Wie unterscheiden sich aktive von passiven Einkommensquellen?

Für die Betrachtung in meinem Blog unterscheide ich zwischen aktiven und passiven Einkommensquellen. Sie unterscheiden sich durch die Treiber, welche die Erwirtschaftung des Einkommens begründen. Bei aktiven Einkommensquellen liegen die Treiber a) Zeiteinheit und b) Einkommen je Zeiteinheit hinter dem erzielten Gesamteinkommen, es gilt die Formel:

Einkommen = Zeiteinheit x Einkommen je Zeiteinheit

So erhält z.B. ein Angestellter für seine 40 wöchentlichen Arbeitsstunden ein monatliches Gehalt, oder die Nachbarstochter einen Eurobetrag je Stunde fürs Babysitten.

Passive Einkommensquellen, andererseits, lösen sich von dieser stundenbasierten Logik und hängen an anderen Treibern der Einkommenserzielung. Bei zinsbasierten Einkommensquellen (Zinsen, Dividenden, Mieten), errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = eingesetztes Kapital x Rendite/Zinssatz

So erhält z.B. der Investor bei einem Investment von € 1000,- in eine Anleihe mit einer Rendite von 3% p.a. ein jährliches Einkommen von €30,- bzw. der Investor von € 1000,- in Aktien mit einer Dividendenrendite von 2% ein jährliches Einkommen von € 20,-. Der Investor in eine Vorsorgewohnung, die zu einer Bruttorendite von 4% p.a. vermietet ist, erhält diesen Wert auf das eingesetzte Kapital (=Kaufpreis) für die Vorsorgewohnung. Alle diese Beispiele zeigen das Brutto-Einkommen vor Steuern oder sonstigen Kosten, z.B. für die Instandhaltung der Wohnung oder die Tilgung eines Kredits um den Ankauf der Wohnung zu finanzieren.

Darüber hinaus gibt es weitere passive Einkommensquellen, die sich aus Geschäfts-Systemen ergeben und ein Einkommen aus der Nutzung des Systems erzielen lassen. Bei systembasierten Einkommensquellen, errechnet sich das Einkommen nach folgender Formel:

Einkommen = Anzahl Nutzer x Nutzungsgebühr je Nutzer

Systembasierte Einkommensquellen können sehr vielfältig sein, daher seien auch eine Reihe von Beispielen genannt. Der Autor eines Buches/E-Books erhält eine Tantieme für den Verkauf jedes Buches. Der Programmierer einer Software, erhält für den Verkauf jeder Lizenz eine jährliche oder auf die Gesamtnutzungsdauer ausgelegte Lizenzgebühr. Der Ersteller einer Website erhält für jeden Click auf die Bannerwerbung ein Entgelt von Google Adsense. Gerne verweise ich auch auf eine recht umfangreiche Liste von 33 passiven Einkommensideen meines Blogger-Kollegen.

Aktive Einkommensquellen haben gegenüber passiven Einkommensquellen zwei wesentliche Schwächen

Natürlich sind auch aktive Einkommensquellen interessant, insb. wenn sie zur Steigerung des monatlichen Einkommens dienen. Darauf bauen insb. auch meine Gedanken zum automatisierten Sparen auf, durch welche Einkommenssteigerungen der Sparquote zugeführt werden. Aktive Einkommensquellen weisen allerdings zwei wesentliche Schwächen auf, da sie an Hand der oben dargestellten Formel (Gesamteinkommen= Zeiteinheit x Einkommen je Zeiteinheit) nur begrenzt maximiert werden können. Erstens kann die Anzahl der mit Arbeit ausgefüllten Arbeitsstunden nur begrenzt erhöht werden. Vielleicht haben Sie aber auch einfach keine Lust mit einem weiteren Job ihre Freizeit oder Zeit mit der Familie aufzugeben 😉 Zweitens ist auch das Einkommen je Zeiteinheit in gewisser Weise nach oben begrenzt. Natürlich wird der rechnerische Stundenlohn der Führungskraft höher sein als jener des einfachen Mitarbeiters. Andererseits werden durch die kontinentaleuropäischen, progressiven Steuersysteme auf Arbeit Steigerungen von aktiven Einkommen explizit bestraft.

