Arbeitslos, krank, pleite: Und nun? – Kein Geld haben ist teuer

Arbeitslos, krank, pleite: Und nun? – Kein Geld haben ist teuer

Ich freue mich, heute einen Gastbeitrag von Jens Ischebeck publizieren zu können. Jens hatte sich bei mir im Zuge des Themenschwerpunkts zu Fragen der Kontrolle über die persönlichen Finanzen gemeldet und mich auf eine sehr heikle Situation aufmerksam gemacht: Wer in einer prekären finanziellen Situation ist, wird von der „Grundversorgung“ mit Finanzprodukten ausgeschlossen, wenn nämlich das Girokonto gekündigt wird oder erst gar keines eröffnet werden kann. Damit habe ich persönlich keine Erfahrung, und lasse daher gerne Jens als Gastautor zu Wort kommen. Was in dieser Situation zu tun ist, erläutert Jens im nachfolgenden Artikel!

„Unbanked“ wegen hoher Schulden

Es ist der Traum von vielen: finanziell unabhängig, sein eigener Herr werden, sich mit einer Geschäftsidee selbständig machen. Oft investieren wir viele Stunden, Tage, Wochen in diesen Traum. Viel Lebenszeit. Was ist, wenn dieser Traum platzt? Wenn persönliche Schicksale dazukommen? Man aber warum auch immer nicht vom Fleck kommt?

Wenn es dann ganz bitter wird und sich ein Schuldenberg auftürmt, kommt es dazu, dass Banken die Bankverbindung insofern kappen, als das Girokonto auf ein Konto auf Guthabenbasis umgestellt wird. „Unbanked“ also, wie es im Fachjargon heißt. Schätzungen besagen, dass im deutschsprachigen Raum eine halbe Million Menschen kein Konto haben. Dies obwohl es an sich ein Recht auf ein Girokonto gibt.

Die häufigste Ursache dafür sind hohe Schulden bzw. mangelnde Bonität und mangelndes Vertrauen der Banken! Überschuldet wegen eines zu teuren Lebensstils oder weil der sicher geglaubte Arbeitsplatz gestrichen wird oder der Traum vom Unternehmertum im Albtraum endet. Plötzliche Arbeitslosigkeit und eine finanzielle Krise sind dann oft die Konsequenz.

Oder es erwischt den Erfolgstypen, dessen Körper plötzlich streikt. Krank. Dauerhaft. Kosten für Ärzte und Reha, weiterhin aufwändiger Lebensstil. Schuldenberg. Und dann droht oder kommt auch oft die Pleite. Der Privatkonkurs.

Das P-Konto

Betroffene werden in den zuvor beschriebenen Fällen aus dem normalen, gewohnten Wirtschaftskreislauf herausgekegelt. Banken kündigen das oder die Konten. Das Gehaltskonto wird in ein pfändungsfreies Konto (P-Konto) auf Guthabenbasis umgewandelt. Nun bleiben noch 1.133,80 Euro im Monat zum Leben und zum Bestreiten der monatlichen Ausgaben.

Das ist auf dem Papier ja alles ganz nett geregelt. Aber leider ist die Lebenswirklichkeit oft deutlich komplexer.

Die Betroffenen müssen ja nach wie vor viele Ausgaben als Überweisungen realisieren. Miete überweisen, GEZ Gebühren, Müll Gebühren, Telefonverträge, etc. Was den unpfändbaren Betrag überschreitet, wird oft in bar abgewickelt werden. Es stellt sich die Frage: Wie kann ich Geld überweisen ohne Konto?

Kein Geld haben ist eben teuer

Und es kommt noch dicker: Banken verlangen sehr hohe Gebühren von den Kunden, die nicht die regelmäßigen gleich hohen Geldeingänge auf dem Konto nachweisen. Denn selbst wenn ein Recht auf ein Girokonto besteht muss dieses keinesfalls gratis sein – die Postbank verrechnet z.B. 5,90 Euro pro Monat – ganz schön gesalzen!

Auch bevor es zum Äußersten, nämlich der Umstellung auf ein P-Konto kommt, ist Geld haben bekanntlich sehr teuer. Die Zinsen innerhalb des Dispos sind hoch und steigen bei Unterschreiten des Dispo-Limits noch einmal an. Kein Geld haben ist eben teuer.

Ähnlich verhält es sich im Kontext von Überweisungen ohne Konto. Natürlich kannst Du Geld ohne Konto überweisen. Geht alles. Ist aber teuer, wenn Du den klassischen Weg gehst. Der klassische Weg ist, zur nächsten Bankfiliale zu gehen und dort eine Barüberweisung durchzuführen. Für diese Überweisung mit Bareinzahlung werden in der Regel Gebühren um die 15 Euro pro Überweisung fällig!

