Interview mit Dominik von finanziell-frei-mit-30.de

Interview mit Dominik von finanziell-frei-mit-30.de

Als ich das erste Mal auf Dominik’s Blog stieß, war ich sehr überrascht, welch profunde Gedanken sich ein 19-jähriger zum Thema finanzielle Freiheit macht. Ich finde Dominik’s Ausführungen auf seinem Blog unter der Rubrik “Über mich” jedenfalls sehr inspirierend. Wenn man bedenkt, welche Kräfte von Zins- und Zinseszins ausgeht, ist leicht erschließbar, dass das Ziel eines 19-jährigen finanziell frei zu werden, recht realistisch ist, ob bis 30 oder ein wenig später, sollte da nicht den Ausschlag geben. Daher freue ich mich besonders, nachfolgendes Interview mit Dominik zu veröffentlichen.

Finanzielle Freiheit: Was ist der Inhalt Deines Blogs?

Dominik: Auf meinem Blog geht es hauptsächlich um die Themen Mindset, Sparen und Investieren. Neben den rein finanziellen und häufig sehr fachspezifischen Aspekten, setze ich mich auch mit Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und Glück im Allgemeinen auseinander.

Finanzielle Freiheit: Was unterscheidet Deinen Blog von all den anderen Blogs über Finanzielle Freiheit? Warum sollen unsere Leser immer wieder kommen?

Dominik: Der größte Unterschied zu den anderen Blogs über Finanzielle Freiheit ist, dass ich mit meinen aktuell 19 Jahren noch nicht seit 5, 10 oder sogar 20 Jahren im Berufsleben bin. Ich habe erst vor einem Jahr mein Abitur abgeschlossen und mache zurzeit ein duales Studium beim Zoll. Ich bin auf meinem Lebensweg und auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit noch nicht besonders weit. So habe ich einen ganz anderen Blickwinkel und kann mich viel besser in jüngere Menschen und jemanden, der noch am Anfang des Weges zur Finanziellen Freiheit ist, hineinversetzen.

Neben den Standardthemen wie Sparen und Investieren beschäftige ich mich besonders intensiv mit dem benötigten Mindset für ein erfolgreiches und glückliches Leben. Das ist meiner Meinung nach nämlich der entscheidende Schlüssel, um langfristigen Erfolg zu erreichen. So hängt der Erfolg allgemein in Deinem Leben hauptsächlich davon ab, ob Du Dir Ziele steckst, diese verfolgst, Dich immer wieder motivierst, immer dran bleibst und niemals aufgibst. Ich schreibe auf dem Blog über meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit mache und was mir dabei hilft erfolgreicher und glücklicher zu werden.

Finanzielle Freiheit: Was ist Dein liebster Beitrag auf Deinem Blog und warum? Ist das auch jener Beitrag, der den meisten Traffic bekommt?

Dominik: Ich finde es schwierig hier nur einen einzigen Beitrag zu benennen. Vermutlich würde ich meinen Beitrag „Bist Du reicher als zu Deiner Geburt?“ als meinen Lieblingsbeitrag bezeichnen. In unserer Gesellschaft werden häufig Menschen als reich angesehen, obwohl sie über beide Ohren verschuldet sind und nur ein hohes Einkommen haben. Ich wollte mit diesem Beitrag auf diesen Umstand hinweisen und den Menschen verdeutlichen, dass ein hohes Einkommen nicht bedeutet, dass man reich ist.

Dies ist jedoch nicht der am meist aufgerufene Beitrag meines Blogs. Bisher haben die meisten Leute den Beitrag „Drei Wege um mehr Geld zu verdienen“ aufgerufen. Ich glaube der Titel ist einfach anziehender und die meisten Menschen interessieren sich mehr dafür, wie sie ihre Einnahmen steigern können. Zudem gehört dieser Beitrag zu einer der ersten meines Blogs.

Finanzielle Freiheit: Was bedeutet Finanzielle Freiheit für Dich? Wann willst Du sie erreichen? Ist Dir eine absolute Zahl des Vermögens (z.B.: € X Mio.) oder die Abdeckung bestimmter Bedürfnisse aus passivem Einkommen wichtig?

Dominik: Für mich bedeutet Finanzielle Freiheit, dass ich von niemandem mehr abhängig bin (Staat, Arbeitgeber oder Kunden) und damit vollkommen frei entscheiden kann, was ich machen möchte. Das bedeutet keinesfalls, dass ich bei Erreichen der Finanziellen Freiheit nicht mehr arbeiten werde. Es würde mir zwar ermöglichen aufzuhören zu arbeiten, aber wenn mir die Arbeit Spaß macht, dann werde ich dieser auch noch weiter nachgehen.

Mir ist es nicht wichtig eine bestimmte Summe in meinem Depot oder auf meinem Konto zu haben. Viel wichtiger und der Kern der Finanziellen Freiheit ist meiner Meinung nach, dass ich ein passives Einkommen habe, welches meine gesamten Ausgaben deckt. Natürlich ist es schwer eine bestimmte Summe für einen selbst festzulegen, weil sich innerhalb der nächsten Jahre die eigene Situation noch so enorm ändern kann. Zurzeit wohne ich schließlich noch zur Hälfte Zuhause und habe so nicht die volle Belastung durch Miete und Nebenkosten. Ich habe für mich einen Wert von 1.500€ Netto pro Monat aus passivem Einkommen als Ziel festgelegt. Dies möchte ich, wie mein Blogtitel auch schon unweigerlich verrät, bis zu meinem 30. Lebensjahr erreichen.

Finanzielle Freiheit: Wie planst Du die Finanzielle Freiheit zu erreichen? Welche passiven Einkommensquellen findest Du besonders interessant?

Dominik: Ich möchte mindestens die Hälfte meines angestrebten passiven Einkommens aus Investitionen erzielen. Dies wären dann 750€ Netto im Monat. Zurzeit investiere ich in ETFs und versuche mir ein passives Einkommen im Online Marketing aufzubauen. Das Online Marketing soll damit das zweite große Standbein meiner Finanziellen Freiheit sein.

Besonders interessant finde ich das Investieren in Immobilien, da Du hiermit Dein eingesetztes Kapital hebeln kannst. So kannst Du bereits mit wenig Kapitaleinsatz ein Vermögen aufbauen. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein stabiles regelmäßiges Einkommen, denn sonst wirst Du bei den meisten Banken keine Finanzierung bekommen.

Finanzielle Freiheit: Welchen finanziellen Tipp würdest Du unseren Lesern mitgeben?

