Mit Weihnachtsgeschenken € 156.000 versenken?

Mit Weihnachtsgeschenken € 156.000 versenken?

Heute ist der 1. Dezember, der Countdown bis Weihnachten hat also offiziell begonnen! Wenn es nach dem Einzelhandel geht, ist der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft allerdings schon längst gefallen. In den USA wird traditionell mit dem Black Friday, das ist der Freitag nach Thanksgiving, das Weihnachtsgeschäft eröffnet. Benannt wurde dieser Tag ursprünglich nach einer Branchenweisheit, wonach an diesem Tag Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und ab diesem Zeitpunkt schwarze Zahlen schreiben. Zwischenzeitlich wurde der Black Friday längst nach Europa exportiert und durch den Cyber Monday ergänzt. Amazon hat sogar noch eins drauf gelegt und die Cyber Monday Deals Week ausgerufen.

Helfen Sie also dem Einzelhandel schwarze Zahlen zu schreiben, oder achten Sie auch beim Kauf von Weihnachtsgeschenken auf Ihre finanzielle Freiheit? Das mag jetzt kleinlich wirken, ausgerechnet bei den Weihnachtsgeschenken sparen zu wollen. Das geht ja gar nicht, mögen Sie denken. Ich rate dennoch dringend zu Sparsamkeit bei den Weihnachtsgeschenken – über die Jahre hinweg, können durch exzessive Weihnachtsgeschenke nach meiner einfachen Simulationsrechnung *) €156.000 versenkt werden. €156.000? Das gibt dann doch zu denken, oder?

Mintos Banner

Vorausgeschickt sei, dass viele Weihnachtsgeschenke nur einen weiteren Beitrag in der Konsumspirale bedeuten werden. Für das neue Auto braucht man weitere Accessoires, zur Mitgliedschaft im Golfclub das neue Golfbag, etc. Diese Konsumspirale belegt erneut, dass vermeintlichen Assets nur weitere Belastungen nach sich ziehen, wie ich bereits in einem vorherigen Blogbeitrag erläutert habe. Zudem sind viele Weihnachtsgeschenke weitere Staubfänger im Regal, Platzräuber im Schrank, Komplexitätstreiber für das tägliche Leben, etc. und damit nur Ausdruck überbordenden Konsums. Meinem Blogger-Kollegen Tim Schäfer werde ich dabei aus dem Herzen sprechen.

Zudem sind Weihnachtsgeschenke ein weiterer Faktor, der aus der „besinnlichen Advents- und Vorweihnachtszeit“ einen vierwöchigen Höllenritt macht. Für viele ist die ruhigste Zeit im Jahr nämlich das genaue Gegenteil: Stress in der Arbeit, da Projekte vor Weihnachten abgeschlossen werden und Verträge für das Neue Jahr verhandelt werden wollen. Privat reiht sich Einladung an Charity-Glühwein an Einladung, zudem wollen ja auch noch Geschenke gekauft und allerlei Vorbereitungen getätigt werden. Vereinfachungen bei den Weihnachtsgeschenken können also auch einen Beitrag dazu leisten, ein klein wenig dieses Vorweihnachtsstresses zu beseitigen.

Um keine € 156.000 zu versenken, keinen unnötigen Plunder zu kaufen, Weihnachtsstress zu vermeiden, aber trotzdem das Weihnachtsfest nicht ganz geschenklos vorüberziehen zu lassen, habe ich folgende Tipps gesammelt:

1 – Fertigen Sie eine Liste an, wen Sie beschenken wollen

Her mit einem Blatt Papier, Excel oder wie auch immer…einfach aufschreiben, wen Sie beschenken wollen. Schaffen Sie sich den Überblick und werden Sie sich dabei auch gleich noch mal bewusst, wie lang diese Liste denn wirklich ist. Es mag ja sehr nett gemeint sein, wen man hier beschenken will, doch tut man das immer aus tiefstem Herzen oder doch, weil man ja in den letzten Jahren etwas bekommen hat, man nicht unhöflich sein möchte, etc.? Diese Liste regt normalerweise sehr zum Nachdenken an.

2 – Legen Sie ein Gesamtbudget fest

Ganz brutal, ohne weitere Analyse, einfach ein Budget für sämtliche Weihnachtsgeschenke festlegen! Dabei würde ich raten noch nicht einmal so zu denken, dass gewisse Geschenke fix eingeplant sein müssen, sondern mich eher daran orientieren, dass der durchschnittliche Deutsche € 477 pro Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgibt. Brauchen Sie wirklich mehr?

Lendico Investor

3 – Schließen Sie „Nichtangriffspakte“

Wenn die Liste der zu Beschenkenden wirklich zu lange geworden ist und das mit dem festgelegten Budget unvereinbar wird, kann man über „Nichtangriffspakte“ nachdenken. Also, einfach absprechen, dass man sich nichts schenkt. Das schlägt auch mein Blogger-Kollege Malachit vor. Das kann durchaus wertschätzend sein, hat man doch aneinander gedacht und vielleicht erleichtert man ja sogar dem vermeintlich glücklich Beschenkten das Leben, da er nichts zurückschenken muss.

