Der Privatier hat für August 2016 zur Blogparade zum Thema „Freiheit oder Langeweile“ eingeladen. Dieser Einladung folge ich gern mit einem Blogbeitrag, der außerhalb meines gewöhnlichen Publikationsrhythmus erscheint. Der August war dann doch voller Aktivitäten, weshalb ich erst am 31. August, also dem letzten Tag der Blogparade zur Publikation komme.

Warum finanzielle Freiheit anzustreben?

Bereits in einem der ersten Artikel auf meinem Blog habe ich beschrieben, warum finanzielle Freiheit sinnvoll und erstrebenswert ist: Vorsorge für Schicksalsschläge, Vermögensaufbau für Ruhestand/die nächste Generation und Selbstbestimmung des eigenen Handelns. Während die ersten zwei Gründe durchaus rational klingen mögen, wirkt der dritte Punkt noch esoterisch und vielleicht unkonkret. Gern möchte ich diesen Artikel nutzen, um gerade diesen Punkt zu konkretisieren.

Selbstbestimmung des eigenen Handelns ist ein weiter und abstrakter Begriff, der für mich in seinem Kern die freie Verfügung über verfügbare Zeit bedeutet. Das bedeutet die Freiheit von zeitlich (und örtlich) einschränkenden unselbständigen Arbeitsverhältnissen aber auch von anspruchsvollen und fordernden Kundenwünschen für den Freiberufler. Diese Freiheit kann nur durch die Loslösung von der dringenden und unmittelbar erforderlichen nächsten Gehaltszahlung gelingen. Durch den Wegfall dieser „Angst-und-Zwang-Motivation“ für das Nachgehen der beruflichen Tätigkeit, gelingt idealtypisch die selbstbestimmte Wahl über die Verwendung der verfügbaren Zeit.

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Ist es überhaupt wert den jahrelangen, mühevollen und entbehrungsreichen Weg zur finanziellen Freiheit zu gehen?

Ich habe diese Frage für mich mit einem klaren „Ja“ beantwortet – sonst würde mein Blog ja keinen Sinn machen bzw. wäre es irrational ihn zu schreiben. Das bedeutet aber auch, dass ich die Abwägungsentscheidung, dass das Beschreiten des Wegs zur finanziellen Freiheit weniger beschwerlich ist, als die Vorteile aus der finanziellen Freiheit, wie zuvor genannt, klar getroffen habe. Dafür habe ich zwei Gründe.

Erstens ist die finanzielle Freiheit und mit ihr einhergehend die Selbstbestimmung in Zeit und Raum per se ein hohes Gut. Finanzielle Freiheit erlaubt Entscheidungen zur Verwendung der eigenen Zeit frei von Zwang und Angstgefühlen zu treffen. Die hypothetische Betrachtung, wie konkrete Entscheidungen getroffen würden, wenn der Zwang und Druck der nächsten Gehaltszahlung bzw. des nächsten Auftrags wegfällt, kann sehr erhellend sein: Würde man sich gegen so manche berufliche Anforderung entscheiden, einfach nein sagen? Zu Gunsten von Freunden und Familie? Würde man Zeit nur mehr selektiv auf Aktivitäten zuordnen, die im Einklang mit den persönlichen Werten liegen? Die Entscheidung wäre jedenfalls ganz bewusst getroffen und somit stärker im Einklang mit Wünschen und Erwartungen, wodurch es zu höherer subjektiver Zufriedenheit kommen muss.

Zweitens würde ich in Frage stellen, ob der Weg zur finanziellen Freiheit derart beschwerlich und entbehrungsreich sein muss. Es können Gewohnheiten, wie z.B. das automatisierte Sparen und Optimierungsmöglichkeiten genutzt werden, die nicht unmittelbar Entbehrungen hervorrufen. Natürlich kann es sinnvoll sein, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und so weitere Möglichkeiten für Einsparmöglichkeiten zu finden. Den Pfad der „Extrem-Frugalisten“ möchte ich für mich allerdings nicht beschreiten. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass allein die Optimierung der Ausgabenseite der Gleichung nicht ausreichen wird, das Ziel der finanziellen Freiheit zu erreichen. Siehe auch mein Artikel Finanziell frei mit Durchschnittseinkommen und Sparsamkeit? Leider, nein!.

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Was tun, mit der durch die finanzielle Freiheit gewonnen Freiheit/Freizeit?

Der Vorhalt eines möglichen Kritikers, dass ja völlig unklar wäre, womit die gewonnene Freiheit/Freizeit verbracht werden könnte, ist aus meiner Sicht nicht angebracht. Die Entscheidung über die Zeitverwendung kann bei Erreichen der finanziellen Freiheit nämlich bewusst getroffen werden: Zeit kann für Familie, Freunde, Reisen, mehr Sport, Kunst, Kultur, kreatives Schaffen, karitative Tätigkeiten, etc., je nach der bestehenden Lebenssituation aufgewandt werden. Eine Festlegung auf ein vordefiniertes Programm, à la „wenn ich erst finanziell frei bin, werde ich…“ erscheint mir nicht zielführend. Dadurch wird gedanklich eine Entbehrungssituation geschaffen, die es schwerer machen wird, den Weg zur finanziellen Freiheit konsequent zu beschreiten.

Natürlich schöpfen viele Menschen aus Ihrer beruflichen Tätigkeit Zufriedenheit. Der Schluss, dass aus dem Wegfallen der beruflichen Tätigkeit auch die Zufriedenheit wegfällt ist meines Erachtens aber ein Fehlschluss. Zufriedenheit kann nämlich aus vielen anderen Tätigkeiten geschöpft werden – ich kenne eine finanziell freie Person, die unglaubliche Zufriedenheit aus ihren karitativen Projekten schöpft. Es handelt sich bei ihr um eine völlig freiwillig aufgenommene Tätigkeit, die sämtlichen Apekten der Selbstverwirklichung gerecht wird.

Aus dem Kontakt mit verschiedenen Mitstreitern, u.a. einigen Blogger-Kollegen kann ich zudem sagen, dass sich eine radikale Veränderung der Lebensführung durch das Erreichen der finanziellen Freiheit wohl nicht ergeben wird. Vielmehr geht es um das Setzen von selbst gewählten Akzenten. Von Langeweile hat bisher noch niemand berichtet, vielmehr jedoch von der Chance sich bewusst wertgeschätzten Aktivitäten zuzuwenden.

Für mich selbst kann ich sagen, dass ich mit Eintritt der finanziellen Freiheit auch keine radikale Veränderung meines Lebensstils vornehmen würde. Tätigkeiten, denen ich schon heute gern nachgehe, würde ich wohl umfangreicher und akzentuierter nachgehen. Das wird auf viele Aktivitäten von Reisen über Sport, Literatur, Kunst & Kultur bis hin zu Quality Time für Freunde und Familie zutreffen. Hier gilt, wie oben schon beschrieben, dass ich keinen konkreten Plan für den Zeitpunkt der finanziellen Freiheit vorhalte und die Entscheidung über die gewonnene Freizeit gerne dann bewusst und situativ treffen würde…vor etwaiger Langeweile habe ich jedenfalls keine Angst 😉

Zu Angaben zu meiner Person und meinem Weg zur finanziellen Freiheit, verweise ich auf die folgende Seite.

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Ein Gedanke zu “Blogparade: Finanzielle Freiheit – Freiheit oder Langeweile?

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