Heute erscheint schon der fünfte Artikel in der Artikelserie zu passiven Einkommensquellen, die ja eine Co-Produktion zwischen Der Finanzfisch und Meine Finanzielle Freiheit ist. Falls jemand die vorherigen Artikel der Serie nachlesen möchte, sind hier die Links:

Nachdem Euch ja Der Finanzfisch im letzten Artikel von den Vorteilen passiver Einkommensquellen überzeugt hat und ihr über die geringe gesellschaftliche Akzeptanz finanzieller Freiheit hinwegkommt, wollen wir nun zur Vorsicht vor dem Wolf im Schafspelz mahnen. Wer sich in der einschlägigen Blog-Szene und Fachbüchern umsieht, findet verschiedene Wege zur finanziellen Freiheit vorgezeichnet. Ihnen ist aber als zu Grunde liegendes Muster gemeinsam, dass aktive Einkommensquellen schrittweise durch passive Einkommensquellen substituiert werden. Ob dies durch ETFs, Investment in „Dividendenaristokraten“, Immobilien, Online-Geschäftsmodelle o.ä. passieren soll, bleibt meist dem Geschmack des Autors überlassen.

Dabei beobachte ich, dass die überwiegende Zahl der Blogs sich mit zinsbasierten Einkommensquellen beschäftigen, während systembasierte Einkommensquellen nur eher sporadisch beleuchtet werden. Deshalb möchte ich im gegenständlichen Artikel v.a. auf systembasierte Einkommensquellen eingegangen, bzw. dabei zur Vorsicht mahnen.

Bereits an anderer Stelle habe ich beschrieben, dass für den Aufbau passiver Einkommensquellen aktiv etwas unternommen werden muss. Das Ausmaß der Aufbauleistung unterscheidet sich deutlich zwischen zinsbasierten und systembasierten passiven Einkommensquellen, wobei systembasierte Einkommensquellen deutlich mehr Investition aktiver Tätigkeit erfordern. Um nun zu vermeiden, dass genau diese Investition ins Leere geht, möchte ich eine Reihe von „Wölfen im Schafspelz“ aufdecken. Es besteht nämlich die begründete Gefahr, mit viel aktivem Arbeitseinsatz (ja viele Stunden) statt eines passiven Geldstroms dann doch nur wieder eine stinknormale aktive Einkommensquelle zu erschaffen.

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Besonders leicht aufs Glatteis geführt wird, wer im Internet z.B. nach folgenden Suchbegriffen sucht:

  • Reich werden im Internet
  • €5000 im Monat von zu Hause aus verdienen
  • Einfach hohe Nebeneinkünfte erzielen
  • Mit Online-Marketing reich werden

Entweder landet man bei eher zweifelhaften Angeboten, die sehr teure Online-Kurse und Pyramidenspiel-ähnliche Strukturen promoten. Genauso leicht landet man allerdings bei „Wölfen im Schafspelz“. Den Leser dieses Artikels möchten wir daher davor bewahren, den Wölfen auf den Leim zu gehen! Hier ist nun eine Reihe von Einkommensquellen aufgelistet, mit denen man zwar ein Zusatzeinkommen erschaffen kann, aber die sich nicht als passive Einkommensquellen qualifizieren:

  • Unternehmer werden – Zuerst sei einmal gefragt was genau gemeint ist 😉 So manches Business Modell kann natürlich ein schickes Einkommenssystem sein, das tatsächlich eine passive Einkommensquelle eröffnet. Es muss dabei aber strikt darauf geachtet werden, dass eine Entkoppelung von Cashflow und aktiver Tätigkeit stattfindet und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells gegeben ist. Z.B. einen Salatladen aufmachen erscheint per se eher ungeeignet. Denn letztlich gilt die Formel Einkommen = Stunden x Salate pro Stunde x Profit je Salat. Damit liegt klar eine aktive Einkommensquelle vor und wohl ein ganz normaler stundenbasierter Job, der nur in die Verpackung Unternehmer gesteckt wurde. Anders verhält es sich dann natürlich, wenn es sich um ein Franchise-Modell für Salatläden handelt, das ausgerollt und damit skaliert werden kann. Die Umsätze ergeben sich dann auch nicht mehr auf dem Stundeneinsatz beim Salatverkauf sondern auch den Gebühren der Franchisenehmer im Rahmen der Vereinbarung mit dem Franchisegeber. Also gilt die Formel Einkommen = Gebühr für Nutzung des Franchise x Anzahl Franchisenehmer. Es handelt sich also um den Archetyp einer passiven Einkommensquelle!
  • Produkte testen – Wow, hier werden die aufwandten Test-Stunden mit wertvollen Punkten des Marktforschungs-Instituts vergütet. Die Punkteanzahl hängt dabei wohl mit der aufgewendeten Zeit eng zusammen Aber das getestete Produkt darf man ja sogar behalten, es lohnt sich also wirklich! Die Ironie ist hoffentlich klar erkennbar 😉 Da ein klar stundenbasiertes Modell mit zum Teil wirklich lausiger Entlohnung vorliegt, würde ich dringend von dieser Betätigung abraten.
  • Online-Surveys beantworten – Ähnlich verhält es sich bei Online Surveys. Ich persönlich nehme nur in absoluten Ausnahme-Fällen an derartigen Meinungsumfragen teil – das auch noch systematisch zu tun, kann ich mir allein schon auf Grund des wirklich nur schwer vorstellen. Denn auch hier gilt, dass die aufgewandte Zeit (ggf. sogar sehr schlecht) entlohnt wird, aber sicher kein passives Einkommen vorliegt. Denn sobald die Tätigkeit des heitern Klickens in Surveys zu Ende ist, fließen sicher keine Einkünfte mehr.
  • Blut oder Plasma spenden – Zweifelsfrei handelt es sich um eine gesellschaftlich sehr sinnvolle Tätigkeit. Ja, man mag dafür eine Entschädigung bekommen, doch handelt es sich zweifelsfrei um eine zeitbasierte, aktive Tätigkeit. Gerne verweise ich hier auf William Wallet’s Erfahrungsbericht. Und nicht umsonst wird bei Blut- und Plasmaspenden von einem „Aufwandsersatz“ für die aufgewendete Zeit gesprochen. Insofern handelt es sich wohl sogar um ein Paradebeispiel für eine aktive, zeitbasierte Tätigkeit. Wie gesagt, auch wenn die Tätigkeit auch aus meiner Sicht (aber aus anderen Motiven) sehr sinnvoll ist, handelt es sich dennoch nicht um eine passive Einkommensquelle.
  • Coupons – Coupon cutting ist so populär, dass es in den USA sogar eine Serie gibt, die von „extreme Couponing“ berichtet. Bei Coupons würde ich zuallererst im Hinterkopf behalten, warum das jeweilige Unternehmen die Coupons in Umlauf bringt – nämlich um zum Kauf von Produkten zu bewegen und insb. neue Kunden zu gewinnen. Der Aufwand beim Sammeln und das Administrieren der Coupons stehen aus meiner Sicht aber in keinem vertretbaren Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis. Sobald die aktive Tätigkeit des Sammelns/Einlösens wegfällt, entsteht auch kein Cashflow mehr. Darüber hinaus sind die ganz überwiegende Mehrzahl der Coupons lediglich Rabatte auf den Kauf von Gütern und daher wohl bei strenger Betrachtung nicht einmal ein Cashflow darstellen.

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Zusammenfassend würde ich jedenfalls empfehlen, bei der Beurteilung systembasierter passiver Einkommensquellen immer einen strengen Maßstab anzusetzen. Aus dem Revenue-Modell sollte ganz klar ersichtlich sein, dass es zu einer Entkoppelung von aktiver Arbeitsleistung und passivem Geldfluss kommt. Wenn das nicht der Fall ist, mag es sich zwar um eine mögliche Nebenerwerbsquelle oder sogar eine höchst sinnvolle Tätigkeit handeln (s. Blut-/Plasmaspende), doch qualifiziert sie sich sicher nicht als passive Einkommensquelle. Ich hoffe daher sehr, dass es jedem Leser gelingt, so manchem Wolf im Schaftspelz nicht auf den Leim zu gehen 😉

Die oben genannte Liste der Wölfe im Schafspelz mag unvollständig sein. Umso mehr freue ich mich, wenn die Aufzählung in den Kommentaren erweitert wird. Vielen Dank schon mal!

