Grundsätzlich stehe ich der Asset-Klasse p2p Kredite ja positiv gegenüber. Gleichzeitig bin ich auch gespannt, wie sich das noch junge Geschäftsmodell entwickelt und mit dem konventionellen Bank-Geschäftsmodell verweben wird. In meiner Betrachtung der Risikofaktoren des p2p Lending im Artikel Taugt p2p Lending als passive Einkommensquelle? hatte ich schon auf das Illiquiditäts-Risiko hingewiesen. Das durfte ich jetzt am eigenen Leib erfahren!

Zuerst aber nochmal ein Schritt zurück: In 2016 hatte ich begonnen mehrere p2p Plattformen zu testen. Ich wollte sowohl Erfahrungen aus erster Hand sammeln als auch eine mögliche neue Asset-Klasse erschließen. Meine Erfahrungen mit den vier getesteten Plattformen Lendico.at, Bondora, Mintos und Viventor habe ich im Artikel Spieglein, Spieglein an der Wand, welche ist die beste p2p Lending-Plattform im ganzen Land zusammengefasst. Mein Fazit war, dass ich das Investiren auf Viventor und Lendico.at einstellen werde. Das hat je nach Plattform verschiedene Gründe:

  • lendico.at – hier war seit mehreren Monaten (!) kein neues Investment mehr möglich, da keine Kredite angeboten wurde. Das bedeutet quasi auch das faktische Unmöglichwerden weitere Investments. Mittlerweile gehe ich davon aus, dass diese Plattform auch nicht mehr zum Fliegen kommen wird sondern ein verglühter Stern am FinTech-Himmel ist. Da Lendico.at keinen Sekundärmarkt hat – ein wesentlicher Konstruktionsfehler der Plattform – bin ich noch mehrere Jahre gebunden und darf daher versprüren, was Illiquidität bedeutet! Hier kann ich daher wohl erst in einigen Jahren einen Erfahrungsbericht schreiben…
  • Viventor – die Plattform hatte mich zwar anfangs gut gefallen und zeichnete sich auch durch einen sehr guten Kundendienst aus. In der Zwischenzeit waren aber (kleine) technische Probleme bei der Abrechnung aufgetreten, die nicht gerade vertrauensbildend waren. Zudem kam es auch auf Viventor zum Austrocknen des Kreditangebots. Auch wollte eine Diversifikation nicht gelingen, da meist nur Spanische Konsumkredite verfügbar waren. Das Versprechen, Hypothekarkredite kaufen zu können, blieb bis zuletzt unerfüllt. Daher fasste ich auch bei dieser Plattform den Entschluss meine Geschäftsbeziehung zu beenden.

Meine Erwartung, wie die Kontoschließung bei Viventor laufen würde

Ich dachte, dass der Abverkauf der Portfolios bzw. die Schließung des Kontos ratz fatz gehen würde. Immerhin verfügt Viventor über einen Sekundärmarkt, der die Liquidität meiner Kredite sicherstellen sollte. Da der Customer Service zuvor stets sehr rasch und bemüht war, dachte ich, dass es sich nur um einige Klicks und Tage handeln müsste. Tja, da hatte ich mich aber deutlich geirrt!

Wie die Kontoschließung tatsächlich verlief

In der Folge habe ich eine kleine Chronologie zusammengestellt, wie die Beendigung meiner Geschäftsbeziehung mit Viventor tatsächlich verlief:

  • Dezember 2016: Nachdem ich den Entschluss zur Kontoschließung gefasst hatte, prüfte ich als erstes die Auszahlung eines bereits bestehenden Guthabens auf meinem Viventor-Konto. Wie gesagt, hatten ja Investitionen via Auto-Invest nicht mehr funktioniert, weshalb Kapital brach lag. Bereits in diesem Zeitpunkt stoppte ich auch die Auto-Invest-Funktion um keine neuen Kredite mehr zu kaufen. Es gab aber gleich zwei Hürden, um die Auszahlung des Kapitals zu bewerkstelligen.
  • Ende Dezember 2016: Die erste Hürde war das das Hinterlegen meines Referenzkontos als Zahlungsempfänger. Das wollte über die Online-Maske nicht funktionieren, was daher der Kundendienst (via E-Mail angesteuert) erledigten musste und auch erledigte. Die zweite Hürde war trickreicher: Viventor forderte mich auf ein Formular zur Vermeidung von Quellbesteuerung von meinem Finanzamt gegenzeichnen zu lassen, widrigenfalls würde estische Quellensteuer einbehalten. Diese steuerliche Meinung scheint nur Viventor zu vertreten, denn Mintos, eine weitere estische p2p Lending-Plattform, fordert dies nicht. Leider schickte mir Viventor das falsche Formular zu, weshalb mein Finanzamt die Bestätigung prompt ablehnte.
  • Mitte Januar 2017: Nachdem ich nach einiger Recherche das offenbar richtige Formular gefunden hatte, durchlief ich das Prozedere mit dem österreichischen Finanzamt. Es sei angemerkt, dass das Finanzamt sehr rasch tätig wurde und die Bestätigung innerhalb einer Woche zurückgeschickt hatte.
  • Ende Januar 2017: Nachdem diese beiden Hürden genommen waren, stand den Auszahlungen neben der Kapitalbindung in den Kredite nichts mehr im Weg.
  • Feburar 2017: Ich erhielt die erste Tranche (~25% meines eingesetzten Kapitals), das sich iW auf Grund des Auslaufens von Krediten angesammelt hatte. Die Überweisung traf zügig ca. 2 Tage nach der Beauftragung auf meinem Referenzkonto im Rahmen einer SEPA-Auslandsüberweise ein.
  • Anfang Februar 2017: Natürlich wollte ich jetzt den Sekundärmarkt aktiv nutzen, um Kredite rasch zu barer Münze zu machen, insbesondere jene Kredite die eine Laufzeit >2 Monate hatten. Gleichzeitig war ich nicht bereit Abschläge in Kauf zu nehmen. Ich stellte also sämtliche Kredite mit Laufzeit >2% ohne Agio/Disagio zum Verkauf. Ich war sehr erfreut, dass die Kredite sehr schnell verkauft waren. Dies lag mE daran, dass es de facto keine Kredite auf dem Primärmarkt gab, weshalb viele Investoren ihr brach liegendes Kapital zu fairen Konditionen am Sekundärmarkt investieren wollten
  • Februar 2017: Ich erhielt die zweite Tranche (wieder ~25% des eingesetzten Kapitals) auf mein Referenzkonto überwiesen.
  • Zweite Februar-Hälfte 2017: Ich wurde kühner und stellte Kredite mit einem Agio von 1 und 2% im Sekundärmarkt ein. Gleichzeitig liefen viele der kurzlaufenden spanischen Konsumfinanzierungen aus und so kam es auch zu einer Reihe an planmäßigen Tilgungen. Es kam tatsächlich zu Verkäufen einiger Kredite mit bis zu 2% Agio, was mich sehr stutzig machte – es handelte sich dabei nämlich sogar um ausgefallene Kredite! Dies ist mE ein Indiz dafür, dass der Sekundärmarkt auf Viventor völlig überhitzt ist, denn eine rein wirtschaftliche Betrachtung würde einen Abschlag auf das Nominale für einen ausgefallenen Kredit vorsehen. Ich freute mich über die (kleine) Rendite-Aufhübschung.
  • März 2017: Ich erhielt die dritte Tranche (wieder ~25% des eingesetzten Kapitals) auf mein Referenzkonto überwiesen.
  • März 2017: Weiterhin nütze ich den – offensichtlich überhitzten Sekundärmarkt – und verkaufte mehrere Kredite mit 1 oder 2% Agio. Gleichzeitig kam es auch zur Einlösung der Rückkaufgarantie für länger als 60 Tage ausgefallene Kredite. Dabei konnte ich beobachten, dass ein Verkauf zu 0% Agio bei einem ausgefallenen Kredit sogar nachteilig sein kann. Da die Rückkaufgarantie sowohl Kapital als auch Zinsen umfasst erhält man als Investor nach Ablauf der 60% den vollen Wert, inkl. Zinsen bis zum Tag des Rückkaufs. Bei einem Verkauf über den Sekundärmarkt erhält man nur den Verkaufspreis auf das Nominale, was in dieser Situation nachteilig gegenüber dem Einlösen der Rückkaufgarantie ist.
  • März 2017: Ich erhielt die 4. Tranche meines eingesetzten Kapitals zurück, womit nur noch die aufgelaufenen Zinsen auf Viventor gebunden waren.
  • April 2017: Nun musste ich warten, bis sämtliche Kredite – es waren nur ausgefallene Kredite übrig… – die 60-Tage Frist überschritten hatten, um die Rückkaufgarantie auszulösen.
  • April 2017: Ich erhielt die letzte ausstehende Zahlung und hatte nun auch sämtliche Zinsen ausbezahlt bekommen. Mein Viventor-Konto stand (endlich) auf 0.
  • Ende April 2017: Über den E-Mail-Kundendienst stellte ich sicher, dass das Konto auch tatsächlich geschlossen wird. Leider gab es keinen standardisierten Steuer-Report, aus welchem ich die entsprechenden Beträge zur Aufnahme in meiner Steuererklärung ablesen konnte. Vielmehr musste ich die gesuchten Zahlen aus dem Datensatz selbst zeihen und auswerten. Die Kontoschließung erfolgte dann von einem Tag auf den anderen und ich merkte sie primär, dass ich nicht mehr das etwas nervige tägliche E-Mail mit den Zahlungen des Vortages erhielt 😉

