Man möchte es kaum glauben, aber ja, es gibt auch heute noch Vorteile beim Bausparen. Das Sparbuch und der Bausparvertrag werden zwar immer öfter tot geschrieben und es werden neue Anlageformen propagiert, doch ist der Bausparvertrag wirklich sinnlos und überflüssig?

Schon vor einigen Monaten erschien mein Artikel zum Thema Bausparen. Dort hatte ich dringende vom Investment in einen Bausparvertrag abgeraten. Dabei wurde auch auch auf die Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland eingegangen. Der heutige Artikel ist ein Gastartikel Roland von finanzgeflüster.de, der wie auch schon der erste Artikel zum Bausparen parallel auf finanzgeflüster.de und meinefinanziellefreiheit.com erscheint. Viel Spaß beim Lesen – denn jetzt ist Roland am Wort!

Wie schon gesagt, die beiden Artikel zum Bausparen sind ein Gemeinschaftsprojekt und enthalten daher die jeweilig Meinung des Verfassers. Wobei man auch sagen muss, meine Meinung ist beim Thema Bausparvertrag gespalten. Ich selbst bin kein Fan eines Bausparvertrags. Aber wie ich schön öfters geschrieben habe, handelt jeder Investor nach bestimmten Methoden (hier) und Regeln. Zudem glaube ich, dass man muss immer wieder ausgetretene Pfade verlassen muss und seine bestehende Position überprüfen und manchmal ändern muss. Daher die Frage: Ist ein Bausparvertrag doch von Vorteil?

Erst einmal auf Anfang, was ist eigentlich ein Bausparvertrag? Ein Bausparvertrag ist eine relative alte, langfristige Anlageform. Diese geht in der Geschichte bis an den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Ein Bausparvertrag besteht aus zwei Teilen, aus einem Sparvertrag und einem Darlehensvertrag. Der Sinn des Bausparvertrags ist, zuerst zu sparen und sich später mit einem Darlehen eine Immobilie anschaffen zu können. Durch die Einzahlungen sollte ein Vermögensstock geschaffen werden, welcher dann ein Darlehen absichert bzw. als Eingekapital dient; so sollte man auch an günstige Konditionen für das Darlehen kommen. In den meisten Tarifen gibt es noch heute günstige Regelungen, die einen Bausparvertrag oft attraktiver als einen normalen Kredit machen. Bauspardarlehen laufen normalerweise für einen Zeitraum vom 18 bis 20 Jahren. Der Teil des Sparvertrags läuft in der Regel über 8 bis 10 Jahre. In dieser Phase wird regelmäßig Kapital eingezahlt. In der Darlehensphase wird dann über ein Annuitätendarlehen die Darlehenssumme an die Bausparkasse zurückgezahlt.

So funktioniert erst einmal das Grundprinzip. Aber bringt Bausparen heute noch Vorteile und sollte man es vielleicht als eigene Anlageklasse überdenken? Hier einige Gründe pro Bausparen, die zum Nachdenken anregen sollten:

Kontinuität

Ich liebe Kontinuität. Vor allem beim Thema Cashflow und Vermögensaufbau, aber was hat das mit dem Thema Bausparen zu tun? Schließlich erhält man hier doch keine Erträge? Ganz einfach, man trimmt sich oder auch seine Kinder auf ein bestimmtes Verhalten, und zwar das Sparverhalten! Vor allem in Zeiten, in denen es immer mehr Privatinsolvenzen gibt, sollte man den Kindern beibringen, dass Sparen mehr wert ist als Konsum auf Pump. Auch hier passt das Modewort Mindset wieder wie die Faust aufs Auge. Die richtigen Werte muss man seinen Kindern mitgeben und dazu gehört auch das Sparen.

Während der Sparphase trainiert man sich den Geldmittelabfluss an und baut damit gleichzeitig ein Vermögen auf. Man lernt dabei auch, dass man nicht alles ausgibt. Es geschieht unbewusst und automatisiert, aber am Ende hat man mit kontinuierlichem „negativem Cashflow“ ein Polster geschaffen, welches man später zum Bauen oder Kaufen einer Immobilie verwenden kann.

