Die Allianz Versicherung brachte Anfang 2017 die Studie When will the penny drop? – Money, financial literacy and risk in the digital age“ heraus. Aus einer Befragung von je 1.000 Personen aus Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien, der Schweiz und Großbritannien wurden durchaus besorgniserregende Erkenntnisse zum Stand der Kenntnisse der Europäer zum Thema Finanzen und Risiko offengelegt. In diesem Blogbeitrag möchte ich neben einem kursorischen Review der Studie auch überlegen, wie verbesserte Finanzbildung erreicht werden kann.

Nun ja, die Studie einer Versicherung, die Vorsorgeprodukte verkaufen will…mag so mancher jetzt irritiert denken. Solch einer Studie kann man ja nicht trauen. Die Methodik der Studie ist aber nach meiner Einschätzung sehr robust, mit 1.000 Befragten pro Land dürften die Ergebnisse – bei allen Schwächen dieser Telefon-/Online-Surveys – auch repräsentativ sein. Die Geschäftsinteressen der Allianz sind klar erkennbar und offengelegt, wenn Aussagen zum Thema Beratung in finanziellen Angelegenheiten und Erfordernisse der Altersvorsorge beleuchtetet werden. Letztlich hat mich aber die Einfachheit der Fragen überzeugt, aus denen der Stand der Dinge zum Thema finanzielle Bildung abgeleitet wurde. Um jedem von Euch, und mag er auch noch so finanzaffin sein, die Möglichkeit zu geben Euch selbst zu testen, hier die fünf Fragen, die der Studie zu Grunde liegen:

  1. Compound interest – Suppose you had €100 in a savings account and the interest rate was 2% per year. After five years, how much do you think you should have in the account if you left the money to grow and paid no taxes on the interest earned?
    • More than €102
    • Exactly €102
    • Less than €102
    • Don’t know
    • Refuse to answer
  2. Inflation – Imagine that the interest rate on your savings account was 1% per year and inflation was 2% per year. After one year, how much would you be able to buy with the money in this account?
    • More than today
    • Exactly the same
    • Less than today
    • Don’t know
    • Refuse to answer
  3. Diversification – Do you think the following statement is true of false? „Buying a single company stock usually provides a safer return than a stock mutual fund.“
    • True
    • False
    • Don’t know
    • Refuse to answer
  4. Expected return – For the same amount of money, you can enter either one of two lotteries: Lottery A pays a prize of €200 and the chance of winning is 5%. Lottery B pays a prize of €90,000 and the chance of winning is 0.01%. If you do not win, you don’t receive any money at all. Which lottery pays the higher average amount?
    • Lottery A
    • Lottery B
    • These two lotteries pay the same average amount
    • Don’t know
    • Refuse to answer
  5. Risk and return – You can invest in two projects. Project A will either deliver a return of 10% or 6% with either outcome equally likely. Project B will either deliver a return of 12% or 4% with either outcome equally likely. Which of the following statements is true? Compared to Project B, Project A has…
    • Higher return and lower risk
    • Same average return and lower risk
    • Lower return and higher risk
    • Don’t know
    • Refuse to answer

Ich vermute, dass der interessierte Finanzblog-Leser diese Fragen mit Leichtigkeit beantworten kann – bei Frage 4 bitte nicht gleich den Taschenrechner zücken 😉 – wer dennoch unsicher ist, findet am Ende des Artikels die Auflösung bzw. die richtigen Antworten.

Mich hat ehrlicherweise doch erschreckt, dass die Ergebnisse der Allianz-Studie derart schlecht ausgefallen sind – in Deutschland haben z.B. nur 60% der Befragten Frage 3 zur Diversifikation richtig beantworten können, in Österreich wurde z.B. Frage 5 von mehr als der Häfte der Befragten falsch beantwortet. Das kann doch nicht sein!

