer?

Zum Abschluss möchte ich illustrieren, wie sich die vermeintlich tollen Brutto-Erträge vor Steuer in Netto-Erträge nach Steuer übersetzen:

  • Angenommenes Investment von € 1000,-
  • Die derzeitige Portfolio-Rendite meines Bondora-Portfolios (brutto vor Steuern) beträgt 19,16%
  • Dies sollte in einem Kalenderjahr also Erträge von € 191,60 ergeben
  • Wenn man Standard-Risikokosten von 300-500 bps auf die Kreditsumme ansetzt, was für ein Konsumkreditportfolio von Hochrisiko-Schuldnern durchaus angemessen sein könnte, müssen € 30,- bis € 50,- abgezogen werden
  • Somit verbleibt ein Netto-Ertrag vor Steuern von €141,60 bis 161,60
  • Unter Ansatz von 27,5% Steuern fallen bleiben somit nach Steuern nur noch € 102,66 bis € 117,16
  • Dies entspricht einer Netto-Rendite von 10,2% bis 11,7% – nicht schlecht, aber deutlich unter den beworbenen Brutto-Ziffern.

Disclaimer – bei diesem Artikel ist mir der Hinweis besonders wichtig, dass ich kein Steuerberater bin und daher auch keine Haftung für die oben gemachten Ausführungen zur steuerlichen Behandlung von Erträgen aus p2p Investments übernehmen kann. Die Betrachtung der steuerlichen Situation in Deutschland und Österreich erfolgt aus der Perspektive einer im jeweiligen Land unbeschränkt Steuerpflichtigen Privatperson. Es bleibt jedem selbst überlassen seine Recherchen zu machen und seine Verantwortung entsprechend gegenüber den Steuerbehörden wahrzunehmen.

Was ist Eure Erfahrung mit der Versteuerung von p2p Erträgen? Wie lief das Verfahren vor dem Finanzamt? Oder habt ihr die Aufnahme in die Steuererklärung nicht so genau genommen? Vermute allerdings, dass ich auf diese Frage keine mit Namen im Impressum nachvollziehbare Antwort bekomme 😉

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