Dominik: Wir hören immer wieder davon, dass arme Senioren von ihrem „Bankberater“ ein Investment angedreht bekommen und am Ende einen Großteil ihres Gesparten verloren haben. Aus diesem Grund empfehle ich jedem sich finanzielle Bildung anzueignen und sich in eigener Verantwortung um das eigene Geld und Investitionen zu kümmern. Du musst natürlich kein Experte werden, doch es reicht schon, wenn Du die Grundlagen für ein finanziell erfolgreiches Leben verstehst.

Mein Tipp: Lies jeden Tag einfach eine Viertel- bis Halbestunde in einem guten Buch zum Thema Finanzen oder Investitionen und innerhalb eines halben Jahres kennst Du Dich besser mit dem Thema aus als 90% der Bevölkerung. Alternativ könntest Du auch Blogs lesen (vorzugsweise natürlich meinen ;-)) oder YouTube-Videos zu dem Thema schauen. Alles Weitere wird sich dann ergeben.

Gute Bücher für den Anfang sind zum Beispiel „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert Kiyosaki
oder „So denken Millionäre“ von T. Harv Eker.

Finanzielle Freiheit: Vielen Dank für das Interview!

Finanzielle Freiheit trotz des Niedrigzinsumfelds?

Finanzielle Freiheit trotz des Niedrigzinsumfelds?

Jüngst las ich die für mich irritierende Aussage, dass Sparen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ohnedies sinnlos wäre. Diese Aussage hat mich regelrecht zu den nachfolgenden Überlegungen “provoziert” 😉

In der Tat hat das von den Notenbanken, insb. der für die Leser dieses Blogs v.a. relevanten EZB, initiierte Niedrigzinsniveau gravierende volkswirtschaftliche Auswirkungen:

  • Die Finanzierung der hoch verschuldeten Staaten wurde durch das Niedrigzinsniveau in Kombination mit Quantitative Easing, also dem großvolumigen Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken, deutliche billiger. Für die Bundesrepublik Deutschland kommt es paradoxerweise bei kürzer laufenden Staatsanleihen sogar zu einem netto positiven Geschäft!
  • Die Kreditzinsen für Privathaushalte und Unternehmen sind genauso dramatisch gesunken. Dass die Kreditnachfrage zusehends inelastisch auf weitere Zinssenkungen reagiert, hat allerdings auch dazu geführt, dass kein wesentlich stimulierender Effekt von den niedrigen Zinsen ausgeht!
  • Sparzinsen sind de facto auf null gesunken, in manchen Fällen werden sogar Verwahrungsgebühren oder bei größeren Veranlagungssummen Negativzinsen verrechnet. Insofern mag es natürlich naheliegen, Sparen auf dem Sparkonto derzeit für sinnlos anzusehen…
  • Aus der Kombination niedriger Kredit- und Einlagenzinsen ergibt sich ein strukturelles Problem für Banken. Die Zinsmarge ist in den letzten Jahren massiv gesunken, d.h. letztlich, dass Banken eine deutlich geringer Spanne zwischen Einnahmen (Kreditzinsen) und Ausgaben (Einlagenzinsen) verbleibt, um Betriebs- und Risikokosten abzudecken. Dadurch lassen sich die umfangreichen Kostenreduktionen sowie die Bestrebungen der Banken allerlei Gebühren zu erhöhen, besser verstehen.

Natürlich hat dies auch Auswirkungen auf all jene, die finanzielle Freiheit anstreben. Allerdings würde ich nicht derart radikal vorgehen, dass Sparen/Investieren keinen Sinn mehr hat. Es ergibt sich aber insbesondere das Erfordernis deutliche Anpassungen an historisch sinnvollen Asset Allocations vorzunehmen, nämlich

  • Europäische Staatsanleihen haben in vielen Portfolien eigentlich keinen sinnvollen Platz mehr
  • Als Ersatz für diese Asset-Klassen, werden viele Investoren nach Alternativen insb. bei Dividendenaktien, Anleihen von Schwellenländern, p2p-Krediten oder in Immobilien suchen. Dies kann durchaus mit deutlicher Risikonahme (Fremdwährungsrisiko, Ausfallrisiko, etc.) einhergehen und will daher gut überlegt sein.

Darüber hinaus ist der nominelle Effekt von Zins- und Zinseszins in der Tat nicht mehr so eindrucksvoll, wie er bei hohen Zinssätzen ist. Gleichzeitig erfahren wir gerade neben dem Niedrigzinsumfeld auch Niedriginflationsumfeld, weshalb der reale Effekt nach Inflation nicht dramatischer ist, als er bereits in historischen Phasen hoher Zinsen gekoppelt mit hoher Inflation war.

Natürlich muss sich daher jeder Investor überlegen, wie er auf die derzeitigen Rahmenbedingungen reagiert. Auch bereits historisch fragwürdige Glaubenssätze à la “Sparbuchsparen zum Vermögensaufbau”, “Bausparen für die Kinder, dass sie mal etwas haben”, “mit deutschen Staatsanleihen kann nichts schief gehen” etc. müssen grundlegend überdacht werden. Es besteht also erhöhter Bedarf sich mit Fragestellungen im Bereich personal finance zu beschäftigen, was ich ja explizit mit meinem Blog fördern möchte.

Andererseits bestehen wenige Alternativen sich dem derzeitigen Umfeld zu entziehen. Daher ist mein persönlicher Ansatz, die entsprechenden Weichenstellungen zu treffen und entsprechend zu reagieren. Die Bestrebungen finanzielle Freiheit zu erreichen schon ex ante aufzugeben oder für sinnlos zu erklären, halte ich für verfehlt und auf Grund der weiterhin vollständigen Funktionstüchtigkeit der von mir in anderen Artikeln beschriebenen Methoden auch für inhaltlich falsch.

Wie haben Sie auf das Niedrigzinsniveau als Investor reagiert? Lassen Sie die anderen Leser durch einen Kommentar an Ihren Überlegungen teilhaben!

Die Kräfte von Zins und Zinseszins

Die Kräfte von Zins und Zinseszins

In den vorherigen Blog-Beiträgen habe ich schon einiges über Sparen und Investieren geschrieben. Bevor ich aber in einer Reihe weiterer Artikel auf konkrete Investment-Möglichkeiten eingehe, möchte ich noch über eine “Naturgewalt” berichten, die von jedem Investor genutzt werden sollte: Zins und Zinseszins.

