Auf der Handelsplattform XETRA werden mehr als 1000 ETFs gelistet. Immer wieder wird von der steigenden Popularität von ETFs berichtet, zuletzt z.B. in der Financial Times Serie „Age of the ETF“. Gleichzeitig wird Dir der Bankberater Deines Vertrauens 😉 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei der ETF Auswahl nicht helfen.

Einen Schritt zurück: Warum überhaupt in ETFs investieren?

In einigen meiner vorherigen Artikel, habe ich bereits darauf hingearbeitet, aber noch mal der Reihe nach, wie ein Investitions-System am Weg zur finanziellen Freiheit aufgebaut werden kann:

Soweit, so gut! Damit wäre die Basis für eine Investment-Strategie gelegt. Die Befolgung dieser Tipps gibt Dir schon eine nachhaltige Strategie an die Hand, um den Weg zur finanziellen Freiheit zu beschreiten. Gleichzeitig vermeidet diese Strategie einige der Kardinalfehler, wie z.B. Unstetigkeit beim Investieren, Market Timing oder auch Renditekiller à la Bausparvertrag.

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Nun aber ganz konkret: Welchen ETF auswählen?

Keine Sorge, das wird jetzt keine Produktempfehlung für einen besonders tollen ETF! Vielmehr werde ich sieben Auswahlkriterien durcharbeiten, welche die Qual der Wahl zur Auswahl eines gut geeigneten ETFs erleichtern können.

1. Breite Diversifikation – ETFs sind besonders gut geeignet die eine gesamte Asset-Klasse z.B. Aktien abzudecken. Der ETF bildet einen Index nach, der den zu Grunde liegenden Gesamtmarkt widerspiegelt. Dabei sollte ein Index mit möglichst breiter Basis gesucht werden, um den größt-möglichen Diversifikationseffekt zu erzielen. Zuweilen wird auch vom „Weltportfolio“ gesprochen. Gemeint ist dabei ein Portfolio, das den Gesamtmarkt in allen Ländern bzw. an allen Börsenplätzen widerspiegelt. Mein Bloggerkollege Der Portfolio-Manager hat jüngst einen tollen Überblick zusammenstellen lassen, was unter diesem Weltportfolio verstanden werden kann.

Ich folge hier – wieder einmal – einer möglichst einfachen Logik. Das Herstellen des Weltportfolios sollte nicht eine Wissenschaft aus zig verschiedenen ETFs sein. Vielmehr eignet sich ein breit aufgestellter Index der z.B. der MSCI World All World Index und ein entsprechender ETF, der diesen Index ganz langweilig nachbildet. So gelingt es mit nur einer Position den gesamten Markt zu kaufen. MSCI wirbt auch trefflich mit dem Slogan „It only takes one index to capture the world“. Hinreichend simpel, oder? Insbesondere für den Start der Investitionsmaschine bleibt alles sehr einfach und überschaubar.

2. Keine Strategien durch die Hintertür – Nicht umsonst werden ETFs als langweilige, dafür kostenoptimierte, passive Investment-Vehikel bezeichnet. ETFs sollten daher nicht das Werkzeug sein, um aktive Strategien quasi durch die Hintertür umzusetzen. Von den diversen ETF-Anbietern wurden zuletzt auch eine Reihe von sog. Smart Beta ETFs auf den Markt gebracht, die regelbasierte Investment-Ideen über ETFs umsetzen. ETFs auf dividendenstarke Mid-Caps aus Vietnam sollten daher aus meiner Sicht gemieden werden. Es mag sein, dass solche ETFs historisch gut performt haben. Allerdings gilt auch hier, dass die historische Performance kein Indikator für die zukünftige Performance ist. Meine dringende Empfehlung ist daher beim dem zu bleiben, was ETFs ursprünglich waren: langweilige, dafür kostenoptimierte passive Investment-Vehikel.

