Meine Leser wissen bereits, dass für mich finanzielle Freiheit eng mit persönlicher Freiheit verknüpft ist. Damit meine ich insbesondere auch die Freiheit von den Systemen der staatlichen Vorsorge und der politischen Willkür ihrer Veränderung. Wie ich im Blogbeitrag Warum überhaupt finanzielle Freiheit anstreben? beschrieben habe, soll finanzielle Freiheit auch Vorsorge vor unvorhersehbaren Schicksalsschlägen bedeuten.

Wenn Sie jetzt entgegnen, dass genau zu diesem Zweck ja Arbeitslosenversicherung, Mindestsicherung, Hartz IV & Co. vorgesehen sind, würde ich entgegnen, dass ich mich auf diese Systeme eben nicht verlassen würde wollen. Einerseits sind sie meist an enge Kriterien gebunden, beanspruchen zuerst etwa vorhandenes Vermögen und sind in der Tat meist „zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“. Besonders das Kriterium, auf vorhandenes Vermögen zurück zu greifen, ist besonders kritisch – wenn Sie am Weg zur finanziellen Freiheit bereits Vermögen aufgebaut haben, würden die staatlichen Sicherungssysteme erst mal zugreifen, bevor sie helfen.

Welche Schicksalsschläge oder Notfälle sind gemeint?

Schicksalsschläge und Notfälle können in verschiedener Art und Ausprägung auftreten. Z.B. plötzlicher Jobverlust in Folge Insolvenz des Arbeitgebers, langer Krankenstand in Folge eines Sportunfalls, teure Getriebereparatur am eigenen Auto das zum Pendeln erforderlich ist, Sturmschaden am Dach des Eigenheims, etc. All diesen Ereignissen ist gemeinsam, dass sie a) unerwartet und nicht planbar sind, b) einen hohen negativen Einfluss auf unsere Finanzen haben und c) doch mit geringer Wahrscheinlichkeit eintreten.

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Was ist nun der Notfallfonds?

Meine Empfehlung ist, im Notfallfonds das Vier- bis Sechsfache ihrer monatlichen Ausgaben vorzuhalten. Die Anleitung zur Erhebung der monatlichen Ausgaben finden Sie in einem meiner vorherigen Blogbeiträge Mit solch einem Notfallfonds können Sie den schlimmsten Schicksalsschlägen sofort begegnen. Die sofortige Verfügbarkeit ist ein wesentlicher Aspekt, da sie auch reagieren und z.B. die Dachreparatur sofort durchführen können, auch wenn die Versicherung erst zwei Monate später zahlt.

Entgegen der an manch anderer Stelle vertretenen Meinung, gehe ich von den monatlichen Ausgaben und nicht vom Nettoeinkommen aus. Sinn und Zweck des Notfallfonds ist es nämlich die notwendigen Kostenabzudecken und nicht ggf. auch die übliche Sparquote aufrecht zu erhalten. Da der Notfallfonds stets verfügbar und risikoarm veranlagt sein sollte, sollte er dennoch möglichst klein gehalten sein, um nicht die Gesamtperformance Ihrer Vermögenswerte zu verwässern.

Woraus sollte er bestehen?

Das entscheidende am Notfallfonds ist die sofortige Verfügbarkeit, also Liquidität. Ich empfehle daher ausschließlich Bargeld oder Einlagen auf Spar-/Tagesgeldkonto für den Notfallfonds in Betracht zu ziehen. Diese Meinung teilen nicht alle Kollegen, einige gehen sogar so weit, und würden in Aktien investieren. Der Notfallfonds dient meiner Meinung nach der Absicherung und nicht der Erzielung von Rendite am Weg zur finanziellen Freiheit. So würde ich in diesem Fall auf Kapitalbindung unter allen Umständen verzichten wollen, bei Aktien besteht ja zudem ein deutliches Kursrisiko, wenn kurzfristig verkauft werden muss. Darüber hinaus soll der Notfallfonds ja auch ein Gefühl der Sicherheit geben, welches gerade bei volatilen Finanzinstrumenten nicht gegeben sein wird.

Gerne werden aber auch Gold und Silber als möglicher Notgroschen genannt. Diesem Gedanken schließe ich mich auch nicht an. Natürlich mag im Falle eines Krieges Gold als letztes verfügbares Zahlungsmittel sinnvoll sein, doch bei den oben genannten Notfällen werden Edelmetalle nicht wirklich helfen. Vielmehr wäre im Fall des Falles ein Rücktausch in Bargeld erforderlich, um die diversen unmittelbar erforderlichen Zahlungen zu leisten. Neben der Dauer und den Komplikationen des Tausches, bestehen deutliche Transaktionskosten (Agio/Disagio!), vom Kursrisiko gar nicht erst zu sprechen.

Besonders negative Ereignisse, die allerdings mit sehr niedriger Wahrscheinlichkeit eintreten, werden gemeinhin durch eine Versicherung abgedeckt. Dies kann in der Tat sinnvoll sein, man denke nur an die Versicherung des Eigenheims oder eine Krankenversicherung. Einerseits wäre ich vorsichtig mich hier umfassenden Berufsunfähigkeitsversicherungen auszuliefern, die nicht billig sind und monatliche Kosten verursachen. Andererseits ist der Notfallfonds aber auch kein Ersatz für die ein oder andere erforderliche Versicherung.


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Wie baut man den Notfallfonds auf?

Meine Empfehlung beim Aufbau des Notfallfonds ist, eine klare Reihenfolge zu befolgen:

  1. Zuerst (Konsum-)Schulden abbauen, siehe auch mein Artikel zu diesem Thema 
  2. Notfallfonds aufzubauen
  3. Sparen, Investieren, Vermögen aufbauen

Diese Reihenfolge der Befüllung kann natürlich auch mit den Prinzipien des automatisierten Sparens verfolgt werden.