4 – Wählen Sie Geschenke aus, die gar nichts/wenig kosten

Ja, es gibt Geschenke, die nichts kosten, über die sich der Empfänger sehr freuen wird. Auch für €5 können sehr kreative, pfiffige Kleinigkeiten erworben werden. Wer schon einmal Wichteln/Secret Santa gespielt hat, hat trotz einer betragsmäßigen Beschränkung auch ein witziges Geschenk finden müssen. Meine bescheidene Schenker- und Beschenkten-Erfahrung besagt, dass nicht der Wert des Geschenks die Freude ausmacht, sondern die Tatsache, wie intensiv sich jemand Gedanken gemacht hat, Freude zu schenken.

Wenn Sie spontan keine Ideen haben, verweise ich gern auf den Blog von Finanzfisch, der einige tolle Ideen gesammelt hat: 12 günstige und kreative Geschenkideen

5 – Vermeiden Sie Impulskäufe (oder überhaupt die Einkaufzentren/-straßen zur Weihnachtszeit;-))

Das ist ganz im Ernst gemeint und hat zwei gute Gründe: Erstens werden bei Impulskäufen die rationalen Gedanken, die sie im Budget niedergeschrieben haben, zu Nichte gemacht. Wenn Sie einmal in der Parfümerie sind, werden sie wohl kaum unter €100 ausgeben, das Geschenk soll ja nicht schäbig sein, etc. Zweitens setzen Sie sich durch den Besuch der überfüllten Einkaufszentren in der Vorweihnachtszeit genau dem Stress aus, den Sie eigentlich vermeiden wollten…

Ich hoffe sehr, dass Ihnen diese fünf Tipps weiterhelfen, sowohl am Weg zur finanziellen Freiheit zu bleiben aber auch eine weniger stressige Vorweihnachtszeit zu haben. Ich selbst bin einem Großteil der 5 Tipps gefolgt. So habe ich ca. Mitte November die Liste der Beschenkten und Geschenke erstellt. Die Geschenke sind fast alle schon gekauft oder online bestellt. Der Stress-Faktor ist damit wirklich weg. Wie immer freue ich mich sehr über Kommentare und weitere Ideen, wie man noch ans Thema Weihnachtsgeschenke herangehen kann!

===================================================

*) Annahmen: Für die Dauer von 30 Jahren werden €500,-/Jahr mehr als erforderlich für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, dieser Betrag steigt durch Inflation jährlich um 2%, die ersten fünf Jahre gehen diese Kosten gegen einen Dispokredit mit 15% Zinsen p.a., in allen folgenden 25 Jahren fließt das Geschenkgeld dann nicht der Investition zu, weshalb keine 7% Veranlagungserfolg lukriert werden können.

Investieren mit Fonds, ja klar – aber aktiv oder passiv?

Investieren mit Fonds, ja klar – aber aktiv oder passiv?

Du hast etwas Geld gespart und aufgrund der niedrigen Zinsen möchtest du an der Börse investieren. Deswegen gehst du zu deiner Hausbank und lässt dich beraten. Dort empfiehlt man dir in Fonds zu investieren. Du hast schon mal von aktiven und passiven Fonds gehört und fragst deinen Berater nach einer Erklärung. Doch so ganz genau beschreibt er dir den Unterschied nicht! Deswegen machst du dich im Internet schlau und nun bist du hier!

Ich bin Florian Krennmayr und blogge auf Finanzleiter über Finanzen, Personal- und Persönlichkeitsentwicklung. Heute darf ich dir das Thema Investieren mit Fonds im Rahmen eines Gastbeitrags hier auf Meine Finanzielle Freiheit veröffentlichen. Dabei werde ich insbesondere den Unterschied zwischen aktiven und passiven Fonds erläutern.

Was ist ein überhaupt ein Fonds?

Ein Fonds bündelt das Geld vieler verschiedener Anleger und investiert es für sie. Jeder Anleger erhält im Gegenzug für sein eingesetztes Kapital einen entsprechenden Anteil am Gesamtkapital. Ein Fonds wird durch eine (Fonds-)Gesellschaft aufgelegt und durch einen (Fonds-)Manager betreut. Wie und wo der Fonds das eingesammelte Geld investiert wird durch die Gesellschaft festgelegt.

Jan von smart-reich-werden

Als Privatanleger bietet ein Fonds somit die Möglichkeit, sich mit einem einzigen Produkt gut zu diversifizieren. Als privater Investor fehlt einem manchmal das Geld viele einzelne Aktien zu kaufen. Mit einem Investmentfonds bietet sich diese Möglichkeit.

Mintos Banner

Unterschied passive und aktive Fonds

Doch was ist nun der Unterschied zwischen passiven (ETFs) und aktiven Fonds? Bei aktiven Fonds wählt ein Fondsmanager aus in welche Werte (z.B. Aktien) investiert wird. Ein passiver Fonds hingegen bildet einfach stur einen Index ab und wird von einem Computer gesteuert. Ich möchte diese beiden Kategorien unter folgenden Gesichtspunkten vergleichen:

  • Kosten
  • Investitionsverantwortung
  • Liquidität
  • Ziele

Kosten

Der offensichtlichste Unterschied zwischen aktiven und passiven Fonds sind die Kosten. Während bei aktiven Fonds die Kosten bei durchschnittlich 1,5% p.a. sind, haben ETF im Schnitt nur 0,375% an jährlichen Verwaltungskosten. Zusätzlich fallen bei ETF keine Ausgabeaufschläge an, da diese über die Börse gehandelt werden. Mittlerweile bieten viele Onlinebanken die allerdings auch eine Reduktion der Ausgabeaufschläge aktiver Fonds an. Die höheren Kosten für aktive Fonds ergeben sich daher, dass der Fondsmanager und sein Team auch bezahlt werden müssen.