3. Kostenoptimal – Die niedrigen Kosten bei ETFs werden oft als das Hauptkriterium für ein Investment genannt. In der Tat handelt es sich um einen wichtigen Punkt, denn die Spesenbelastung hat wesentlichen Einfluss auf die Gesamtperformance des Investments. Hier würde ich stets die „total cost of ownership“ betrachten und nicht nur die „TER – Total Expense Ratio“, also die Kosten des Kaufs und sämtliche Kosten die der ETF für die laufende Verwaltung aufwendet, wie sie auch von den Anbietern ausgewiesen wird. Die nachfolgende Beispielrechnung verdeutlicht sowohl den Kostenunterschied zwischen dem traditionellen Model der aktiven Fonds und ETFs, als auch zwischen hoch- und niedrigpreisigen ETFs:

Aktiver Fonds Hochpreisiger ETF Niedrig-preisiger ETF
Anfangs-Investment €10.000 €10.000 €10.000
Ausgabeaufschlag / Kaufspesen 5% 0,2% 0,2%
Jährliche Rendite 7% 7% 7%
TER des Fonds/ETF 1,5% 0,5% 0,1%
Investmentdauer 30 Jahre 30 Jahre 30 Jahre
Wert des Investments am Ende der Investmentdauer €47.348 €66.011 €73.869
Differenz zum aktiven Fonds + €18.664 / + 39% + €26.521 / + 56%
Differenz zum hochpreisigen ETF + €7.858 / + 12%

Unter der Annahme, dass der aktive Fonds und die beiden ETFs über eine Investmentdauer von 30 Jahren die gleiche Rendite von 7% p.a. erzielen (=der aktive Fonds erwirtschaftet also keine Überrendite gegenüber seinem passiven Counterpart), steigt der Investor beim ETF um 39% bzw. 56% besser aus – eine erschreckende Differenz. Allerdings zeigt sich auch, dass sich der Vergleich zwischen den am Markt verfügbaren ETFs nach der TER durchaus lohnt. Denn auch zwischen den beiden ETF-Modellen – unter der Annahme, dass sie auf denselben Index laufen – ergibt sich auf Grund der unterschiedlichen Kostenstruktur eine Differenz von immerhin 12%.

4. Physisch replizierend vs. synthetisch – Es gibt zwei Varianten, wie ein ETF den zugrunde liegenden Index nachbildet. Bei Variante 1 erwirbt der ETF die Bestandteile des Index in der im Index vorgesehenen Gewichtung und bildet so den Index nach. Man spricht von der physischen Replikation des Index. Bei Variante zwei, erwirbt der ETF die Bestandteile des Index nicht, sondern geht mit einem Dritten z.B. einer Investmentbank die vertragliche Regelung ein, dass der Index und die entsprechenden Zahlungsströme nachgebildet werden. Durch Variante 1, nämlich die physische Replikation, ergeben aus meiner Sicht zwei Vorteile: Erstens geht der physisch replizierende ETF kein Counter-Party Risk ein, also das Risiko, dass der Vertragspartner, der die Entwicklung des Index nachbildet, ausfällt. Zweitens, kann der physisch replizierende ETF durch Wertpapierleihe einen Zusatzertrag für die Anteilsinhaber erwirtschaften.

5. Mindestgröße – Ich achte bei der Auswahl eines ETFs auf eine gewisse Mindestgröße. Für den ETF-Anbieter steigt die Profitabilität des Fonds mit seiner Größe, da Fixkosten besser verteilt werden. Z.B. ist der Aufwand für ein Rebalancing gleich groß, egal ob der Fonds € 100 Millionen oder € 1 Milliarde groß ist; auch Publizitätskosten fallen unabhängig von der Fondsgröße an. Sollte ein ETF eine gewisse Mindestgröße im Lauf der Zeit nicht überschreiten, wird der Fondsanbieter wohl darüber nachdenken, den ETF einzustellen oder mit einem anderen ETF zusammenzulegen. Meine Daumenregel ist, dass eine Mindestgröße von ca. € 1 Milliarde sinnvoll ist, um von einer effizienten Bewirtschaftung und vom langfristigen Bestand des ETFs auszugehen.

