Gisela, Monika, Sabine und Miriam, die vier Damen von Klunkerchen haben zur Blogparade zum Thema Geld und Partnerschaft aufgerufen. Gerne nehme auch ich mit einem Beitrag an der Blogparade teil! Denn es handelt sich um ein sehr wichtiges Thema, finde ich – zu leicht bekommt man den Eindruck, dass finanzielle Freiheit ein zutiefst männliches Thema ist und sicher kein Beziehungsthema. Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen, wie die Beziehungsinvestoren, doch schadet es gar nicht das Thema Geld und Beziehung stärker ins Blickfeld zu rücken.

Entsprechend werde ich in meinem Beitrag zur Blogparade erläutern, warum nachhaltige Beziehungen zwingend auch Geldbeziehungen sind, warum das liebe Geld zu Beziehungsstreitigkeiten führen kann und wie man seine Geldbeziehung prinzipienbasiert gestalten kann. Dabei gebe ich auch Einblicke in meine eigene Geldbeziehung. Also, viel Spaß beim Lesen!

Nachhaltige, rechtlich anerkannte Beziehungen sind Geldbeziehungen

Schon die gesetzliche Definition gibt vor, dass die Ehe eine Geldbeziehung ist. Zum Beispiel nach § 1354 des deutschen BGB handelt es sich bei der Ehe um eine auf Lebenszeit angelegte Lebensgemeinschaft, in der die Eheleute füreinander Verantwortung tragen. Diese Verantwortung erstreckt sich nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden, sondern auch auf die wirtschaftlichen Angelegenheiten. Auch die anglo-amerikanische Common Law Tradition geht bei einem domestic partnership dann von einer rechtlich anerkannten Beziehung aus, wenn sie auf Dauer angelegt ist und die emotionalen und finanziellen Angelegenheiten gemeinsam bewältigt werden.

Es kann also schon einmal das Zwischenfazit gezogen werden, dass ohne Geldbeziehung keine nachhaltige, rechtlich anerkannte Beziehung denkbar ist. Das gemeinsame Geldleben ist also ein definierendes Element für solch eine Beziehung.

Das liebe Geld als Streitthema in der Beziehung

Wenn das Geldleben nun zwingend fester Bestandteil einer Beziehung ist, mag es nicht weiter überraschen, dass es sich dabei auch um ein beliebtes Streitthema handelt. Glaubt man der Zeitschrift Brigitte sind „finanzielle Dinge und Geld“ für Frauen mit 24% der dritthäufigste und für Männer mit 21% der fünfthäufigste Streitgrund in der Beziehung. Doch muss den dann das sein, dass offenbar regelmäßig die Fetzen zum Thema Geld fliegen?

Es man mehrere Gründe geben, warum es rund um’s Geld Reibereien gibt, man denke an

  • Keine gemeinsamen bzw. abgestimmten Vorstellungen, wie mit Geld umgegangen wird. Dies kann eine Reihe von Ausprägungen haben, die sich zu konkreten Streitsituationen entwickeln, z.B.
    • Ein Partner tätigt Ausgaben, die der andere Partner nicht tätigen würde
    • Überhaupt unterschiedliche Vorstellungen zum gewählten Lebensstandard, zu Themen wie Wohnsituation, Essgewohnheiten, Freizeitaktivitäten & Hobbies, etc.
    • Ein Partner möchte (mehr) Sparen, der andere Ausgaben tätigen/konsumieren
  • „Geldprobleme“ oder wie man so schön das Phänomen von „mehr Monat, also Geld am Konto übrig“ nennt – es handelt sich also letztlich um einen Streit darüber, wie mit einer Mangelsituation umgehen soll – in der Tat keine besonders inspirierende Diskussion
  • Unterschiedliche Risikovorstellungen bzgl. der vom gemeinsam Ersparten vorgenommenen Investments – wohl besonders im Fall von Verlusten in Folge hoher Risikonahme ein heikles Thema

Doch müssen diese Anlässe stets zum Beziehungsstreit führen?

Nun, ich schreibe hier einen Artikel auf meinem Finanzblog und keinen Artikel zu größerem Beziehungsglück. Gleichzeitig drängen sich aber einige Gedanken auf, wie man die oben genannten Geldstreitigkeiten vermeiden kann und wie man seine Geldbeziehung erquicklich gestalten kann.

Meine liberale Grundeinstellung bewegt mich dazu, mit dem Grundsatz zu beginnen, dass es jedem selbst überlassen ist, wie er sein Geldleben gestaltet. Ich möchte daher sicher keine starren Regeln aufstellen, die schemenhaft übertragen werden können. Letztlich muss jedes Paar für sich definieren welche Regelungen gelten, um ein auskömmliches Zusammensein zu finden, das keine laufenden Streitigkeiten hervorruft.

