Ich freue mich, dass heute ein Gastartikel zum Themenschwerpunkt Schulden auf meinefinanziellefreiheit.com erscheint. Meine österreichische Blogger-Kollegin Finanzlady wird sich mit dem Thema Konsumschulden beschäftigen und erklären, wie diese insbesondere für junge Menschen zu einem riesen Problem werden können. Viel Spaß beim Lesen!

Keiner will sie, immer mehr Leute haben sie: Schulden. Und immer mehr junge Leute haben Konsumschulden. Kein Wunder, steigen doch die Ausgaben für Konsumartikel immer mehr an. Laut einer Studie horten Haushalte durchschnittlich 10.000 Dinge. Und all diese Dinge wollen auch finanziert werden. Rund 40 Prozent aller Österreicher haben deshalb Konsumschulden. Dabei sind Konsumschulden die dümmsten Schulden überhaupt und wer sie in jungen Jahren macht, verspielt dabei nicht nur seine Zukunft, sondern auch seine Freiheit.

Was sind Konsumschulden?

Klären wir zuerst einmal den Begriff. Schulden sind ja nicht gleich Schulden. Konsumschulden sind Schulden auf Konsumgüter. Ein Konsumgut ist etwas Vergängliches. Es wird eine bestimmte Zeit genutzt und irgendwann durch etwas Neues ersetzt. Wenn du das neue Smartphone willst, aber kein Geld hast, dann kannst du es dir bequem auf Pump kaufen und dann monatlich in kleinen Raten abbezahlen. Jetzt kaufen, später zahlen. Hört sich auf den ersten Blick doch sehr verlockend an, oder?

Was auf den ersten Blick wirkt, als wären wir im Schlaraffenland, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als gefährliche Kracke. Hat sie dich mal in deinen Fängen, lässt sie dich nicht so schnell wieder los. Und genauso ist es mit Konsumschulden. Fängst du erstmal damit an, bist du sehr schnell in einem Schuldenstrudel drinnen.

Warum tappen immer mehr junge Leute in die Schuldenfalle?

Jugendliche lassen sich sehr schnell beeinflussen, wollen dazugehören und glauben, im Konsum ihr Glück zu finden. Konsum an sich ist auch nichts Verwerfliches, sofern du es dir leisten kannst. Konsumgüter beeinflussen unser Belohnungssystem im menschlichen Gehirn. Nach einem Kauf fühlen wir uns glücklicher. Leider ist das Glücksgefühl nur von kurzer Dauer. Das Glücksgefühl hält maximal drei Monate an, ehe es zur Gewohnheit wird.

Wer also im Konsum sein Glück sucht, muss immer wieder kaufen, um dieses Gefühl aufrecht zu erhalten. Dabei muss aber immer mehr ausgegeben werden und immer mehr gekauft werden, um dieses Gefühl zu erreichen. Konsum macht also nur kurzfristig glücklich, niemals aber dauerhaft. Als Beispiel kennen wir alle diese typischen Frustkäufe. Wirklich glücklicher sind wir nachher auch nicht, weil wir ja nicht das ursprüngliche Problem (Streit mit dem Partner) gelöst haben. Leider vergessen das viele und hoffen, dass Konsum doch noch auf irgendeine Art glücklich macht.

Diese zwei Einflussfaktoren spielen eine große Rolle

Werbung: Jeder von uns lässt sich von Werbung beeinflussen. Den ganzen Tag fliegt uns Werbung in seiner ganzen Vielfalt um die Ohren. Egal ob auf Plakaten, in Zeitschriften, im Fernsehen oder auf Social Media, überall werden wir zum Konsumieren aufgefordert. Und das rund um die Uhr. Jugendliche, die oft Stars nacheifern, sind hier natürlich das gefundene Fressen für die Werbeindustrie. Umso zu sein wie die Stars, wird auch das ganze Zeug, dass die Promis in die Kamera halten und auf Social Media posten nachgekauft. Sicherlich hast du schon diverse Hypes um ausverkaufte Lippenstifte, Klamotten etc. mitbekommen. Werbung wirkt, ob wir wollen oder nicht.