Wen betrifft das nun?

Es wäre schön einfach, wenn ich genau sagen könnte: Vermeide dies oder jenes, und Du wirst davon nie betroffen sein. Auf www.meinefinanziellefreiheit.com sind viele Tipps enthalten, die diese Situation vermeiden können. So hat mir z.B. der Artikel zur Schuldenlawine zur raschen Tilgung von Schulden besonders gut gefallen.

Leider gelingt das Tilgen von Schulden nicht immer! In Deutschland gab es 2017 rund 94.000 Privatinsolvenzen – also Fälle in denen die Tilgung der Schulden nachweislich nicht funktioniert hat. Entsprechend ist das genau der beschriebene Fall.

Ganz grob sind folgende Personenkreise am häufigsten von Überschuldung bzw. Privatkonkurs betroffen:

  • Männer bis Mitte 30, deren Lebensstil im Verhältnis zu den Einkünften deutlich zu teuer war
  • Alleinerziehende Mütter, deren Arbeitsleistung auf dem Arbeitsmarkt oft geringer entlohnt wird als bei entsprechenden männlichen Kollegen (leider auch in einer Betrachtung auf Stundenbasis). Zudem sind die Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt, während ja das Aufziehen der Kinder eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet
  • Ehemalige Unternehmer oder Freiberufler, die ihr Geschäft aufgrund von plötzlichen Krankheit aufgeben mussten oder ihr Geschäft nachhaltig nicht profitabel betreiben konnten

FinTechs bieten Auswege an

IT getriebene Finanzdienstleister, die sogenannte FinTech Branche, bieten alternative Geschäftsmodelle zu den angestammten Banken an. Die Idee dahinter ist meist die Automatisierung von Prozessen und menschliche Entscheidungen durch Softwarelösungen vornehmen zu lassen. Es gibt auch eine Reihe von FinTechs, die sich Kunden wenden, die für Überweisungen über kein Bankkonto mehr verfügen oder ihr bestehendes Bankkonto nicht benutzen wollen oder können.

Der Trick dahinter ist, sich vom bisher üblichen Produktbündel Konto + Zahlungsverkehr zu lösen. Wenn der Kundenbedarf eine Überweisung ist, wird auch einzig und allein diese angeboten. Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten Überweisungen durchzuführen, ohne auf eine Kontoverbindung zurückgreifen zu müssen.

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Möglichkeit 1: (Prepaid) Kreditkarte

Prepaid Kreditkarten sind Kreditkarten auf Guthabenbasis. Sie sind nicht mit Deinem Girokonto verknüpft, sondern weisen ein Guthaben auf, welches verbraucht werden kann. Die Karte kann dann wie eine „normale“ Kreditkarte auch eingesetzt werden, also z.B. für Einkäufe im Internet oder zur Bezahlung im Einzelhandel. Solche Prepaid Kreditkarten kann man an Tankstellen, in Supermärkten, etc. kaufen oder auch im im Internet von verschiedenen Anbietern erwerben.

An der Tankstelle bar gekauft sind die Karten völlig anonym. Wenn Du sie im Internet orderst, musst Du zumindest ein paar Basisdaten angeben wie Name, Geburtsdatum und Adresse. Bei Kauf/Beantragung der Karten wird die Bonität der Kunden nicht überprüft.

Möglichkeit 2: Geld überweisen durch einen Zahlungsanbieter

Durch die Kombination der beiden Punkte „Kreditkarte“ und „Zahlungsanbieter“ wird es nun möglich, Geld auch ohne Bankkonto zu überweisen.

Der Prozess ist recht einfach, aber hier auch genau beschrieben: Du eröffnest einen Account bei einem Zahlungsanbieter. Du gibst Deine Daten ein. Dann gibst Du die Daten des Empfängers der Überweisung ein. Egal, ob im Inland, in der EU oder im außereuropäischen Ausland.

Als nächstes musst Du die Überweisungsquelle angeben. Hier hast Du bei den meisten Anbietern zwei Möglichkeiten: von einem Konto abbuchen (entfällt bei uns, genau das geht ja gerade nicht) oder mit einer Kreditkarte bezahlen. Nun können wir die Prepaid Kreditkarte angeben und der Zahlungsanbieter wird das Geld von der Guthabenkarte abbuchen. Ganz ohne Konto, ohne Bank.

