Ich freue mich immer sehr über Leserfragen. Schon in letzter Zeit habe ich zwei Artikel als Antwort auf Leserfragen geschrieben: So fragte mich Franz Finanz, ob er in 10 Jahren Millionär werden kann oder Philipp Pinkepinke, ob er sich mit 30 eine Eigentumswohnung kaufen kann, ohne einen Kredit aufzunehmen. Die Leserfragen haben deutlich höhere Reichweiten als „normale“ Artikel erreicht, woraus ich schließe, dass sie auf besonders großes Interesse stoßen. Darüber hinaus gefällt mir, dass es sich um sehr praktische Fragestellungen handelt, die viele der bereits auf www.meinefinanziellefreiheit.com beschriebene Konzepte konkret anwenden.

Heute fragt mich Travis Trillionaire (auch er möchte anonym bleiben ;-)), wie er denn seine Asset Allocation pipen soll, um sie optimal in Richtung finanzielle Freiheit auszurichten. Im Zuge meines E-Mail-Austausches erzählte er mir auch von einem sonderbar strukturierten, ja fast schon magischen Sparbuch der lokalen Sparkasse, das ihm 2% p.a. erwirtschaftet. Das machte mich auch neugierig. Euch wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Wer ist Travis Trillionaire?

Nun, Travis ist natürlich kein Billionär, sondern ein 23-Jähriger der im letzten Jahr seiner Ausbildung steht und bereits begonnen hat, kräftig zu sparen und in Richtung finanzielle Freiheit zu düsen. Travis ist in der Versicherungsbranche tätig und verdient als Auszubildender €1.000 netto. Da er derzeit noch bei seinen Eltern wohnt, hat er eine sagenhafte Sparquote von 90% auf das Nettoeinkommen! Sein Ziel ist „natürlich die Finanzielle Freiheit“ wie er selbst sagt, so möchte er mit 40 oder spätestens 50 finanziell frei sein. Mit finanzieller Freiheit meint er, wie viele andere auch, dass er „einen Job ausüben kann, den [er] wirklich liebt“, ohne dabei ans Geld denken zu müssen. Nun werde ich gefragt konkret, wann Travis die finanzielle Freiheit realistisch erreichen kann.

Wie sieht Travis‘ Finanzleben aus?

Travis hat angesichts der Tatsache, dass er erst 23 und noch in Ausbildung ist, bereits ein beachtliches Vermögen angehäuft. Er verfügt über:

  • €30.000 auf einem Depot, das in ETFs investiert ist
  • €12.000 auf dem magischen Sparbuch – dazu später noch mehr 😉
  • €10.000 auf einem Tagesgeldkonto
  • €600 auf p2p Lending Plattformen

In Summe, also stattliche €52.600 – das ist eine tolle Leistung für eine 23-jährigen und ich würde sagen, mehr als ein solider Ausgangspunkt für den Weg in Richtung finanzielle Freiheit!

Travis möchte im Lauf des Jahres auch noch die €10.000 vom Tagesgeldkonto in ETFs investieren, um nicht einen so hohen Cash-Bestand zu haben. Smart! Travis hat sein Depot zudem mustergültig einfach gehalten, er investiert nämlich nur in zwei ETFs, nämlich zu 70% in einen MSCI World ETF und zu 30% in einen MSCI Emerging Markets ETF. Er erklärte mir, dass er die Zahl der ETFs gering halten möchte, um die Rebalancing-Kosten gering zu halten. Das verstehe ich zwar nicht ganz, doch halte ich eine geringe Zahl an ETFs aus anderen Gründen für sinnvoll.

Nun möchte Travis seine Asset Allocation weiter pimpen und folgende Asset Allocation erzielen: MSCI World 60%, MSCI EM 25%, SMALL CAP 10%, ein REIT zu 5%. Daher fragt er mich, ob ich das für sinnvoll halte.

Frage 1: Wann kann Travis Trillionaire finanziell frei sein?

Doofe Frage! Denn Travis ist bereits jetzt finanziell frei! Das mag verblüffen, ist aber so: Er verdient derzeit €1.000 netto und gibt an 90% zu sparen, hat also lediglich Lebenskosten von €100 pro Monat bzw. €1.200 pro Jahr. Sein Vermögen im Wert von €40.600 (ohne Berücksichtigung der €12.000 auf dem magischen Sparbuch) wirft bei von 7% Ertrag bereits jetzt €2.842 ab, er ist also bereits zu 237% finanziell frei (vor Kapitalertragssteuern).