Passive Einkommensquellen auf der anderen Seite, zeichnen sich durch zwei erfreuliche Charakteristika aus: Sie sind nämlich von der Arbeitsleistung in Stunden unabhängig und sind durch den Multiplikator Rendite (bei zinsbasierten, passiven Einkommensquellen) bzw. Nutzungsgebühr (bei systembasierten, passiven Einkommensquellen) stark skalierbar.

Unabhängigkeit von Arbeitsleistung

Hier ist eine kleine, aber wichtige Unterscheidung vorzunehmen. Passive Einkommensquellen entstehen nicht durch Zufall oder gänzlich ohne Arbeit, vielleicht abgesehen vom Fall der glücklichen Erbschaft oder des Lottogewinns… Vielmehr muss in den Aufbau eines Kapitalstocks viel Mühe gesteckt werden bzw. das System, das Einkommen generieren soll, erst geschaffen werden. Es muss also das Buch geschrieben, die Software programmiert bzw. die Website erstellt werden. Es gilt also auch hier, dass der Weg zur finanziellen Freiheit nicht ohne weitere Anstrengung erfolgen kann, wie ich schon in einem meiner vorherigen Artikel ausgeführt hatte.

Vielmehr ist aber die Erwirtschaftung des passiven Einkommens dann unabhängig von der (stundenbasierten) Arbeitsleistung. Richtigerweise mag noch ein geringer Verwaltungs- bzw. Überwachungsaufwand bestehen, doch ist auch die Höhe des passive Einkommen davon unabhängig. Z.B. will ein Aktienportfolio laufend überwacht und optimiert werden, doch ist dieser Aufwand iW gleich, ob es sich um ein € 100.000 oder € 1 Mio. handelt.

Im Umkehrschluss würde ich aber vor allen Einkommensquellen warnen, wo sich aktive Geschäftssysteme als vermeintlich passive Einkommensquellen tarnen. Ein Beispiel könnte die Selbständigkeit als Franchise-Nehmer sein. Ihr Einkommen wird wiederum wesentlich von ihrer stundenbasierten Arbeitsleistung abhängen, auch wenn es sich ja vermeintlich um eine unternehmerische Tätigkeit handelt.

Skalierbarkeit

Die Skalierbarkeit ist der zweite wesentliche Vorteil der passiven Einkommensquellen und in der Tat ein ganz entscheidender Schlüssel zur finanziellen Freiheit. Denn sowohl das Einkommen aus zinsbasierten, als auch aus systembasierten Einkommensquellen kennt nach oben kaum Grenzen. Ein Investment-Portfolio kann aus ein paar Tausend oder mehreren Millionen Euro bestehen. Eine Website kann von einigen Tausend oder zig Millionen Besuchern genutzt werden. Entsprechend kennt auch das passive Einkommen aus diesen Quellen daraus keine Grenzen. Ich will hier keine illusorischen Gedanken aufzeigen, denn selbst durch die gewählte Zielgruppe, die Akzeptanz der Nutzer udgl. werden sich gewissen Grenzen ergeben. Es ist allerdings ganz realistisch möglich, mit einem Investmentportfolio von € 10 Mio. ein jährliches, passives Einkommen von € 400.000 zu erwirtschaften. Dies ist aus einer aktiven Einkommensquelle nur schwer vorstellbar.

Fazit

Am Weg zur finanziellen Freiheit starten die meisten von uns – so wie ich auch – mit einer aktiven Einkommensquelle, unserem „Brotberuf“. Da diese aktive Einkommensquelle nur beschränkt steigerbar ist, müssen weitere, passive Einkommensquellen ergänzt werden. Diese passiven Einkommensquellen werden zwar nicht ohne Anstrengung ergänzt werden können, doch werden sie helfen schrittweise in Richtung finanzielle Freiheit zu gehen.