Wer jahrelang in einen Bausparer eingezahlt hat, dem fällt es wesentlich leichter, später auf andere Anlagen umzusteigen. Sei es, dass  man das Darlehen dann abzahlen oder einen Sparplan auf Aktien, p2p-Kredite oder ETF beginnen will. So ist es auch mir ergangen. Ich hatte selbst einen Bausparer und zwei Sparbücher. Die Rendite war nicht der Hammer, aber das Sparen und dessen Wirkung zu lernen ist bis heute unbezahlbar.

Sicher ist, dass diese Kontinuität diszipliniert und man kann das Gelernte für seine eignen vier Wände nutzen oder auch für andere Investitionen! Was viele an dieser Stelle vergessen: Es müssen nicht die eigenen vier Wände sein, es kann auch ein Vermietungsobjekt mit dem Bausparvermögen/-darlehen angeschafft werden.

Illiquidität kann schützen!

Drei Monate Kündigungsfrist, wie sie bei Bausparverträgen üblich ist? Wieso sollte das eine liquide Anlage sein? Man muss die Vorteile nehmen, wie sie kommen. So ist es auch mit der Liquidität. Es muss nicht immer ein Vorteil sein, dass eine illiquide Anlage vorliegt. Oftmals schützen solche Mechanismen oder auch Bedingungen, dass man das Geld doch nicht abzieht. Anderseits kann es auch sein, dass  genau das davor schützt, einen Fehler zu begehen. Überlege mal, wenn jedes Mal, wenn Panik an den Börsen ausbricht und jede Asset-Klasse schnell verkauft oder liquidiert wäre. Dann würde das die Volatilität ins unermessliche steigern. Das heißt, Illiquidität kann sich lohnen und schützt zittrige Hände.

Nur als Beispiel: Unter 25 kann man das Geld aus einem Bausparer in Deutschland frei verwenden. Das kann natürlich von Vorteil sein, aber auch ein Nachteil, wenn es liquide ist. StellDir vor, dass Du Dirdamit alles kaufen kannst, aber im Grunde alles nur Schrott sein könnte? Das Auto, das Motorrad oder einfach nur für eine Party verprassen. Das ist sicher nicht der Sinn des Bausparens. Wenn Du daran gehindert bistsolche Schnellschussentscheidungen treffen, dann ist das ein klarer Vorteil, das erhält den Vermögensstock.

Sicherheit, ohne Risiko?

Das Bausparen gibt Dir eine gewisse Sicherheit. Du sparst jahrelang auf ein Ziel hin und weißt, dass das was Du am Ende erhalten wirst, kalkulierbar ist. Du weißt, dass am Ende eine Summe X zur Verfügung stehen wird. Das womöglich zu akzeptablen Konditionen. Dazu erhältst Du vielleicht noch die Chance, dass Du ein Darlehen für Hausbau oder Wohnungskauf erhältst. Natürlich nicht, weil Du so ein toller Kunde sind, sondern weil die Bausparkasse eine Historie über Dich hat. Das schafft Vertrauen.

Ich muss hierbei immer an Gerald Hörhan denken, er hat eine Aussage getroffen, die ich bis heute nachvollziehen und nur weitertragen kann. „Rufe deinen Banker auch an, um ihm positive Sachen zu erzählen und du seine Produkte nutzen willst und nicht nur, wenn du etwas von ihm willst“. Diese Aussage ist zu 100 % das, was einen Unternehmer ausmacht. Man pflegt seine Kontakte. Aus der Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass auf der persönlichen Ebene oftmals das JA oder NEIN für eine Entscheidung fällt. Mandanten die ein gutes Verhältnis zu Ihrem Banker haben und auch Produkte kaufen, von denen sie selbst sagen, die lohnen sich nur bedingt, haben mehr Chancen bei ihrer Bank.

Risiko

Es gibt unzählige Anlageformen, um nur einige zu nennen, es gibt Aktien, ETF, p2p-Kredite, Immobilien, REITS, usw. Doch alle haben ein gewisses Risiko, dass die Werte einer erheblichen Schwankung unterliegen. Du siehst ja das tägliche Auf und Ab an den Börsen. Diese Volatilität ist natürlich ein gewisses Risiko, wenn Du zum Tag X eine bestimmte Summe benötigen. Eine Schwankung kann das Kapital halbieren oder im schlimmsten Fall völlig eliminieren. Bei einem Bausparvertrag besteht das Risiko nicht.

