Zum Jahresbeginn 2018 habe ich eine Reihe von Artikeln veröffentlich, die sich mit dem Thema Kontrolle über die eigenen Finanzen auseinandergesetzt haben. Dabei habe ich provokant formuliert, dass Schulden der Erzfeind der finanziellen Freiheit sind. Zwar mag es „gute“ bzw. „weniger feindliche“ Schulden geben, doch blieb es bei meiner grundsätzlichen Aussage. Gleichzeitig werden Konsumkredite in der Personal Finance Blog-Community oft als die Inkarnation des Teufels verflucht. Doch bevor ich mich dem undifferenziert anschließe: Sind Konsumkredite denn immer schlecht? Wofür werden Sie überhaupt verwendet? Ist auf Grund der Nutzung des Kredits immer auf die Verwerflichkeit der Kreditaufnahme zu schließen?


Woher kommt denn die Ansicht, dass Konsumschulden so schlecht und böse sind? Ein Blick in die Personal Finance Blog-Community gibt da ein schillerndes Bild ab:

  • Stefan von Finanzen mit Plan erklärt, dass Menschen, die Konsumschulden aufnehmen „sich der Werbung und dem Kaufzwang vollkommen öffnen und ihn zulassen.“ Autsch!
  • Der Kapitalist Martin sieht in Konsumfinanzierungen „die Krankheit des Mittelstands“! So würde alles finanziert, das Auto alle paar Jahre, der Fernseher, selbst der Urlaub. Dabei wäre doch klar, alles was finanziert werden müsse, könne man sich nicht leisten. Messerscharf!
  • Auch Finanzguru Bodo Schäfer weiß, Konsumschulden rauben Energie, Motivation und Selbstbewusstsein. Diese Wirkung auf die Psyche wäre die logische Konsequenz aus dem Teufelskreis der Schulden.

Dem Tenor, dass Schulden abzulehnen sind, schließe ich mich ja auch grundsätzlich an. Wirkt der Zinseszinseffekt doch bei Vorliegen von Schulden grundsätzlich gegen den Schuldner. Das heißt, dass eine sehr mächtige Kraft (je höher der Zinssatz und je länger die Verschuldung andauert, umso mächtiger) sich gegen den Schuldner wendet. Diese Kraft arbeitet daher mit voller Wucht gegen die finanzielle Freiheit. So einfach ist mein Zwischenfazit.

Meine Aussage ist allerdings allgemeiner gefasst, als mancher der Kritikpunkte aus der Blogger-Community. So wird ja zuweilen gleich auch auf die dahinterliegenden Ausgaben geschlossen. Auto, Fernseher und Urlaub werden dort als die Kardinalsünden der bösen Konsumkreditnehmer angeprangert. Doch was sind die Gründe für die Aufnahme von Konsumschulden? Nicht immer wird ja ein direkter Konnex zwischen Kreditaufnahme und ach so verwerflichem Kauf sein. Die folgende Grafik gibt daher einen guten Überblick über die Gründe dafür, die zur Aufnahme von € 38,5 Mrd. an Konsumkrediten geführt haben.Gründe KonsumkrediteInteressant dabei ist, dass neben den oft genannten Gründen für den Konsumkredit (Auto, Unterhaltungselektronik und Urlaub) auch noch eine Reihe an weiteren, zuweilen weniger prominenten Gründen genannt wird. Auto, Elektronik und Urlaub werden wohl deshalb als besonders verwerflich eingestuft, weil der Kauf meist völlig verzichtbar ist. Der neue Wagen/Gebrauchtwagen, das neue TV-Set oder der nächste Urlaub, kann – sicher unter Entbehrungen – aber doch, ohne weitere, dramatische Konsequenzen wegfallen. Beim Auto kann das zwar bestritten werden, wenn nämlich ein Pendeln zum Arbeitsplatz erforderlich ist, vielleicht gibt es aber auch dafür weniger bequeme Alternativen mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine Auffälligkeit sind für mich die Kreditgründe Ablösung von Ratenkrediten und der Dispoausgleich. Dies deutet nämlich auf ein reges Refinanzierungs-Treiben bei Konsumkrediten hin. Früher – aus welchen Gründen auch immer – aufgenommene Ratenkredite oder der zu großzügig genützte Dispokredit tragen also in diesen Fällen bereits zur Schuldenspirale bei. Dieses Roll-Over ist besonders kritisch zu sehen, da meist wohl nur die Rückzahlung in die Zukunft geschoben wird, wenngleich die Tilgung nicht vorangetrieben wird. Natürlich kann bei einer Refinanzierung und bei einer Konsolidierung bereits bestehender Schulden z.B. über Vergleichsplattformen ein günstiger Zinssatz erzielt werden. Dennoch würde ich einer solchen Umschuldung immer einen Tilgungsansatz nach der Schuldenlawine vorziehen, um ein „Loch auf, Loch zu“-Spiel zu vermeiden.