Albert Einstein hat angeblich auf die Frage “Was ist die stärkste Kraft im Universum” spontan geantwortet “der Zinseszins”. Es sei jetzt einmal dahin gestellt, ob Einstein das tatsächlich gesagt hat, oder ob ihm diese Aussage nur zugeschrieben wird. Es gibt nämlich eine Reihe von Hinweisen, dass Einstein im Umgang mit Geld nicht besonders sorgsam war – so verschenkte er das Preisgeld des Nobelpreises kurzerhand an seine Exfrau und den beiden Söhnen hinterließ. Zudem meinte Einstein, dass die besten Dinge im Leben nicht die seien, die man für Geld bekommt. Wie dem auch sei, haben Zins und Zinseszins in der Tat sehr große Bedeutung für jeden Investor.

Zinsen und Zinseszinsen berechnen sich nach einer Exponentialfunktion, nämlich:

zinsformel

In anderen Worten, das Kapital im Zeitpunkt 0 wird mit dem Zinssatz (1+i) multipliziert. Dabei wird der Zinssatz mit der Anzahl der Jahre n potenziert. Dadurch wird ersichtlich, dass die zwei wesentlichen Treiber – natürlich neben dem Kapital im Startzeitpunkt – der Zinssatz und die Zeit sind. Das bedeutet, dass ein höherer Zinssatz sich über die Zeit stärker entfalten kann und zu einem höheren Ergebnis führen wird. Das bedeutet auch – wie bei jeder Exponentialfunktion – dass die Anzahl der Jahre/Wiederholungen, die Wirkung weiter ausdehnt. Die folgenden vier Grafiken sollen ein Gefühl für diese Wirkungsweisen geben:

grafik-zins-und-zinseszins

Die Höhe des Zinssatzes zeigt sich in den gewählten Beispielrechnungen 1 und 3 sehr anschaulich. In Beispiel 1 nach liegt 15 Jahren das 2,1-fache, während in Beispiel 3 das 4,2-fache des eingesetzten Kapitals vorliegt. Zinsen und Zinseszinsen machen in Beispiel 1 36% bzw. 16% des nach 15 Jahren verfügbaren Betrages aus, während das im Beispiel 3 36% aus Zinsen bzw. 40% aus Zinseszinsen lukriert werden.

Der zweite Effekt, nämlich die Kraft des Zinseszinses über die Zeit zeigt sich durch den Vergleich mit Beispielrechnung 2 und 4, jeweils unter Beibehaltung der Annahmen zum Zinssatz von 5% bzw. 10%. So gelingt es im Beispiel 2 das 4,2-fache des Kapitals zu erzielen, während in Beispiel 4 sogar das 17,4-fache (!!) des eingesetzten Kapitals erreicht wird. Besonders eindrucksvoll ist, dass im Beispiel 4 insgesamt 17% bzw. 77% aus Zinsen bzw. Zinseszinsen stammen und nur mehr 6% aus dem Anfangskapital stammen.

Dies erbringt für Sie als Investor folgende wichtige Erkenntnisse:

  • Lassen Sie die beiden Kräfte von Zins und Zinseszins für arbeiten und setzen Sie auf hohe Zinssätze und langfristige Investitionen
  • Achten Sie dabei auf die potenzielle Falle von vermeintlich sicheren aber sehr niedrig verzinsten Anlagen (z.B. Sparbuch oder kaum verzinstes Festgeld mit 0,2%), denn dort wird die Kraft des Zinssatzes de facto ausgeschaltet
  • Höhere Zinssätze sind in aller Regel mit höheren Risiken verbunden. Allerdings kann diesen Risiken einerseits durch Diversifikation und andererseits durch einen langen Investitionszeitraum begegnet werden, wodurch sie sich nicht notwendigerweise materialisieren müssen. Ein weiteres Argument für eine lange Haltedauer!
  • Der Effekt der Zeit trägt entscheidend zur Vermögensmehrung bei – Investieren mit der Kraft von Zins und Zinseszins ist daher keine Möglichkeit um rasch reich zu werden, sondern um stetig und langfristig Vermögen aufzubauen – vor dieser falschen Hoffnung hatte ich allerdings schon in einem meiner ersten Artikel gewarnt 😉

Das derzeit vorherrschende Niedrigzinsumfeld wird zuweilen als wesentliches Hemmnis beim Aufbau von Vermögen genannt. Natürlich ist es richtig, dass die oben beschriebenen Effekte von Zins und Zinseszinsen nicht in dem Umfang greifen, als zu Zeiten da Banken hohe Zinsen von 5, 6 oder 7% auf Einlagen zahlten. Allerdings ist in dieser Betrachtung immer eine nominelle Sicht gewählt – d.h. dass in einer realen Betrachtung nach Abzug der Inflation gerade in vielen der historischen Hochzinsperioden bescheidene reale Erträge erzielt wurden. Das sollte Sie als Investor gerade auch in Zeiten zwar niedriger Zinsen aber auch niedriger Inflation ermuntern nicht auf die Kräfte von Zins und Zinseszins zu verzichten.

In diesem Sinne wünsche ich viel Erfolg bei der Nutzung der beschriebenen Kräfte von Zins und Zinseszins. Ich freue mich, wenn Sie meinem Blog folgen, Kommentare hinterlassen oder mir unter meinefinanziellefreiheit@gmail.com weitere Anregungen zukommen lassen.

PS: Gerne ergänze ich diesen Beitrag um den Hinweis auf einen Artikel in der FAZ aus dem Jahr 2015, der besser nicht dazupassen könnte – Früh spart, wer einmal reich werden möchte!

Welche Investments soll ich tätigen? – Fünf goldene Regeln für die richtige Asset Allocation

Welche Investments soll ich tätigen? – Fünf goldene Regeln für die richtige Asset Allocation

In meinem letzten Beitrag hatte ich den Unterschied zwischen Sparen und Investieren herausgearbeitet. Angesichts einer schier nicht enden wollenden Auswahl an Investitionsmöglichkeiten, stellt sich nun die Frage, welche Investments konkret getätigt werden sollen. Die Nachfrage beim Bankberater Ihres Vertrauens, bei Familie und Freunden oder auch die Recherche auf diversen einschlägigen Blogs wird unendlich viele, oft widersprüchliche Empfehlungen hervorrufen. Investmentfonds der Hausbank, Immobilien, ETFs, Emerging Markets Bonds, Dividendenaktien, kurzlaufende Anleihen der BRIC-Länder, etc. Es könnte sich Verwirrung breit machen 😉

Welche Asset-Klassen stehen überhaupt zur Auswahl?