Für alle diejenigen, die nicht schon fasziniert zur Langfassung der Studie gegriffen haben, möchte ich die interessantesten Erkenntnisse der Studie zusammenfassen:

  • Der Status der Finanzbildung in Europa hat sich in den letzten zehn Jahren nicht wesentlich verändert, insb. nicht verbessert
  • Deutschland, Österreich und die Schweiz sind im Europäischen Vergleich überdurchschnittlich finanziell gebildet – dabei handelt es sich allerdings nur um einen relativen Vergleich und nicht eine Tatsache mit der man absolut betrachtet zufrieden sein kann…
  • Die Wahrscheinlichkeit gute finanzielle Entscheidungen zu den Themen Sparen, Anlegen, Kredite, etc. zu treffen, ist bei verbessertem Grundwissen doppelt so hoch!
  • Die Finanzkrise als Impuls und die über das Internet mittlerweile umfassend verfügbare Information zu finanziellen Fragen haben nicht dazu geführt, dass die Europäer sich mehr mit ihren Finanzen beschäftigen
  • Besonders große Unkenntnis herrscht beim Thema Risikoeinschätzung, insb. die Frage zur Diversifikation bereitete offenbar Probleme. Insgesamt nimmt der Anteil richtig beantworteter Fragen von Frage 1 hin zu Frage 5 in allen Europäischen Ländern dramatisch ab
  • Es besteht ein Gender Gap, Frauen sind weiterhin weniger finanziell gebildet, als Männer
  • Finanzberatung (durch wen auch immer angeboten) wird oftmals als nutzlos wahrgenommen, obwohl angesichts der Studien-Ergebnisse viele Konsumenten davon profitieren könnten

Deutschland, Österreich und die Schweiz schneiden ja relativ gut ab, der typische Leser von Finanzblogs bildet sich ja per se in Finanzfragen bereits fort. Ist dieser Blogbeitrag daher eine Themenverfehlung? Hoffentlich nicht 😉 Angesichts der insgesamt ernüchternden Ergebnisse sollten es genau die Aficionados bzgl. finanzieller Freiheit sein, die hier einen Unterschied machen können. Viele Finanzblogger schreiben ja auch um Finanzwissen zu vermitteln. Woran krankt es dann, dass trotz einer eifrigen Finanzblogger-Szene keinen Fortschritt in Sachen Finanzbildung gibt?

Vorausgeschickt sei, dass Finanzbildung ein Unwort ist, das von so manchem als Widerspruch in sich aufgefasst werden können. Unter Bildung wird das Gute, Wahre und Reine verstanden, Aristoteles, Shakespeare, Goethe, Schiller,…der klassische Bildungskanon wie er insb. an den Oberstufen der Gymnasien gelehrt wird eben. Finanzen sind da der böse, schmutzige Kontrapunkt, über Geld spricht man bekanntlich nicht, Hochfinanz, Börse, Zocker, etc. das will alles nicht zusammenpassen. Natürlich spitze ich diesen Gegensatz gerade zu, doch liegt hier ein Grundproblem. Die Erläuterung einfacher wirtschaftlicher Zusammenhänge und Prinzipien wie man die eigenen Finanzen im Lot hält, wäre, was tatsächlich gesucht ist. Der angesprochene Gegensatz von Gedichtinterpretation und Hexameter vs. Konsumkredit und Aktienfonds müsste dafür allerdings durchbrochen werden. Ehrlicherweise gefällt mir daher der englische Begriff „financial literacy“ deutlich besser. Es geht nämlich um ein Basisverständnis und nicht um komplizierte Analysen und DCF-Rechnungen.

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Doch woher soll dieses Basisverständnis finanzieller Zusammenhänge kommen? Es kommen mehrere Quellen in Betracht:

  • Eltern – quasi beginnend mit dem ersten Sparschwein bzw. dem ersten Taschengeld
  • Schule – ab in den Lehrplan, mehr Sparbuch, weniger Gedichtinterpretation
  • Erwachsenenbildung – Volkshochschulen, Seminare, etc.
  • Selbstbildung – Bücher, Internet, Blogs,…an Angebot mangelt es sicher nicht
  • Produktinformation von Finanzdienstleitern – Beratung und Produktinformationen mögen ihren Beitrag leisten
  • Intervention wenn es zu spät ist – z.B. ein Kurs als Voraussetzung für den Privatkonkurs, beim Führerschein gibt es ja bereits entsprechende Nachschulungen