Investitionsverantwortung

Bei einem Investment in einen Fonds gibt man sein Geld aus seiner eigenen Verantwortung ab. Die Fondsgesellschaft gibt dem Fondsmanager den Investmenthorizont vor, welche er für Investitionen durchforsten darf. Somit gibst du oder ich als Investor die Verantwortung ab und überlässt diese der Fondsgesellschaft bzw. dem Fondsmanager. Hier besteht der Unterschied zwischen aktiven und passiven Fonds darin, dass bei aktiven Fonds der Fondsmanager das Geld verwaltet. Bei passiven ETFs ist hingegen der Index bekannt und wird nur durch Indexanpassungen geändert.

Liquidität

Als nächste Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Fonds möchte ich die Liquidität im Sinne der Handelbarkeit nennen. Bei aktiven Fonds wird die Preisermittlung nur einmal pro Tag mit folgender Formel ermittelt: Anteilswert = Nettoinventarwert / Anzahl der ausgegebenen Anteile. ETF werden an der Börse gehandelt und damit wird der Preis während der Handelszeiten stetig ermittelt. Ich und du können somit jederzeit auch untertägig den Preis einsehen.

Ziele

Als letzte Differenzierung möchte ich die Anlageziele der beiden Fondsarten hervorheben. Während ein Investor in ETF weiß, dass er sich mit der Markrendite zufriedengibt, hofft ein Anleger in aktive Fonds eine Überrendite zu erhalten.  Das Buch Souverän Investieren in Indexfonds von Gerd Kommer zeigt auf, dass 80% der Fonds ihren Vergleichsindex nach Abzug der Kosten nicht schlagen. Ebenso erwähnt Kommer, dass im Vorhinein nicht gesagt werden kann, welche Fonds diese Überrenditen erwirtschaften werden.

Lendico Investor

In welche Fonds sollst du nun investieren – Dein Berater hatte Dir ja keine klare Auskunft gegeben…

Dieser Beitrag stellt zwar nicht alle Unterschiede aktiven und passiven Fonds erschöpfend gegenüber. Doch zeigt er die größten Unterschiede auf. Bei einem aktiven Fonds wollen Fondsmanager und Co. bezahlt werden, dafür bieten sie möglicherweise eine bessere Renditen als der Vergleichsindex. Doch schaffen es aktive Fonds in 4 von 5 Fällen nicht unter Berücksichtigung der Kosten, diese Messlatte zu schlagen. Bei einem passiven ETF hingegen ist beim Investment schon klar, dass „nur“ die Marktrendite erhalten wird. Bei einem passiven Fonds schneidet man somit besser ab als der vier Füntel der aktiven Fondsmanager – das ist doch ganz gut, oder?

Investieren mit dem Durchschnitt – der „Cost-Average-Effekt“

Investieren mit dem Durchschnitt – der „Cost-Average-Effekt“

Durchschnitt klingt eigentlich gar nicht gut. Wer will schon Durchschnitt sein, lieber doch überdurchschnittlich verdienen, überdurchschnittlich viel sparen, überdurchschnittliche Renditen erzielen, etc. Es kann dann ja wohl auch nicht die Asset Allocation des Durchschnittsbürgers mit realer Geldvernichtung in Bausparer und Sparbuch gemeint sein. Wie kann man also sinnvoll mit dem Durchschnitt investieren?

Der Cost-Average-Effekt

Investieren mit dem Durchschnitt, also die Nutzung des Cost-Average-Effekts bedeutet, dass der gleiche Geldbetrag in bestimmten Zeitintervallen (z.B. monatlich oder quartalsweise) in ein Wertpapier (z.B. einen ETF) investiert wird. Diese Investmentstrategie kann aus drei guten Gründen empfohlen werden:

  • Durch regelmäßiges Ansparen mit der Cost-Average-Strategie kann der Aufbau eines Finanzvermögens, das über Dividenden, Zinsen oder sonstiges Ausschüttungen eine passive Einkommensquelle eröffnet.
  • Zudem wird Investmentdisziplin sichergestellt. Denn egal ob das Wertpapier gerade steigt oder fällt, wird immer der gleiche Betrag investiert. Es wird so das – zutiefst menschliche, aber für den Investmenterfolg höchst schädliche – zyklische Anlageverhalten im Sinne des „Herdentriebs“ (d.h. bei fallenden Kursen zu verkaufen und bei steigenden Kursen zu kaufen) ausgeschalten.
  • Der Cost-Average-Effekt reduziert den durchschnittlichen Kaufpreis des Investments. Das klingt seltsam, kann aber an Hand eines einfachen Beispiels illustriert werden:
Monat inverstierter Betrag Preis pro Anteil Anzahl der erworbenen Anteile
Februar

€100

€30

3,33

März

€100

€25

4,00

April

€100

€37

2,70

Mai

€100

€40

2,50

Summe

€400

€33 /  €31,92

12,53


Lendico Investor
Oder ist der Durchschnitt doch nicht so toll?