Als Asset-Klassen bezeichne ich hier die Auswahlmöglichkeiten, die Ihnen für Investments grundlegend zur Verfügung stehen. Wesentliches Unterscheidungskriterium ist für mich, woraus der passive Einkommensstrom aus dem Investment generiert wird, also welcher Mechanismus zur Erzeugung des Einkommens am Werke ist. In dieser Betrachtung stehen vier Asset-Klassen zur Verfügung:

  • Cash—also Bargeld, Guthaben auf Girokonten und andere Einlagen bei Banken. Streng genommen handelt es sich nicht um ertragbringende Investments, gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld, sondern um eine “Nullnummer”. Wenn Sie in diese Asset-Klasse “investieren”, sparen sie wahrscheinlich noch oder dotieren gerade Ihren Notfallfonds. Diese Asset-Klasse sollte zur Schaffung passiver Einkommensquellen möglichst klein gehalten werden.
  • Fremdkapitalinvestitionen—hier sind insb. Anleihen und sonstige Fremdkapitalinstrumente gemeint. Diese können nach dem Schuldner grob in Staatsanleihen, Unternehmensanleihen/Corporate Bonds und Privatdarlehen unterschieden werden. In die Kategorie fallen auch p2p-vergebene Kredite über die verschiedenen FinTech-Plattformen. Das Grundprinzip des Einkommensstroms ist jedenfalls stets das gleiche: Für die Überlassung des Nominale werden Zinsen bezahlt. Im Gegenzug übernimmt der Gläubiger das Risiko, dass das Nominale nicht zurückbezahlt wird (Ausfallrisiko).
  • Eigenkapitalinvestitionen—in diese Kategorie fällt insbesondere die Investition in Aktien, aber auch Private Equity Investments oder sonstige Unternehmensbeteiligungen zählen dazu. Grundprinzip dieser Asset-Klasse ist, dass der Investor Teilhaber des Unternehmens wird und dadurch am Erfolg des Unternehmens partizipiert. Dies geschieht sowohl durch die Steigerung des Werts des Unternehmensanteils als auch durch das Teilhaben am erwirtschafteten Gewinn (Dividende/Ausschüttung). Für diese Möglichkeit riskiert der Investor u.U. auch den Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals.
  • Immobilien—hier ist an die Investition in Eigentumswohnungen, Mietwohnhäuser, Gewerbeimmobilien, etc. zu Vermietungszwecken gedacht. Funktionsweise der Asset-Klasse ist, dass der Investor für die Vermietung der Immobilie einen Mietzins erhält.

Diese Kategorisierung in vier Asset-Klassen ist radikal vereinfachend und soll auch nur der Veranschaulichung dienen. Natürlich bestehen mannigfaltige Variationen dieser archetypischen Asset-Klassen, teilweise mit sehr unterschiedlichen Ertrags- und Risikoprofilen, die aber an der beschriebenen Funktionsweise der Asset-Klasse wenig ändern. Nicht aufgeführt habe ich Rohstoffe und Derivate. Rohstoffe (z.B. Gold, Silber, Weizen, Öl, Schweinebäuche… ;-)) produzieren per se keinen passiven Einkommensstrom, sondern bergen nur die Hoffnung auf eine Wertsteigerung in sich. Derivate (z.B. Optionen, Futures, Swaps) sind in ihrer reinen und unstrukturierten Ausprägung keine Investments sondern dienen anderen Zwecken, insb. der Absicherung von Risiken, weshalb ich diese Asset-Klasse hier nicht näher beleuchte.

Wie viel soll nun in welche Asset-Klasse investiert werden?

Diese Frage möchte ich an Hand von fünf goldenen Regeln beantworten. Auch hierbei werde ich vereinfachen, um eine möglichst sachliche Annäherung an das Thema sicherzustellen. Es soll keine für den Finance-Leistungskurs bestimmte Abhandlung zur Asset Allocation werden, sondern konkrete und plakative Hinweise geben.

goldene-regel-1

Transparenz und Klarheit

Wie schon in einem meiner früheren Beiträge angeführt, bin ich ein Freund Verfechter von Transparenz und Klarheit. Verschaffen Sie sich daher zuallererst Klarheit über sämtliche ihrer Assets, wahrscheinlich starten Sie nämlich nicht ganz bei null. Sämtliche Sparkonten, Bausparverträge und vor Jahren getätigten Investitionen sollten hier transparent aufgelistet werden und radikal hinterfragt werden. Aus dieser Betrachtung empfehle ich nur eine Position auszunehmen, nämlich den Notfallfonds, da dieser keine Investition ist, die Ertrag erwirtschaften soll, sondern ein Sicherheitspolster darstellt.

goldene-regel-2

Strategische Asset Allocation

Meine dringende Empfehlung ist ausschließlich eine langfristig angelegte, sog. strategische Asset Allocation vorzunehmen und diese pragmatisch umzusetzen. Damit meine ich, dass ein langfristiges Verhältnis der Asset Klassen aufgestellt werden soll, von dem auch von kurzfristigen Marktbewegungen nicht abgewichen werden soll. Das bedeutet auch, dass ich eine sog. taktische Asset Allocation auf Basis einer Markteinschätzung nicht verfolgen würde. Die Chance eines einmaligen, kurzfristigen Mehrertrags, rechtfertigt meines Erachtens das Risiko des “Verspekulierens” nicht.

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Je länger der Anlagehorizont, desto hoher sollte der Anteil von Aktien sein

Eigenkapitalinvestitionen erzielen höhere Erträge, haben aber iaR höheres Risiko als Fremdkapitalinvestitionen. Das Risiko von Eigenkapitalinvestitionen zeigt sich wesentlich in ihrer Volatilität. Auf längere Sicht gleicht sich diese Volatilität allerdings aus, was dazu führt, dass es nur in ganz extremen Situationen dazu kommen wird, dass in einer Zehnjahresperiode mit Eigenkapitalinvestitionen eine niedrigere Rendite erzielt wird, als mit Fremdkapitalinstrumenten.

