Die eigenen Finanzen so richtig im Griff zu haben, ist die entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen, nachhaltigen Vermögensaufbau. Verkürzt gesagt: Weniger ausgeben, als man einnimmt! Dazu gehört sowohl ein klarer Blick auf Einnahmen und Ausgaben, eine möglichst einfache Struktur, als auch ein hoher Grad an Automatisierung. So kann vermieden werden, dass kurzfristige, zu tiefst menschliche Impulse die eingeschlagene Strategie über den Haufen werfen. Ein zentraler Hebel, um seine Finanzen im Griff zu haben, ist ein Kontomodell, das die genannten Zielsetzungen (transparent, einfach und automatisiert) unterstützt.

Jeder soll natürlich seine Finanzen so managen, wie er möchte – ich denke, dass es sich um eine sehr persönliche Angelegenheit handelt und es wohl auch sehr große Unterschiede je nach Persönlichkeit geben muss. Auch einige meiner Blogger-Kollegen haben zum Thema Kontomodell/-struktur schon Artikel geschrieben. Da hier sicher nicht ein Bild das richtige ist, wird auf meinefinanziellefreiheit.com auch bald ein Gastartikel zu diesem Thema erscheinen. So möchte ich unterschiedlichen Sichtweisen bei diesem Thema ausreichend Rechnung tragen. Jetzt wünsche ich aber erst einmal viel Spaß beim Lesen dieses Artikels, der das MFF-Kontomodell erläutert.

Boah, das klingt ja ziemlich komplex – ich will ein möglichst einfaches Geldleben bzw. mich damit am liebsten gar nicht befassen!

So, oder so ähnlich könnte die erste Reaktion ausfallen, wenn mein in breiten Bevölkerungsschichten von seiner Kontostruktur zu erzählen beginnt. Der Wunsch sich überhaupt nicht mit seinem Geldleben zu befassen, mag der Anfang allen Übels sein. Ist doch ein Mindestmaß an Beschäftigung und Fokus drauf die Voraussetzung für das Treffen von bewussten, sinnvollen Entscheidungen. Dazu kommt, dass wohl die Beschäftigung mit seinen Finanzen für viele Unlustgefühle auslöst: Erkennen zu müssen, dass man zu viel ausgibt, sich mit Bankverbindungen, Überweisungen, Daueraufträgen oder Konditionenvergleichen zu beschäftigen, ist nicht jedermanns liebstes Hobby.

Ich persönlich kann dem Wunsch nach Einfachheit auch durchaus etwas abgewinnen. Z.B. will ich mich nicht in 5 verschiedene Online-Banking-Systeme einloggen müssen, um einen Überblick zu gewinnen – ich habe lieber alles an einem Ort. Auch möchte ich weder monatlich detaillierte Berechnungen anstellen, noch möchte ich täglich ein Haushaltsbuch pflegen müssen. All diese Gedanken haben die Entwicklung des „MFF-Kontomodells“ ganz wesentlich geprägt.

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Wie funktioniert das MFF-Kontomodell genau?

Da ein Bild ja mehr als 1000 Worte sagt, habe ich das MFF-Kontomodell in folgender Grafik abgebildet. Die Visualisierung hilft, so hoffe ich, das Modell noch leichter verständlich zu machen.

MFF Kontomodell

Dreh- und Angelpunkt meines Kontomodells ist das zentrale Girokonto. Dort gehen sämtliche Zahlungen ein, die ich erhalten – also z.B. Gehalt, Zinsen/Dividenden, Steuergutschriften, etc. Von diesem Girokonto weg, erfolgen auch alle Zahlungsausgänge – also z.B. Miet-/Betriebskosten, Versicherungen, Kreditkartenrechnungen, Bargeldbehebungen, etc. Über dieses Konto werden auch sämtliche Wertpapier-Transaktionen abgewickelt. Es handelt sich also tatsächlich um meine zentrale Gelddrehscheibe.