Das gerade gezeigte Rechenbeispiel, kann allerdings die Frage aufwerfen, ob Cost-Averaging wirklich sinnvoll ist. Plump könnte man nämlich sagen, dass ein besserer Kurs (nämlich €30) genutzt werden hätte können, wenn €400 im Februar investiert worden wären. Diese Kritik ist allerdings in sehr vielen Fällen unbegründet, denn wer mit der Cost-Average-Strategie anspart und regelmäßig investiert, hat im Startzeitpunkt nicht den vollen Betrag zur Verfügung, sondern nur die monatliche Summe. Andererseits möge das Beispiel aber sehr wohl aufzeigen, dass es wenig sinnvoll ist, das Investieren auf mehrere Tranchen aufzuteilen, wenn das gesamte Kapital im Startzeitpunkt zur Verfügung steht, nur um den Kaufkurs zu optimieren.

In Wahrheit zeigt das Rechenbeispiel aber sehr charmant, wie man von Cost Averaging profitieren kann. Der durchschnittliche Einstiegspreis (arithmetischer Durchschnitt), zu dem die Anteile gekauft wurden, war €33. Die tatsächlichen Kosten liegen bei aber bei €31.92 (gewichteter Durchschnitt). Mit Cost-Averaging hat mal also um €1,08 je Anteil billiger gekauft, als hätte man stets die gleiche Anzahl an Anteilen gekauft. Dieser eigentlich ganz simple Effekt beruht auf der Tatsache, daß bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile erworben werden.

Mintos Banner

Cost-Averaging als Hilfsmittel gegen die Angst vor der bösen Volatilität

Findige Leser werden natürlich auch anmerken, dass Cost Averaging eigentlich nur bei recht volatilen, also stark schwankenden Wertpapieren sinnvoll ist. Bei einem sich statisch – hoffentlich nach oben bewegenden – Wertpapier, z.B. einem Geldmarktfonds, wird der Durchschnittseffekt nicht wirklich schlagend. Gerade aber bei stark schwankenden Wertpapieren, z.B. Aktien-ETFs allerdings, kommt der Effekt aber besonders gut zum Tragen.

Nun wird Volatilität sehr oft als Grund zur Sorge bei Aktieninvestments genannt. Sicherheits-suchende Kleinanleger, würden sich von den dramatischen Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten abschrecken lassen, etc. Wer langfristig angelegten Vermögensaufbau mit der Cost-Average-Strategie verfolgt, der schaltet aber durch diese Strategie dadurch quasi das Volatilitätsrisiko aus bzw. profitiert sogar davon.

Folgen Sie meiner Empfehlung zum Cost Averaging oder sehen sie diese Strategie kritisch? Ich freue mich in jedem Fall über Ihren Kommentar und Ihre Meinung!

Interview mit Dominik von finanziell-frei-mit-30.de

Interview mit Dominik von finanziell-frei-mit-30.de

Als ich das erste Mal auf Dominik’s Blog stieß, war ich sehr überrascht, welch profunde Gedanken sich ein 19-jähriger zum Thema finanzielle Freiheit macht. Ich finde Dominik’s Ausführungen auf seinem Blog unter der Rubrik „Über mich“ jedenfalls sehr inspirierend. Wenn man bedenkt, welche Kräfte von Zins- und Zinseszins ausgeht, ist leicht erschließbar, dass das Ziel eines 19-jährigen finanziell frei zu werden, recht realistisch ist, ob bis 30 oder ein wenig später, sollte da nicht den Ausschlag geben. Daher freue ich mich besonders, nachfolgendes Interview mit Dominik zu veröffentlichen.

Finanzielle Freiheit: Was ist der Inhalt Deines Blogs?

Dominik: Auf meinem Blog geht es hauptsächlich um die Themen Mindset, Sparen und Investieren. Neben den rein finanziellen und häufig sehr fachspezifischen Aspekten, setze ich mich auch mit Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und Glück im Allgemeinen auseinander.

Finanzielle Freiheit: Was unterscheidet Deinen Blog von all den anderen Blogs über Finanzielle Freiheit? Warum sollen unsere Leser immer wieder kommen?

Dominik: Der größte Unterschied zu den anderen Blogs über Finanzielle Freiheit ist, dass ich mit meinen aktuell 19 Jahren noch nicht seit 5, 10 oder sogar 20 Jahren im Berufsleben bin. Ich habe erst vor einem Jahr mein Abitur abgeschlossen und mache zurzeit ein duales Studium beim Zoll. Ich bin auf meinem Lebensweg und auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit noch nicht besonders weit. So habe ich einen ganz anderen Blickwinkel und kann mich viel besser in jüngere Menschen und jemanden, der noch am Anfang des Weges zur Finanziellen Freiheit ist, hineinversetzen.

Neben den Standardthemen wie Sparen und Investieren beschäftige ich mich besonders intensiv mit dem benötigten Mindset für ein erfolgreiches und glückliches Leben. Das ist meiner Meinung nach nämlich der entscheidende Schlüssel, um langfristigen Erfolg zu erreichen. So hängt der Erfolg allgemein in Deinem Leben hauptsächlich davon ab, ob Du Dir Ziele steckst, diese verfolgst, Dich immer wieder motivierst, immer dran bleibst und niemals aufgibst. Ich schreibe auf dem Blog über meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit mache und was mir dabei hilft erfolgreicher und glücklicher zu werden.


Lendico Investor

Finanzielle Freiheit: Was ist Dein liebster Beitrag auf Deinem Blog und warum? Ist das auch jener Beitrag, der den meisten Traffic bekommt?