Der Investor, der auf dem Weg in Richtung finanzieller Freiheit unterwegs ist, hat per se einen langen Anlangehorizont. Es wird ja die Schaffung von langfristig bestehenden passiven Einkommensquellen angestrebt. Insbesondere wenn man am Beginn des Wegs zur finanziellen Freiheit ist, empfiehlt sich daher ein (sehr) hoher Aktienanteil.

goldene-regel-4

Aktienquote = 100% – Lebensjahre in %

Aufbauend auf der goldenen Regel 3, kann folgende Faustformel genannt werden:

Aktienquote = 100% – Lebensjahre in %

Das bedeutet für einen 37-jährigen Investor, dass eine Aktienquote von 63% angebracht ist. Ob die genaue Rechnung dahinter für jeden einzelnen stimmt, möge jeder für sich selbst beurteilen. Wesentlich sind dabei aber zwei Grundgedanken, die goldrichtig sind: i) je jünger der Investor ist und damit weiter von der finanziellen Freiheit entfernt, umso stärker kann in Aktien investiert werden; ii) in aller Regel wird eine hohe Aktienquote das Ergebnis sein, ein für kontinentaleuropäische Verhältnisse aggressive Asset Allocation, die aus Renditegesichtspunkten auch genau richtig ist.

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Lebensjahre in % = andere Asset Klassen = 100% – Aktienquote

Aus der Aktienquote lässt sich dann auch die Allokation auf die anderen Asset-Klassen ableiten, indem man die Faustformel:

Lebensjahre in % = andere Asset Klassen = 100% – Aktienquote 

anwendet. Der 37-jährige aus dem vorherigen Beispiel würde daher 37% auf Fremdkapitalinvestitionen und Immobilien verteilen. Die gleichzeitige Investition in diese typischerweise risikoärmeren, wenngleich renditeschwächeren Asset-Klassen eröffnen noch einen weiteren, charmanten Effekt. Da typischerweise niedrige Korrelationen zwischen Eigenkapital-Investitionen und anderen Asset Klassen bestehen, wird es möglich das Ertrags-Risiko-Profil des Gesamtportfolios zu optimieren.

Ich kann mir vorstellen, dass dieser Artikel sehr kritisch aufgenommen werden wird, weil es in der Tat sehr viele Investmentansätze gibt. Dennoch habe ich mich entschlossen hier eine möglichst einfache und klare Linie vorzugeben. Umso mehr freue ich mich über Kommentare, Anregungen und Kritik in den Kommentaren oder per E-Mail an meinefinanziellefreiheit@gmail.com

Sparst Du noch, oder investierst Du schon?

Sparst Du noch, oder investierst Du schon?

Als ich begann diesen Blog zu schreiben, habe ich mir vorgenommen a) die Kontrolle bei finanziellen Angelegenheiten, b) Ansätze zum Sparen, c) die Entwicklung passiver Einkommensströme und d) Finanzinvestitionen zum Vermögensaufbau zu beleuchten. Bisher habe ich einiges zur Kontrolle über die finanziellen Angelegenheiten und über Ansätze zum Sparen geschrieben. Doch jetzt ist es Zeit für die Frage: “Sparst Du noch, oder investierst Du schon?”

Begriffsbestimmung

Auf einigen Blogs zu personal finance Themen war mir aufgefallen, dass es zu einem Verwaschen der Begriffe sparen und veranlagen kommt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da auch der allgemeine Sprachgebrauch nicht scharf unterscheidet. Gemein hin hört man Aussagen wie “Sparen zahlt sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld gar nicht mehr aus” oder man spricht von “Sparprodukten der Banken und Versicherungen”; besonders verwirrend ist auch der Begriff des “Sparplans”.

Richtigerweise würde man die oben genannten Statements wie folgt umformulieren: “Investieren (auf Festgeldkonten oder in Staatsanleihen) zahlt sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld gar nicht mehr aus” oder “Investment- oder Anlage-Produkte von Banken und Versicherungen”; der besagte “Sparplan” wäre wohl besser als “Investitionsplan” benamst.

Eine sinnvolle Veranschaulichung der genannten Begriffe ist, in einem Kreislauf mit drei unterschiedlichen Aktivitäten zu denken:

geld-verdienen-sparen-investierenDer Startpunkt des Kreislaufs ist das Geldverdienen. Dies wird in den allermeisten Fällen die hauptberufliche, selbständige oder unselbständige Tätigkeit sein. Es handelt sich also um eine aktive Einkommensquelle, bei welcher Zeit gegen Geld getauscht wird (mehr dazu in diesem Artikel). Der erste Schritt des Kreislaufs können allerdings auch passive Einkommensquellen sein.

Der nächste Schritt ist das Sparen oder in anderen Worten das Nicht-Ausgeben des verdienten Geldes. Die positive Differenz zwischen verdientem Geld und Ausgaben wird oft in Prozent des verdienten Geldes als Sparquote bezeichnet. Das Sparen an sich führt aber noch zu keinem weiteren Effekt, als dass es zum Ansparen eines Geldberges kommt.

Genau deshalb folgt der dritte Schritt, Investieren. Hier wird das gesparte Geld, ggf. nach dem Dotieren des Notfallfonds, gezielt investiert. Durch diese Investition in Finanzanlagen aller Art, werden passive Einkommensquellen geschaffen. Das bedeutet, dass die Finanzanlagen zu regelmäßigen Zahlungsströmen (Ausschüttungen, Dividenden, Zinsen) führen, die dann wieder auf den ersten Schritt des Kreislaufs einzahlen.

Durch das regelmäßige und systematische Wiederholen des Kreislaufs kann es zu einer schrittweisen Substitution der aktiven Einkommensquellen durch passive Einkommensquellen im Schritt 1 des Kreislaufs kommen. Sobald durch passive Einkommensquellen sämtliche Ausgaben abgedeckt werden können, kann von finanzieller Freiheit ausgegangen werden!

Warum ist es sinnvoll zwischen Sparen und Investieren klar zu unterscheiden?

Die Unterscheidung zwischen Sparen und Investieren ist insbesondere deshalb sinnvoll und wichtig, weil sehr unterschiedliche Stoßrichtungen bzw. Ziele verfolgt werden. Beim Sparen wird einfach von den (aktiven oder passiven) Einkünften weniger ausgegeben. Investieren andererseits hat hingegen zum Ziel Vermögen aufzubauen und passive Einkommensquellen zu schaffen.

Im Ergebnis bedeutet das auch, dass eine sparsame Person nicht notwendigerweise auch eine vermögende oder gar finanziell freie Person werden wird. Erst das konsequente Aufbauen der passiven Einkommensquellen aus Finanzanlagen, wird dazu führen, dass ein ansehnliches Vermögen angesammelt wird bzw. finanzielle Freiheit aus diesem Vermögen erreichbar wird.