Mein Fazit

Das Illiquiditätsrisiko auf den diversen p2p Plattformen ist sehr real! Zwar hat der Sekundärmarkt auf Viventor mir hier geholfen, doch war er aus meiner Sicht klar überhitzt. Es gab also eine Menge ambitionierter Hobby-Investoren, die ihre Finanzentscheidungen nach nicht ausschließlich wirtschaftlichen Kriterien erfolgt.

Wenn ich bedenke, dass ich weniger als 1 Promille meines Vermögens auf Viventor investiert hatte, gebe ich zudem zu bedenken, dass der Administrations-Aufwand sehr hoch war und in keinem Verhältnis zum Verwaltungsaufwand stand. Ja, die Rendite liegt nach Abschluss meines Viventor-Abendteuers bei ca. ~9% vor Steuer, was respektabel ist. Durch die Rückkaufgarantie hatte ich keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen. Wenn ich aber Steuern abziehe und auch meinen Adminstrations-Aufwand entsprechend bepreisen würde, dann hätte ich gewisse Fragezeichen, ob die Investition überhaupt sinnvoll ist.

Jedenfalls habe ich eine Menge über die hoch gelobten FinTechs gelernt. So easy die Acquisition war – ich war glaube ich über einen Banner zu Viventor gestoßen – so mühsam gestaltete sich der Ausstieg sowohl administrativ als auch im Sinne der steuerrechtlichen Fragen.

Gerne verweise ich noch auf einige Artikel zum Thema p2p Lending, die ich hier für alle aufliste, die nochmal nachlesen wollen:

Was habt ihr so an Erfahrungen mit Illiquidität und Administration auf p2p-Lending-Pattformen gemacht? Freue mich über eine rege Diskussion und einen guten Gedankenaustausch in den Kommentaren!

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14 Gedanken zu “Illiquidität und administrative Hürden – Wie mühsam es sein kann von einer p2p Plattform wieder auszusteigen

  1. Ich wollte auf Viventor auch investieren. Aber da die da so viele private Dinge von einem haben wollten (Heizkostenabrechnung?!) habe ich mein Konto gleich wieder schließen lassen bevor ich auch nur 1 Cent dort überwiesen habe. War ja dann doch keine so schlechte Idee….

    Momentan bin ich nur auf Mintos und Twino. Mintos läuft hervorragend. Aber bei Twino liegt jetzt auch schon wieder seit Tagen sehr viel Geld rum.

    Generell bin ich auch am überlegen ob ich P2P überhaupt weitermachen sollte. Mintos läuft zwar gut, aber das ist meiner Meinung nach auch bisher der zuverlässigste Anbieter und den ganzen kleinen vertraue ich nicht (mehr).

    Ich bin am überlegen ob ich nicht doch lieber das Geld abziehen sollte und dann in – meiner Meinung nach – die sichere Anlage „Aktien“ weiter investieren sollte. Mal sehen wie es mit Twino weitergeht.

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    1. Hallo Gurki,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Die „utility bill“ Anfrage hatte mich am Anfang auch verwundert. Das liegt aber daran, dass es in vielen Ländern keine amtliche Meldebestätigung gibt, wodurch die Stromrechnung als Nachweis dafür herangezogen wird. Ich hatte Viventor meine (österreichische) Meldebestätigung geschickt und damit waren sie dann auch zufrieden.
      Ich sehe das wie Du, nämlich, dass sich bei den vielen p2p Plattformen noch Spreu von Weizen trennen wird. Ich gehe davon aus, dass wohl einige Plattformen wieder vom Markt verschwinden werden. Wie das genau ablaufen wird, wenn einen Plattform pleit geht, ist glaube ich noch nicht so klar. Das Zurückbekommen des investierten Geldes könnte dann aber recht mühsam werden. Was meinst Du?
      Musste sehr schmunzeln, als Du jetzt von der sicheren Anlage Aktien sprachst – so sehr ich die Aussage gerade zu den operativen Risiken beim Investieren teile, so wenig durfte diese Aussage in der breiten Bevölkerung mehrheitsfähig sein 😉
      Viele Grüße
      FF