Dominik: Ich finde es schwierig hier nur einen einzigen Beitrag zu benennen. Vermutlich würde ich meinen Beitrag „Bist Du reicher als zu Deiner Geburt?“ als meinen Lieblingsbeitrag bezeichnen. In unserer Gesellschaft werden häufig Menschen als reich angesehen, obwohl sie über beide Ohren verschuldet sind und nur ein hohes Einkommen haben. Ich wollte mit diesem Beitrag auf diesen Umstand hinweisen und den Menschen verdeutlichen, dass ein hohes Einkommen nicht bedeutet, dass man reich ist.

Dies ist jedoch nicht der am meist aufgerufene Beitrag meines Blogs. Bisher haben die meisten Leute den Beitrag „Drei Wege um mehr Geld zu verdienen“ aufgerufen. Ich glaube der Titel ist einfach anziehender und die meisten Menschen interessieren sich mehr dafür, wie sie ihre Einnahmen steigern können. Zudem gehört dieser Beitrag zu einer der ersten meines Blogs.

Finanzielle Freiheit: Was bedeutet Finanzielle Freiheit für Dich? Wann willst Du sie erreichen? Ist Dir eine absolute Zahl des Vermögens (z.B.: € X Mio.) oder die Abdeckung bestimmter Bedürfnisse aus passivem Einkommen wichtig?

Dominik: Für mich bedeutet Finanzielle Freiheit, dass ich von niemandem mehr abhängig bin (Staat, Arbeitgeber oder Kunden) und damit vollkommen frei entscheiden kann, was ich machen möchte. Das bedeutet keinesfalls, dass ich bei Erreichen der Finanziellen Freiheit nicht mehr arbeiten werde. Es würde mir zwar ermöglichen aufzuhören zu arbeiten, aber wenn mir die Arbeit Spaß macht, dann werde ich dieser auch noch weiter nachgehen.

Mir ist es nicht wichtig eine bestimmte Summe in meinem Depot oder auf meinem Konto zu haben. Viel wichtiger und der Kern der Finanziellen Freiheit ist meiner Meinung nach, dass ich ein passives Einkommen habe, welches meine gesamten Ausgaben deckt. Natürlich ist es schwer eine bestimmte Summe für einen selbst festzulegen, weil sich innerhalb der nächsten Jahre die eigene Situation noch so enorm ändern kann. Zurzeit wohne ich schließlich noch zur Hälfte Zuhause und habe so nicht die volle Belastung durch Miete und Nebenkosten. Ich habe für mich einen Wert von 1.500€ Netto pro Monat aus passivem Einkommen als Ziel festgelegt. Dies möchte ich, wie mein Blogtitel auch schon unweigerlich verrät, bis zu meinem 30. Lebensjahr erreichen.

Mintos Banner

Finanzielle Freiheit: Wie planst Du die Finanzielle Freiheit zu erreichen? Welche passiven Einkommensquellen findest Du besonders interessant?

Dominik: Ich möchte mindestens die Hälfte meines angestrebten passiven Einkommens aus Investitionen erzielen. Dies wären dann 750€ Netto im Monat. Zurzeit investiere ich in ETFs und versuche mir ein passives Einkommen im Online Marketing aufzubauen. Das Online Marketing soll damit das zweite große Standbein meiner Finanziellen Freiheit sein.

Besonders interessant finde ich das Investieren in Immobilien, da Du hiermit Dein eingesetztes Kapital hebeln kannst. So kannst Du bereits mit wenig Kapitaleinsatz ein Vermögen aufbauen. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein stabiles regelmäßiges Einkommen, denn sonst wirst Du bei den meisten Banken keine Finanzierung bekommen.

Finanzielle Freiheit: Welchen finanziellen Tipp würdest Du unseren Lesern mitgeben?

Dominik: Wir hören immer wieder davon, dass arme Senioren von ihrem „Bankberater“ ein Investment angedreht bekommen und am Ende einen Großteil ihres Gesparten verloren haben. Aus diesem Grund empfehle ich jedem sich finanzielle Bildung anzueignen und sich in eigener Verantwortung um das eigene Geld und Investitionen zu kümmern. Du musst natürlich kein Experte werden, doch es reicht schon, wenn Du die Grundlagen für ein finanziell erfolgreiches Leben verstehst.

Mein Tipp: Lies jeden Tag einfach eine Viertel- bis Halbestunde in einem guten Buch zum Thema Finanzen oder Investitionen und innerhalb eines halben Jahres kennst Du Dich besser mit dem Thema aus als 90% der Bevölkerung. Alternativ könntest Du auch Blogs lesen (vorzugsweise natürlich meinen ;-)) oder YouTube-Videos zu dem Thema schauen. Alles Weitere wird sich dann ergeben.

Gute Bücher für den Anfang sind zum Beispiel „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert Kiyosaki
oder „So denken Millionäre“ von T. Harv Eker.

Finanzielle Freiheit: Vielen Dank für das Interview!

Aktienfonds oder Einzelaktien?

Aktienfonds oder Einzelaktien?

Eine der Schlussfolgerungen meines jüngst erschienenen Blogbeitrags Welche Investments soll ich tätigen? – Fünf goldene Regeln für die richtige Asset Allocation war, dass ein bedeutender Teil des investierten Vermögens in die Asset-Klasse Aktien fließen soll.

