Europa ist in der Sommerpause! Spanier, Franzosen und Italiener sowieso haben sich aus Büros und Städten verdrückt und sind an den Strand umgezogen. Auch Nordeuropa urlaubt dieser Tage und ich hoffe sehr, dass Ihr alle die Ferien genießt! Wer schon finanziell frei ist, genießt sicher mehr Urlaub als die knappen zwei bis drei Wochen, die typische unselbständig Beschäftigte im Sommer an Urlaub konsumieren. Hoffentlich bietet dieser Blog-Beitrag nun eine angenehme Lektüre am Strand, in der Hängematte im Garten oder auf der Berghütte.

Urlaub bzw. die damit verbundenen Kosten stellen eine wesentliche Herausforderung für die persönlichen Finanzen dar. Unbestritten ist, dass Urlaub und Erholung ein wichtiges Grundbedürfnis ist, das auch vom Gesetz her besonders geschützt ist. Gleichzeitig lassen sich für Urlaub große Summen ausgeben, die ein typisches Budget sicher überschreiten. Gerade mit Familie können z.B. Flugreisen schnell ins Geld gehen. Darüber hinaus fallen die Kosten für Urlaub ganz antizyklisch und nicht schön über’s Jahr hinweg verteilt an, wie man sich das wünschen würde. Natürlich kann man der Problematik durch einen günstigen Urlaub begegnen, wie ihn Mafis jüngst in einem Blog-Beitrag sehr anschaulich beschrieben hat. Ich persönlich bin vom Reisen u.a. in ferne Länder fasziniert und genieße dabei das Kennenlernen anderer Kulturen. Gleichzeitig bin ich nicht der Typ für den völlig frugalen Urlaub, weshalb ich typischerweise mehr als einige Euros pro Urlaubstag ausgebe – doch das muss jeder für sich selbst, im Einklang mit seinen Prioritäten entscheiden.

Wie finanziert man also die Kosten des Urlaubs, inbs. auf Grund des antizyklischen Anfalls der Kosten? Wie hoch sollten die Kosten für Urlaub überhaupt sein? Wie verhindert man, dass das Urlaubsbudget aus dem Ruder läuft? Fragen über Fragen, die der gegenständliche Artikel klären möchte. Ich war Ende Juli mit meiner Familie in Spanien auf Urlaub und habe diese Gedanken im Nachgang gesammelt – entsprechend habe ich auch das Urlaubsfonds-Modell gleich auch in die Praxis umgesetzt und automatisiert. Ich freue mich auf Eure Meinung und den Gedankenaustausch mit Euch zu diesem Thema!

Wie kann man die Kosten des Urlaubs finanzieren?

Ich sehe drei grundsätzliche Möglichkeiten, wie die Kosten für den Urlaub finanziert werden können. Wie Ihr gleich sehen werdet, liegt die einzig sinnvolle Option auf der Hand, während die zwei anderen Optionen ausscheiden müssen. Konkret:

  • Option 1 – Aufnahme eines Kredits zur Finanzierung des Urlaubs – Der aus meiner Sicht schlechteste Weg ist auf einen Dispo-/Ratenkredit zurückzugreifen, um das Urlaubsvergnügen zu finanzieren. So werden Konsumschulden aufgebaut, die großes Potenzial haben wie ein Mühlstein um den Hals des Urlaubers zu verbleiben. Die Rückzahlung mittels „36 kleinen Monatsraten“ dauert sicher länger an, als der Erholungswert des Urlaubs! All die Argumente à la „Gönn Dir!“ sollten für sich sprechen und klar machen, dass es sich um einen wenig verantwortungsvollen Umgang mit den persönlichen Finanzen handelt. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass viele Urlauber genau wie beschrieben vorgehen. Einige bewusst durch Aufnahme eines Ratenkredits, anderen unbewusst durch fortlaufende, exzessive Nutzung des Dispos, gerade in den Sommermonaten, vielleicht aber auch im Jahresverlauf. Wenn zur Finanzierung des Urlaubs ein Kredit aufgenommen werden muss, würde ich sehr wohl den Urlaub konsumieren, also die arbeitsfreie Zeit genießen, allerdings auf eine kostenintensive Reise verzichten und anderweitig entspannen.
  • Option 2 – Rückgriff auf den Notfallfonds oder das Wertpapierdepot – Auch hierzu gibt es ein klares Nein! von mir. Der Notfallfonds ist zur Abdeckung von Notfällen und unvorhergesehenen Schicksalsschlägen, z.B. Arbeitslosigkeit oder Krankheit bestimmt. Urlaub damit gleichzusetzen erscheint geradezu paradox. Auch in Richtung Wertpapierdepot sollte eine Einbahnstraße bestehen, um eine passive Einkommensquelle zu schaffen und durch laufende Kapitalzufuhr zu steigern. Der Rückgriff auf das Wertpapierdepot zum Bestreiten der Urlaubskosten macht diese Bemühungen zu Nichte. Auch bei dieser Situation gilt, dass der Urlaub besser durch einen kostengünstigen Urlaub bzw. sogar durch eine Staycation auf Balkonien ersetzt werden muss. Sorry, hier habe ich auch keine besseren Vorschläge.
  • Option 3 – Bezahlung des Urlaubs aus zu diesem Zweck gebildeten Rücklagen = Schaffung eines „Urlaubsfonds“ – Der Gegensatz zwischen dieser und den beiden zuvor beschriebenen Optionen ist augenfällig und entsprechend verständlich meine Empfehlung für diese Option. Durch die monatliche Bildung von Rücklagen, man könnte auch salopp sagen „Sparen für den Urlaub“, kann idealerweise ganz schmerzlos und automatisiert für den Urlaub vorgesorgt werden. Die einmalige Cashflow-Belastung im Sommer kann so auch leicht gestemmt werden, ohne die persönlichen Finanzen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich schließe nicht aus ja halte es sogar für sehr plausibel, dass auf diese Art und Weise auch für eine aufwändige Fernreise gespart werden kann. In diesem Sinn – schönen Urlaub mit dem Urlaubsfonds-Modell! Natürlich hilft diese Variante nicht für die Bezahlung des Sommerurlaubs 2017, doch habe ich mich entschlossen diese Version sowohl hier zu beschreiben als auch gleich für mich selbst für die Zukunft umzusetzen.

Wie hoch sollen die Ausgaben für den Urlaub sein?

Bevor ich nun euphorisch den „Urlaubsfonds“ als Lösung für alle personal finance Fragen zum Thema Urlaub darlege, stellt sich die grundlegende Frage, wie hoch die Rücklagen für Urlaubskosten denn überhaupt sein sollen. Jene, die ein Haushaltsbuch führen, sind hier im Vorteil – doch zu dieser Gruppe zähle ich nicht. Alternativ kann auf eine Überschlagsrechnung der letzten Urlaube zurückgegriffen werden. Ein analytischer Ansatz wäre, sich an Benchmarks zu orientieren, d.h. sich zu fragen wie viel der durchschnittliche Bürger für Urlaub ausgibt. Für Freizeit und Urlaub wenden die Österreicher ca. 15% ihrer Ausgaben (Achtung 15% der Ausgaben, nicht der Einkünfte, also Einkünfte abzüglich Sparquote!) auf. Siehe dazu meinen schon vor einiger Zeit erschienen Artikel zum Benchmarking von Ausgaben. Allenfalls können zu/von diesem Wert Zu-/Abschläge gemacht werden, um die relative Wichtigkeit von Urlaub nach der persönlichen Wertehierarchie anzupassen.