Dem zentralen Girokonto sind vier Sparkonten zugeordnet, nämlich der Notfallfonds , der Wohnungsfonds, der Urlaubsfonds und das Spar- und Investment-Konto. Jeweils am ersten des Monats, also gleich nach Gehaltseingang, werden diese vier Konten per Dauerauftrag dotiert. Dadurch wird der vermeintlich frei verfügbare Betrag auf dem Girokonto auch de facto automatisch eingeschränkt. Sinn und Zweck der vier Sparkonten ist rasch beschrieben:

  • Notfallfonds – dieser enthält ca. drei Mal die monatlichen Lebenskosten. Wie sein Name schon sagt, dient dieses Konto, um Notfälle abzudecken. Es soll also z.B. gegen einen plötzlichen Jobverlust vorgesorgt sein, oder auch aus dem nichts auftretende Arztkosten abgedeckt werden können. Zum Notfallfonds habe ich bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben, auf den ich gerne verweisen möchte. Sobald der Notfallfonds sein volles Volumen erreicht hat bzw. nach einer Ausgabe wieder aufgefüllt ist, erfolgen keine Zahlungen mehr auf dieses Konto
  • Wohnungsfonds – dieses Konto sammelt monatlich die Kosten für Wohnen, also Miete, Betriebskosten, Rückstellung für Instandhaltung und –setzung, etc. zur Seite. Dieses Konto erlaubt u.U. auch, dass im Jahresverlauf unregelmäßig auftretende Zahlungen, z.B. auch für Reparatur-Arbeiten ohne übermäßige Belastung in einem Monat bestritten werden können. Wer zur Miete wohnt und tatsächlich eine sehr geglättetes Ausgabenprofil hat, kann auf diesen Fonds vielleicht sogar verzichten
  • Urlaubsfonds – auch dieses Konto dient dem Ausgleich unregelmäßiger Zahlungen; denn die Kosten für Urlaub treten im Jahresverlauf sehr unregelmäßig auf, während wunderbar monatlich dafür angespart werden kann. Mehr zum Urlaubsfonds findet ihr hier
  • Spar- und Investment-Kontoauf diesem Konto wird schließlich jener Betrag zur Seite gelegt, der monatlich gespart wird. Einerseits landet bei mir am Monatsanfang bereits ein substanzieller Prozentsatz meines Einkommens auf diesem Konto, andererseits transferiere ich auch am Monatsende verbleibende Überschüsse auf diesem Konto. Sobald ein größerer Betrag (z.B. >€1000) auf diesem Konto liegt, investiere ich den Betrag durch Kauf von ETFs. Dies erfolgt de facto alle 2-3 Monate und nützt so den Cost Average Effekt Eifrige Analysten in Sachen finanzieller Freiheit können über das Spar- und Investment-Konto sehr einfach ihre Sparquote ausrechnen, indem die Zahlungseingänge auf diesem Konto durch das Jahres-Netto-Einkommen geteilt wird.

Schließlich ist mit dem zentralen Girokonto auch noch das Wertpapier-Depot verknüpft. Das Depot beheimatet sämtliche Wertpapiere im Bestand und wird durch laufende Investments weiter ausgebaut.

Sowohl das Spar- und Investment-Konto als auch das Wertpapier-Depot – beide in grün in der oben abgebildeten Grafik – zeichnen sich dadurch aus, dass sie (jedenfalls in der Vermögens-Aufbauphase!) die Destination einer Einbahnstraße sind. Das bedeutet, dass Geld sobald es auf Spar- und Investment-Konto oder Wertpapier-Depot liegt, eine klare Widmung zum Aufbau von passivem Einkommen hat und nicht mehr zum Ausgeben zur Verfügung steht.

Zuletzt sei darauf hingewiesen, dass ich sämtliche Konten im MFF-Kontomodell bei einer Bank angelegt habe. Mein Ziel dabei war, den maximalen Überblick und minimalen Verwaltungsaufwand zu haben.

Wie funktioniert der laufende Betrieb des MFF-Kontomodells? – transparent, einfach und automatisiert

Der laufende Betrieb des Kontomodells ist dann sehr einfach – sobald die Konten und dazugehörigen Daueraufträge eingerichtet sind, ist nicht mehr viel zu tun. Ich halte es so, dass ich am Monatsende/Monatsanfang die wesentlichen Ausgleichszahlungen durchführe, das sind insbesondere i) Sparen von überschüssigen Beträgen auf dem Girokonto, ii) Kauf von ETFs vom Spar- und Investmentkonto zu Gunsten des Depots, iii) Ausgleich von Zahlungen gegen den Wohnungs- und Urlaubsfonds. Meine Erfahrung ist, dass dieser monatliche Ausgleich innerhalb von ca. 20 Minuten erledigt ist.