Grundsätzlich wäre eine starke Kombination aus allen Quellen wünschenswert. Natürlich weiß ich, dass das unrealistisch ist. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass financial literacy besser früher als später ansetzen sollte. Deshalb ja auch der Titel dieses Artikels „Was Hänschen nicht lern, lernt Hans nimmer mehr!“. Zerrüttete Finanzen, z.B. Konsumschulden durch Handyrechnungen, Urlaube udgl. können schon 20-Jährigen Mühlsteine um den Hals hängen, die schwer abgeschüttelt werden können. Daher ist es entscheidend früh anzusetzen und nicht auf Schuldnerberatungen zu setzen. Diese können intervenieren, wenn es zu spät ist, doch ist dies keinesfalls wünschenswert.

Die logische erste Anlaufstelle sollte daher das Elternhaus sein. Durch die erste Sparbüchse erlernt man das Sparverhalten. Durch Taschengeld bringt man den Sprösslingen den Umgang mit dem eigenen Geld bei. Spielerisch können wirtschaftliche Zusammenhänge erlernt werden, vielleicht findet das Töchterlein ja Spaß am Handeln in einem Kaufmannsladen. Junior kann sich durch Hausarbeit kleine Beträge verdienen. Klingt super, ist auch alles sinnvoll und nützlich, doch aus drei Gründen unzureichend. Erstens handelt es sich wohl um eine idealtypische Welt, die in 80% nicht der Realität entsprechen wird. Zweitens kann nicht von Eltern, die selbst keine Finanzbildung erfahren haben, erwartet werden dass sie diese entsprechend weitergeben. Drittens, sind die beschriebenen spielerischen Maßnahmen im Kleinkindalter wohl nicht ausreichend, um den Umgang mit einer Kreditkarte, dem Dispokredit oder gar einer Lebensversicherung zu vermitteln. Die Frage ob eine Baufinanzierung fix oder variabel verzinst in Euro oder Schweizer Franken aufgenommen werden sollte, wird das Spiel am Kaufmannsladen auch sicher nicht beantworten.

Gerade die im Elternhaus erlernten Denk- und Verhaltensmuster sind hinsichtlich des Finanzverhaltens besonders prägend. Neben den oben genannten Maßnahmen von Taschengeld bis zu bezahlter Hausarbeit, sind entsprechende Prägungen aus den bei Eltern/ Bezugspersonen beobachteten Verhaltensmustern entscheidend. Dies wird ganz richtig auch schon in T. Harv Eker’s „So denken Millionäre“ ausgeführt, wenn er von Vermögensdateien spricht. Diese Muster können nur sehr schwer überwunden werden bzw. müssen später durch ganz bewusste Interventionen beseitigt werden. Es überrascht daher nicht, dass sich z.B. der Glaube, dass ein Sparbuch bzw. ein Bausparvertrag ein sinnvolles Investment ist, sich hartnäckig in diversen Umfragen hält, auch wenn realer Vermögensverlust die Folge des Investments ist.

Bildung stammt aus der Schule – mag man als fast selbstverständlich dahin sagen. Die Schule kann dann auch das nachholen, was vielleicht im Elternhaus, warum auch immer, unterlassen wurde. Mit dieser Mentalität habe ich so meine liebe Not. Es kann nicht sein, dass Verantwortung so einfach an eine staatlich organisierte Stelle delegiert wird. Meine Schwägerin ist Grundschullehrerin und erzählte mir vom Fall eines Schülers der ersten Klasse, dessen Eltern sich zu Weihnachten beklagten, dass der Sprössling noch immer nicht mit Messer und Gabel essen könne. Tja, damit wäre dann ja auch die Schuldfrage für sämtliche gesellschaftlichen Defizite, inkl. fehlender Finanzbildung geklärt!

Genau dagegen wehrt sich auch mein Blogger-Kollege Der Portfoliomanager in seinem Artikel „Kein Schulfach Finanzen bitte!“ Dominic möchte Eltern nämlich nicht aus der Verantwortung entlassen und auch die Wirkung eines eigenen Schulfachs Finanzen nicht überschätzt wissen. Er schlägt vor an Hand einer Leseliste dem Pareto-Prinzip folgend die wichtigsten Punkte im Schulfach „Politik und Wirtschaft“ (D) / „Geographie und Wirtschaftskunde“ (AT) zu transportieren.