Der sechste und vorerst letzte Artikel in der Serie zu passiven Einkommensquellen erscheint am Montag, den 27. Februar auf Der Finanzfisch und wird sich der Frage widmen, ob man von passivem Einkommen aus ETFs tatsächlich leben kann.

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10 Gedanken zu “Der Wolf im Schafspelz – aktive Einkommensquellen, die sich als passive Einkommensquellen tarnen

  1. Ganz herzlichen Dank für diese tolle Serie!!! Mir fehlt noch die zündende Idee für mein passives Einkommen, aber ich komme der Sache näher. 🙂 Schade finde ich, dass der Aufbau von passivem Einkommen fast immer Kapitaleinsatz voraussetzt. Das schließt diejenigen, die nicht über Kapital verfügen davon aus. Oder sehe ich das falsch? Ganz liebe Grüße, Silke

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    1. Hallo Silke,
      Danke für Deinen Kommentar und Deinen regelmäßigen Besuch auf meinem Blog!
      Für zinsbasierte, passive Einkommensquellen hast Du recht, ist Kapitaleinsatz zwingend erforderlich. Allerdings kannst Du Dir auch systembasierte, passive Einkommensquellen aufbauen, für welche Du kein Kapital sondern eher anfänglichen Arbeitseinsatz aufbringen musst. Schau Dir Artikel 3 der Serie an, da findest Du mehr zu dieser Unterscheidung: https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/02/16/passive-einkommensquellen-aktiv-etwas-tun/
      Viele Grüße,
      FF

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  2. Hallo,

    guter Artikel. Ich finde den Begriff „passives Einkommen“ ohnehin irreführend. Warum sollte mir jemand Geld fürs Nichtstun geben? Eine Vorleistung ist immer von Nöten. Entweder habe ich mir Kapital erarbeitet/erspart und kann dieses nun anlegen/investieren und somit Einnahmen erzielen. Oder ich setze meine Arbeitskraft ein und schaffe etwas, wofür andere bereit sind zu zahlen. Idealerweise Dinge die Erhalten bleiben und permanent „vermarktet“ werden können (Musik, CDs, Webseiten,…). Aber auch hier sind entweder eine außergewöhnliche Begabung oder ein zunächst hoher Arbeitszeiteinsatz erforderlich, der sich vielleicht irgendwann einmal über die Maßen rentiert. Das würde dann in Richtung „passives Einkommen aus ehemals aktiver Tätigkeit“ gehen. Das Umfragen, paidmailer etc. nicht dazugehören können ist klar.

    Viele Grüße,
    Mathias

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  3. Wie lange braucht man um irgendwelche Coupons auszuschnibbeln oder Umfragen auszufüllen? Wenn man sich da mal seinen Stundenlohn ausrechnet, müssten kleine Tränen im Augenwinkel sichtbar sein. Das ist doch eine Katastrophe. Man sollte die Zeit lieber nutzen um in sich und seine Produktivität zu investieren. Guter Artikel!

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Richtigerweise müsste man eine ähnliche Betrachtung zum Stundenlohn gerade bei den systembasierten Einkommensquellen vornehmen. Die Logik wäre, wie viele Stunden werden aufgewendet (die anderweitig abgegolten werden könnten), um eine passive Einkommensquelle aufzubauen. Dieser „Business Case“ bzw. eine ROI-Betrachtung für systembasierte Einkommensquelle würde aus meiner Sichr so manche Anstrengung doch deutlich in Frage stellen, z.B. Blog schreiben, Fotos vermarkten, etc.
      Viele Grüße,
      FF

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