Grundsätzlich kann in Aktien über zwei Wege investiert werden, nämlich (i) über ein Investment in Aktienfonds und (ii) über ein Investment in Einzelaktien. Jeder der beiden Wege hat sein Für und Wider, weshalb ich die Vor- und Nachteile in der Folge zusammenfassen möchte. In der Tat gibt es bei einigen Aspekten zwei Seiten der Medaille, sodass kein in allen Dimensionen eindeutiges Bild entsteht.

Mintos Banner

Was für Aktienfonds spricht, und… ….was für Einzelaktien spricht
Fonds sind aus meiner Sicht das Vehikel um Aktieninvestments breit zugänglich zu machen; meist ist ein Investment schon ab €50 bzw. über Sparpläne möglich.
DurchInvestition in einen Fonds wird das Investieren quasi auf Autopilot geschalten, laufende Kauf-/Verkaufsentscheidungen entfallen und werden vom Fondsmanager vorgenommen. Dadurch wird Investmentdisziplin sichergestellt und gleichzeitig möglicherweise irrationales Investorenverhalten („meine Lieblingsaktie“, „ich investiere grundsätzlich nicht in Technologie-Aktien“, „die gerade heiße Aktie auch China“ etc.) ausgeschaltet. Auch werden Fonds den Compliance-Bestimmungen vieler Arbeitgeber besser gerecht. Bei der Investition in Einzelaktien behält der Investor die volle Kontrolle darüber, welche Aktien gekauft oder verkauft werden sollen. Gerade bei aktiv gemanagten Fonds, ist man den Geschicken des Fondsmanagers ausgeliefert. Auch werden in so manchem Fonds Aktien enthalten sein, die man vielleicht dann doch nicht besitzen möchte.
Investmentfonds sind nach dem Grundsatz der Risikostreuung aufgebaut. Durch eine größere Anzahl an im Fonds befindlichen Aktien, kommt es zur Diversifikation bzw. werden Konzentrationsrisiken bzgl. Ländern, Branchen, Währungen vermieden. Diversifikation kann auch als Chancenminderung interpretiert werden – halb scherzhaft auch „Diworseification“ genannt. Die herausragende Performance eines Einzeltitels (wenn er denn richtig ausgewählt ist…) wird nur beim Investment in Einzelaktien ins Gewicht fallen, nicht aber bei einem Fonds.
Die Spesenbelastung bei einem Aktienfonds hängt sehr stark vom ausgewählten Produkt ab. Kostengünstige Indexfonds werden nur geringe Verwaltungsspesen aufweisen. Allerdings ist hierbei Vorsicht geboten, denn manch aktive gemanagter Fonds kann hohe jährliche Spesen und einen kräftigen Ausgabeaufschlag verrechnen. Auch das Investment in Einzelaktien kann kostengünstig gestaltet werden, insb. wenn ein günstiger Online-Broker gewählt wird. Gleichzeitig können aber kleine Investment-Beträge und häufiges Umschichten des Portfolios zu beachtlichen prozentualen Spesenbelastungen führen.
Das Investment in Einzelaktien ist nicht den oft seltsamen Dynamiken von Investmentfonds ausgeliefert. Z.B. Verkaufsdruck auf Grund sinkender Assets im Fonds (wegen Rückgabe von Anteilen durch Investoren) oder Handelsbeschränkungen auf Grund großer Volumina kann dem Privatinvestor wohl nicht passieren.

Natürlich möchte ich mich hier nicht vor einer klaren Meinung drücken😉 Meine Empfehlung an einen Investor, der keine vertieften Kenntnisse des Aktienmarktes hat, ist mit der Veranlagung in Aktienfonds zu beginnen. Konkret empfehle ich ETFs – doch dazu mehr in einem bald folgenden Beitrag. Die oben angeführten Vor- und Nachteile sind natürlich zu beachten; Vorsicht ist insb. bei den Spesen geboten und natürlich gibt man bei einem Fonds Entscheidungen aus der Hand bzw. delegiert sie an den Fondsmanager. Gleichzeitig kann so aber ohne großen zeitlichen Aufwand eine konsistente Veranlagungsstrategie stetig umgesetzt werden.

Lendico Investor
Natürlich haben viele, gerade auch so mancher Blogger-Kollege, große Freude am Investment in Einzelaktien und ist dies zum Hobby geworden. Dieser Tätigkeit will ich ja auch gar keinen Einhalt gebieten, allerdings bestehen dann wohl meist weitreichende Kenntnisse der Aktienanalyse und wird ein signifikantes Zeitkontingent aufgewendet werden müssen – beides Prämissen, die ich per se nicht für jeden Investor voraussetzen würde.

Für mich selbst kann ich sagen, dass ich zu ca. 2/3 in Aktienfonds und zu ca. 1/3 in Einzelaktien investiere. Bei den Einzelaktien, habe ich mich auf Aktien fokussiert, die hohe und steigende Dividenden aufweisen („Dividendenaristokraten“) und auf lange Frist gehalten werden können. Regelmäßige, meist monatliche Investments tätige ich in Aktienfonds, um möglichst konsistent und stetig vorzugehen. Dadurch wird das oben genannte Verhältnis 2/3 zu 1/3 sich künftig weiter zu Gunsten der Aktienfonds verschieben.

Mir ist bewußt, dass das Thema dieses Blogbeitrags kontroversiell ist, insofern freue ich mich über viele, gern auch kritische Kommentare! Es wäre super, wenn auch Links zu verwandten Artikeln in den Kommentaren aufgenommen werden, sodass ein „Netzwerk der Meinungen“ entstehen kann.

