Jüngst durfte ich in einem Blogbeitrag lesen, dass ein geschätzter Kollege bis zu 15% in Gold und andere Edelmetalle investiert. Davon war ich dann doch überrascht und habe mich entschlossen der Frage, ob Gold nicht doch ein gutes Investment ist, nachzugehen. Der heutige Blogbeitrag kommt, zu einem radikalen Ergebnis: Gold ist gar kein Investment! Mag seltsam bzw. provokant klingen, ist aber ernst gemeint!

Edelmetalle

Gold und andere Edelmetalle zeichnen sich gemeinhin dadurch aus, dass sie glänzen aber in Wahrheit eher unnütz sind. Jetzt kann man mir natürlich entgegenhalten, dass Gold & Silber natürlich als Schmuck getragen werden können und so emotionale Hochgefühle auslösen. Einverstanden. Darüber hinaus gibt es vielleicht ja auch einige Anwendungen in der Industrie, z.B. in von Gold in der Elektrotechnik oder von Silber in der Fotographie. Wenn ich sage, dass Edelmetalle unnütz sind, dann meine ich das aber im Zusammenhang von Finanzanlage und v.a. Produktivität.

So handelt es sich bei Gold und Silber und überhaupt allen Investments in Sachwerte (z.B. Erdöl, Getreide & Co.) um völlig unproduktive Güter. Das heißt konkret, dass durch den reinen Besitz keinen Ertrag erwirtschaftet wird. Dadurch unterscheiden sich diese Sachwerte deutlich von anderen Asset-Klassen, die allesamt produktiv sind. So erwirtschaftet eine Spareinlage (in normalem Zinsumfeld…) bzw. auch eine Anleihe Zinsen, eine Aktie Dividenden oder eine Immobilie Mieteinkünfte.

Investition vs. Spekulation vs. Werterhalt

Ich möchte Investition gerne so definiert wissen, dass sich auf Grund der produktiven Veranlagung des Kapitals ein Gewinn während, und kumuliert am Ende des Investments ergibt. Diese produktive Kraft des Investments macht ja genau die Magie der passiven Einkommensquelle aus. So liefert die Aktie als verbriefter Unternehmensanteil regelmäßig durch das produktive Wirken des Geschäftsbetriebs Ergebnisbeiträge, die als Dividenden dem Investor zufließen. Die Verzinsung der Anleihe stellt sicher, dass dem Investor regelmäßig Zinsen zufließen, bevor die Anleihe am Ende zum Nominale getilgt wird. Auch der Vermieter erhält für die Nutzung seiner Immobilie ja regelmäßig den Mietzins.

Anders ergeht es da dem Besitzer von (physischen) Edelmetallen*. Das Cashflow-Profil sieht in diesem Fall nämlich ziemlich traurig aus. Zu Beginn ist als negativer Cashflow der Kaufpreis aufzubringen, während der Haltedauer fallen Kosten und damit weitere negative Cashflows für Lagerung (z.B. ein Bankschließfach) und Versicherung an. Am Ende entsteht der einzige positive Cashflow für den Verkauf des Edelmetalls.

Nun ist dieser Cashflow ist ausschließlich vom zukünftigen Marktpreis ab. Dieser bildet sich aus der zukünftigen Preisbildung in Folge von Angebot und Nachfrage. Der vermeintliche „Investor“ in Edelmetalle hofft daher ausschließlich auf die Kurssteigerung. Es handelt sich um Spekulation! Wer kann schon Angebot und Nachfrage von Gold in 20 Jahre vorhersagen? Vielleicht finden sich neue Technologien, die das Schürfen von Gold erleichtern und so zu einer Flutung des Marktes führen? Vielleicht findet man heraus, dass Gold einen industriellen Zweck in Super-Computern oder Batterien für Elektro-Autos hat? Vielleicht verlieren aber auch die Nationalbanken ihren Appetit auf Edelmetalle? Wer kann das schon alles vorhersagen?