Der Betrieb des Kontomodells kann noch weiter optimiert werden, wenn statt des Dauerauftrags auf das Spar- und Investmentkonto ein Sparplan am Wertpapierdepot bespart wird. Da meine Bank keine Sparpläne auf ETFs anbietet, habe ich mich für den oben genannten Weg entschieden.

Wie eingangs bereits gesagt, war es mir wichtig, dass mein Kontomodell wichtigen Prinzipien gerecht wird: Transparent, einfach und automatisiert. Wie wird das MFF-Kontomodell diesen Prinzipien gerecht:

Transparent

Das Kontomodell zu jedem Zeitpunkt einen aktuellen Blick den Stand der persönlichen Finanzen. Ein Blick ins online Portal oder auf die mobile banking App reicht, um sich ein gesamthaftes Bild zu machen. Der Einstieg in 5 verschiedene Online-Banking-Systeme erübrigt sich. So sieht man den Wert des Depots, die aktuellen Rücklagen / Budgets für Urlaub, Wohnung & Co. Damit erübrigen sich auch separate Analysen in Excel, wie ich schon an anderer Stelle gelesen habe.

Im Zeitverlauf erlaubt das Kontomodell auch ein sehr gutes Gefühl dafür zu entwickeln, wie mit dem frei verfügbaren Geld am Girokonto umzugehen ist. Durch den monatlichen Rhythmus ergibt sich ein gutes Gefühl für das vorhandene Budget – meine Erfahrung zeigt, dass idR am Monatsende mehr übrig ist, als gedacht. All das ohne Nutzung eines Haushaltsbuchs oder einer Budget-App.

Einfach – KISS (keep it simple + stupid 😉 ist ein bei vielen MFF-Konzepten verfolgter Ansatz

Das MFF-Kontomodell vermeidet wie gesagt die Zersplitterung auf mehrere Bankverbindungen. Dadurch wird die laufende Handhabung aber auch die gelegentlich erforderliche Umstrukturierung deutlich einfacher. Der gute Überblick führt meines Erachtens auch dazu, dass keine überschüssigen Cash-Polster auf wenig beachteten Konten entstehen.

Die Einfachheit des Modells ist wirkt sich aber v.a. im laufenden Betrieb aus. Der monatliche Aufwand für die Ausgleichszahlungen (ca. 20 Min. nach meiner Schätzung) ist überschaubar. Budgets für Wohnen und Urlaub oder die laufende Sparquote können sofort abgelesen oder leicht ermittelt werden.

Automatisiert

Ich bin ein großer Fan der Automatisierung von Verhaltensweisen – diese helfen die menschliche Trägheit für sich auf dem Weg zur finanziellen Freiheit nutzbar zu machen. Diesen Effekt nutzt auch das MFF-Kontomodell, denn die bereits am Monatsanfang per Dauerauftrag erfolgenden Zahlungen an die diversen Konten, erzielen eine Automatisierung des Sparens. Kombiniert mit dem strikten Einhalten der Einbahnstraße in Richtung Spark-/Investment-Konto und Depot wird das automatisierte Sparen abgesichert und so zum verlässlichen Feeder der passiven Einkommensquelle.

Diesmal bin ich besonders Eure Kommentare und Meinungen gespannt, da es sich in der Tat um ein sehr persönliches Thema handelt! Wie habt Ihr Euer Finanzleben strukturiert, um sie voll im Griff zu haben? Seht ihr Verbesserungspotenziale im beschriebenen MFF-Kontomodell?

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11 Gedanken zu “Das Kontomodell für Deine finanzielle Freiheit – transparent, einfach, automatisiert

  1. Hallo,

    darf ich fragen welche Konten im Detail du nutzt?
    Ich verfolge einen ähnlichen Ansatz, habe aber zB einen Sparplan auf meine ETFs im Depot. Außerdem habe ich seit kurzen zur weiteren Diversifikation noch einen „Festgeldsparplan“ angelegt bei dem es noch ein wenig mehr Zinsen gibt.

    Kostet dich der Kauf der ETFs in deiner Anlage dann immer etwas?