Der Vergleich macht Dich sicher: Kosten einer bankenlosen Überweisung

Und wie teuer ist das Ganze nun? Als erstes müssen wir uns eine Prepaid Kreditkarte zulegen. Je nach Anbieter entsteht eine Gebühr für den Kauf oder nur für jede getätigte Transaktion. Ich benutze eine Karte, die 1,- € pro Monat Dienstleistungsgebühr verlangt und 0,55 € pro Überweisung. Das finde ich persönlich recht fair.

Als zweites rechnen wir die Kosten für jede Überweisung durch den Zahlungsanbieter. Je nach Anbieter schwanken die die Gebühren pro Überweisung zwischen 1,90 € und 2,90 €. Manchmal auch abhängig von der Überweisungshöhe.

D.h., wenn ich als Beispiel 10 Überweisungen im Monat tätigen muss (Miete, Strom, Wasser, Müll, Telefon, etc), sieht meine Rechnung so aus:

  • Kreditkarte: 1€/Monat + 10x 0,55€/Überweisung = 6,50€
  • Zahlungsanbieter: 10x 1,90€/Überweisung = 19,00€
  • Beispielsumme: 25,50€

Zum Vergleich, wie bereits oben erwähnt: Bareinzahlung des Überweisungsbetrags bei einer Filialbank à 15 Euro Gebühr. Dies führt zu 10x 15€/Überweisung = 150€. Der Vergleich macht Dich also sicher: Es geht deutlich günstiger, als mittels Barüberweisung!

Wenn Du Dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest oder Fragen und Anregungen hast, lade ich Dich ein, die Seite geld-ueberweisen-ohne-konto.de zu besuchen.

Vielen Dank für den Gastbeitrag, Jens!

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Notfallfonds

Notfallfonds

Meine Leser wissen bereits, dass für mich finanzielle Freiheit eng mit persönlicher Freiheit verknüpft ist. Damit meine ich insbesondere auch die Freiheit von den Systemen der staatlichen Vorsorge und der politischen Willkür ihrer Veränderung. Wie ich im Blogbeitrag Warum überhaupt finanzielle Freiheit anstreben? beschrieben habe, soll finanzielle Freiheit auch Vorsorge vor unvorhersehbaren Schicksalsschlägen bedeuten.

Wenn Sie jetzt entgegnen, dass genau zu diesem Zweck ja Arbeitslosenversicherung, Mindestsicherung, Hartz IV & Co. vorgesehen sind, würde ich entgegnen, dass ich mich auf diese Systeme eben nicht verlassen würde wollen. Einerseits sind sie meist an enge Kriterien gebunden, beanspruchen zuerst etwa vorhandenes Vermögen und sind in der Tat meist “zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel”. Besonders das Kriterium, auf vorhandenes Vermögen zurück zu greifen, ist besonders kritisch – wenn Sie am Weg zur finanziellen Freiheit bereits Vermögen aufgebaut haben, würden die staatlichen Sicherungssysteme erst mal zugreifen, bevor sie helfen.

Welche Schicksalsschläge oder Notfälle sind gemeint?

Schicksalsschläge und Notfälle können in verschiedener Art und Ausprägung auftreten. Z.B. plötzlicher Jobverlust in Folge Insolvenz des Arbeitgebers, langer Krankenstand in Folge eines Sportunfalls, teure Getriebereparatur am eigenen Auto das zum Pendeln erforderlich ist, Sturmschaden am Dach des Eigenheims, etc. All diesen Ereignissen ist gemeinsam, dass sie a) unerwartet und nicht planbar sind, b) einen hohen negativen Einfluss auf unsere Finanzen haben und c) doch mit geringer Wahrscheinlichkeit eintreten.

Was ist nun der Notfallfonds?

Meine Empfehlung ist, im Notfallfonds das Vier- bis Sechsfache ihrer monatlichen Ausgaben vorzuhalten. Die Anleitung zur Erhebung der monatlichen Ausgaben finden Sie in einem meiner vorherigen Blogbeiträge Mit solch einem Notfallfonds können Sie den schlimmsten Schicksalsschlägen sofort begegnen. Die sofortige Verfügbarkeit ist ein wesentlicher Aspekt, da sie auch reagieren und z.B. die Dachreparatur sofort durchführen können, auch wenn die Versicherung erst zwei Monate später zahlt.

Entgegen der an manch anderer Stelle vertretenen Meinung, gehe ich von den monatlichen Ausgaben und nicht vom Nettoeinkommen aus. Sinn und Zweck des Notfallfonds ist es nämlich die notwendigen Kostenabzudecken und nicht ggf. auch die übliche Sparquote aufrecht zu erhalten. Da der Notfallfonds stets verfügbar und risikoarm veranlagt sein sollte, sollte er dennoch möglichst klein gehalten sein, um nicht die Gesamtperformance Ihrer Vermögenswerte zu verwässern.