Gleichzeitig sind Edelmetalle ja offenbar doch – zumindest über sehr lange Zeiträume – ganz gut geeignet, um ihren Wert zu erhalten. So stellte Focus einige ganz interessante Vergleiche an:

  • In Ägypten und Babylon konnte man für ein Gramm Gold ca. 10 Brote kaufen, auch heute bekommt man für €31 noch etwas 10 Brotlaibe in der Bäckerei
  • Die alten Römer konnten sich für eine Unze Gold eine gute Tunika kaufen, etwa der gleiche Preise eines (sehr, sehr guten Maß-)Anzugs heute
  • 1908 kostete ein Ford Model T* 850 Dollar, was rund 41 Unzen Gold entsprach, auch heute kann man sich für die rund €40.000 noch einen (Mittelklasse-)Wagen kaufen

Damit dürfte der Nachweis für den langfristigen Werterhalt wohl erbracht sein. Dennoch wäre mein Anspruch an ein Investment eben schon gewesen, dass mehr als ein paar Brote, ein Anzug oder ein Auto als Ergebnis des Investments nach vielen Jahrhunderten herausgekommen wäre 😉

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Für Gold ist kein Platz in meinem Portfolio

Mein Investment-Portfolio hat einen Sinn & Zweck, nämlich passives Einkommen zu erwirtschaften. Ich investiere daher ausschließlich in produktive Assets, die auch während der Haltedauer (die potenzielle ja sehr lange anhält) regelmäßige Cashflows produzieren. Entsprechend umfasst mein Investment-Portfolio Aktien-ETFs, Einzelaktien, Anleihen-ETFs, Immobilien in Form von Direktinvestments und in kleinem Umfang p2p Investments. All diese Assets werfen regelmäßige passive Cash-Flows ab.

Für Gold und andere Edelmetalle ist daher kein Platz in meinem Portfolio, genauso wenig für Erdöl, Getreide und andere Sachgüter. Nun könnte man fragen, ob sich diese Sachgüter nicht doch noch Platz im Finanzsetup haben, nämlich im Notfallfonds. Die oben eingeräumte Eigenschaft von Edelmetallinvestments, nämlich Werterhalt sicherzustellen ist ja durchaus sinnvoll.

Zur Erinnerung, der Notfallfonds soll sicherstellen, dass bei unvorhergesehenen Ereignissen, auf einen finanziellen Sicherheitspolster zurückgegriffen werden kann. Beispiele für diese Ereignisse könnten ein plötzlicher Jobverlust, Reparaturarbeiten am Eigenheim oder eine kaputte Waschmaschine sein – nicht alle wollen oder können eine kaputte Waschmaschine selbst in zehnstündiger Tüftelei reparieren 😉 Entscheidend für den Notfallfonds ist Liquidität, also sofortige Verfügbarkeit. Diese wird meines Erachtens insb. durch ein Tagesgeldkonto oder durch Bargeld sichergestellt. Der Kauf und Verkauf von Gold & Co für den Notfallfonds hat den wesentlichen Nachteil, dass bei jeder Transaktion deutliche Auf-/Abschläge erfolgen und somit hohe Transaktionskosten bestehen. Dies widerspricht dem Ziel, das Geld besonders leicht verfügbar zu haben.

Gleichzeitig werde ich besonderen Pessimisten, die an Krieg, Unruhen und den Zusammenbruch des Finanzsystems und von Banken* glauben, nicht widersprechen. Denn genau in diesen Situationen sind alternative, stabile Zahlungsmittel gesucht und können Gold, Silber und Edelsteinbestände sinnvolle Tauschmittel werden. Ich zähle mich allerdings nicht zu diesen Pessimisten und habe ein positives Weltbild, das nicht in solchen Szenarien denkt.

Damit bleibt zumindest bei mir für Gold und andere Edelmetalle eine einzige Funktion über: Sich am Glanz zu erfreuen! Das gilt natürlich für Schmuck aber auch die ein oder andere Goldmünze, die man zu Taufe, Kommunion oder Hochzeit schenkt oder geschenkt bekommen hat. All das sind für mich symbolische Werte und sicher keine Investments!

Nun bin ich gespannt, wie Ihr es mit „Investments“ in Edelmetalle haltet. Erzählt in den Kommentaren, ob ihr – wie ich – einen Bogen darum macht, oder ob Ihr größere Mengen an Edelmetallen gekauft habt. Wenn ihr Gold-Fans seid, wie geht ihr mit der Lagerproblematik um? Versichert ihr Euren Goldschatz?

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6 thoughts on “Gold ist kein Investment!