Die nächste Beobachtung an Hand der Grafik ist, dass eine Reihe von Gründen für die Kreditaufnahme nicht sofort nach Luxusausgaben klingen. Nämlich: Küche/Möbel, Haushaltsgeräte, Renovierung/Umzug und Kleidung. Oft wird es sich um prekäre Situationen handeln, die einen Rückgriff auf einen Konsumkredit erfordern. Die kaputte Waschmaschine, Renovierungsarbeiten durch Schäden am Haus, ein beruflich bedingter Umzug oder der Kauf von Winterkleidung für die Kinder fallen in diese Kategorie. Hier fällt es mir schwer die zu Grunde liegende Transaktion sofort als frivol abzustempeln. Nichts desto trotz zeigen solche Käufe auch, dass die Haushaltsfinanzen in einem sehr angespannten Zustand sind. Natürlich wäre es ein Leichtes derartige Käufe aus dem Notfallfonds zu begleichen, wenn sie tatsächlich notwendig sind. Doch es scheint, als wäre der Notfallfonds oft gar nicht angelegt worden…

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Mein letzter Hinweis wäre, dass ich auf die Prozentangaben kein allzu großes Gewicht legen würde. Die Summe der Kategorien ergibt mehr als 100%, es waren in der Umfrage also Mehrfachnennungen möglich. Zudem werden die genannten Kreditgründe oft sehr unterschiedlich hohe Kreditbeträge nach sich ziehen – Neuwagen vs. Waschmaschine ist da ein sehr schiefer Vergleich. Insofern ziehe ich aus den Prozentangaben keine weiteren Schlüsse.

Diese Betrachtung der Kreditgründe soll nun nicht den falschen Eindruck erwecken, dass ich darüber urteilen möchte wer wofür Geld ausgegeben soll. Es ist in der Selbstverantwortung jedes einzelnen, wofür er sein vorhandenes oder über Konsumkredit erlangtes Geld ausgeben möchte. Ob ich persönlich das als vernünftig oder unvernünftig, sinnvoll oder nicht sinnvoll, etc. ansehe, ist ja irrelevant. Vielmehr geht es darum, darauf hinzuweisen, dass bei Konsumkreditaufnahmen nicht nur frivoler Konsum im Vorderrund steht. Vielmehr sind oft prekäre finanzielle Verhältnisse (Abdecken von Notsituationen bzw. Grundbedürfnissen) oder eine bereits bedrohlicher Schuldenberg vorhanden (Refinanzierung), die dringenden Handlungsbedarf aufzeigen. Entsprechen möchte ich auch auf einige meiner Artikel hinweisen, die hier Abhilfe bieten können:

  • Die Schuldenlawine  – die MFF-Methode zum effektiven Abbau eines Schuldenbergs! Wenn er denn einmal aufgehäuft wurde – Umschuldungen spielen darin nur eine eher untergeordnete Rolle, stehe ich dem „Weiterwursteln“ doch grundsätzlich kritisch gegenüber
  • Privatkonkurs  – wenn der Schuldenberg gar bedrohlich sein sollte, zeigt dieser Artikel an Hand von ein paar einfachen Kenngrößen, wann Sanierungsmaßnahmen unter Beteiligung der Gläubiger sinnvoll sein können
  • Notfallfonds  – Für unerwartete Entwicklungen, für die offenbar zuweilen auf Konsumkredite zugegriffen wird, kann besser auch ein Notfallfonds vorsorge leisten, ohne dass unmittelbar die Aufnahme von Krediten erforderlich ist
  • Wie man mit dem Sparen anfängt – auch in finanziell angespannten Situationen sollte es möglich sein, an einigen Punkten mit dem Sparen zu beginnen – der Artikel enthält einige erste Anregungen, wo es losgehen kann – der erste Schritt will aber einmal gemacht werden!

Angesichts der zuweilen emotional geführten Diskussion über Konsumschulden, bin ich bei diesem Artikel besonders auf Reaktionen gespannt. Vielleicht meldet sich ja auch jemand zu Wort, der sich von Konsumschulden gelöst hat und nun finanziell auf soliden Beinen steht. Ich freue mich auf eine rege Diskussion in den Kommentaren!

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7 Gedanken zu “Sind Konsumkredite immer schlecht? Wofür werden sie verwendet?

  1. Um die Grundsatzfrage zu beantworten: Meiner Meinung nach sind Konsumschulden immer schlecht, denn entweder (1.) geben sich Menschen unnötigen Ausgaben (dickes Auto etc.) hin und müssen diese irgendwie stemmen oder (2.) befinden sich in einer äußerst schwierigen finanziellen Situation und sind gezwungen, notwendige Konsumgüter mit einem Kredit zu beschaffen. Für mich ist die Frage daher auch eigentlich nicht, ob Konsumschulden schlecht sind oder nicht. Sondern eher, ob sie vermeidbar sind. Sind sie das (zumindest eine zeitlang) nicht, macht es keinen Sinn, sich darüber zu beklagen, wie schlecht sie sind. 🙂 Dann geht es temporär nicht anders und man muss damit klarkommen und sie schnellstmöglich bedienen. Für den Vermögensaufbau sind sie in beider Hinsicht Gift.

    Grüße von Depotstudent 🙂

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  2. Ich bin auch überhaupt kein Freund von Krediten.
    Aber gerade heute habe ich gebeichtet, dass auch ich nicht ohne ausgekommen bin: https://hobbyinvestor.de/smava-kredit-und-ich/
    Es sind zwar Minuszinsen aber Kredit bleibt Kredit. Das Geld hätte ich gehabt, aber an seine Investition gehen zu müssen tut auch weh 🙂
    Jetzt hab ich halt wieder monatliche Fixkosten, die sich zwar im Rahmen halten aber unschön sind.

    Schöne Grüße
    Sebastian

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