Woraus sollte er bestehen?

Das entscheidende am Notfallfonds ist die sofortige Verfügbarkeit, also Liquidität. Ich empfehle daher ausschließlich Bargeld oder Einlagen auf Spar-/Tagesgeldkonto für den Notfallfonds in Betracht zu ziehen. Diese Meinung teilen nicht alle Kollegen, einige gehen sogar so weit, und würden in Aktien investieren. Der Notfallfonds dient meiner Meinung nach der Absicherung und nicht der Erzielung von Rendite am Weg zur finanziellen Freiheit. So würde ich in diesem Fall auf Kapitalbindung unter allen Umständen verzichten wollen, bei Aktien besteht ja zudem ein deutliches Kursrisiko, wenn kurzfristig verkauft werden muss. Darüber hinaus soll der Notfallfonds ja auch ein Gefühl der Sicherheit geben, welches gerade bei volatilen Finanzinstrumenten nicht gegeben sein wird.

Gerne werden aber auch Gold und Silber als möglicher Notgroschen genannt. Diesem Gedanken schließe ich mich auch nicht an. Natürlich mag im Falle eines Krieges Gold als letztes verfügbares Zahlungsmittel sinnvoll sein, doch bei den oben genannten Notfällen werden Edelmetalle nicht wirklich helfen. Vielmehr wäre im Fall des Falles ein Rücktausch in Bargeld erforderlich, um die diversen unmittelbar erforderlichen Zahlungen zu leisten. Neben der Dauer und den Komplikationen des Tausches, bestehen deutliche Transaktionskosten (Agio/Disagio!), vom Kursrisiko gar nicht erst zu sprechen.

Besonders negative Ereignisse, die allerdings mit sehr niedriger Wahrscheinlichkeit eintreten, werden gemeinhin durch eine Versicherung abgedeckt. Dies kann in der Tat sinnvoll sein, man denke nur an die Versicherung des Eigenheims oder eine Krankenversicherung. Einerseits wäre ich vorsichtig mich hier umfassenden Berufsunfähigkeitsversicherungen auszuliefern, die nicht billig sind und monatliche Kosten verursachen. Andererseits ist der Notfallfonds aber auch kein Ersatz für die ein oder andere erforderliche Versicherung.

 

Wie baut man den Notfallfonds auf?

Meine Empfehlung beim Aufbau des Notfallfonds ist, eine klare Reihenfolge zu befolgen:

  1. Zuerst (Konsum-)Schulden abbauen, siehe auch mein Artikel zu diesem Thema 
  2. Notfallfonds aufzubauen
  3. Sparen, Investieren, Vermögen aufbauen

Diese Reihenfolge der Befüllung kann natürlich auch mit den Prinzipien des automatisierten Sparens verfolgt werden.

Das bedeutet auch, dass Sie auf ihr Erspartes bzw. Ihre Investments als Quelle von passivem Einkommen nicht mehr zugreifen müssen, selbst wenn ein Notfall eintritt. Genau für diesen Fall wurde ja vorher der Notfallfonds eingerichtet. Dies ist eine wichtige, auch psychologische Hürde: Die Quelle des passiven Einkommens in Form des Investmentportfolios muss auch im Notfall nicht angefasst werden.

Wie habe ich das für mich persönlich gelöst?

Mein Notfallfonds in Höhe des ca. Dreifachen der monatlichen Kosten meiner Familie besteht aus zwei Teilen: Erstens einer Euro-Bargeldreserve (ca. ein Drittel des Notfallfonds), auf welche ich nicht zugreife/nur im Notfall zugreifen würde. Zweitens ein Sparguthaben auf einem Tagesgeldkonto (ca. zwei Drittel des Notfallfonds). Bis dato hatte ich eigentlich keine bedeutsamen Fälle, in denen ich auf den Notfallfonds zugreifen musst. Ich hoffe, dass das auch so bleibt! Es ist aber ein gutes Gefühl um diese Reserve zu wissen.

Haben Sie einen Notfallfonds?  Wie setzen Sie diesen ein? Ich freue mich über Ihre Rückmeldung in Form von Kommentaren zu diesem Artikel oder E-Mails an meinefinanziellefreiheit@gmail.com. Lesen Sie außerdem mehr, wie Sie selbstverantwortlich die Kontrolle über Ihre finanziellen Angelegenheiten erhalten/behalten.