Gut ist noch lange nicht gut genug! Ich bin zwar seit Jahren zufriedener Kunde der Easybank mit großen Teilen meiner Bankbeziehung, dennoch habe ich jetzt meinen Broker gewechselt und bin nun Kunde von Flatex*. Dadurch spare ich mir einen stattlichen Betrag, v.a. für die Depotgebühr. Ich konnte sehen, dass eine regelmäßige Überpürfung des eigenen Finanzsetups jedenfalls sinnvoll ist. Was ich mir im Einzelnen beim Depotwechsel überlegt und was ich berücksichtigt habe, fasse ich in diesem Artikel zusammen.

Bereits in einem früheren Artikel hatte ich beschrieben, dass ich mein Finanzsetup gerne einfach halte und dem Keep It Simple!-Prinzip folge. Entsprechend hatte ich mein Girokonto, diverse Sparkonten sowie mein Depot bei der Easybank. Anfang Jänner verrechnete mir die Easybank wieder die jedes Quartal anfallende Depotgebühr. Der aufs Jahr gerechnet stattliche Eurobetrag für die Depotgebühr gab mir dann doch zu denken und ließ mich gründlich recherchieren. Die Easybank verrechnet als Depotgebühr 0,1% des Werts je Position + 20% USt. pro Jahr. Das kann sich mit einem wachsenden Portfolio schon läppern!

Meine deutschen Leser werden staunen, dass ich hier von Depotgebühren schreibe. Verrechnen doch die prominenten deutschen Onlinebroker, wie Comdirect*, Onvista*, Consorsbank* oder Flatex* doch durchwegs keine Depotgebühren. Das ist in Österreich nicht der Marktstandard. Es zeigt sich, dass Brokerage ein Massengeschäft ist und nur bei entsprechenden Skaleneffekten profitabel betrieben werden kann. Entsprechend fallen im deutlich kleineren Österreich wohl strukturell höhere Gebühren für Wertpapierkunden an.

Doch mit solch einer einfachen Erklärung wollte ich mich nicht zufrieden geben. Im ersten Schritt half mir die Website www.broker-test.at mir einen Überblick zu verschaffen. Mein Blick fiel rasch auf die beiden Anbieter Flatex* und Degiro, da beide als die einzigen Anbieter in Österreich überhaupt keine Depotgebühren verrechnen. Degiro schied ich nur rasch wieder aus meinen Überlegungen aus, da sich die Bank nicht um die durchaus komplexe steuerliche Buchhaltung des in Österreich steuerpflichtigen Kunden kümmert. Flatex hatte dieses Service bis vor einiger Zeit auch nicht angeboten, das aber nun offenbar geändert – somit stand eine echte Alternative zur Verfügung!

Nun möchte man meinen, dass mein Wechsel zu Flatex* eine ziemlich einfache Entscheidung war, wenn doch die gesamte Depotgebühr wegfällt. Doch findet man im Kleingedruckten doch noch zwei Wehrmutstropfen bei Flatex: 1) Negativzinsen auf Einlagen am Konto und 2) eine Gebühr bei Erhalt von Dividenden nicht österreichischer oder deutscher Aktiengesellschaften.

Die Negativzinsen am Girokonto kann ich irgendwie ja verstehen. Eine auf Online-Brokerage fokussierte Bank hat jede Menge Einlagen auf Girokonten herumliegen und wohl nur ein recht eingeschränktes Geschäft mit Lombardkrediten. Entsprechend bleiben der Bank im derzeitigen Zinsumfeld nur wenige Möglichkeiten den Liquiditätsüberschuss zu veranlagen, ohne die Negativzinsen der EZB in Kauf zu nehmen. Für mich als Kunden ist das natürlich wenig erfreulich und wird mich ermuntern stets möglichst wenig Geld auf dem Girokonto liegen zu haben. Sollten dies im Jahresdurchschnitt z.B. €1.000 sein, werde ich also €4 an Negativzinsen zu bezahlen haben – ein kalkulierbarer Kostenblock, denke ich.

Die genannte Gebühr bei Erhalt von Dividenden, ist hingegen materieller. Sie findet sich gut versteckt im Preis-/Leistungsverzeichnis von Flatex unter der Rubrik Kapitaltransaktionen Ausland: „Provision je Dividendenzahlung (Gegenwert größer €15) €5,90“. Ausschüttungen aus dem Inland und von Fonds/ETFs sind glücklicherweise kostenfrei. Da ich hier doch Klarheit haben wollte, erkundigte ich mich bei Flatex, wie diese Bestimmung zu verstehen wäre. Man teilte mir in der Tat prompt mit, dass auf Dividendenzahlungen aus anderen Ländern als Österreich und Deutschland die genannte Gebühr anfallen würde. Dass die Definition von Inland Deutschland umfasst, freut mich als Kunden, irritiert mich allerdings als Österreicher 😉

Durch diese Gebühr wird es letztlich eine ökonomische Entscheidung, ab wann es sinnvoll ist, „ausländische“ Einzelaktien zu Flatex zu übertragen oder nicht. Es ergeben sich unterschiedliche Break-Even Punkte, ab welchen die Übertragung sinnvoll ist, oder eben nicht:

  • Aktien mit 4 Dividendenzahlungen pro Jahr (insb. USA) – hier muss ein Mindestvolumen ca. €20.000 vorliegen, bevor es vorteilhaft ist, zu Flatex zu wechseln
  • Aktien mit 2 Dividendenzahlungen (hier habe ich Aktien aus UK) – Mindestvolumen ca. €10.000
  • Aktien mit nur einer Dividendenzahlung – Mindestvolumen ca. €5.000

Für mich hieß das konkret, dass es ökonomisch bei einigen amerikanischen Titeln, die viermal jährlich Dividenden ausschütten nicht sinnvoll ist, zu Flatex zu wechseln. Vielmehr werde ich mich mit dem Verbleib einiger Restpositionen bei der Easybank begüngen. Ich zahle nämlich in Summe weniger Depotgebühr, als ich bei Flatex für die Dividendengebühr bezahlen würde. Das könnte sich natürlich ändern, wenn die zukaufe oder die Aktien deutlich steigen.

Sonst sind mir keine weiteren Nachteile von Flatex* aufgefallen. Die Ordergebühren sind durchwegs (geringfügig) niedriger als bei der Easybank. Zudem gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, insb. ETF Sparpläne aufzusetzen, die es bei der Easybank nicht gab.

Jeder Broker möchte den Depotwechsel natürlich so teuer wie möglich machen und so „switching costs“ verursachen und so erhöhte Loyalität der Kunden herbeiführen. Konkret verrechnet die Easybank €22,80 + 20% USt. = €27,36 / Position für den Übertrag zu einem anderen Broker. Abgesehen davon dass ich natürlich historische Anschaffungswerte weiterführen möchte, keine Gewinne realisieren möchte bzw. keine Steuerpflicht auslösen möchte und auch Altbestände hinsichtlich der KESt auf Veräußerungsgewinne behalten möchte, ist diese Gebühr gerade so gewählt, dass ein Verkauf / Kauf meist ökonomisch nicht sinnvoll ist. So werde ich in den sauren Apfel beißen und bei mehr als 10 Positionen doch in die Tasche greifen müssen, um in den Depotübertrag zu investieren. Der Business Case des Übertrags ist immer noch positiv genug, um sich in weniger als einem Jahr zu rechnen.

Der Wechsel der Depotbank hat natürlich auch Auswirkungen auf mein Finanzsetup. Darüber werde ich in einem meiner nächsten Beiträge schreiben. Noch vorher werde ich nächste Woche berichten, wie der Wechsel konkret verlief. Ich habe dabei nämlich einige Abendteuer erlebt und musste mich schon wundern, wie kompliziert das alles war…

Freue mich über Eure Kommentare! Wer ist Euer Broker? Welche Überlegungen hattet Ihr bei der Auswahl? Wann habt Ihr Euer Finanz Setup zuletzt überprüft?

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5 Gedanken zu “Depotwechsel: Bye bye Easybank, hello Flatex!

  1. Bei der comdirect kann man glaube ich auch mit einem österreichischen Reisepass ein Konto eröffnen, da gibt es nach meiner persönlichen Erfahrung keine Depotgebühren (solange man das ebenfalls kostenlose Girokonto auch hat) und keine Dividendenauszahlgebühren. Käufe/Verkäufe sind sicherlich nicht so günstig wie bei der flatex, aber nur einmalige Kosten, und auf die Gebühr bei der Eintragung bei deutschen Namensaktien sollten man noch achten.

    Vielleicht ist das ja eine Alternative für dich.

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    1. Danke für Deinen Hinweis!

      Du hast völlig recht, die Comdirect verrechnet weder Depotgebühr noch Dividenden-Gebühren. Problem ist allerdings, dass sich Comdirect als deutsches Unternehmen nicht darum kümmert, dass Du Deine österreichischen Steuern abgeführt bekommst. Das führt nach meiner Einschätzung zu wesentlicher Komplexität und lässt die Comdirect als Option ausscheiden.

      Siehe auch: https://www.broker-test.at/comdirect-broker/

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      1. Stimmt, die Situation diesbezüglich scheint echt ungünstig zu ein – vermutlich lohnt es sich ob der geringeren Einwohnerzahl für die Direktbanken leider nicht, Experten für das österreichische Steuerrecht zu bezahlen 😦

        Ist es denn ähnlich komplex wie in Deutschland, mit Kirchensteuer, Soli, Vorabpauschale bei Thesaurierern, Anrechnung von Quellensteuern usw. oder ist es „nur“ ein Abgeltungssteuerprozentsatz auf realisierte Kursgewinne und Dividenden?

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      2. Ja, dieser Schluss liegt nahe – in der Tat scheint es in Österreich einen höheres Preis-Niveau für Online-Broker zu geben, als in Deutschland. 1/10 der Marktgröße spricht eben für geringere Skaleneffekte.

        Die steuerliche Situation ist komplex, aber nicht unbeherrschbar. Es ist Steuer auf Kursgewinne und Dividenden einzuheben, ggf. Quellensteuer anzurechnen. Darüber hinaus wird es bei thessaurierenden Fonds/ETFs, da Anschaffungswerte in Folge von Steuerzahlungen hochzuschreiben sind.

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