Natürlich ist es richtig, dass Travis seine Lebenskosten nicht langfristig auf diesem niedrigen Niveau halten wird können. Er wohnt zwar während seiner Ausbildung noch bei seinen Eltern, doch wird er mittelfristig eine eigene Bleibe haben wollen. Beziehung und Familiengründung werden ebenfalls nicht ewig auf sich warten lassen. Dafür sind natürlich entsprechende zusätzliche Kosten zu erwarten. Auf der positiven Seite der Waagschale: Travis ist bereits gewohnt sparsam/frugal zu leben, diese Gewohnheiten wird er nicht völlig über Bord werfen. Darüber hinaus nimmt er sich vor, sein Gehalt durch weitere Ausbildungen weiter zu steigern.

Bei Berücksichtigung dieser Faktoren, wird Travis in der Tat über ca. 10-15 Jahre hinweg nicht finanziell frei sein. Dennoch gelingt es ihm selbst bei der Berücksichtigung zusätzlicher Ausgaben für Wohnung und Familie bereits mit ca. 35 Jahren finanziell frei zu sein. Das finde ich sensationell und zeigt auf was erreicht werden kann, wenn man sowohl auf einen Vermögensgrundstock aufbauen kann, als auch diszipliniert am Vermögensaufbau arbeitet bzw. eine hohe Sparquote hat.

Was hat es nun mit diesem magischen Sparbuch auf sich?

Travis berichtete mir begeistert von seinem Sparbuch, auf dem €12.000 liegen. Seine Begeisterung kommt daher, dass das Sparbuch satte 2% Zinsen bezahlt. Anfänglich dachte ich, es handelt sich um einen Schreibfehler oder einen schlechten Scherz. Daher erklärte mir Travis, was es mit diesem magischen Sparbuch auf sich hat:

  • Es handelt sich um ein vor zig Jahren bei seiner lokalen Sparkasse abgeschlossenes Sparbuch – der damalige Vertrag ist unverändert aufrecht
  • Auf das Sparbuch müssen monatlich €100 einbezahlt werden, die Einzahlung darf nicht gestoppt werden
  • Auf maximal die 10-fache jährliche Sparsumme wird ein „Zinsbonus“ von 2% bezahlt – also auf €12.000 die genannten 2% = €240
  • Auf den Betrag, der €12.000 übersteigt, werden nur noch 0,01% Zinsen bezahlt
  • Monatlich dürfen €2000 abgehoben werden, ohne, dass es zu einem Vertragsbruch kommt

Bei genauer Betrachtung handelt es sich um einen etwas seltsam-kompliziert strukturierten Sparplan in Form eines Sparbuchs, den Travis sehr geschickt nutzt. Er lässt nämlich genau €12.000 auf dem Sparbuch und entnimmt überschießende Beträge. Bestimmt managt er das nicht auf den letzten Cent genau und hat daher meist einen Betrag >€12.000 auf dem Konto und somit Geld, das auch zu 0,01 verzinst wird. Dennoch nutzt Travis das Sparbuch zwar vertragskonform, aber sicher nicht so, wie die Sparkasse sich das vorgestellt hat. Der Bonus sollte wohl einmal zu einem ganz verschwindenden Bestandteil der Verzinsung werden…

Ich finde es pfiffig, wie sich Travis hier verhält, doch führt die Magie dieses Sparbuchs noch immer nicht zu Euphorie bei mir. Natürlich ist das Sparbuch ein großartiges Vehikel für den Notfallfonds doch gibt es Einschränkungen in der Flexibilität – die komplette Auszahlung kann sich ja über 6 Monate oder mehr ziehen. Zudem sind 2% vor Steuern zwar gut, aber auch gerade einmal die Inflationsrate und somit nur ganz knapp ein Vermögenserhalt, aber keine Unterstützung am Weg zur finanziellen Freiheit.

Also, gut, dass Travis diesen Altvertrag mit seiner Sparkasse hat. Gleichzeitig braucht niemand traurig zu sein, der nicht die Vorsehung hatte, genau diesen Vertrag vor zig Jahren abzuschließen, so viel Hilfe ist er für die finanzielle Freiheit nun auch wieder nicht. Zudem besteht aus meiner Sicht wirklich die Gefahr, dass es der Sparkasse zu bunt wird uns sie den Vertrag einfach ihrerseits kündigt. Ähnliches passiert ja gerade bei Altverträgen bei verschiedenen Bausparkassen.

Frage 2: Soll Travis seine Asset Allocation fine tunen?

