Jüngst habe ich – wie jedes Jahr – meine Vermögensaufstellung zum Stichtag 31. Dezember erstellt. Im Zuge dessen fragte ich mich auch, ob meine tatsächliche Vermögensverteilung auch weiterhin der gewünschten Asset Allocation entspricht. Eine vollständige Übereinstimmung ist unwahrscheinlich, da sich möglicherweise die Asset Allocation geändert hat oder sich die Asset-Klassen wahrscheinlich unterschiedlich entwickelt haben. Zweiteres ist völlig normal, ja sogar zu erwarten, da jede Asset-Klasse in unterschiedliches Ertrags-Risiko-Profil hat. Es stellt sich also die Frage des „Rebalancing“ – d.h. des (Wieder-) Übereinanderbringens von Asset Allocation (Soll) und Vermögensposition (Ist). In diesem Artikel möchte ich beschreiben wie ich dabei vorgehe.

Warum ich nur einmal im Jahr rebalance?

Im Unterschied zu so manch anderem Finanz-Blogger erstelle ich meine Vermögensaufstellung nur einmal im Jahr. So sehr man sich auch an der steigenden Vermögensposition erfreuen mag, der zeitliche Aufwand für z.B. einen monatlichen Finanztag erscheint mir zu hoch. Zudem möchte ich, wie schon in einem anderen Artikel erwähnt, meine Finanzen nach dem KISS-Prinzip strukturieren; also „Keep it short & simple“!

Neben diesem praktischen Grund, sehe ich außerdem eingeschränkten Wert in einer häufiger vorgenommenen Vermögensaufstellung aber auch einem häufigeren Rebalancing. Warum?

  • Ich verfolge einen langfristigen Weg in Richtung finanzielle Freiheit. Dieser Weg soll möglichst von Stetigkeit und Konsistenz geprägt sein, denn von häufiger minutiöser Kontrolle und hoher (Trading-) Aktivität. Häufiges, penibles Nachrechnen könnte zum genauen Gegenteil führen
  • Gerade kurzfristige Vermögensschwankungen, z.B. einmalige Zahlungseingänge durch Boni, saisonale Kosten insb. für Urlaub aber auch kurzfristige Marktschwankungen sollten mE nicht zur Ablenkung bzw. zum Überdenken der eingeschlagenen Langfrist-Strategie führen; gerade diese Gefahr besteht aber mE bei einem monatlichem Kassasturz
  • Die stärksten Abweichungen von der Soll-Asset Allocation ergaben sich in den letzten Jahren aus einer starken Performance einzelner Asset-Klassen, inbs. bei Aktien. Ein häufiges Reagieren auf diese starke Performance würde implizit Market-Timing vornehmen und die gut performende Asset-Klasse reduzieren, als könnte man eine Überbewertung implizieren
  • Häufiges und über Verkaufs-/Kauforder exekutiertes Rebalancing verursacht Transaktionskosten. Spätestens seit Broker Ihre Kunden auf Rebalancing-Möglichkeiten hinweisen, ist klar wer sich daran erfreut 😉 Darüber hinaus können beim Verkauf von Wertpapieren Gewinnsteuern anfallen, wodurch die Vermögensposition insgesamt belastet wird.

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Wie gehe ich nun konkret bei Vermögensaufstellung und Rebalancing vor?

In der Folge habe ich mein Vorgehen bei der Vermögensaufstellung und dem Rebalancing systematisch in einer schrittweisen Anleitung zusammengefasst:

  1. Vermögensaufstellung – Ich erfasse den Werts der einzelnen Vermögensgegenstände in einer Excel-Tabelle zum Stichtag, also in der Tat je Position und nicht nur z.B. je Depot
  2. Asset-Klassen – Dann ordne ich die einzelnen Vermögensgegenstände Asset-Klassen zu, dabei nutze unterscheide ich folgende Asset-Klassen (hier sei auch ein Hinweis zur Anlagepyramide angebracht):
    • Cash
    • Staatsanleihen
    • Anleihen
    • Immobilien
    • Aktienfonds
    • Einzelaktien
    • Alternative Investments
    • Pensionsvorsorge
  3. Bereinigung – Sowohl den Notfallfonds, als auch Pensionsvorsorge-Assets bereinige ich bei dieser Betrachtung. Der Notfallfonds ist nicht Gegenstand meiner Anlagestrategie und bleibt daher außen vor, da er in Cash bzw. Tagesgeld gehalten wird. Die in betrieblichen bzw. privaten Pensionsvorsorge-Programmen gebundenen Beträge unterliegen speziellen Regeln hinsichtlich ihrer Auszahlung und sind ja bereits auf Programmebene diversifiziert.
  4. Delta-Betrachtung – dann vergleiche ich die Ist-Verteilung mit der Soll-Verteilung nach meiner Asset-Allocation
  5. Pragmatisches Rebalancing – Bei Asset-Klassen, wo weniger investiert ist, als laut Asset Allocation vorgesehen, investiere ich in den kommenden Monaten im Rahmen des automatisierten Sparens in diese Asset-Klasse. Auch Einkünfte aus Zinsen und Dividenden lenke ich im Sinne der Reinvestition in Richtung dieser Asset-Klasse
  6. Keine Trading-Aktivität – Gleichzeitig nehme ich keine Verkäufe bzw. Switches zwischen Asset-Klassen vor, sodass es zu keiner unnötigen Trading-Aktivität kommt und auch keine unnötigen Steuerpflichten ausgelöst werden

Was ist mir sonst bei dieser Übung aufgefallen?

Erstens hat sich die starke Performance von Aktien im Jahr 2016 deutlich in meinem Portfolio niedergeschlagen. Durch diesen Effekt hat sich der in meinem Portfolio bisher zu niedrige Aktienanteil dem Sollwert deutlich angenähert.

Zweitens hat mein pragmatischer Rebalancing-Ansatz mit der Lenkung der Neu-Investments hin zur unterrepräsentierten Asset-Klasse den zweiten wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Soll-Asset Allocation geleistet. Gerade bei großen Portfolien und im Vergleich zur Portfoliogröße niedrigen Neuinvestments wird das zuweilen als nicht selbstverständlich angesehen.

Drittens fiel mir im Rahmen meiner jährlichen Vermögensaufstellung erneut wieder auf, dass ich, verteilt über mehrere Konten (Girokonto, Spar- und Tagesgeldkonten) zu viel Cash halte. Dies gab mir den Anstoß den Cash-Bestand, der über den Notfallfonds hinausgeht, zu überdenken und mit Blick auf die Soll-Asset Allocation zu investieren.

Viertens fällt mir im Rahmen der jährlichen Vermögensaufstellung immer wieder auf, dass es zu einer gewissen Fragmentierung meiner Finanzen kommt. Dies widerspricht meiner Philosophie des „Keep it short & simple!“ und regte mich diesmal an ein nicht mehr verwendetes Tagesgeld-Konto zu schließen.

Gern verweise ich auch noch weiterführend auf den Artikel von Finanzkoch Christoph, der erläutert, warum Rebalancing gut für die Rendite ist. Auch er hält ein jährliches, zeitabhängiges Rebalancing für einen guten Kompromiss.

Wie geht Ihr bei Rebalancing vor? Welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht? Freue mich über einen Gedankenaustausch in den Kommentaren!

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2 Gedanken zu “Bring Dein Portfolio zurück ins Lot – Rebalancing

  1. Hallo,

    zur Frage des Re-Balancings. Ich gehe ähnlich vor wie du. Auf Umschichtungen verzichte ich. Da ich ohnehin noch in der Phase des Vermögensaufbaus bin, investiere ich regelmäßig. Sollte mein Portfolio aus der Balance geraten, investiere ich verstärkt in die „nachhinkenden“ Assetklassen. Ist auch aus meiner Sicht ein Transaktionskosten sparender und völlig ausreichender Ansatz.

    Viele Grüße,
    Mathias

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    1. Hallo Mathias,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Da Du ähnlich wie ich vorgehst, eine Frage (aus Interesse/Neugier): Bevorzugst Du ausschüttende ETFs gegenüber thesaurierenden ETFs? Dadurch erhält man zugegebener Maßen mehr „Schwungmasse“ für das Rebalancing. Während steuerliche Gründe für thessaurierende Fonds sprechen mögen, ist vielen Investoren doch der regelmäßige „cashflow“ wichtig.
      Viele Grüße,
      FF

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