Finanzielle Freiheit trotz Niedrigzinsumfeld?

Finanzielle Freiheit trotz Niedrigzinsumfeld?

Jüngst las ich die für mich irritierende Aussage, dass Sparen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ohnedies sinnlos wäre. Diese Aussage hat mich regelrecht zu den nachfolgenden Überlegungen „provoziert“😉

In der Tat hat das von den Notenbanken, insb. der für die Leser dieses Blogs v.a. relevanten EZB, initiierte Niedrigzinsniveau gravierende volkswirtschaftliche Auswirkungen:

  • Die Finanzierung der hoch verschuldeten Staaten wurde durch das Niedrigzinsniveau in Kombination mit Quantitative Easing, also dem großvolumigen Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken, deutliche billiger. Für die Bundesrepublik Deutschland kommt es paradoxerweise bei kürzer laufenden Staatsanleihen sogar zu einem netto positiven Geschäft!
  • Die Kreditzinsen für Privathaushalte und Unternehmen sind genauso dramatisch gesunken. Dass die Kreditnachfrage zusehends inelastisch auf weitere Zinssenkungen reagiert, hat allerdings auch dazu geführt, dass kein wesentlich stimulierender Effekt von den niedrigen Zinsen ausgeht!
  • Sparzinsen sind de facto auf null gesunken, in manchen Fällen werden sogar Verwahrungsgebühren oder bei größeren Veranlagungssummen Negativzinsen verrechnet. Insofern mag es natürlich naheliegen, Sparen auf dem Sparkonto derzeit für sinnlos anzusehen…
  • Aus der Kombination niedriger Kredit- und Einlagenzinsen ergibt sich ein strukturelles Problem für Banken. Die Zinsmarge ist in den letzten Jahren massiv gesunken, d.h. letztlich, dass Banken eine deutlich geringer Spanne zwischen Einnahmen (Kreditzinsen) und Ausgaben (Einlagenzinsen) verbleibt, um Betriebs- und Risikokosten abzudecken. Dadurch lassen sich die umfangreichen Kostenreduktionen sowie die Bestrebungen der Banken allerlei Gebühren zu erhöhen, besser verstehen.

Mintos Banner

Natürlich hat dies auch Auswirkungen auf all jene, die finanzielle Freiheit anstreben. Allerdings würde ich nicht derart radikal vorgehen, dass Sparen/Investieren keinen Sinn mehr hat. Es ergibt sich aber insbesondere das Erfordernis deutliche Anpassungen an historisch sinnvollen Asset Allocations vorzunehmen, nämlich

  • Europäische Staatsanleihen haben in vielen Portfolien eigentlich keinen sinnvollen Platz mehr
  • Als Ersatz für diese Asset-Klassen, werden viele Investoren nach Alternativen insb. bei Dividendenaktien, Anleihen von Schwellenländern, p2p-Krediten oder in Immobilien suchen. Dies kann durchaus mit deutlicher Risikonahme (Fremdwährungsrisiko, Ausfallrisiko, etc.) einhergehen und will daher gut überlegt sein.

Darüber hinaus ist der nominelle Effekt von Zins- und Zinseszins in der Tat nicht mehr so eindrucksvoll, wie er bei hohen Zinssätzen ist. Gleichzeitig erfahren wir gerade neben dem Niedrigzinsumfeld auch Niedriginflationsumfeld, weshalb der reale Effekt nach Inflation nicht dramatischer ist, als er bereits in historischen Phasen hoher Zinsen gekoppelt mit hoher Inflation war.

Natürlich muss sich daher jeder Investor überlegen, wie er auf die derzeitigen Rahmenbedingungen reagiert. Auch bereits historisch fragwürdige Glaubenssätze à la „Sparbuchsparen zum Vermögensaufbau“, „Bausparen für die Kinder, dass sie mal etwas haben“, „mit deutschen Staatsanleihen kann nichts schief gehen“ etc. müssen grundlegend überdacht werden. Es besteht also erhöhter Bedarf sich mit Fragestellungen im Bereich personal finance zu beschäftigen, was ich ja explizit mit meinem Blog fördern möchte.

Andererseits bestehen wenige Alternativen sich dem derzeitigen Umfeld zu entziehen. Daher ist mein persönlicher Ansatz, die entsprechenden Weichenstellungen zu treffen und entsprechend zu reagieren. Die Bestrebungen finanzielle Freiheit zu erreichen schon ex ante aufzugeben oder für sinnlos zu erklären, halte ich für verfehlt und auf Grund der weiterhin vollständigen Funktionstüchtigkeit der von mir in anderen Artikeln beschriebenen Methoden auch für inhaltlich falsch.

Wie haben Sie auf das Niedrigzinsniveau als Investor reagiert? Lassen Sie die anderen Leser durch einen Kommentar an Ihren Überlegungen teilhaben!

Die Kräfte von Zins und Zinseszins

Die Kräfte von Zins und Zinseszins

In den vorherigen Blog-Beiträgen habe ich schon einiges über Sparen und Investieren geschrieben. Bevor ich aber in einer Reihe weiterer Artikel auf konkrete Investment-Möglichkeiten eingehe, möchte ich noch über eine „Naturgewalt“ berichten, die von jedem Investor genutzt werden sollte: Zins und Zinseszins.