Soweit so gut, ich kann mich hinter diesem Vorschlag auch weitgehend versammeln. Ich bin davon überzeugt, dass eine Integration von financial literacy in den Unterricht an den Schulen die einzige Chance ist, frühzeitig und strukturell weiten Bevölkerungsschichten zu einem gesunden Finanzleben zu verhelfen. Die Grundzüge können und müssen auf dem Lehrplan Platz finden – für die Kontradieffschen Wellen und das Marxistische Gedankenkonstrukt war auch genügend Platz. Dies hat jedoch einige Voraussetzungen:

  • Lehrer müssen in der Lage sein bzw. in die Lage versetzt werden, financial literacy vermitteln zu können. Es kann nicht vorausgesetzt werden, dass jeder heute im entsprechend Fach geschulte und erfahrene Lehrer, die Grundprinzipien zu Sparen, Investieren und Vorsorgen abrufbereit hat. Entsprechende Schulungen und Aufbereitung des Lehrstoffs sind daher dringend zu empfehlen.
  • Finanzbildung könnten in mehrere Fächer integriert werden, ich könnte mir z.B. vorstellen:
    • Politik und Wirtschaft (D) bzw. Geographie und Wirtschaftskunde (AT) ist sicher das beste – aber nicht einzige – Zuhause für financial literacy
    • Mathematik – hier kann Zins- und Zinseszinsrechnung wunderbar als praktischer Anwendungsfall gebracht werden und auch Fragen der Risikoeinschätzung würden sich im Zug der Statistikkapitel sehr gut anbieten
    • Fremdsprachen – warum nicht einmal einige Artikel aus dem Economist zu Volkswirtschaftlichen Fragen wie der aktuellen Zins- und Währungsentwicklung?
  • Finanzbildung darf nicht an Produktlieferanten delegiert werden. Eine (zu) einfache Lösung wäre nämlich Finanzbildung einfach durch einen Ausflug in die lokale Volks- und Raiffeisenbank oder Sparkasse zu erledigen. Die Schüler wären ja großartig als Neukunden geeignet. Hier dürfen keine Impulse zum ein oder anderen Spieler der Finanzbranche gesetzt werden.
  • Zuletzt sollten Anknüpfungspunkte zur selbständigen Vertiefung des Wissens angeboten werden. Eine Leseliste oder der Hinweis auf Ressourcen im Internet wäre ein einfacher und guter Anfang.

Die neben der Schule verbleibenden Optionen sind nicht besonders erfolgversprechend, um financial literacy systematisch zu vermitteln: Produktlieferanten im weitesten Sinn (z.B. Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen, Finanzvermittlern, etc.) sind mit Misstrauen zu konfrontieren, dass nämlich Absatzförderung vor sinnvoller und umfassender Beratung stehen könnte. Bei Erwachsenenbildung und einem Kurs als Voraussetzung für den Privatkonkurs stört mich, dass es möglicherweise schon zu spät ist. Der Kurs im Privatkonkurs hat dennoch gewissen Charme – man könnte auch eine Analogie zum Führerscheinentzug bzw. den entsprechenden Nachschulungen bei schlechtem Fahrverhalten ziehen. Eine entsprechende (Nach-)Schulung könnte man nachweislich finanziell nicht erfolgreichen Personen auch angedeihen lassen.