Exkurs für Österreicher: Der österreichische Gesetzgeber hat in bewährter Nanny-State-Mentalität den unselbständig beschäftigten Bürgern die Planung der Urlaubskosten abgenommen. Denn statt das jährliche Gehalt auf 12 Monate aufzuteilen, erhält der angestellte Österreicher 14 Gehälter. Dabei handelt es sich nicht um eine magische Gehaltserhöhung um ein Siebtel des Jahresgehalts, sondern einfach nur um eine Aufteilung des Jahresgehalts in kleinere Tranchen. Das meist im Juni ausbezahlte 13. Monatsgehalt („Urlaubsgeld“) soll für Urlaub aufgewendet werden, das im November ausbezahlte 14. Monatsgehalt („Weihnachtsgeld“) für Weihnachtsgeschenke. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind zu den heiligen Kühen der Österreicher geworden und werden noch dazu mit einem niedrigeren Steuersatz begünstigt. Es widerstrebt mir allerdings einfach so zu sagen, dass 1/14 meines Gehalts für Urlaub aufgewendet werden soll. Das geht den Staat nämlich mE gar nichts an, ob ich weniger oder deutlich mehr dafür ausgeben möchte.

Ich selbst habe bei der Umsetzung des Urlaubsfonds-Modells sowohl auf die Überschlagsrechnung historischer Kosten als auch auf einen modifizierten Benchmark-Wert zurückgegriffen. So habe ich mein jährliches Urlaubsbudget grob festgelegt – eine exakte Berechnung widerstrebt mir, da ich weder Scheingenauigkeit anwenden möchte, noch mich in ein zu enges finanzielles Korsett zwängen möchte.

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Wie funktioniert der Urlaubsfonds nun konkret?

Um die konkrete Ausgestaltung des Urlaubsfonds möglichst anschaulich zu beschreiben, habe ich folgende vier Punkte zusammengefasst, wie der Urlaubsfonds recht einfach etabliert bzw. in eine bestehende Kontenstruktur integriert werden kann:

  1. Der Urlaubsfonds wird als selbständiges Tagesgeldkonto geführt – dieses habe ich kurzerhand online bei meiner Hausbank eröffnet und ihm den Nickname „Urlaubsfonds“ verpasst, so sehe ich den Urlaubsfonds in der Übersicht meines Onlinebankings
  2. Ich habe eine monatliche Überweisung in Form eines Dauerauftrags an den Urlaubsfonds eingerichtet, also das im vorherigen Abschnitt errechnete jährliche Urlaubsbudget durch 12 geteilt – so ist das Ansparen für den Urlaub vollständig automatisiert und ich muss keine wiederkehrenden Unlustgefühle für das Beiseitelegen von Geld für den Urlaub entwickeln!
  3. Aus diesem Urlaubsfonds werde ich alle zukünftigen Urlaube bestreiten und nach dem Urlaub die kumulierten Kosten vom Urlaubsfonds auf mein Girokonto zurück überweisen – ja, das stellt einen wiederkehrenden Aufwand dar, doch halte ich diesen für vertretbar
  4. Am Ende des Jahres werde ich den Kontostand des Urlaubsfonds überprüfen. Wenn er gut dotiert ist, werde ich einen Haircut, z.B. 20-30% in Richtung Wertpapierdepot vornehmen, da offenbar zu viel angespart wurde und nicht Geld auf einem Tagesgeldkonto brach liegen soll. Wenn zu diesem Zeitpunkt Ebbe auf dem Urlaubsfonds-Konto herrscht, muss ich wohl über günstigere bzw. weniger Urlaube nachdenken, bevor ich einfach so die monatliche Überweisung an den Urlaubsfonds hochschraube

Ich gehe davon aus, dass der Kontostand des Urlaubsfonds eine bedeutende psychologische Wirkung ausüben wird. Denn es sollte die typische Budget-Wirkung eintreten, d.h. wenn etwas vorhanden ist, wird es ausgegeben werden. Wenn nichts vorhanden ist, werden unsere Ansprüche an aufwändige Urlaube wohl in Grenzen gehalten werden können. Ich bin schon gespannt, ob dieser theoretische Effekt sich auch tatsächlich zeigen wird.