Ab wann ist es sinnvoll mit dem Investieren zu beginnen?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Um die Extrempositionen abzustecken könnte man am einen Ende des Spektrums vom Investieren ab den ersten gesparten €20,- sprechen. Am anderen Ende stehen die Anforderungen diverser Privatbanken mindestens ein verfügbares Vermögen von € 1 Mio. mitzubringen, um investieren zu dürfen.

Ich denke, die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen, allerdings wohl deutlich am unteren Ende 😉 Meine Empfehlung wäre, jedenfalls durch Sparen zuerst den Notfallfonds zu füllen, bevor investiert wird. Dies hat insbesondere den Zweck, auch bei einem finanziellen Engpass nicht in den oben beschriebenen Kreislauf eingreifen zu müssen. Sobald nämlich der Notfallfonds dotiert ist, kann zusätzlich Erspartes dann auch vollständig investiert werden und es nicht erforderlich, dass zusätzlich gespartes Geld auf Giro- oder Tagesgeldkonten brach liegt.

Beim nachfolgenden Investieren, sind aber keine großen Mindestbeträge erforderlich. Viele Sparpläne (=Investitionspläne!) in Fonds erlauben schon die Teilnahme ab €20 pro Monat. Auch sind bei den meisten Online-Brokern Mindestgebühren vernachlässigbar, weshalb auch Direktinvestitionen in Wertpapiere ab einigen Hundert Euro sinnvoll darstellbar sind.

Daher gilt in der Tat: Sparst Du noch oder investierst Du schon? Freue mich auf Ihre Reaktionen und Gedanken in den Kommentaren!

Passive Einkommensquellen

Passive Einkommensquellen

Jüngst habe ich in den Statistiken meines Blogs nachgesehen, welche Menüseite nach den diversen Einzelartikeln am populärsten ist. Es hat mich doch überrascht, dass es die Menüseite “passive Einkommensquellen” war – überrascht deshalb, weil sich noch kein Inhalt auf dieser Menüseite befand. Das wird sich mit diesem Artikel ändern.

Wie unterscheiden sich aktive von passiven Einkommensquellen?

Für die Betrachtung in meinem Blog unterscheide ich zwischen aktiven und passiven Einkommensquellen. Sie unterscheiden sich durch die Treiber, welche die Erwirtschaftung des Einkommens begründen. Bei aktiven Einkommensquellen liegen die Treiber a) Zeiteinheit und b) Einkommen je Zeiteinheit hinter dem erzielten Gesamteinkommen, es gilt die Formel:

Gesamteinkommen = Zeiteinheit x Einkommen je Zeiteinheit

So erhält z.B. ein Angestellter für seine 40 wöchentlichen Arbeitsstunden ein monatliches Gehalt, oder die Nachbarstochter einen Eurobetrag je Stunde fürs Babysitten.

Passive Einkommensquellen, andererseits, lösen sich von dieser stundenbasierten Logik und hängen an anderen Treibern der Einkommenserzielung. Bei zinsbasierten Einkommensquellen (Zinsen, Dividenden, Mieten), errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = eingesetztes Kapital x Rendite/Zinssatz

So erhält z.B. der Investor bei einem Investment von € 1000,- in eine Anleihe mit einer Rendite von 3% p.a. ein jährliches Einkommen von €30,- bzw. der Investor von € 1000,- in Aktien mit einer Dividendenrendite von 2% ein jährliches Einkommen von € 20,-. Der Investor in eine Vorsorgewohnung, die zu einer Bruttorendite von 4% p.a. vermietet ist, erhält diesen Wert auf das eingesetzte Kapital (=Kaufpreis) für die Vorsorgewohnung. Alle diese Beispiele zeigen das Brutto-Einkommen vor Steuern oder sonstigen Kosten, z.B. für die Instandhaltung der Wohnung oder die Tilgung eines Kredits um den Ankauf der Wohnung zu finanzieren.

Darüber hinaus gibt es weitere passive Einkommensquellen, die sich aus Geschäfts-Systemen ergeben und ein Einkommen aus der Nutzung des Systems erzielen lassen. Bei systembasierten Einkommensquellen, errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = Anzahl Nutzer x Nutzungegebühr je Nutzer

Systembasierte Einkommensquellen können sehr vielfältig sein, daher seien auch eine Reihe von Beispielen genannt. Der Autor eines Buches/E-Books erhält eine Tantieme für den Verkauf jedes Buches. Der Programmierer einer Software, erhält für den Verkauf jeder Lizenz eine jährliche oder auf die Gesamtnutzungsdauer ausgelegte Lizenzgebühr. Der Ersteller einer Website erhält für jeden Click auf die Bannerwerbung ein Entgelt von Google Adsense. Gerne verweise ich auch auf eine recht umfangreiche Liste von 33 passiven Einkommensideen meines Blogger-Kollegen.


Lendico Investor

Aktive Einkommensquellen haben gegenüber passiven Einkommensquellen zwei wesentliche Schwächen

Natürlich sind auch aktive Einkommensquellen interessant, insb. wenn sie zur Steigerung des monatlichen Einkommens dienen. Darauf bauen insb. auch meine Gedanken zum automatisierten Sparen auf, durch welche Einkommenssteigerungen der Sparquote zugeführt werden. Aktive Einkommensquellen weisen allerdings zwei wesentliche Schwächen auf, da sie an Hand der oben dargestellten Formel (Gesamteinkommen= Zeiteinheit x Einkommen je Zeiteinheit) nur begrenzt maximiert werden können. Erstens kann die Anzahl der mit Arbeit ausgefüllten Arbeitsstunden nur begrenzt erhöht werden. Vielleicht haben Sie aber auch einfach keine Lust mit einem weiteren Job ihre Freizeit oder Zeit mit der Familie aufzugeben 😉 Zweitens ist auch das Einkommen je Zeiteinheit in gewisser Weise nach oben begrenzt. Natürlich wird der rechnerische Stundenlohn der Führungskraft höher sein als jener des einfachen Mitarbeiters. Andererseits werden durch die kontinentaleuropäischen, progressiven Steuersysteme auf Arbeit Steigerungen von aktiven Einkommen explizit bestraft.

Passive Einkommensquellen auf der anderen Seite, zeichnen sich durch zwei erfreuliche Charakteristika aus: Sie sind nämlich von der Arbeitsleistung in Stunden unabhängig und sind durch den Multiplikator Rendite (bei zinsbasierten, passiven Einkommensquellen) bzw. Nutzungsgebühr (bei systembasierten, passiven Einkommensquellen) stark skalierbar.

