„Der reichste Mann von Babylon“ wurde von Georg S. Clason bereits im Jahr 1926 veröffentlicht. Das Buch ist eine Sammlung von 10 Parabeln, die im antiken Babylon spielen und Ratschläge zum Thema personal finance vermitteln sollen. Ursprünglich handelte es sich um eine Serie von Pamphleten, die von Banken und Versicherungsunternehmen verteilt wurden, bevor die Sammlung als Gesamtwerk publiziert wurde (Quelle: Wikipedia).

Georg S. Clason ist insb. auch für die Wortschöpfung „Pay yourself first“ bekannt, also die Praxis einen Teil seines Einkommens am Anfang des Monats zu sparen und so sich selbst vor sämtlichen Gläubigern und laufenden Kosten zu bezahlen. Gemeinhin gilt „Der reichste Mann von Babylon gilt als Standardwerk zum Thema finanzielle Freiheit und wird z.B. auch von Bodo Schäfer hoch gelobt: „Kein anderes Buch über Finanzen hat so viel bewegt. EIN MUSS!“ Ist der Hype also berechtigt?

„Der reichste Mann von Babylon“ fällt in die Kategorie „easy reading“ und die rund 200 Seiten sind rasch gelesen. Die Struktur aus 10 einzelnen Geschichten besteht weiterhin und man merkt, dass das Buch nicht aus einem Guss ist, da die Geschichten nicht überschneidungsfrei, zum Teil repetitiv sind. Wer eine historische Erkenntnisse über Babylon und die wirtschaftliche Struktur der Antike erwartet, könnte enttäuscht werden, da sich diese Hinweise auf Fußnoten und eine ca. 7-seitigen Nachspann beschränken. Würde ich das Buch nochmals lesen, würde ich zur englischen Fassung und nicht zur deutschen Übersetzung greifen.

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Die wichtigsten Erkenntnisse der zehn Parabeln seien hier kurz zusammengefasst.

  1. Der Mann, der von Gold träumte
    Bansir, der Wagenbauer, und Kobbi, der Musikant, erkennen, dass sie durch redliche Arbeit doch nur von der Hand in den Mund leben. Sie fassen den Entschluss reich zu werden und wollen ihren alten Freund Arkad, der als reichster Mann Babylons gilt, um Rat fragen.
    Erkenntnis: Nicht träumen, sondern entschlossen die eigene Situation verbessern, falls erforderlich nach Rat fragen.
  2. Der reichste Mann von Babylon
    Arkad, der offenbar reichste Mann von Babylon, erzählt, wie er zu seinem Reichtum kam: Er legte jeweils den zehnten Teil seines Einkommens als Schreiber zur Seite und investierte das Ersparte; anfangs hatte er Fehlschläge bei den Investitionen zu verbuchen, dann wurde er aber aber u.a. auf Grund des Coachings durch den reichen Algamish immer erfolgreicher.
    Erkenntnis: Spare 10% Deines Verdienstes – „Pay yourself first“ – und investiere das Ersparte.
  3. Sieben Methoden, eine leere Geldbörse zu füllen
    Da die Bevölkerung Babylons nach Fertigstellung der Bewässerungsanlagen und Tempel kein ausreichendes Einkommen hat, bittet König Sargon Arkad, den reichsten Mann von Babylon, im Tempel des Lernens zu lehren, wie man mit Geld umgeht. Er vermittelt sieben Methoden:

    1. Von zehn Münzen, die in den Geldbeutel kommen, nur neun ausgeben (s. schon zuvor, „Pay yourself first“)
    2. Planung der laufenden Ausgaben, um alle notwendigen Dinge von den neun Zehntel des Einkommens bezahlen zu können
    3. Geld für sich arbeiten lassen, um einen Geldfluss zu schaffen
    4. Vermögen vor Verlust bewahren, bei guter Rendite sicher investieren und Rat von erfahrenen Personen einholen
    5. Ein Haus zur Eigennutzung anschaffen
    6. Vorsorge für das Alter und den Schutz der Familie treffen
    7. Die eigenen Verdienstmöglichkeiten verbessern