Sozialer Einfluss: Gerade im Jugendalter spielt die soziale Zugehörigkeit zu einer Gruppe eine große Rolle. Das heißt auch oftmals, das Konsum ein Statussymbol ist. Wer hat die schicksten Klamotten, das coolste Auto oder den besten (teuersten) Urlaub. Willst du dazugehören, machst du mit, egal ob du das Geld hast oder nicht. Wichtig ist nur, dass du das besitzt, was dir Anerkennung von der Gruppe bringt. Wer mit seiner Clique ständig in den Einkaufscentern rumhängt wird dazu verleitet, ständig Dinge zu kaufen, die er nicht braucht.

Auch die Familie hat einen großen Einfluss. In meiner Familie sind Konsumschulden verpönt. Meine Eltern lebten mir einen sparsamen Lebensstil vor.  Wollte ich etwas haben, musste ich drauf sparen. Nicht alle Eltern leben ihren Kindern einen bewussten Umgang mit Geld vor.

Für Jugendliche bieten Konsumkredite auf den ersten Blick viele Vorteile, die auch von Banken und Werbung hervorgehoben werden. Du kannst sofort alles haben und musst nicht ewig sparen und warten, um es dir leisten zu können. Und wir alle wissen, dass die Geduld bei Jugendlichen nicht gerade im Überfluss vorhanden ist.

Sparen bedeutet Verzicht. Warum sollte ich also verzichten, wenn ich es jetzt haben und bequem in Raten abbezahlen kann?

Was macht Konsumschulden so gefährlich?

Du belügst dich selbst: Egal ob du 500 € sofort oder in Raten zahlst. Der Betrag bleibt der Gleiche oder kann sogar noch höher sein, wenn noch Zinsen und Gebühren dazukommen. Eine 0%-Finanzierung macht es auch nicht besser. Schulden sind immer eine Rückzahlungsverpflichtung. Und die Bank will immer ihr Geld. Immer.

Hamsterrad statt Freiheit und Unabhängigkeit: Wer ständig mehr Geld ausgibt als er verdient, dem wachsen die Schulden irgendwann über den Kopf. Mit Schulden bringst du dich selbst ins Hamsterrad. Und das ist genau das, was niemand will. Im Hamsterrad strampeln. Freiheit und Unabhängigkeit findet man nicht im Konsum.

Kleinvieh macht auch Mist: Wenn du jetzt denkst, ist doch nur eine monatliche Rate von 50 €. Das denkst du dir dann 5mal und schwupps, musst du monatlich 250 € zurückzahlen. Schnell können sich viele kleine Beträge summieren und eine große monatliche Belastung werden. Dein monatliches Budget schrumpft und am Ende bleibt nichts mehr übrig.

Du gewöhnst dich daran: Wer einmal damit anfängt, Konsumgüter auf Pump zu kaufen, gewöhnt sich schnell daran. Und ehe man sich versieht, sitzt man in der Schuldenfalle. Jeder kennt die Macht der Gewohnheit.

Der Zinseszins arbeitet gegen dich: Anstatt den Zinseszins zu nutzen, um dir Vermögen für die Zukunft aufzubauen, arbeitet er bei Schulden gegen dich.

Du verbaust dir deine Zukunft: Deine Zukunft hängt von deinem Verhalten in der Jugend ab. Du kannst dein verdientes Geld dazu nutzen, um es zu investieren und zu vermehren oder aber du nutzt es, um es beim Fenster rauszuschmeißen und Schulden zu machen. Diese musst du dann viele Jahre abbezahlen, während andere sich ihren Traum von der finanziellen Freiheit oder dem Eigenheim erfüllen. Mit Konsumschulden rücken deine Träume und Ziele in weite Ferne.

Gesundheitsprobleme: Wenn du schon einen Berg an Konsumschulden angehäuft hast, kommen früher oder später auch die Sorgen. Sorgen, den Job zu verlieren, Sorgen, die Schulden nicht mehr abbezahlen zu können etc. Sorgen rauben dir nicht nur deinen Schlaf, sondern können auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Egal wie du es drehst oder wendest, Konsumschulden sind dumm. Hier hilft auch kein Schönreden mehr oder das Suchen nach Gründen. Denn dafür gibt es keinen sinnvollen Grund.