Bereits zuvor hatte, ich Travis Trillionaire’s simple Asset Allocation beschrieben – er investiert zu 70% in einen MSCI World ETF und zu 30% in einen MSCI Emerging Markets ETF. Nun ja, kurz gesagt ich würde schon einige Anpassungen vorschlagen.

Bevor ich Anpassungen zu dieser Asset Allocation diskutiere, möchte ich auf einen wichtigen Punkt eingehen. Travis sollte sich einen Notfallfonds zulegen, bevor er sich dem Investieren verschreibt. Der Einfachheit halber, könnte man sagen, dass er den Notfallfonds in Form des magischen Sparbuchs angelegt hat – natürlich ist das ein wenig viel, wenn man seine derzeitigen Lebenskosten heranzieht und der Sparplan nichts wirklich geeignet, da nicht vollständig flexibel. Aber, das soll nun auch nicht der Schwerpunkt des Artikels werden.

Bezüglich der Asset Allocation verweise ich grundsätzlich auf meinen Artikel zur Asset Allocation – im Wesentlichen ist zwischen Aktien und damit nicht korrelierten, „sicheren“ Asset-Klassen zu unterscheiden. Im genannten Artikel stelle ich eine einfache Faustformel auf: „100-Lebensalter“ in Aktien und „Lebensalter“ in nicht mit Aktien korrelierten, „sicheren“ Asset-Klassen. Für Travis heißt das, dass er 77% in Aktien und 23% in sichere Asset-Klassen investieren sollte.

Derzeit ist Travis also in Aktien überinvestiert, hat er doch nur €600 in p2p Kredite investiert, während € 40.000 im Aktien-ETF-Portfolio veranlagt sind. Er hat also genau genommen nur ca. 1.5% seines Portfolios nicht in Aktien investiert!

Zudem erscheint mir Travis Gewichtung von 30% auf Emerging Markets etwas hoch. Ein erst jüngst erschienener Artikel des Finanzwesirs erinnert eindrucksvoll, dass die weltweite Marktkapitalisierung zu 86% auf Industrieländer entfällt und nur 14% auf Schwellenländer bzw. Frontier Markets.

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Zusammengefasst würde ich Travis daher folgende Anpassung der Asset Allocation vorschlagen:

  • 77% in Aktien und zwar
    • 66% (=68%*77%) in einen ETF der Industrieländer abdeckt, z.B. entlang des MSCI World
    • 11% (=14%*77%) in einen Emerging Markets ETF
  • 23% in Immobilien (entweder in einen Immobilien-ETF oder einen REIT), p2p Kredite, vielleicht ja auch einen Anleihen-ETF

Die Anpassung auf diese Ziel-Asset Allocation würde ich nicht nach der Hau-Rück-Methode durch Käufe/Verkäufe umsetzen, sondern schrittweise über das laufende Ansparen erreichen wollen. Dies hatte ich bereits bei meinem behutsamen Ansatz zum Rebalancing empfohlen. Hat dieses Vorgehen doch zwei entscheidende Vorteile – i) verursacht es keine zusätzlichen Kauf-/Verkaufs-Spesen und ii) vermeidet es das Auslösen von Steuerpflicht in Folge von steuerpflichtigen Kursgewinnen. Angesichts der hohen Sparquote wird Travis Trillionaire seine Ziel-Asset-Allocation rasch erreichen.

Insgesamt möchte ich Travis jedenfalls gratulieren, wie weit er bereits gekommen ist! Die Anpassungen an der Asset Allocation sind glaube eher gering, die wesentlichen Weichenstellungen hat Travis nämlich durch ein sehr sparsames Leben und das Ansparen eines großen Betrags in jungem Alter bereits erreicht – bravo! Vielen Dank für die Leserfrage, Travis – ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen!

Und nun zum Abschluss die Frage an Euch: Hättet Ihr Travis etwas anderes empfohlen? Was hättet ihr mit den 23% „sicheren“ Assets gemacht?

4 thoughts on “Ein magisches Sparbuch und über das Fine Tuning der Asset Allocation

  1. “Für Travis heißt das, dass er 77% in Aktien und 23% in sichere Asset-Klassen investieren sollte.
    Derzeit ist Travis also in Aktien überinvestiert, hat er doch nur €600 in p2p Kredite investiert, während € 40.000 im Aktien-ETF-Portfolio veranlagt sind.”