   Erkenntnis: Sieben pragmatische personal finance Tipps 😉

  1. Begegnungen mit der Glücksgöttin
    Arkad erläutert in einer weiteren Lektion im Tempel des Lernens, dass Glück nicht im Glücksspiel und nicht im Pferderennen zu suchen ist, sondern demjenigen zukommt, der sich bietende Geschäftsgelegenheiten ergreift.
    Erkenntnis: Das Glück liebt die Tatkräftigen!
  2. Die fünf Gesetzmäßigkeiten des Goldes
    Arkad’s Sohn, Nomasir soll beweisen, dass er des Erbes seines reichen Vaters würdig ist. Daher soll er für zehn Jahre einen Sack Gold verwalten und vermehren, bevor er seinem Vater Rechenschaft ablegt. Zusätzlich zum Startkapital erhält Nomasir noch eine Tafel mit fünf Gold-Tipps:

    1. Gold fließt mühelos jenem Mann in reicher Fülle zu, der nicht weniger als ein Zehntel seines Einkommens zur Seite legt
    2. Gold arbeitet sogfältig und zufriedenstellend für den klugen Besitzer, der für das Gold eine gewinnbringende Arbeit findet
    3. Gold ist auf die Fürsorge des vorsichtigen Besitzers angewiesen, der es unter Anleitung kluger, erfahrener Männer investiert
    4. Gold zerrinnt jenem Mann zwischen den Fingern, der in ihm nicht vertraute Vorhaben investiert
    5. Gold ist für denjenigen verloren, der es in unrealistische Vorhaben oder Spekulationen steckt

Nach anfänglichen Fehlschlägen und dem Totalverlust des Startkapitals gelingt es Nomasir dann doch unter Befolgung der fünf Gold-Tipps mit drei Säcken Gold zu seinem Vater zurückzukehren. Dabei erklärt er, dass die Gold-Tipps die zwei zusätzlich erworbenen Goldsäcke wert wären.
Erkenntnis: Fünf Investment-Tipps 😉

  1. Der Goldverleiher von Babylon
    Der Speermacher Rodan hat vom König 50 Goldstücke für die Entwicklung einer neuen Speerspitzen-Technologie erhalten. Er holt sich beim Goldverleiher Mathon Rat, wie man beim Verleihen von Gold umgehen soll. Dabei lernt er wichtige Basics des Kreditgeschäfts, wie die Beurteilung des Schuldners, Besicherung und Tilgungsmöglichkeiten.
    Erkenntis: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!
  2. Die Mauern von Babylon
    Während einer Belagerung von Babylon versichert der erfahrene Krieger Banzar besorgten Bürgern, dass die imposanten Mauern von Babylon dem Feind standhalten werden. In der Tat, nach einer langen Belagerung zieht der angreifende Feind von dannen.
    Erkenntnis:
    Wir können es uns nicht leisten, ohne angemessene Absicherung und ohne Schutz zu leben.
  3. Der Kamelhändler von Babylon
    Der verschuldete und hungrige Tarkad trifft auf seinen Gläubiger Dabasir, dem er erklärt nicht zahlen zu können, da er vom Pech verfolgt sei. Darauf erzählt Dabasir seine Lebensgeschichte. Dabasir war versklavt worden, nachdem er auf Grund seiner hohen Schulden als Räuber sein Unwesen getrieben hatte. Seine Herrin eröffnete ihm allerdings die Gelegenheit zur Flucht, wobei er sich durch die Wüste zu kämpfen hatte, bevor er wieder nach Babylon gelangen konnte. Dort zahlte er, vom eisernen Willen beseelt, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen, all seine Schulden zurück.
    Erkenntnis: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
  4. Die Tontafeln von Babylon
    Die von Archäologen entdeckten babylonischen Tontafeln dokumentieren Dabasirs Weg, wie er nach seiner Rückkehr nach Bablyon seine Schulden beglich. Er teilte sein Einkommen in drei Teile auf a) 10% als Sparguthaben, b) 20% zur Tilgung von Schulden und c) 70% zum Bestreiten der laufenden Kosten. Auf Basis dieses Plans erwirkte Dabasir Zahlungsvereinbarungen mit seinen Gläubigern und es gelingt ihm tatsächlich seine Schulden binnen Jahresfrist zu tilgen.
    Erkenntnis: Goldene Regeln zum Budgetieren bzw. Tilgen von Schulden.
  5. Der glücklichste Mann von Babylon
    Sharru Nada erklärt dem hochmütigen, arbeitsscheuen Hadan Gula, wie er durch harte Arbeit und Unternehmergeist aus der Sklaverei im Dienst eines Bäckers seine Freiheit erlangte. Durch Arbeit aus der Sklaverei befreit, schätzt er sich als glücklichster Mann Bablyons. Sein Vorbild hilft Hadan Gula zu läutern und Arbeit als Quelle des Reichtums zu verstehen.
    Erkenntnis: Harte Arbeit ist das Erfolgsrezept für Reichtum.