Das bedeutet auch, dass Sie auf ihr Erspartes bzw. Ihre Investments als Quelle von passivem Einkommen nicht mehr zugreifen müssen, selbst wenn ein Notfall eintritt. Genau für diesen Fall wurde ja vorher der Notfallfonds eingerichtet. Dies ist eine wichtige, auch psychologische Hürde: Die Quelle des passiven Einkommens in Form des Investmentportfolios muss auch im Notfall nicht angefasst werden.

Wie habe ich das für mich persönlich gelöst?

Mein Notfallfonds in Höhe des ca. Dreifachen der monatlichen Kosten meiner Familie besteht aus zwei Teilen: Erstens einer Euro-Bargeldreserve (ca. ein Drittel des Notfallfonds), auf welche ich nicht zugreife/nur im Notfall zugreifen würde. Zweitens ein Sparguthaben auf einem Tagesgeldkonto (ca. zwei Drittel des Notfallfonds). Bis dato hatte ich eigentlich keine bedeutsamen Fälle, in denen ich auf den Notfallfonds zugreifen musst. Ich hoffe, dass das auch so bleibt! Es ist aber ein gutes Gefühl um diese Reserve zu wissen.

Haben Sie einen Notfallfonds?  Wie setzen Sie diesen ein? Ich freue mich über Ihre Rückmeldung in Form von Kommentaren zu diesem Artikel oder E-Mails an meinefinanziellefreiheit@gmail.com. Lesen Sie außerdem mehr, wie Sie selbstverantwortlich die Kontrolle über Ihre finanziellen Angelegenheiten erhalten/behalten.

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15 Gedanken zu “Notfallfonds

  1. Hallo,

    finde deine Interpretation und deine Haltung zu dem Notgroschen sehr gut.

    Finde es a. Toll das du die Ausgaben nimmst und nicht das Einkommen.

    B. Gefällt es mir das du die liquididät direkt an erste Stelle stellst dies wird wie du es sagst oft vernachlässigt. Nach dem Motto: „Was soll mir den schon passieren?!“

    Gruß
    Christian

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  2. Hallo,

    auch bei mir sieht der Aufbau meiner Finanzen ähnlich aus. Mein Notgroschen besteht aus ca. 3 Monatsgehältern. Falls etwas unerwartetes passiert und ich auf diese Reserve zurückgreifen muss, wird dieser schnellstmöglich wieder aufgefüllt.
    Sobald der Notgroschen voll ist, wird der Rest in ETF investiert, um das Geld für mich arbeiten zu lassen!

    Liebe Grüße
    Florian

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    1. Hallo Florian,
      Danke für deinen Kommentar!
      Ich plane den Notfallfonds nach den monatlichen Kosten und nicht nach dem Gehalt. Warum? Weil ich nicht zu viel Geld mit geringem/keinem Ertrag liquide halten will.
      Finde deinen Blog übrigens sehr gelungen!
      Viele Grüße
      FF

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  3. Das habe ich in einer ähnlichen Variante:
    Überhaupt nicht mathematisch ausgefeilt, sondern einfach eher „unvernünftig viel“ auf dem Tagesgeld-Konto gelassen damit mich keine größere Ausgabe zwingen kann für sie ans Depot zu müssen.
    Damit verzichte ich zwar bewusst auf mögliche Rendite, fühle mich aber viel wohler (und sicherer) als damit voll investiert zu sein – habe ich für mich persönlich statt „Notfallfonds“ deshalb auch immer „Wohlfühl-Reserve“ genannt.

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    1. Hallo Martin!
      „Unvernünftig viel“ halte ich für sehr vernünftig. Außerdem würde ich dieses „unvernünftige Viel“ in zwei Töpfe aufteilen. Ein Teil sollte cash zu Hause deponiert werden. Damit vergrößerst du deine Flexibilität und die Sicherheit gegenüber Eventualitäten, die unerwartet in dein und unser aller Leben treten können.

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  4. Hallo,
    Mich würde in dem Zusammenhang interessieren wie du / ihr das mit „bekannten, mittelfristigen Ausgaben“ wie bspw. Urlaub macht. Fallen die auch in den Notfonds oder entnehmt ihr das dem ETF, dann aber mit dem Risiko, dass dieser gerade schlecht steht + Gebühren?

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    1. Hallo Alex,
      Für bekannte, mittelfristige Ausgaben würde ich nicht auf den Notfallfonds zugreifen. Diesen würde ich auf die UNBEKANNTEN/UNVORHERSEHBAREN Ausgaben beschränken.
      Für die von Dir genannten Ausgaben (i.W. handelt es sich ja um volatile cash-flows über die Zeit) gibt es glaube ich zwei pragmatische Lösungen:
      1) Ein eigenes Tagesgeldkonto anlegen, auf das monatlich ein geglätteter Betrag eingezahlt wird und aus dem die bekannten, mittelfristigen Ausgaben dann bestritten werden = bevorzugte Lösung
      2) Einfach aus dem laufenden Cash-Flow heraus zu bezahlen, was aber voraussetzt, dass am Girokonto laufend ein gewisser Puffer vorliegt und diszipliniert über die Zeit hinweg nicht mehr als für Urlaub & Co vorgesehen ausgegeben wird
      Ein Hinweis zuletzt: Ich würde davon abraten den Notfallfonds in Aktien zu halten – siehe ja auch oben im Artikel – sondern das Geld möglichst liquide halten. Dies gilt umso mehr für die genannten geplanten, mittelfristigen Ausgaben.
      Hoffe das hilft schon mal weiter 🙂
      Viele Grüße,
      FF

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