Albert Einstein hat angeblich auf die Frage „Was ist die stärkste Kraft im Universum“ spontan geantwortet „der Zinseszins“. Es sei jetzt einmal dahin gestellt, ob Einstein das tatsächlich gesagt hat, oder ob ihm diese Aussage nur zugeschrieben wird. Es gibt nämlich eine Reihe von Hinweisen, dass Einstein im Umgang mit Geld nicht besonders sorgsam war – so verschenkte er das Preisgeld des Nobelpreises kurzerhand an seine Exfrau und den beiden Söhnen hinterließ. Zudem meinte Einstein, dass die besten Dinge im Leben nicht die seien, die man für Geld bekommt. Wie dem auch sei, haben Zins und Zinseszins in der Tat sehr große Bedeutung für jeden Investor.

Lendico Investor

Zinsen und Zinseszinsen berechnen sich nach einer Exponentialfunktion, nämlich:

zinsformel

In anderen Worten, das Kapital im Zeitpunkt 0 wird mit dem Zinssatz (1+i) multipliziert. Dabei wird der Zinssatz mit der Anzahl der Jahre n potenziert. Dadurch wird ersichtlich, dass die zwei wesentlichen Treiber – natürlich neben dem Kapital im Startzeitpunkt – der Zinssatz und die Zeit sind. Das bedeutet, dass ein höherer Zinssatz sich über die Zeit stärker entfalten kann und zu einem höheren Ergebnis führen wird. Das bedeutet auch – wie bei jeder Exponentialfunktion – dass die Anzahl der Jahre/Wiederholungen, die Wirkung weiter ausdehnt. Die folgenden vier Grafiken sollen ein Gefühl für diese Wirkungsweisen geben:

grafik-zins-und-zinseszins

Die Höhe des Zinssatzes zeigt sich in den gewählten Beispielrechnungen 1 und 3 sehr anschaulich. In Beispiel 1 nach liegt 15 Jahren das 2,1-fache, während in Beispiel 3 das 4,2-fache des eingesetzten Kapitals vorliegt. Zinsen und Zinseszinsen machen in Beispiel 1 36% bzw. 16% des nach 15 Jahren verfügbaren Betrages aus, während das im Beispiel 3 36% aus Zinsen bzw. 40% aus Zinseszinsen lukriert werden.

Der zweite Effekt, nämlich die Kraft des Zinseszinses über die Zeit zeigt sich durch den Vergleich mit Beispielrechnung 2 und 4, jeweils unter Beibehaltung der Annahmen zum Zinssatz von 5% bzw. 10%. So gelingt es im Beispiel 2 das 4,2-fache des Kapitals zu erzielen, während in Beispiel 4 sogar das 17,4-fache (!!) des eingesetzten Kapitals erreicht wird. Besonders eindrucksvoll ist, dass im Beispiel 4 insgesamt 17% bzw. 77% aus Zinsen bzw. Zinseszinsen stammen und nur mehr 6% aus dem Anfangskapital stammen.

Dies erbringt für Sie als Investor folgende wichtige Erkenntnisse:

  • Lassen Sie die beiden Kräfte von Zins und Zinseszins für arbeiten und setzen Sie auf hohe Zinssätze und langfristige Investitionen
  • Achten Sie dabei auf die potenzielle Falle von vermeintlich sicheren aber sehr niedrig verzinsten Anlagen (z.B. Sparbuch oder kaum verzinstes Festgeld mit 0,2%), denn dort wird die Kraft des Zinssatzes de facto ausgeschaltet
  • Höhere Zinssätze sind in aller Regel mit höheren Risiken verbunden. Allerdings kann diesen Risiken einerseits durch Diversifikation und andererseits durch einen langen Investitionszeitraum begegnet werden, wodurch sie sich nicht notwendigerweise materialisieren müssen. Ein weiteres Argument für eine lange Haltedauer!
  • Der Effekt der Zeit trägt entscheidend zur Vermögensmehrung bei – Investieren mit der Kraft von Zins und Zinseszins ist daher keine Möglichkeit um rasch reich zu werden, sondern um stetig und langfristig Vermögen aufzubauen – vor dieser falschen Hoffnung hatte ich allerdings schon in einem meiner ersten Artikel gewarnt😉

Mintos Banner

Das derzeit vorherrschende Niedrigzinsumfeld wird zuweilen als wesentliches Hemmnis beim Aufbau von Vermögen genannt. Natürlich ist es richtig, dass die oben beschriebenen Effekte von Zins und Zinseszinsen nicht in dem Umfang greifen, als zu Zeiten da Banken hohe Zinsen von 5, 6 oder 7% auf Einlagen zahlten. Allerdings ist in dieser Betrachtung immer eine nominelle Sicht gewählt – d.h. dass in einer realen Betrachtung nach Abzug der Inflation gerade in vielen der historischen Hochzinsperioden bescheidene reale Erträge erzielt wurden. Das sollte Sie als Investor gerade auch in Zeiten zwar niedriger Zinsen aber auch niedriger Inflation ermuntern nicht auf die Kräfte von Zins und Zinseszins zu verzichten.

In diesem Sinne wünsche ich viel Erfolg bei der Nutzung der beschriebenen Kräfte von Zins und Zinseszins. Ich freue mich, wenn Sie meinem Blog folgen, Kommentare hinterlassen oder mir unter meinefinanziellefreiheit@gmail.com weitere Anregungen zukommen lassen.