    Viele Grüße,
    Ronny

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    1. Hallo Ronny,
      Ich nutze das gratis Girokonto bzw. die Sparkonten der Easybank – schau Dir vielleicht auch noch folgenden Artikel an: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/07/07/die-finanzielle-grundausstattung/
      Leider gibt es dort keinen Sparplan auf die von mir präferierten ETFs. Das ist auch nicht weiter schlimm, da ich meist unterschiedliche Beträge zur Seite lege und ein fixer Betrag hier nicht helfen würde. Ja, beim Kauf des ETFs fallen die üblichen Börsenspesen an.
      Wenn Du Anregungen für eine bessere Lösung hast, freue ich mich über Hinweise!
      Viele Grüße
      MFF

      Gefällt mir

  2. Hallo,
    dein Kontomodell kann ich gut nachvollziehen. Scheint soweit schlüssig zu sein

    Allerdings gewichte ich das Argument mit den 5 verschiedenen Logins nicht so hoch wie Du. Mittlerweile gibt es gute Banking-Programme, die mehrere Banken unter einer Oberfläche vereinigen wie Sand am Meer. D.h. der Aufwand für die Verwaltung einer weiteren Bank ist minimal.

    Und ich kann mir die Vorteile aller Banken perfekt kombinieren:
    – Die DKB erlaubt mir keine eingehenden Überweisungen von Kunden, die DiBa hat damit kein Problem
    – mein DKB-Girokonto lässt perfekt per EC- und Kreditkarte nutzen und kostet nix
    – MoneYou verzinst meine Tagesgeldkonten mit 0,5% – dafür keine EC-Karte.

    Und wenn eine Bank mal nervt, ziehe ich einfach um. 😉

    Schöne Grüße
    Tobias

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Tobias,
      In der Tat meine Lösung nützt noch keine Open Banking-Plattform. Wie schon an anderer Stelle habe ich mich (vorerst) auch hier noch an KISS orientert, auch um Admin-Kram zu vermeiden.
      Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass mit Umsetzung der 2. Zahlungsverkehrsrichtlinie Open Banking Lösungen deutlich an Attraktivität gewinnen werden.
      Viele Grüße
      Lukas / MFF

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  3. Hallo Lukas,

    du legst den Fokus auf ein schlichtes und bequemes Kontenmodell. Das kann ich super gut nachvollziehen. Im Endeffekt kommt es weniger auf die detaillierte Ausgestaltung eines Konzeptes an, da sehr viele Wege zum Ziel führen und auf die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse von uns zugeschnitten werden können.

    Wer ein Konzept hat, hat schon die halbe Miete im Sack. Wie so etwas dann ausschauen soll, ist zweitrangig, Geschmackssache und ein Ergebnis einer persönlichen Kosten/Nutzen-Rechnung.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich wundern wird, wie viel Geld man am Schluss übrig haben kann, ohne auf etwas verzichten zu müssen.

    Denjenigen, die sagen, es ist zu kompliziert kann ich nur sagen, dass zwar der Aufbau etwas Aufwand erfordert. Aber dafür macht man sich hinterher viel weniger Gedanken um seine Haushaltsfinanzen und holt so die investierte Zeit wieder herein.

    Viele Grüße
    Marco

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  4. Hallo Lucas,
    bei Zahlungsausgängen vom zentralen Girokonto sind Miete/Betriebskosten ausgewiesen.
    Bei Wohnungfonds zählst du diese ebenfalls auf.
    So wie ich dein Modell verstehe sollen monatlich die Beträge vom zentralen Girokonto in Wohnungsfonds fliessen und von dort zu jeweiligen Zeitpunkt abgebucht bzw. überwiesen werden.

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    1. Hallo Andi,
      Genau – der Wohnungsfonds soll die Zahlungen verstetigen und monatlich den gleichen Betrag für Wohnungszwecke zur Seite legen. Auf Grund meiner Wohnsituation fallen keine monatlichen Mieten an, sondern unregelmäßige Zahlungen. Wenn dann auf die Wohnung bezogene Zahlungen anfallen, nehme ich entsprechende Umbuchungen zwischen Wohnungsfonds und zentralem Girokonto vor.
      Hoffe das hilft zur Klarstellung!
      Viele Grüße
      MFF

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