Unabhängigkeit von Arbeitsleistung

Hier ist eine kleine, aber wichtige Unterscheidung vorzunehmen. Passive Einkommensquellen entstehen nicht durch Zufall oder gänzlich ohne Arbeit, vielleicht abgesehen vom Fall der glücklichen Erbschaft oder des Lottogewinns… Vielmehr muss in den Aufbau eines Kapitalstocks viel Mühe gesteckt werden bzw. das System, das Einkommen generieren soll, erst geschaffen werden. Es muss also das Buch geschrieben, die Software programmiert bzw. die Website erstellt werden. Es gilt also auch hier, dass der Weg zur finanziellen Freiheit nicht ohne weitere Anstrengung erfolgen kann, wie ich schon in einem meiner vorherigen Artikel ausgeführt hatte.

Vielmehr ist aber die Erwirtschaftung des passiven Einkommens dann unabhängig von der (stundenbasierten) Arbeitsleistung. Richtigerweise mag noch ein geringer Verwaltungs- bzw. Überwachungsaufwand bestehen, doch ist auch die Höhe des passive Einkommen davon unabhängig. Z.B. will ein Aktienportfolio laufend überwacht und optimiert werden, doch ist dieser Aufwand iW gleich, ob es sich um ein € 100.000 oder € 1 Mio. handelt.

Im Umkehrschluss würde ich aber vor allen Einkommensquellen warnen, wo sich aktive Geschäftssysteme als vermeintlich passive Einkommensquellen tarnen. Ein Beispiel könnte die Selbständigkeit als Franchise-Nehmer sein. Ihr Einkommen wird wiederum wesentlich von ihrer stundenbasierten Arbeitsleistung abhängen, auch wenn es sich ja vermeintlich um eine unternehmerische Tätigkeit handelt.

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Skalierbarkeit

Die Skalierbarkeit ist der zweite wesentliche Vorteil der passiven Einkommensquellen und in der Tat ein ganz entscheidender Schlüssel zur finanziellen Freiheit. Denn sowohl das Einkommen aus zinsbasierten, als auch aus systembasierten Einkommensquellen kennt nach oben kaum Grenzen. Ein Investment-Portfolio kann aus ein paar Tausend oder mehreren Millionen Euro bestehen. Eine Website kann von einigen Tausend oder zig Millionen Besuchern genutzt werden. Entsprechend kennt auch das passive Einkommen aus diesen Quellen daraus keine Grenzen. Ich will hier keine illusorischen Gedanken aufzeigen, denn selbst durch die gewählte Zielgruppe, die Akzeptanz der Nutzer udgl. werden sich gewissen Grenzen ergeben. Es ist allerdings ganz realistisch möglich, mit einem Investmentportfolio von € 10 Mio. ein jährliches, passives Einkommen von € 400.000 zu erwirtschaften. Dies ist aus einer aktiven Einkommensquelle nur schwer vorstellbar.

Fazit

Am Weg zur finanziellen Freiheit starten die meisten von uns – so wie ich auch – mit einer aktiven Einkommensquelle, unserem “Brotberuf”. Da diese aktive Einkommensquelle nur beschränkt steigerbar ist, müssen weitere, passive Einkommensquellen ergänzt werden. Diese passiven Einkommensquellen werden zwar nicht ohne Anstrengung ergänzt werden können, doch werden sie helfen schrittweise in Richtung finanzielle Freiheit zu gehen.

Ich werde in nächster Zeit weitere Artikel zu passive Einkommensquellen veröffentlichen. Folgen Sie daher meinem Blog und lesen Sie mehr! Zudem freue ich mich immer über Kommentare.

Kassasturz, Verschuldung und Überschuldung

Kassasturz, Verschuldung und Überschuldung

Dieser Blog will ja helfen, Wege zur persönlichen finanziellen Freiheit aufzuzeigen. Ihr individueller Startpunkt kann ganz entscheidend für den Beginn dieses Weges sein. Wenn Sie nämlich den Weg mit Schulden starten, kann dies nicht nur hinderlich, sondern im schlimmsten Fall sogar unmöglich sein. Dieser Blogbeitrag wird einige einfache Hinweise liefern, wie Sie solch eine Situation identifizieren und pragmatische Schritte zur Tilgung Ihrer Schulden ergreifen können. Damit wird ihr persönlicher Weg zur finanziellen Freiheit auch in dieser Sondersituation frei geräumt!

Kassasturz – Ihre individuelle Standortbestimmung

Ein Kassasturz ist meines Erachtens am Beginn des Wegs zur finanziellen Freiheit essentiell. Für diese Standortbestimmung müssen zwei wesentliche Fragen beantwortet werden, nämlich die Frage nach Ihrem Nettovermögen – Ihre Bilanz – und die Frage nach der monatlichen finanziellen Belastung – Ihre Gewinn-und-Verlustrechnung bzw. Einnahmen-/Ausgabenrechnung.

Für die Bestimmung des Nettovermögens listen Sie sämtliche finanzielle Vermögensgegenstände, wie Bargeld, Guthaben auf Sparkonten, Wertpapiere udlg. aber auch sämtliche Schulden, gegenüber Banken, dem Finanzamt, Freunden, Familie, etc. auf. Es bietet sich an, diese Aufstellung zu einem Stichtag per Jahresende oder zumindest per Quartalsende zu machen, wenn nämlich entsprechende Kontoabschlüsse vorliegen. Wichtig ist, hier auf Vollständigkeit zu achten und insbesondere bei der Auflistung der Schulden ehrlich mit sich selbst zu sein.

Wenn ihr Nettovermögen insgesamt negativ ist, ist dieser Blogbeitrag in der Tat für Sie hoch relevant! Dann muss Ihr erster Schritt in Richtung persönliche Freiheit nämlich in der Tat die Schuldentilgung sein. Dennoch weise ich darauf hin, dass Schulden nicht gleich Schulden sind – mehr dazu weiter unten.

Die zweite Komponente des Kassasturzes ist die Betrachtung Ihrer monatlichen Einnahmen und Ausgaben: Auch hier ist Vollständigkeit wichtig, es müssen also sämtliche Zahlungen sowohl vom Girokonto als auch bar vollständig erfasst werden. Zudem müssen nicht monatlich anfallende Einnahmen und Ausgaben (z.B. Boni oder Versicherungsprämien) auf eine Monatsbetrachtung umgelegt werden, um ein realistisches Bild zu erhalten. In diese Monatsbetrachtung müssen auch die Einkünfte aus passiven Einkommensquellen aber auch die Kosten für Zinsen aus Schulden integriert werden.