    Ist das ein Schreibfehler? p2p Kredite kann man doch nicht als Sichere Assets ansehen.
    In dem Alter empfinde ich die 100 Jahre Regel für überflüssig. 90:10 tun es genauso gut, wenn es bei dem Sparziel um die Finanzielle Absicherung fürs Alter geht (also > 20 Jahre Anlagezeitraum).

    Außerdem sprichst du von der Marktkapitalisierung und sagst 70:30 wäre nicht sinnvoll. Dann schätze ich, hast du noch nicht über die Macht von Volkswirtschaften nachgedacht und die Kennzahl des Bruttoinlandsproduktes um diese abzubilden. Denn genau daher kommt die Pauschale Aufteilung, obgleich sie mittlerweile eher 65:35 heißen müsste.
    Ich bin dennoch selbst ein Freund der Marktkapitalisierungsmethode, aber aus einem ganz anderen Grund: “Emerging Markets Economic Exposure” [1] [2]. Produkte der Industrienationen werden auch in Schwellenländern konsumiert, der entsprechende Umsatzanteil zeigt somit wie sehr sie in den Schwellenländern aktiv sind und dort mitmischen. Anhand des EM-Exposures lässt sich dann eine Aufteilung finden die wiederum das BIP der Welt am besten verteilt.

    “Sprich: Wenn man (2013) sein Portfolio nach GDP bestückt hatte (= ca. 30 % EM), so erhielt man ein Economic Exposure bezüglich der EM von ca. 40 % – gewichtete man sein Portfolio streng nach Marktkapitalisierung (= ca. 13 % EM), dann landete man bei ca. 30 % EM Economic Exposure.”, [1]

    [1] https://www.wertpapier-forum.de/topic/40809-weltdepot-%E2%80%93-was-ist-der-beste-mix/?page=8
    [2] https://www.wertpapier-forum.de/applications/core/interface/file/attachment.php?id=100315

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  2. “Derzeit ist Travis also in Aktien überinvestiert, hat er doch nur €600 in p2p Kredite investiert, während € 40.000 im Aktien-ETF-Portfolio veranlagt sind. Er hat also genau genommen nur ca. 1.5% seines Portfolios nicht in Aktien investiert!”

    Sehe ich ein wenig anders. Das Tagesgeld und das Sparbuch sind sichere Asset Klassen, damit hat er über ein Drittel seiner 62.600 darin investiert. P2P sehe ich never ever als sichers Asset, das kann als kleine Beimischung im Bereich der riskobehafteten Assets dienen.

    Ich gebe Travis die volle Punktzahl.
    Die Idee, das unrentable (wahrscheinlich deutlich unter 2 %) Tagesgeld noch in Aktien investieren ist sinnvoll. Bei den ganzen Notfallsfonds, Notgroschen, ect. frage ich mich immer, für was. Bei seinen jetzigen Lebensstil kann er keinen Motorschaden am Auto und keinen defekten Heizkessel und für den Fall, dass ihm das Handy geklaut wird gibts halt im laufenden Monat etwas weniger Sparrate. Das Sparbuch ist für den Anteil der sicheren Assets ausreichend und mit den 2 % nicht so schlecht. Mit einem Anleihen ETF hat man entweder Langläufer (die bei Zinsanstieg fallen) oder ein Währungsrisiko, oder man kommt auch nicht auf mehr als 2 %.
    Die jetzige Mischung der ETFs halte ich auch für gut, denn wer sagt, das Marktkapitalisierung das Maß aller Dinge ist. Small Cap ETF ist auch ok, leider bei den meisten ETF Anbietern vom TER recht teuer. Etwas REIT ist auch fein.

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    1. Hallo lieber KostenRunter,
      Danke für Deinen Kommentar und die gründliche Analyse meines Vorschlags!
      Das Sparbuch habe ich bei der Asset Allocation nicht berücksichtigt, da ich das dort vorgehaltene Geld als Notfallfonds ansehe. Dieses Geld berücksichtige entsprechend nicht bei der Asset Allocation.
      Ich denke, dass der Notfallfonds nicht nur für kaputte Autos oder defekte Waschmaschinen eingesetzt werden sollte. Insbesondere eine (unerwartete) Arbeitslosigkeit würde der Notfallfonds rasch sehr wichig werden.
      p2p Lending ist in der Tat kein sicheres Asset, schon allein die Brutto-Rendite von ~10% sollte darauf ja hinweisen. Es geht in meinen Überlegungen vielmehr darum mit dem Aktienmarkt nicht korrelierte Assets zu finden. Dies ist bei p2p Lending wohl der Fall.
      Viele Grüße
      MFF

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