Zuletzt noch eine Anmerkung zum Zugang zu finanzieller Bildung durch Selbststudium. Natürlich könnte man versucht sein, die Frage nach Aufnahme von Finanzbildung ins Curriculum der Schulen gänzlich abzulehnen. Im Digitalzeitalter sind ja alle erforderlichen Informationen verfügbar und über Google & Co leicht zugänglich. In der Tat sollte das Lesen einiger Finanzblogs schon helfen und ausreichend sein. Diese Ansicht verkennt die Situation allerdings grundlegend! Internet und damit auch alle großartigen Finanzblogs da draußen sind Pull-Medien und keine Push-Medien. Das heißt, dass jeder Betroffene selbst den Aufwand treiben muss, um die Informationen zu finden. Es könnte gut sein, dass jene, die Informationen rund um financial literacy besonders benötigen, diesen Pull tatsächlich gar nicht erst setzen. Das muss nicht notwendigerweise vom Bildungsniveau der jeweiligen Person ausgehen – denn auch Hochschulabsolventen können lausig mit ihren Finanzen umgehen! So toll ich selbst die diversen Finanzblogs finde, so werden sie doch nur jenen Personen Finanzbildung vermitteln, die selbst aktiv danach suchen. Nur wenn dieser Impuls tatsächlich gesetzt wurde, eröffnet sich der Informationsschatz!

Dieser Artikel ist jetzt deutlich länger geworden, als ich mir gedacht hatte. Dies liegt u.a. auch daran, dass mir das Thema am Herzen liegt und es viele zu berücksichtigende Aspekte gab. Meine Schlussfolgerung, dass Finanzbildung primär eine Aufgabe des Elternhauses ist aber um die Aufnahme in die Lehrpläne der Schulen nicht wirklich ein Weg vorbei führt, mag nicht nur Zustimmung finden. Doch sehe ich keine anderen, gangbaren Alternativen. Ich freue mich auf eine rege Diskussion in den Kommentaren! Seht ihr andere, bessere Wege der Vermittlung von financial literacy?

Ach ja, hier noch die Auflösung der Survey-Fragen aus der Allianz-Studie: 1-a, 2-c, 3-b, 4-a, 5-b

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7 Gedanken zu “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr! – Wie verbesserte Finanzbildung bzw. „financial literacy“ erreicht werden kann

  1. Hallo Lukas, das ist ein überragender Beitrag zu unserer derzeitigen -weiterhin leider unbefriedigenden Situation, den ich gerne auf meinem Blog teilen möchte. Ich würde mir zwar ein System der privaten Altersvorsorge wünschen, wo auch Direktinvestments in Aktien staatlich gefördert werden, aber vermutlich würde ich da den zweiten Schritt vor dem ersten machen wollen. In Anbetracht deiner Ausführungen und dem erschreckenden Studienergebnis, sollten wir erstmal an den Grundlagen arbeiten.

    Viele Grüße
    Marco

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    1. Hallo Marco,
      Vielen Dank für die Rosen!
      Ich sehe das wie Du, nämlich, dass zuerst an den Grundlagen zu arbeiten ist – die Ergebnisse der Studie sind sehr ernüchternd. Gleichzeitig ist die Frage nach einer sinnvollen Altersvorsorgelösung angesichts der derzeit staatlich geförderten Produkte sehr brennend. Sowohl die Riester-Rente in Deutschland als auch die „staatlich geförderte Altersvorsorge“ in Österreich steht ja verschiedentlich in der Kritik.
      Viele Grüße,
      FF

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  2. Natürlich ist es für einen selbst von Vorteil eine gewisse Finanzbildung zu haben und damit sinnvoll mit seinem Geld umgehen zu können.
    Aber wenn man es mal ganz egoistisch betrachtet, dann ist es für einen selbst doch auch von Vorteil, wenn möglichst viele andere eben eher unfähig in Finanzdingen sind. Sind es doch meist genau die welche ihr Geld zum Fenster raus hauen wovon wir (z.B. über durch deren Konsum erwirtschaftete Dividenden) profitieren… 🙂

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    1. Hallo Martin,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Im Wesentlichen sagst Du ja, dass des einen Leid, des anderen Freud ist – es widerstrebt mir allerdings hier zuzustimmen. Aus gesellschaftlicher Sicht ist dem jedenfalls so. Aber auch mit dem Aspekt Dividenden von Konsumgüterunternehmen kommt man nicht wirklich zu dieser Logik – viele, inbs. sehr dividendenstarke Unternehmen wie J&J, Nestle oä. sind nicht für frivole Konsumgüter bekannt. Ganz abgesehen davon bin ich kein besonderer Anhänger der Dividendenstrategie – siehe: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/12/08/von-dividenden-juengern-die-sich-an-der-passiven-einkommensquellen-laben/
      Zudem hoffe ich, dass es bessere Wege gibt als nur vom finanziellen Unheil anderer zu profitieren 😉
      Viele Grüße,
      FF

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      1. Da kann ich dir auch gar nicht widersprechen. Aber vielleicht dennoch meinen Gedankengang noch etwas ausführen…

        Da kann man natürlich geteilter Meinung drüber sein ob man vom kurzfristigen Denken anderer profitieren sollte. Und es steht auch jedem frei sich auf Konsumgüterunternehmen zu beschränken.