  1. Hallo, danke für den Beitrag zu Gold. Also ich habe aktuell 2,3% meines Depots in Goldmünzen. Als Limit setze ich mir 5%. Ich zähle es als Investment wegen den wechselnden Kursen. Zukauf von 1 Unze Wiener Philharmoniker p.a. – das entspricht in etwa einem Bausparvertrag. Dafür mache ich einen Bogen um Krypto-Währungen wie Bitcoin und Co. Persönlich mag ich keine zusätzlichen Versicherungen oder ausländische Konten – da finde ich Gold deutlich attraktiver. Ach ja, in meinem Lager wäre noch Platz für mehr 😉
    Viele Grüße
    Bergfahrten

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  2. Sehr interessant die verschiedenen Sichtweisen auf das Gold zu sehen. Ich persönlich finde, dass Gold ein sicheres, aber unprofitables Investment ist mit welchem man geringen Verlust bzw. Gewinn machen kann.

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  3. ***Das heißt konkret, dass durch den reinen Besitz keinen Ertrag erwirtschaftet wird. Dadurch unterscheiden sich diese Sachwerte deutlich von anderen Asset-Klassen, die allesamt produktiv sind. ***
    Diese Definition ist leider nicht vollständig zutreffend. Sie trifft zugegeben auf viele, aber längst nicht alle Aktien zu, sondern nur die, die Dividenden ausschütten. So gesehen ist rein von dieser Definition Gold/Silber keinen Deut anders als eine Berkshire H. Aktie die nie ausgeschüttet hat oder eine Amazon wo auch nur der Gewinn mit Verkauf realisiert werden kann.
    Laut Definition (meiner Definition) ist ein Investment etwas langfristig geplantes, von dem man glaubt dass es in Zukunft mehr wert sein wird als zur Jetzt Zeit und das auch unter Berücksichtigung der Inflation. Diesen Aspekt dürfte Gold im Gegensatz zu Cash, also richtigem Cash erfüllen. Bei negativ dotierten AAA-Staatsanleihen der Bundesrepublik würde ich das beispielsweise schon etwas hinterfragen.

    Desweiteren betrachte ich ein Depot nicht als ein reines Aktien-System sondern einem Strauß von Assets die unterm Strich alle zusammen Gewinn erwirtschaften sollen. Dies darf aber auch bewusst einzelne Assets-ausschließen wenn sie dafür Stabilität und Sicherheit sowie geringere Volatilität im Depot beisteuern. Da Gold/Silber wenig bis gar nicht mit den Aktienmärkten korreliert finde ich diese Anlageklasse schon aus diesem Grund interessant. Ich habe bei jedem Asset immer mindestens 5% im Bestand, da ich kleinere Einheiten für wenig nutzbringend halte. Dies umfasst also 5% Silber und 5% Gold im Gesamtdepot. Die laufenden Kosten sind völlig zu vernachlässigen, ein guter Tresor kostet um die 1000€ und sichert nicht nur Edelmetalle sondern auch wichtige Dokumente. Gold hat zudem den steuerbefreiungs-Effekt nach einem Jahr haltedauer. Gold muss man nicht mögen, aber für mich ist es eine völlig legitime Asset-Beimischung in einem Depot oberhalb von 50.000€

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    1. Hi Daniel,
      Danke für Deinen Kommentar – es ist ja voll und ganz Deine Entscheidung, ob Du in Gold/Silber “investierst” oder nicht. Wenn ich Dich richti verstehe, gehst Du ja davon aus, dass es künftig zu Wertsteigerungen kommt, sonst würdest Du ja kein physisches Edelmetall kaufen. Gleichzeitig gefällt Dir die nicht geringe (negative?) Korrelation mit dem Aktienmarkt – fair point. Wenn Du langfristig an steigende Aktienmärkte glaubst, würde das Investment ein trauriges sein. Oder übersehe ich etwas? €1000 für den Tresor (bzw. seine Amortisation) und hoffentlich Versicherung halte ich schon mal für gewaltige Kosten!
      Zu Deinem Vergleich zwischen Berkshire H. als nicht ausschüttender Aktie und Gold/Silber. In meinen Augen, gibt es einen gewaltigen Unterschied. Berkshire H. ist im Wesentlichen ja ein Fonds, der in viel produktive Einzelunternehmen investiert und die Erträgnisse konsequent reinvestiert. Bei Gold gibt es keine produktive Tätigkeit im Hintergrund. Es bleibt was es ist, Edelmetall.
      Viele Grüße
      MFF

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