6. Liquidität – Wohl in einem gewissen Zusammenhang mit der Mindstgröße des ETFs steht die Liquidität des ETFs an der jeweiligen Börse. Dieser Punkt ist insofern relevant als der Kauf bzw. Verkauf von ETF-Anteilen jederzeit sichergestellt werden soll, ohne dass ein größeres Kauf- bzw. Verkaufsvolumen per se zu signifikanten Kursbewegungen verbunden ist. Zwar hat der/die Market Maker des ETFs dafür zu sorgen; dennoch achte auch ich darauf, dass es an unauffälligen Handelstagen zu mehreren Kursbildungen pro Tag mit ausreichendem Volumen (ein Vielfaches meiner Investition) kommt.

7. Mindestalter – In den letzten Jahren kam es zu einem Boom der Anzahl der gehandelten ETFs. Ich gehe davon aus, dass nicht alle langfristig für den ETF-Anbieter profitabel angeboten werden können. Deshalb ist mit Schließungen und Fusionen mit anderen ETFs – möglicherweise auf andere, hoffentlich ähnliche Indizes – zu rechnen. Meine Daumenregel für dieses Kriterium, dass der ETF zumindest seit 5 Jahren existieren sollte, um eine gewisse Bestandskraft nachgewiesen zu haben.

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…und welcher ETF jetzt konkret?

Um nicht mühsame Kleinarbeit zu den verschiedenen ETFs durchführen zu müssen, fand ich die Vergleichsplattform justETF.com sehr hilfreich. Durch die Setzung der diversen Filter ist es möglich das Spektrum der ETFs an Hand der oben genannten Kriterien einzuengen und so die beste Auswahl zu treffen.

Ich habe mich durch die Liste gearbeitet und kam zum Schluss, dass der iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983) für meine Zwecke gut geeignet ist. Dort ist eine breite Diversifikation sichergestellt, es sind ca. 1.650 Aktien aus Industrieländern enthalten. Mit einer TER von 0,2% und einem Fondvolumen von ca. € 7,9 Mrd. (Stand Dez. 2016) und einer Bestandsdauer seit 2009 wird der ETF den wesentlichen der oben genannten Kriterien gerecht. Richtigerweise verzichtet diese Auswahl aber auf ein Exposure zu Emerging Markets und bildet daher nicht die ganze Welt ab. Man könnte also zum SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (ISIN IE00B44Z5B48) greifen. Allerdings erfüllt dieser ETF mit € 369 Mio. (Stand Dez. 2016) nicht das Kriterium Mindestgröße und ist mit einer TER von 0,40% auch doppelt so teuer wie der zuvor genannte ETF. Wer auf die Emerging Markets Exposure also nicht verzichten möchte, kann zusätzlich in einen Emerging Markets-ETF investieren, z.B. Amundi ETF MSCI Emerging Markets UCITS ETF EUR (ISIN FR0010959676). Der MSCI ACWI Index gewichtet die entwickelten Märkte mit ca. 90% und die Emerging Markets mit ca. 10%, weshalb mit der zwei ETF-Auswahl im Verhältnis 9:1 vorgegangen werden kann.

In diesem Sinne: Happy Investing! Freue mich auf Reaktionen und auch weitere Hinweise in den Kommentaren! Wendet Ihr ähnliche, andere oder zusätzliche Kriterien bei der Auswahl von ETFs an? Kennt Ihr weitere Vergleichsportale?

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10 Gedanken zu “Die Qual der Wahl – 7 Tipps zur Auswahl von ETFs

  1. Hallo,

    du hast hier einen guten Überblick über die Schritte zur Auswahl des passenden ETF gegeben.
    Allerdings muss ich dir in Punkt 4 widersprechen.

    Du schreibst: „Durch Variante 1, nämlich die physische Replikation, ergeben aus meiner Sicht zwei Vorteile: Erstens geht der physisch replizierende ETF kein Counter-Party Risk ein, also das Risiko, dass der Vertragspartner, der die Entwicklung des Index nachbildet, ausfällt. Zweitens, kann der physisch replizierende ETF durch Wertpapierleihe einen Zusatzertrag für die Anteilsinhaber erwirtschaften.“

    Das sehe ich anders; der physisch replizierende geht sehr wohl durch die danach genannte Wertpapierleihe ein Kontrahentenrisiko ein. Sollte der Leiher der Wertpapiere zum Zeitpunkt des Verleihs pleite gehen, kann man nur hoffen dass die verliehenen Werte tatsächlich ausreichend besichert sind.