        Ich sehe es auch gar nicht mal unbedingt so, dass man sich hier am Leid anderer erfreut. Wer sein Geld für Konsum raus ballert sieht das selbst ja vermutlich auch nicht gerade als Leid, sondern eher als „das Leben jetzt genießen“. Letztendlich seine Entscheidung. Und so mancher dürften auch wenn er eine gute Finanzbildung hätte trotzdem lieber den kurzfristigen Genuss wählen.

        Wenn man sich nur auf den Bereich Konsumgüter wie Nestle beschränkt, dann trifft es natürlich nicht zu, dass man vom Unheil anderer profitiert – dafür geben ja die finanziell hoch gebildeten genau so ihr Geld aus.

        Ich achte da primär eher darauf was für mich dabei raus kommt und beziehe da auch weniger „moralisch hochwertige“ Anlagen in meine Auswahl mit ein. (Noch dazu hat man bei breit streuenden ETFs ja eh nur beschränkte Steuerungsmöglichkeiten.) Ob was nun „gut“ oder „schlecht“ ist sehe ich da zweitrangig – kann ich eh nicht ändern und das Weltverbessern überlasse ich anderen. 😉 Und wenn es schon so ist wie es ist kann ich auch davon profitieren…

        Ich frage mich gerade noch wo es hin führen würde, wenn jeder eine gute Finanzbildung hätte und auch entsprechend handelt. Ich würde erwarten, dass es zu ziemlichen Problemen in der Wirtschaft käme wenn jeder spart und investiert und nur noch für das nötigste Geld ausgegeben wird. Vermute mal als Folge würden die Strategien der meisten finanziell gebildeten auch den Bach runter gehen.

        Viele Grüße,
        Martin

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      2. Hi Martin,
        Danke für Deinen ausführlichen Kommentar! Da bin ich vorhin wohl zu sehr als idealistischer Weltverbesserer rübergekommen 😉
        Denn es ist glaube ich müssig zu überlegen, ob man mit seinen Investments auch etwas Gutes tut. Dadurch entsteht ein Zielkonflikt, der nicht so leicht zu lösen ist. Auch meine Anlagestrategie ist eine breit gestreute ETF-Strategie und fragt sich nicht, ob jetzt ethisch/moralisch „gute“ Unternehmen gekauft werden oder nicht. Als Investoren sollten wir auch nicht die Verantwortung für die Käufer der Produkte übernehmen, da dies wahrlich in der Eigenverantwortung der Käufer liegen sollte. Wer entscheidet finanziell unkluge Schritte zu setzen, muss auch nicht von personal finance Bloggern gemassregelt werden. Es wäre nur wünschenswert, dass diese Entscheidungen bewusst und nicht mangels Finanzbildung unbewusst passieren.
        Die Überlegung im letzten Absatz finde ich sehr interessant, nämlich was wäre wenn sich alle finanziell verantwortungsvoll verhalten. Ich glaube nicht, dass dies derart negative Auswirkungen auf die Volkswirschaft hätte. Erstens sollten die finanziell nicht übervorteilten Bürger glücklicher / zufriedener sein. Zweitens sollte es zu vermehrter Investition (statt Konsum) kommen, was zu strukturell nachhaltigerem Wirtschaftswachstum führen sollte. Drittens gehe ich davon aus, dass der Rückgriff auf Systeme der staatlichen Fürsorge zurück gehen müsste. Dadurch sollte sowohl die Staatsquote gesenkt werden und auch die Staatshaushalte wieder ins Lot kommen. Das könnte also auch eine ganz positive Perspektive sein!
        Viele Grüße,
        FF

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