Wenn diese monatliche Betrachtung einen negativen Betrag ergibt, geben Sie mehr aus als Sie einnehmen und sind auf sicherem Weg einen Schuldenberg anzuhäufen. In diesem Fall würde ich eine kritische Analyse der Ausgaben als allerersten Schritt empfehlen. Ggf. ergibt sich bereits dadurch Einsparpotenzial, das rasch realisiert werden kann. Wenn sich ein positiver Saldo ergibt, ist das ein erster Hinweis auf eine positive Sparquote. Ich rate allerdings dazu diese Sparquote nicht zu stark zu betonen bzw. nach ihr zu leben, sondern eher eine Automatisierung von Verhaltensmustern beim Sparen zu entwickeln – siehe meinen Blogbeitrag zum Automatisierten Sparen.

Schulden sind nicht gleich Schulden

Diese Feststellung mag Sie überraschen. Dennoch ist die Unterscheidung zwischen Konsumschulden und Schulden zur Schaffung von Wohnraum oder zur Unternehmensfinanzierung entscheidend. Nur Konsumschulden sind als besonders bedenklich einzustufen, da der vermeintlichen Investition keine Gegenposition gegenübersteht. Bei einer Wohnbaufinanzierung stehen die finanzierte Eigentumswohnung bzw. das finanzierte Haus sowie der Wert der Nutzung den Schulden gegenüber. Wenn Sie in Ihr Unternehmen investiert haben, steht den Schulden ein operativer Betrieb, bzw. Produktionsmittel oder Warenlager gegenüber, die der Erwirtschaftung von Erträgen dienen. Wenn Sie allerdings in den Kauf einer TV- und Stereoanlage oder Urlaub “investiert” haben, gibt es keine “Gegenposition”. Die TV- und Stereoanlage verliert rasch an Wert, der Urlaub ist zu Ende, während die Schulden weiter bestehen bleiben.

Konsumschulden zeichnen sich zudem auch dadurch aus, dass es sich um unbesicherte Kredite handelt. Dem finanzierenden Geldinstitut stehen keine Sicherheiten, wie bei einer Wohnbaufinanzierung (z.B. Hypothek auf das Grundstück) oder Unternehmensfinanzierung (z.B. Besicherung durch Pfandrecht an Maschinen oder Warenlagern, Bürgschaft eines Geschäftspartners) zur Verfügung. Der Konsumkredit ist für die Bank deutlich riskanter und daher höher verzinst. Das bedeutet für Sie als Schuldner, dass höhere Zinsen zu zahlen sind und die Tilgung der Kreditschuld länger dauern wird.

Auch die Nutzung des Überziehungsrahmens / Dispokredits Ihres Girokontos ist nichts anderes als eine unbesicherte Konsumschuld, die daher als sehr kritisch anzusehen ist. Gerne wird in Europa auf das Verhalten Amerikanischer Konsumenten herabgeblickt, die Konsum über Kreditkartenschulden finanziert haben. Die wiederkehrende Nutzung von Überziehungsrahmen / Dispokredit ist im Kern nicht sinnvoller und genauso hoch verzinst!

Was tun gegen die Schulden?

Insbesondere den Konsumschulden soll nun als erstes der Kampf angesagt werden! Im zweiten Schritt können auch Wohnbaufinanzierungen und Unternehmenskredite getilgt werden. Wenn Sie nun in Ihrer Vermögensaufstellung mehrere (Konsum-)Schulden-Positionen aufgelistet haben, empfehle ich folgende vier Schritte, um diese zu bekämpfen:

1) Reihen Sie diese Schulden in absteigender Reihenfolge des Zinssatzes, und zwar jene mit dem höchsten Zinssatz als erste und jene mit dem niedrigsten Zinssatz als letzte

2) Ihre Zielsetzung ist, in den kommenden Monaten diese Schulden in genau dieser Reihenfolge zu tilgen!

3) Prüfen Sie die Möglichkeit besonders hoch verzinste Schulden umzuschulden bzw. mehrere Kleinpositionen zu konsolidieren, z.B. durch Umschuldung und Refinanzierung ggf. sogar über einen besicherten Kredit bei Ihrer Bank oder über eine p2p Plattform wie Lendico Nur um ganz klar zu sein, Sinn der Umschuldung ist den Zinssatz zu senken und so die Tilgung der Schulden beschleunigen zu können, nicht aber um weitere Schulden aufzunehmen!

4) Prüfen Sie künftig monatlich den Stand Ihrer Schulden und überwachen Sie Ihren Fortschritt. Sie werden schon bald deutliche Fortschritte sehen, denn die Tilgung der Schulden reduziert auch die laufende Zinsbelastung. Dadurch setzen Sie einen positiven Mechanismus in Gang, der zu einem raschen Abbau der Schulden beitragen wird und nach dem Abbau der Schulden die Grundlage für den Vermögensaufbau bilden wird.

Einer meiner Mitstreiter hat in diesem Artikel, dieses System verfeinert und als Schulden-Schneeballprinzip (“Debt Snowball”) beschrieben. Ich finde die Methodik sehr anschaulich und empfehle die Lektüre.

Ein wichtiger Hinweis zum Abschluss: Wenn Ihr Kassasturz einen negativen Vermögenssaldo (insb. aus Konsumschulden) aufweist und ihre monatliche Einnahmen-/Ausgabenrechnung mit einen hohen Anteil an Kreditzinsen/Tilgungen auch negativ ist, ist das ein Anzeichen für Überschuldung. Ich war selbst nie in einer Überschuldungssituation, nehme mir daher auch nicht heraus, Experte auf diesem Gebiet zu sein. Ich würde in solch einer Situation eher empfehlen mit einer Schuldnerberatung zu sprechen und ggf. auch einen Privatkonkurs in Betracht zu ziehen.

Ich hoffe sehr, dass Sie mit den oben genannten vier Schritten rasch schuldenfrei werden und somit bald auf dem Weg zur finanziellen Freiheit sind. Viel Erfolg! Lesen Sie in folgenden Blogbeiträgen mehr zum Thema finanzielle Freiheit und wie diese Weg nach Abbau der Schulden weitergeht:

Was bedeutet finanzielle Freiheit?

Warum überhaupt finanzielle Freiheit anstreben?

Finanziell frei mit Durchschnittseinkommen und Sparsamkeit? Leider, nein!

Die Anlagepyramide: Konzept, Stärken und Schwächen

Automatisiertes Sparen

Die finanzielle Grundausstattung

Kleingeldsparen