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  2. Hallo,
    danke für den interessanten Bericht. Viventor kenne ich nicht, aber leider bin ich auch noch bei Lendico investiert (mittlerweile nur noch ca. 80€). Hier werde ich in einem Jahr die letzten Rückzahlungen erhalten – wenn alles gut geht. Ich gehe davon aus dass diese Plattform verschwinden wird.

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    1. Hallo Julia,
      Danke für Deinen Kommentar.
      Ich bin – wie im Artikel erwähnt – auch noch auf lendico (.at) investiert. Ich teile Deine Einschätzung, dass die Plattform wohl nicht abgehoben haben dürfte und sie vom Markt verschwinden wird. Ich bin dabei aber gespannt, wie die Abwicklung genau funktionieren wird, wer kümmert sich dann noch um Inkasso, Abrechnung, etc. Lendico verrechnet ja auch seine Service-Gebühr, wohin fließt die dann wohl?
      Viele Grüße
      FF

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    1. Hi Vincent,
      Ja, manche der großen Plattformen mögen Vorteile haben. Gleichzeitig bleiben das fundamentale Problem der Illiquidität auch dort bestehen. Ich frage mich, ob nach Abflachen des „Hypes“ zu p2p Lending nicht ein bitterer Nachgeschmack verbleiben wird. Spätestens dann, wenn viele Investoren ihr Geld abziehen wollen und das doch nicht so einfach geht, könnte ein ernüchternder Moment eintreten.
      Viele Grüße
      FF

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  3. Moin,
    ich bin auch kein großer Freund von Viventor und ebenfalls Anfang des Jahres ausgestiegen.
    Aber deine „Vorwürfe“ finde ich trotzdem etwas merkwürdig.
    Das die Quellsteuer ohne Ansässigkeitsbescheinigung einbehalten wird, kommuniziert Viventor doch ganz offen.
    Und das du in langfristige Kredite gehst und dich dann beschwerst, dass du diese nicht für Umme auf dem Zweitmarkt los wirst … Joa, ist ja nun auch nicht die Schuld von Viventor.
    Auch das Ausfälle erst nach 60 Tagen durch den Buyback zurückgezahlt werden, ist bekannt.

    Versteh mich nicht falsch. Ich bin auch raus bei Viventor.
    Aber deine Kritikpunkte halte ich doch etwas für unfair, da diese meiner Meinung nach, nicht von Viventor verschuldet waren.

    Schöne Grüße
    Sebastian

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    1. Hallo Sebastian,
      Danke für Deinen Kommentar.
      So will ich das auch nicht verstanden wissen. Vielmehr ging es mir darum, auf diverse Faktoren hinzuweisen, die beim Ausstieg aus einer Plattform zu beachten sind, v.a., dass es länger dauert als man meinen möchte. Derzeit fließt ja noch eine Menge Geld auf die p2p Plattformen, wenn der Trend in die andere Richtung schwappt, könnte es für manchen zu Überraschungen kommen. Zu Deinen Punkten im Einzelnen:
      1) Ansässigkeitsbestätigung – verwundert hat mich, dass andere p2p Plattformen im selben steuerlichen Regime (z.B. Mintos) das nicht verlangen. Viventor hatte mir zudem das falsche Formular zugeschickt 😉
      2) Langfristige Kredite/Zweitmarkt: War eher überrascht, dass am Zweitmarkt Kredite mit Agio verkauft werden können, auch wenn sie ausgefallen waren. Das zeigt mir eher, dass der Zweitmarkt überhitzt ist. Wenn der Trend in die andere Richtung geht, nämlich, dass alle verkaufen wollen, dann wird das definitiv nicht mehr der Fall sein
      3) Ausfälle: Klar, dauert es 60 Tage bis die Rückkaufgarantie zieht. Ich wollte allerdings eher darauf hinweisen, dass es finanziell sinnvoll sein kann, die 60 Tage auszusitzen statt at par am Sekundärmarkt zu verkaufen.
      Jetzt hoffe ich das klargestellt zu haben und nicht unfair gegen Viventor gewesen zu sein 😉
      Viele Grüße
      FF

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