Raus aus den Konsumschulden

Schuldenfreiheit bedeutet auch mehr Freiheit und Unabhängigkeit. Wenn du bereits in der Schuldenfalle sitzt, musst du so schnell als möglich etwas dagegen tun.

Nichtstun und den Kopf in den Sand stecken, ist das Schlechteste was du tun kannst. Denn die Schulden werden dadurch nicht weniger, sondern nur noch mehr.

Übernimm Verantwortung für dein Leben: Egal wie deine derzeitige finanzielle Situation aussieht. Akzeptiere, dass du Schulden gemacht hast. Und dann such nach Lösungen. Es haben schon so viele Menschen aus den Schulden geschafft, auch du kannst es schaffen.

Schuldnerberatung: Wenn du schon tief in der Kreide stehst, scheue dich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. In Österreich gibt es Schuldnerberatungen, die dir kostenlos zur Seite stehen. Wenn du also keinen Plan mehr hast, wie du da rauskommst, mach sofort einen Termin aus.

Keine neuen Schulden: Mach auf keinen Fall neue Schulden. Frage dich vor jedem Kauf, ob du das wirklich brauchst. Wenn nicht, dann kaufe es auf keinen Fall.

Schulden zurückzahlen: Zahle so schnell wie möglich deine Schulden zurück. Such dir einen Nebenjob oder Möglichkeiten, wo du sparen kannst. Kündige teure Abos und überprüfe Verträge auf günstiger Angebote.

Freiheit oder Hamsterrad: Stelle dir bei jedem Kauf die Frage, ob du lieber in Freiheit oder im Hamsterrad leben willst. Wenn du ständig neue Sachen kaufst, musst du dieses Geld auch verdienen. Ist dir diese Sache deine Lebenszeit wert?

Eiserne Reserve: Spare jeden Monat Geld für Notfälle. Die eiserne Reserve hilft dir, um nicht wieder neue Schulden aufzunehmen, wenn die Waschmaschine kaputt ist. Spare auf ein eigenes Konto 3-6 Monatsgehälter an. So bist du auch bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit für einige Zeit abgesichert.

Spare Anfang des Monats: Lege immer am Anfang des Monats einen Teil deines Einkommens beiseite. Wer am Ende des Monats spart, wird nie Geld übrighaben, welches er sparen kann.

Finanzielles Wissen: Wer weiß, wie unser Geldsystem funktioniert, kann es für sich nutzen. Beispielsweise kannst du den Zinseszins für (investieren) oder gegen dich (Schulden) nutzen. Wie entscheidest du selbst.

Denk an deine Zukunft: Welche Träume und Ziele hast du?  Erreichst du diese, wenn du heute Schulden machst? Wenn du irgendwann mal ein Eigenheim oder in finanzieller Freiheit leben willst, dann denke immer an dein Ziel und arbeite darauf hin. Konsumschulden bringen dich nur weiter weg von deinem Ziel. Du musst wissen, was dir wichtiger ist. Schneller Konsum oder das Erreichen deines Ziels.

Hoffe Euch hast der Gastartikel der Finanzlady gefallen – ich jedenfalls bedanke mich herzlich für den Beitrag und die tolle Zusammenarbeit!

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5 Gedanken zu “Jung und pleite: Wie Konsumschulden die Zukunft zerstören

  1. Danke für den Artikel Finanzlady! Ich bin so froh, dass ich frühzeitig den Minimalismus für mich entdeckt habe. Das hat dazu geführt, dass ich sehr bewusst konsumiere. Alle Ausgaben aufschreibe um am Ende des Monats zu sehen, wohin genau mein Geld geht. Und wie Du schon schreibst. Wahres und nachhaltiges Glück ist am Ende nur bei einem selbst zu finden und nicht im Konsum. Auch nicht in Erlebnissen und anderen Menschen. Das ist ein spannendes Thema wiederum.

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  2. Sehr schöner Artikel, Kompliment. Ich habe noch eine kurze Ergänzung: Beim Kauf einer Immobilie, fragt die Bank immer nach den laufenden Ratenkrediten und legt besonderen Wert darauf, dass dein Vermögen höher ist als Deine Schulden. Nur so bekommt man eine Finanzierung unabhängig davon um diese selbst zu nutzen oder zu vermieten.
    Liebe Grüße
    Henning

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