    Gruß ETF-Wahl

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    1. Hallo ETF Wahl,

      Danke für Deinen Kommentar.

      Klar, auch bei der Wertpapierleihe besteht CP-Risk. Allerdings bezieht es sich auf einen Counterpart je Wertpapier und kommt es so zu Diversifikation. Bei einem synthetischen Modell, gibt es nur einen Counterpart für den gesamten Fonds, also eine deutliche Risikokonzentration.

      Viele Grüße,
      FF

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  2. Hallo,

    eine schöne Übersicht zu ETFs hast du erstellt. Gefällt mir sehr gut und ist hilfreich.

    Eine Anmerkung: Leider kann man wie so oft im Leben nicht alles haben. Gerade zwischen den Punkten „kostenoptimal“ und „physisch/synthetisch“ besteht nach meiner Erfahrung in der Regel ein Zielkonflikt. Ist ja auch logisch. Die synthetischen ETFs sollen ja auch Kosten vermeiden und können daher auch günstiger angeboten werden.

    Viele Grüße,
    Mathias

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    1. Hallo Mathias,

      Danke für Deinen Kommentar!

      Der Zielkonflikt ist aus meiner Sicht auch nachvollziehbar und könnte sogar als Beweis für ein höheres Risiko bei synthetischen ETFs herangezogen werden. Dieses höhere Risiko wird eben durch niedrigere Kosten honoriert.

      Viele Grüße,
      FF

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  3. Hallo FF,
    das ist eine interessante Aufstellung von Kriterien. Allerdings teile ich Deine Sorge bei synthetischen ETFs nicht. Ich setze derzeit ausschließlich auf synthetische ETFs. Das hat folgende Gründe:

    1. Das Kontrahentenrisiko ist auf 10% beschränkt. Somit würde ich im schlimmsten Fall auch nur maximal 10% des Wertes verlieren.
    2. Der Tracking Error von synthetischen ETFs ist I.d.R. niedriger, als der von physischen ETFs (einfach weil sie mehr Möglichkeiten haben)
    3. Sie sind günstiger
    4. Sie sind steuerlich einfacher, da normalerweise keine ausschüttungsähnlichen Erträge anfallen, die in der Steuererklärung angegeben (und versteuert) werden müssen.

    Insofern empfinde ich synthetische ETFs als durchaus sinnvolle Alternative zu physischen ETFs, da die Risiken durch schärfere Regulierung in den letzten Jahren drastisch reduziert wurden und sie auch einige Vorteile haben.

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

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  4. Sehr gut ausgearbeitet, zum Thema ETF gibt es mittlerweile auch schon wieder viele Mixes, zb. ein ETF auf ETF. Die Vergangenheit hat eigentlich gezeigt, das einfacher und transparenter oftmals der bessere Weg ist.
    Wir haben selber ETF als Basisinvestment im Depot und würzen es noch zusätzlich mit Einzeltiteln. Meist Buy and Hold. Aber hin und wieder erwischen wir uns doch, bei einer kleinen Spekulation, allerdings wirklich mit begrenztem EInsatz. Wir steuer ja auch schon ehr in Richtung aus dem Hamsterrad raus.

    mfg
    Plutusandme

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  5. Hi FF,

    meiner Meinung nach ein toller Artikel, der einen schönen grundlegenden Überblick über das Thema ETF gibt. Über persönliche Vorlieben, wie synthetisch oder physisch replizierend etc. lässt sich immer streiten. Einziges Kriterium das m.E. vergessen wurde ist, ob ausschüttender oder thesaurierender ETF.

    VG Christian

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    1. Hi Christian,
      Vielen Dank für Deinen freundlichen Kommentar!
      Das Thema Ausschütter vs. Thesaurierer ist definitiv wichtig – ich plane in nächster Zeit auch einen Artikel dazu zu schreiben. Nach den österreichischen Steuerregeln, wird die thessaurierende Variante sogar begünstigt.
      Viele Grüße,
      FF

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      1. Nichts zu danken 🙂
        Bei uns werden ausländische thesaurierende Fonds derzeit auch noch bevorteilt, allerdings gibt es wohl ab 2018 eine neue Regelung die das alles wieder umwirft.
        VG Christian

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