Wie geht ihr bzw. Euer Freundeskreis mit dem Thema Urlaubskosten um? Habt ihr einen Urlaubsfonds oder habt Ihr die Fragestellung für Euch anders gelöst? In nächster Zeit werden einige weitere Beiträge zum Thema Finanzsetup und Kontomodell erscheinen – wenn Ihr also mehr zu diesem Themen erfahren wollt, abonniert gerne meinen Blog – danke!

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7 Gedanken zu “Zwischen Staycation auf Balkonien und dem Traumurlaub aus dem Urlaubsfonds

  1. Servus. Interessante Idee! Ich handhabe das jedoch ganz klassisch und zahle meine Rechnungen dann, wenn sie anfallen. Dabei verteilen sich Ausgaben für einen Urlaub von ganz alleine, bzw. lassen sich in Teilen steuern. Nachdem das Urlaubsziel auserkoren ist, wird der Flug 6-4 Monate vorher gebucht. Das Buchen der Unterkünfte nehme ich in den Folgemonaten vor. Die Kosten im Urlaub selbst lassen sich prinzipiell auch gegen die Ausgaben, die man zuhause auch getätigt hätte, gegenrechnen. Wenn es sich um ein Urlaubsziel handelt, in dem das Preisniveau niedriger liegt als in Deutschland / Österreich, ist der Unterschied gar nicht mehr so hoch. Teuren / überflüssigen Schnickschnack meide ich „drüben wie hüben“.

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    1. Hallo ArtVandelay,
      Da hast Du eine alternative Lösung für die Aufteilung der Urlaubskosten!
      Setzt Du Dir darüber hinaus auch ein Budget bist Du einfach so ein „frugaler Urlauber“? Sprich hättest Du jetzt mehr Zeit für Urlaub oder könntest Du drei Reisen unternehmen, würdest Du einfach mehr ausgeben?
      Viele Grüße
      MFF

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      1. Mein Credo ist, im Urlaub wird nicht auf’s Geld geachtet. Da ich aber die Sparsamkeit in Teilen schon so verinnerlicht habe, bedeutet das, dass die Mehrkosten (z.B. für einen Leihwagen, häufiges Essen gehen, Eintritte für Museen / Sehenswürdigkeiten, etc.) zum Teil durch die geringeren Kosten für Essen aufgefangen werden. Letztendlich beläuft sich das auf maximal 40 Euro am Tag statt der 20 Euro, die ich daheim ausgebe. Außerdem gönne ich mir im Jahr meistens „nur“ einen größeren Urlaub (dieses Jahr z.B. ein Roadtrip durch Mexiko) plus einen kleineren (für Herbst ist Griechenland, d.h. Rhodos und Athen, angepeilt). Da Fliegen sehr günstig geworden ist und ich gerne auf Airbnb zurückgreife, ist das also im Jahr ein Budget von maximal 3000 Euro, das ich mir für Urlaube gebe… merkwürdig, so genau habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht – ist ja doch schon ein guter Batzen… vielleicht probiere ich es mal, wie von Dir vorgeschlagen, und lege monatlich 250 Tacken beiseite.

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      2. Hi ArtVandelay,
        Musste schmunzeln, als ich Deinen Kommentar gelesen habe. Denn auch ich habe mich gewundert, wie viel es dann doch ist, was man für Urlaub ausgibt, wenn man alles aufaddiert und die monatliche Zahlung an den Urlaubsfonds ausgibt. Denn auch bei mir gilt der Grundsatz, dass im Urlaub nicht jeder Euro zweimal umgedreht wird 😉
        Dazu kommt meines Erachtens noch, dass man bei mehr verfügbarer Freizeit in Folge finanzieller Freiheit auch noch deutlich mehr ausgeben wird. Das will natürlich eingeplant werden, wenn man seine Lebenskosten für die finanzielle Freiheit plant.
        Viele Grüße
        MFF

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