Weiterführende Hinweise

Ich möchte hier auch auf einen (englischen) TED-Talk von Alex Szepietowski hinweisen, der sehr anschaulich das Konzept von passiven Einkommensquellen beschreibt und eine Reihe von Anregungen anbietet

Zu Jahresbeginn 2017 habe ich gemeinsam mit Der Finanzfisch eine Artikelserie zum Thema passive Einkommensquellen gestartet. In insgesamt sechs Artikeln, die nach dem Ping-Pong-Prinzip erschienen sind, wurden verschiedene Aspekte passiver Einkommensquellen beleuchtet, und zwar:

Besonders freut mich, dass nun im Sommer 2017 Vincent von Freaky Finance nun eine Blogparade zum Thema passives Einkommen ins Leben gerufen hat. Es ist super, dass das Thema so weiter verbreitet und diskutiert wird. Zusätzlich wird dadurch der Online-Kongress zum Thema passives Einkommen auf  http://vermoegens-akademie.de/ unterstützt und promoted – ein spannendes Format, das ich vorher noch nicht kannte. Bereits jetzt beim Lesen der ersten Artikel der Blogparade sind mir einige interessante Beiträge aufgefallen, und zwar:

  • Einen interessanten Kontrapunkt setzt Axe von geldchallenge.de, der forsch behauptet, dass es passives Einkommen gar nicht gibt. Er hat wohl einen Punkt, denn der Aufbau ist keinesfalls frei von Tätigkeit und auch in der Nutzungsphase einer passive Einkommensquelle gibt es ab und an etwas zu tun
  • Getmad – der übrigens seinen Kalorienverbrauch beim Schlagen seines Kopfes gegen die Wand misst (oder die Köpfe anderer?) – ist nach konventionellen Definitionen mit einer Mischung aus kapital- und systembasierten Einkommensquellen bereits finanziell frei – bravo! – er erläutert in seinem Beitrag, wie er das geschafft hat

Außerdem habe ich hier einige weitere Artikel zu passiven Einkommensquellen aufgeführt, für die jenigen, die noch weiter lesen wollen – viel Spass beim Schmökern:

 

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21 Gedanken zu “Passive Einkommensquellen

  1. Hallo Finanziellefreiheit,
    einen sehr schönen Artikel hast du hier geschrieben. Ich glaube, dass es noch unglaublich viel Potential gibt, neue gute Geschäftsideen und Nischen zu finden. Jeder ist in irgendeiner Sache gut und kann dabei anderen etwas beibringen.

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    1. Vielen Dank für die Blumen!

      In der Tat – ich teile Deine Ansicht, dass es jede Menge Potenzial gibt. Passive Einkommensquellen werden allzu oft mit passivem Investieren in ETFs gleichgesetzt, was viel zu kurz greift. Natürlich ist passives Einkommen aus Investments super, doch ist wohl auch bei den passiven Einkommensquellen Diversifikation etwas Gutes.

      Viele Grüße und viel Erfolg beim Aufbau Deiner passiven Einkommensquellen,
      FF

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  2. Vielen Dank für Deinen umfassenden Beitrag zur finanziellen Unabhängigkeit. Besonders spannend finde ich die Unterscheidung von passivem und aktivem Einkommen anhand der Formeln. 🙂
    Ich möchte noch kurz anmerken, dass wir unter passivem Einkommen wohl eher meinen, dass wir uns aktiv wenig (mit wenig Zeitaufwand) um ein Investment kümmern müssen wie es bei einem herkömmlichen Job bspw. der Fall ist. Immobilien, Aktien oder auch ein business brauchen ja von Zeit zu Zeit auch Deine Aufmerksamkeit. Bloß halt nicht ständig und mit keiner großen Intensität.

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