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Ob in „Der reichste Mann von Babylon“ nun alles historisch korrekt ist oder nicht sei einmal dahingestellt – vielleicht hatte ich mir da auch zu viel erwartet. „Der reichste Mann von Babylon“ ist jedenfalls gut geeignet, um einen Einstieg in einige wichtige Konzepte am Weg zur finanziellen Freiheit zu geben. Diese sind einfach und verständlich dargelegt und können zu einem gekonnten Umgang mit Geld beitragen. Während einige der Erkenntnisse recht grundlegend und allgemein sind, so kennen Leser meines Blogs einige doch schon, vielleicht sogar in zugespitzter Form, z.B.

Gleichzeitig habe ich Zweifel, dass die in „Der reichste Mann von Babylon“ beschriebenen Konzepte tatsächlich zu finanzieller Freiheit (in der hier genannten Definition) führen werden oder gar erlauben „der reichste Mann von Babylon“ zu werden. Um dies zu überprüfen, greife ich folgende mehrfach in den Geschichten genannte Parameter auf:

  • 10% des Einkommens sparen – wenn wir von €30.000 jährlichem Einkommen ausgehen, also €3.000 pro Jahr sparen
    Zinssatz von „ein Viertel alle vier Jahren“ (siehe z.B. bei den sieben Methoden, eine leere Geldbörse zu füllen) – das entspricht einem jährlichen Zinssatz von ca. 7,7%
  • Ergebnis nach angenommenen 25 Jahren Investitionsdauer ca. € 211.000 – zwar eine stattliche Summe, doch wohl kaum genug, um finanzielle Freiheit zu erlangen

Schließlich blieb mir bei der Lektüre ein saurer Nachgeschmack, da die Auftraggeber der ursprünglich geschriebenen Pamphlete noch deutlich zwischen den Zeilen hervorspringen: Man möge unter „Anleitung kluger, erfahrener Männer investieren“ weist ja nur allzu deutlich darauf hin, einem Bankier zu vertrauen. Die Parabel zu den Mauern von Babylon fordert recht deutlich entsprechenden Versicherungsschutz ein.

Zusammenfassend gebe ich dem Buch drei von fünf Sternen. Insgesamt ist „Der reichste Mann von Babylon“ jedenfalls eine brauchbare Einsteigerlektüre zum Thema finanzielle Freiheit. Punkteabzüge gibt es einerseits, weil ich mir mehr neue Erkenntnisse zum Thema finanzielle Freiheit vielleicht ja sogar angereichert um historische Fakten zum Wirtschaftssystem der Babylonier erwartet hätte. Andererseits, weil der Fluss der Erzählung durch die einzelnen Geschichten unterbrochen ist und es so bei einzelnen, recht allgemeinen Erkenntnissen zur finanziellen Freiheit bleibt, die teilweise sogar repetitiv sind. Jedenfalls würde aber ich die Lektüre des Buchs auf Englisch empfehlen.

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3 Gedanken zu “Rezension „Der reichste Mann von Babylon“

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