Ein zweiter wichtiger Grundsatz ist aus meiner Sicht, dass es eine einvernehmliche Verständigung über Grundprinzipien erfolgen muss. So können mögliche Zielkonflikte ausgeräumt werden, bevor sie entstehen. Aus meiner Sicht sind zentrale Punkte für solch eine Abstimmung:

  • Gemeinsame Festlegung finanzieller Ziele
  • Geteilte Absichten zum Thema finanzielle Freiheit
  • Verständigung über den derzeitigen und angestrebten Lebensstandard
  • Geteiltes Verständnis bzgl. Investments und der damit einhergehenden Risiken

Ich glaube, dass die Abstimmung zu diesem Grundprinzipien die Voraussetzung dafür ist, Streitthemen zu vermeiden, bevor sie entstehen. Klarerweise ist durch die alleinige Diskussion und Abstimmung noch nicht das Problem „zu wenig Geld vorhanden“ gelöst. Dieses „Beziehungsproblem“ – welches übrigens gar keine Beziehungsproblem ist – lässt sich durch viele Artikel auf Meine Finanzielle Freiheit lösen, beispielhaft sei auf folgende Beiträge hingewiesen: Automatisiertes Sparen, Wie man mit dem Sparen beginnt, Leitfaden Ausgabencheck, das Meine Finanzielle Freiheit Kontomodell, u.v.a.m.

Der dritte Grundsatz ist jener der Aufgabenteilung, denn eine Partnerschaft ist der Inbegriff des Teamplays! Jeder bringt seine individuellen Stärken (und Schwächen) ein und durch die Kombination der Fähigkeiten können Herausforderungen besser gelöst werden, als allein. Hier sollen bewusst nicht Stereotype à la der Mann kümmert sich um die Finanzen verfestigt werden, sondern auf eine einvernehmliche Aufteilung der Rollen nach den jeweiligen Fähigkeiten und Interessen hingewirkt werden. Um dem angesprochen Stereotyp entgegenzuwirken: Ich kenne genug Familien, in denen ganz klar die Frau der Finanzminister ist!

Bewusst bin ich in den zuvor genannten Absätzen nicht auf operative Fragen eingegangen, die Paare beschäftigen mögen. Z.B. Gibt es getrennte Konten oder wird das Familieneinkommen auf einem gemeinsamen Girokonto gebündelt? Oder wie werden Entscheidungen zu Anschaffungen >€300 getroffen? Ich möchte diesen Fragen nicht ausweichen, doch sind sie mE individuell und in Abstimmung der Partner entlang der genannten Prinzipien zu lösen.

Schließlich überraschte mich doch, welch reichhaltige Ergebnisse die Suche nach Beziehungsratgebern mit teils recht bizarren Titeln (z.B. Mach mir die Wüstenwühlmaus: Heißer Sex erhält die Liebe) ergaben, gleichzeitig wird das Geldleben in der Partnerschaft nur durch ausgewählte Ratgeber beleuchtet. Aufgefallen sind mir:

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Wie funktioniert nun meine eigene Geldbeziehung?

In den vorhergehenden Abschnitten dieses Artikels habe ich Euch bewusst konkrete Kochrezepte erspart und mich statt dessen auf Prinzipien fokussiert. Gleichzeitig möchte ich im letzten Abschnitt nun durch unser persönliches Vorgehen vielleicht dem ein oder anderen Leser Inspiration bzw. neudeutsch „food for thought“ geben.

Practice what you preach! – Diesem Grundsatz denke ich werden wir ganz gut gerecht, denn wir haben eine immer wieder thematisierte, gemeinsame Vorstellung, was unsere finanziellen Ziele und Erwartungen an bzgl. Lebensstandard, Wohnsituation, etc. aussehen. Wenn ich immer wieder thematisiert sage, meine ich, dass eine wiederkehrende Diskussion notwendig ist, um aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und auch entsprechend flexibel reagieren zu können. Die Grundprinzipien sind aber glaube ich mittlerweile fest verankert, weshalb es zu diesen keine Grundsatzdiskussionen mehr gibt.

Gleichzeitig haben wir in der operativen Umsetzung unserer gemeinsamen Ziele sowohl ein arbeitsteiliges Vorgehen gewählt, während wir aber dennoch ein gewisses Maß an Unabhängigkeit in finanziellen Belangen beibehalten.

Es wird nicht weiter überraschen, dass ich als personal finance Aficionado mich hauptsächlich um unsere finanzielle Angelegenheiten kümmere. Dies entspricht sowohl unseren Interessen als auch einem gemeinsam diskutierten und erzielten Verständnis.

Das genannte Maß an Unabhängigkeit bei den finanziellen Angelegenheiten ist dadurch sichergestellt, dass wir sowohl getrennte Konten unterhalten als auch getrennte Investments durchführen. Die getrennten Girokonten haben zwar gegenseitige Verfügungsberechtigungen, doch kümmert sich jeder von uns selbständig um die tagtäglichen Geldgeschäfte, Zahlungsverkehr, etc. Die getrennten Investments mögen dann aber doch überraschen – dies lässt sich iW darauf zurückführen, dass wir sehr unterschiedliche Risikotoleranzen haben und so mein sehr stark auf Aktien ausgerichtetes Portfolio nicht zu schlaflosen Nächten führt 😉

Mir hat das Schreiben dieses Artikels im Rahmen der Blogparade viel Spaß gemacht – ich hoffe, das Lesen war zumindest halb so interessant. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Damen von Klunkerchen. Umso gespannter bin ich nun, welche Reaktionen – bitte fleißig Kommentare posten! – dieser Artikel auslösen wird und welche gleichlautenden und konträren Perspektiven die Blogparade noch zu Tage bringen wird.

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Ein Gedanke zu “Blogparade Geld und Partnerschaft: Nachhaltige Beziehungen sind Geldbeziehungen

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