Das Risiko hat bestimmte Mechanismen. So kann es sein, dass die Inflation Dein Kapital auffrisst. Anderseits, kann auch eine Deflation zu Deinem Vorteil sein. Interessanter ist aber, dass auch die Einlagensicherung im Falle eines Ausfalls der Bausparkasse greift. Diese trägt 100.000 €.Es gab zwar zum 01.03.2017 eine Änderung (Selbstverpflichtung), jedoch ist diese für die meisten nicht relevant, da die gesetzliche Einlagensicherung immer noch greift.

Zinssicherung (aktuell)

Doch jetzt mal auf die aktuelle Situation gemünzt, wir schreiben das Jahr 2017 und Draghi hält die Zinsen niedrig und befeuert alle Asset-Klassen. Nur der Sparer schaut in die Röhre, also was ist da eigentlich noch relevant? Wenn man Glück hat, bekommt man noch 0,05 % auf den Bausparvertrag. Man zahlt Gebühren, für was?

Dazu muss ich sagen, dass es immer auf den Blickwinkel ankommt. Als Anlageform ist ein Bausparvertrag heute nicht mehr das Gelbe vom Ei und er war es auch nie. Zumindest langfristig. Selbst, wenn man kein bzw. nur ein geringes Risiko aushält, trägt der Bausparer meist nur die Inflation, in manchen Fällen ist aber nicht mal das der Fall. Da wurde letzte Woche ja schon eine entsprechende Rechnung aufgemacht.

Der Vorteil ist aber, dass man ein fix verzinstes Bauspardarlehen  als Absicherung verwenden kann. Das ist eine Überlegung, die man nicht außer Acht lassen sollte. Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen in den nächsten Jahren steigen werden. Aber langfristig werden wieder höhere Zinsen vorherrschen. Als Immobilienbesitzer sollten man einen Bausparvertrag in Betracht ziehen, damit man sich die jetzigen niedrigen Zinsen sichern kann.

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Vermieter

Vor allem für Vermieter ist der Bausparvertrag dann natürlich interessant. Die Kosten können bei den Werbungskosten für die vermietete Wohnung angesetzt werden, wenn man es richtig anstellt. In der Folgesichert man sich die Möglichkeit, dass eine gesicherte Anschlussfinanzierung da ist.

Vermieter die also einen positiven Cashflow erwirtschaften, sollten sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Es muss ja nicht alles in die nächste Immobilie oder in den ETF / Aktien Sparplan investiert werden. Auch ein Sicherheitsnetz schadet nicht.

Förderung

Je nach Land gibt es einige Unterschiede. In Deutschland gibt es die vermögenswirksame Leistung, über diese kann der Arbeitnehmer an Zuschüsse, wie zum Beispiel die Wohnungsbauprämie kommen. Es ist zwar immer schön, dass diese Zuschüsse vorhanden sind. Doch lohnen sich diese Zuschüsse heute noch? In den meisten Fällen verpuffen diese Zuschüsse. Sollte es Dir also darum gehen erheblich Steuern zu sparen und Fördermittel zu ergattern, dann wirst Du bei der Wohnungsbauprämie enttäuscht werden. Ein Vorteil ist die Förderung, in meinen Augen jedoch nicht der ausschlaggebende Grund!

Das habe ich auch in „Richtig investieren, die Regeln eines Investor!“ klargestellt. Eine finanzielle Entscheidung aufgrund „steuerlicher Vorteile“ kann niemals die richtige Entscheidung sein. Im Falle des Bausparens verpufft die Förderung durch die Besteuerung der Erträge und die Gebühren. Das erleben zurzeit viele ETF-Sparer die mit thesaurierenden ETF „Steuern sparen“ wollten.Jetzt kommt ihnen die Fondsbesteuerung 2018 in die Quere.

Sondertilgung und andere Rechte!

Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei einem Bauspardarlehens meistens ein Sonderkündigungsrecht hat. Zum einen hat man immer die Sondertilgungen, welche eine beschleunigte Tilgung ermöglichen. Auf der anderen Seite ist es auch möglich, dass man die komplette Summe frühzeitig ablösen kann. Wer also die entsprechenden Mittel hat, kann das Bauspardarlehen sofort tilgen und sich die Zinsen ersparen. Aus wohl anderen Gründen wird die frühzeitige Ablöse nur noch sehr selten gewährt.

Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn man ein Vermögen erbt oder unerwartete Bonuszahlungen oder Gewinne entstehen. Man kann sich damit schneller der Last des Bauspardarlehens entledigen. Wenn man das schafft, dann ist der Bausparer eine flexible Sache.

Flexible Ratengestaltung

Frei nach Kiyosaki schafft nur Geld, das fließt und arbeitet Ertrag. Mit einem Darlehen, einem Bausparvertrag und einer vermieteten Immobilie kann man gut und zielsicher hebeln. Positiver Cashflow kann in einen Bausparvertrag umgewandelt werden, wie oben schon erwähnt. Damit sichert man sich die Anschlussfinanzierung.

Es sollte also nicht außer Acht gelassen werden, dass das Geld irgendwann fällig ist. Irgendwann braucht man die Bank. Wieso dann nicht die Konditionen variabel, frühzeitig und sinnvoll gestalten?

Also was jetzt? – Fazit

Wie man aus dem Artikel herausliest, bin ich kein bedingungsloser Fan des Bausparens als Anlageklasse.Aber wie bei allen Anlageklassen kann ich nur sagen, es hat alles seine Funktion. Das Bausparen ist für mich keine Anlageklasse und wird es auch nicht. Als Anlageklasse ist die Verzinsung zu gering, dafür ist die Veranlagung aber auch fast risikolos. Anlagen müssen Geld erwirtschaften und nicht nur erhalten bzw. im schlimmsten Fall nur vernichten.

Aber ich sehe das Bausparen nicht primär als Anlageklasse und das ist auch die ursprüngliche Funktion. Es ist eine Beimischung zum Vermögensstock und zur Absicherung. Bausparen ist für mich im Bereich Immobilien das, was ETF an der Börse sind, eben nur sinnvoller. Mit dem Bausparen sichert man sich aktuell niedrige Zinsen, man sichert sich die Anschlussfinanzierung und man trimmt sich auf den Vermögensaufbau. Die Einstellung zum Vermögensaufbau wird in jungen Jahren festgelegt, die richtige Auswahl trifft man mit der Erfahrung!

Daher sollten einige auch keine Panik bekommen, wenn die Bausparkasse den Bausparer kündigt. Der Abschluss eines neuen Vertrages und damit auch die Sicherung der derzeit niedrigen Zinsen kann sich lohnen. Ich selbst werde bald auch noch einen Bausparvertrag abschließen, da ich mir noch die niedrigen Zinsen und die Anschlussfinanzierung einer Immobilie sichern will. Es schmerzt mich zwar zu sehen, dass es dann weniger erwirtschaftet. Aber wichtiger ist, ich kann nicht sagen, wie die Marktsituation in 7 Jahren sein wird ist. Der Bank wird es dann egal sein, wie meine Aktien stehen. Mit dem Bausparer sichere ich also auch ein Risiko ab.

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3 Gedanken zu “Kontrapunkt: Bausparen kann doch etwas!

  1. „Der Vorteil ist aber, dass man ein fix verzinstes Bauspardarlehen als Absicherung verwenden kann. “ Klingt gut, aber man sollte bedenken, dass die Inanspruchnahme (zumindest in Deutschland) von der Zuteilungsreife abhängt und ausdrücklich kein Zeitpunkt garantiert wird. Im Falle steigender Zinsen wird die höhere Inanspruchnahme dazu führen, dass die Zuteilung von Darlehen später erfolgt, als normal. Quasi die Umkehrung der aktuellen Bausparproblematik. Gab es „früher“ schon mal in Deutschland, deswegen wurde auch die Abkürzung BHW zu „bauen heißt warten“ verballhornt.

    Der nächste Punkt ist die Bonität. Auch die Vergabe von Bauspardarlehen ist an eine Bonitätsprüfung gebunden und die dürfte bei deutlich höheren Zinsen und starker Nachfrage nach Bauspardarlehen eher schärfer sein als heute.

    Im Ergebnis würde ich mich nicht darauf verlassen, dass ich im Bedarfsfalle tatsächlich das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen kann.

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